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Zitiervorschlag

Kindergartenalltag - eine praxisorientierte Einführung in die Kindergartenarbeit (Teil 2)

Ingeborg Becker-Textor

 

Zu Teil 1

 

4. Übergang vom Kindergarten zur Grundschule

Zum Wohle unserer Kinder ist es notwendig, dass Elternhaus, Kindergarten und Grundschule eng zusammenarbeiten. Damit dies gelingen kann, müssen wir den Übergängen ganz besondere Beachtung beimessen: dem Übergang von der Familie in den Kindergarten, nach drei Jahren Kindergartenbesuch den Übergang vom Kindergarten in die Grundschule.

Der Kindergarten begleitet die Kinder auf den Weg zur Schule, ohne jedoch schulisches Lernen vorweg zu nehmen. Bei allen Pädagogen, die sich je mit dem Kindergarten befasst haben, wird immer wieder darauf hingewiesen, dass der Kindergarten nicht die schulischen Inhalte und Methoden vorweg nehmen darf. Leider wird dies insbesondere von Eltern immer wieder vergessen. Wie bereitet nun der Kindergarten auf die Schule vor?

Das allerwichtigste, was Kinder im Kindergarten lernen, ist das Verhalten in der Gruppe, den sozialen Umgang mit Anderen, mit Schwächeren, mit Stärkeren. Das Lernen im Kindergarten und in der Schule unterscheidet sich voneinander. Etwas pointiert kann man das Lernen im Kindergarten als Lernen am Konkreten bezeichnen, während Lernen in der Schule mehr ein Lernen am Abstrakten bedeutet.

Die Vorbereitung auf die Schule lässt sich nur schwer in Form von konkreten Ergebnissen nachweisen. Ein Beispiel: In vielfältiger Weise werden im Kindergarten täglich zufällig und gezielt die Grob- und Feinmotorik geübt. Dies geschieht beim Bauen, ebenso wie bei Steckspielen, beim Perlenauffädeln, beim Kneten mit Plastilin, Papiermaché oder Ton, beim Spiel im Sandkasten usw.. Die Arm- und Handmuskulatur wird so vorbereitet auf das spätere Schreiben. Es macht also keinen Sinn, wenn Kinder im Kindergarten Zeile für Zeile mit kleinen Kringelchen füllen müssen. Ihre kleine Hand ist noch viel zu verkrampft und ungeübt dafür. Allerdings ist es Eltern - und leider auch vielen Erziehern - nur ganz schwer begreiflich zu machen, dass es z.B. keine bessere und effektivere schreibvorbereitende Übung gibt, als das z.B. schon erwähnte Kneten mit den verschiedenen genannten Materialien. Probieren Sie es selbst aus und beobachten Sie dabei das Muskelspiel Ihrer Finger, Hände und Arme.

Die Tatsache, dass viele Kindergärten und Eltern die Entwicklung der Grob- und Feinmotorik viel zu wenig unterstützen, führt dazu, dass die Lehrer ihren Unterricht in der ersten Klasse mit großen Schwungübungen auf Zeitungspapier u.ä. beginnen müssen - was wieder Eltern nicht selten enttäuscht, soll doch ihr Kind schreiben lernen.

4.1 Fortbildung von Erziehern und Grundschullehrern

Vielerorts wird in gemeinsamen Fortbildungen von Grundschullehrern und Erziehern versucht, miteinander ins Gespräch zu kommen. Insbesondere die Grundschullehrer brauchen noch viel mehr Wissen über das kindliche Lernen im Vorschulalter, vor allem aber auch über die Methoden der Kindergartenarbeit. Hospitationen wären (übrigens bereits während des Lehramtsstudiums) dringend notwendig. Viele Bundesländer haben hier bereits Lösungen für die Ausbildung gefunden, bei denen es möglich ist, dass Pflichtpraktika während des Studiums auch im Kindergarten abgeleistet werden können. Viele Missverständnisse könnten durch solche Erfahrungen ausgeräumt werden.

Ein Beispiel bei einer gemeinsamen Fortbildung mag dies verdeutlichen: Lehrerin: "Ich finde es nicht gut, dass der Kindergarten schon alle Themen besetzt hat. So erleben Kinder in der ersten Klasse dann schon zum vierten Mal Laternenbasteln und Martinsumzug. Will man ihnen ein Martinslied beibringen, dann heißt es, "kenn ich schon, habe ich im Kindergarten gelernt"." Diese Aussage führte zu einer langen Diskussion und zur Erarbeitung einer Gegenüberstellung des Themas St. Martin aus der Sicht des Kindergartens und aus der Sicht der Schule. Besonders intensiv wurde in der Diskussion auf die unterschiedlichen Erlebnisebenen der Kinder in den einzelnen Altersstufen eingegangen und wie diese Vorerlebnisse der Kinder und das bereits erworbene Wissen dann in der Schule verwertet und genutzt werden können. Lehrerin: "Das setzt aber voraus, dass ich weiß, wie es der Kindergarten macht. Wann, wo, wie soll ich das erfahren? Da muss ich wirklich öfters im Kindergarten präsent sein". Das ist die Antwort bzw. die Lösung. Hospitation im Kindergarten darf aber dann nicht bedeuten, das Verhalten der Kinder zu beobachten, um so in Erfahrung zu bringen, welche schwierigen Kinder Monate später eingeschult werden sollen. Vielmehr geht es um die Wahrnehmung der Formen des kindlichen Lernens, der angewandten Methoden, die das kindliche Lernen beeinflussen.

Am Ende der Fortbildung war allen deutlich geworden, dass Kinder auf der jeweiligen Lernstufe abgeholt werden müssen und dass es unverzichtbar ist, dass die Erzieherin weiß, wohin sie das Kind entlässt (in welche andere neue Lernformen). Ebenso unverzichtbar ist es für die Lehrerin, dass sie weiß, wie das Kind bisher gelernt hat und wo es beim Eintritt in die Schule angekommen ist. Wenn diese Beobachtung gelingt, dann erleichtert dies auch die Gespräche mit den Eltern zum Themenkomplex der Schulfähigkeit.

4.2 Elternarbeit - ein Schwerpunkt im Bereich der Kooperation Kindergarten und Grundschule

Die Eltern sind ständige Begleiter des Kindes. So wird die Zusammenarbeit zwischen Elternhaus, Kindergarten und Grundschule, die Zusammenarbeit von Elternhaus, Grundschule und weiterführen-der Schule unverzichtbar. Jeweils drei Institutionen bilden ein Dreieck, in dessen Mitte wir das Kind sehen müssen. Es reicht also nicht aus, wenn sich Eltern mit der Schule beschäftigen und dabei den Kindergarten außer acht lassen, wenn der Kindergarten mit der Schule kooperiert und dabei vergisst, das Elternhaus der Kinder mit einzubinden. Der Kindergarten wie die Schule praktizieren Elternarbeit. Manche Inhalte, die im Rahmen dieser Elternarbeit vermittelt werden, sind ähnlich, jedoch orientiert an den spezifischen Bedürfnissen der jeweiligen Institution, deren Rahmenbedingungen, dem Alter der Kinder und den Zielsetzungen im Rahmen- bzw. Lehrplan. So ist die Elternarbeit in beiden Bereichen nicht sehr voneinander verschieden. Sie kann und muss in vielerlei Hinsicht kooperativ und dialogisch ausgerichtet werden.

Wie gestaltet sich Elternarbeit in einem Durchschnittskindergarten? Beginnen wir mit dem Kindergartenjahr. Ein Kind wird im Kindergarten angemeldet, in diesem Zusammenhang findet das sogenannte Aufnahmegespräch statt. Dabei lernen Eltern und Kind die Institution erstmals näher kennen, können die Räumlichkeiten besichtigen, erhalten Informationen über den Tagesablauf und werden vielleicht bereits zu einem der nächsten Elternabende eingeladen. Im Jahreslauf des Kindergartens, wie auch der Grundschule, gibt es einige Elternabende die unabdingbar sind. So ist einer der ersten Elternabende im Kindergarten ebenso wie in der Grundschule die Elternbeiratswahl. Meist findet sie im Oktober oder November eines jeden Jahres statt. Hierbei werden Elternvertreter gewählt, die die Interessen der Eltern gegenüber der Schule vertreten und die zu verschiedenen Bereichen ein Mitspracherecht bzw. zumindest beratende Funktion haben. Dies wird innerhalb der Kindergartengesetze oder der Volksschulordnungen bzw. der Schulgesetzgebung geregelt.

Was soll Eltern im Rahmen der Elternarbeit im Kindergarten vermittelt werden? Es geht in erster Linie darum, den Auftrag und die Vielfalt der Methoden des Kindergartens für die Eltern durchschaubar zu machen. Dies ist notwendig, damit die Eltern erkennen, was ihr Kind im Kindergarten leistet. Sie erhalten dadurch mehr Verständnis für die Aktivitäten ihres Kindes und die Bedeutung des kindlichen Spiels für die Entwicklung und für das spätere schulische Lernen. Den Eltern muss dabei erfahrbar gemacht werden, dass Kinder spielen um zu lernen:

  • Im Spiel lernen sie, ihren Körper zu gebrauchen.
  • Im Spiel lernen sie, mit der räumlichen Umwelt umzugehen.
  • Das Kind probiert im Spiel Materialien aus und macht dabei vielfältige Erfahrungen.
  • Das Kind findet für Gegenstände neue Verwendungsmöglichkeiten (in den Augen der Erwachsenen oft Zweckentfremdungen).
  • Das Kind kombiniert, entwickelt Phantasie und neue Ideen.
  • Das Kind lernt, Beziehungen zu anderen herzustellen und in Beziehungen mit anderen zu leben.
  • Das Kind entdeckt Eigenschaften und Fähigkeiten an sich selbst und an anderen.
  • Im Spiel tauschen die Kinder Gedanken aus, diskutieren über verschiedene Inhalte.
  • Die gegenseitigen Erfahrungen der Kinder werden erweitert durch die Beobachtung des Spielpartners.
  • Im Rollenspiel schaffen und üben sie sich in neuen Rollen, unverarbeitete Situationen können im Rollenspiel von den Kindern ausgespielt werden.
  • Die Kinder gewinnen immer größeren Zugang zur Welt der Erwachsenen, sie wird von ihnen klarer gesehen (allerdings auch mit ihren Problemen).
  • Die Kinder können im Spiel ihre Ängste reduzieren oder aufarbeiten.
  • Die Kinder können Gefühle abreagieren und Gefühle zeigen.
  • Die Kinder können sich in Konfliktlösungswegen üben.
  • Das Spiel führt zu Integration der Persönlichkeit.
  • Durch das Spiel kommt die innere Weit der Gefühle mit der äußeren Welt der Realität in Berührung.
  • Das Spiel gibt dem Kind die Möglichkeit zur sozialen, emotionalen und kognitiven Entwicklung.
  • usw.

Sicher lassen sich noch viele Punkte, das kindliche Spiel betreffend, aufzeigen. Wichtig ist es, dass im Rahmen der Elternarbeit alle diese Punkte mit den Eltern gemeinsam erarbeitet werden. Nur so kann den Eltern klar werden, welch wichtige Bedeutung dem kindlichen Spiel zukommt und warum im Kindergartenalltag z.B. gerade auf das Freispiel so großer Wert gelegt werden muss. (Es ist das unverzichtbare Lernfeld für Kinder überhaupt.) Was nun für die Eltern wichtig ist, ist ebenso bedeutsam für den Grundschullehrer. Er muss wissen und erfahren, welche Inhalte im Kindergarten vermittelt werden, mit welchen Methoden dort gearbeitet wird, wie sich das Lernfeld für das Kind gestaltet und wie die Aufgaben der Erzieherin im Unterschied zur Lehrerin aussehen. So lassen sich die Aufgaben der Erzieherin im Kindergarten etwa wie folgt umschreiben:

  • Sie fördert das Lernen durch die Schaffung einer entdeckenden Atmosphäre.
  • Sie gestaltet die Umwelt im Kindergarten den Bedürfnissen der Kinder gemäß.
  • Sie fördert das Lernen, indem sie die eigenen Interessen der Kinder erweitert und bereichert.
  • Sie fördert das Lernen, indem sie die Kinder möglichst lange ungestört lässt.
  • Sie fördert das Lernen, indem sie das Kind in seinem Tun unterstützt und verstärkt.
  • Sie fördert das Lernen, indem sie das Selbstvertrauen der Kinder weckt und stärkt.
  • Sie fördert das Lernen, indem sie dem Kind hilft die Wirklichkeit zu sehen.
  • Sie fördert das Lernen, indem sie Vergleiche mit anderen vermeidet.
  • Sie fördert das Lernen, indem sie dem Kind hilft, es selbst zu tun.
  • Sie fördert das Lernen, indem sie mit gutem Beispiel vorangeht und ein Modell bildet.
  • Sie fördert das Lernen, indem sie in Einzelfällen die Aktivität eines Kindes besonders fördert.
  • Sie fördert das Lernen, indem sie sich mit schwierigen Kindern besonders beschäftigt.
  • Sie fördert das Lernen, indem sie sich bei allen Unternehmungen nach den Bedürfnissen der Kindergruppe richtet (situativ arbeitet).
  • Sie fördert das Lernen, durch das Einbringen ihrer eigenen Meinung, ihres "Soseins".
  • usw.

Die Erzieherin muss also versuchen, das Lernen bei jedem Kind dadurch zu fördern, dass sie eine Atmosphäre des Entdeckens schafft, dass sie jedes zielstrebige und aktive Kind in seinen Tätigkeiten unterstützt und anregt und ihm hilft die Wirklichkeit zu sehen. Gleiches gilt in besonderem Maße aber auch für Kinder, die sich zurückziehen, verschließen oder für den Erwachsenen unangenehm auffallen. Hier kann die Schule übrigens noch sehr viel vom Kindergarten lernen!

Wie lässt sich das alles im Rahmen der Elternarbeit vermitteln? Für die Elternarbeit stehen uns im Kindergarten sehr viele Möglichkeiten zur Verfügung. Im Folgekapitel wird darauf noch intensiver eingegangen werden.

Auch die Schule wird verstärkt im Bereich der Elternarbeit geordert. Leider hat Elternarbeit in der Schule jedoch noch lange nicht die Bedeutung gefunden, wie in den Kindertageseinrichtungen. Elternabende in der Schule dürfen nicht nur dann stattfinden, wenn den Eltern etwas vermittelt oder mitgeteilt werden soll, was Kinder während des Schuljahres an Materialien brauchen. Denken wir an die vielen Vortrags-Elternabende über Fernseherziehung. Ob sie etwas genützt haben? Sie wurden vom Kindergarten angeboten, weil Fernsehen auch für den Kindergartenalltag problematisch war. In der Schule hat sich der Elternabend dann wiederholt. Ein Elternabend, bei dem mit den Eltern nur über ihr falsches Verhalten diskutiert werden soll, wird sicherlich wenig gewinnbringend für die Zusammenarbeit mit dem Elternhaus sein. Wichtig ist es vielmehr, dass die Eltern eigene Erfahrungen sammeln können. So wäre ein Vorschlag für die Elternarbeit in der Schule und im Kindergarten, ähnliche Dinge mit den Eltern zu tun, wie mit den Kindern. An einem Spielabend können die Eltern die gleichen Erfahrungen machen, die ihr Kind am Vormittag gewinnen konnte. Haben Eltern die erste Hemmschwelle abgebaut, sitzen sie auf dem Bauteppich und spielen sie in der Puppenecke, bemogeln sich beim Mensch-ärgere-Dich-nicht-Spiel, fällt ihnen der Wassertopf beim Malen um ... Alles Verhaltensweisen, die wir auch bei den Kindern beobachten können. Nach einer solchen Spielphase fällt es der Erzieherin sehr viel leichter, in das eigentliche Thema des Elternabends "Wie spielen unsere Kinder?" einzusteigen. Die Eltern können dann ihre eben gemachten Erfahrungen einbringen. Die Erzieherin ergänzt sie durch Berichte aus dem Kindergartenalltag. So gewinnen Eltern und am Elternabend teilhabende Lehrer ein besseres Verständnis für das Spiel und das Verhalten ihrer Kinder. Durch die Teilnahme der Lehrer an einem solchen Kindergartenelternabend ist sichergestellt, dass auch immer wieder der Transfer zum schulischen Lernen hergestellt werden kann. Es wäre deshalb notwendig und wünschenswert, dass an Elternabenden die Lehrer aus dem Grundschulbereich mitarbeiten würden. Häufig werden sie nämlich nur eingeladen, um über Themen wie Einschulung, Schulreife o.ä. zu referieren. Dann sind die Kinder aber schon am Ende ihrer Kindergartenzeit und die Eltern haben durch Trainingsprogramme vielleicht bereits versucht, die Leistungsmotivation und das Lernverhalten ihrer Kinder zu erhöhen. So wäre es empfehlenswert, wenn Lehrer der Grundschule grundsätzlich schon am ersten Elternabend des Kindergartens teilhaben könnten. So könnte zum einen der Kindergarten eine Art Aufwertung bekommen, die Eltern könnten aber auch aus dem Mund der Lehrer hören, welch große Bedeutung das kindliche Spiel, das Kneten, das Falten für das spätere schulische Lernen hat. Eltern würde es so deutlicher werden, dass sich jedes Kind unzählige Fertigkeiten aneignen muss, um die Schulfähigkeit zu erlangen. Der Kindergarten fördert diesen Prozess, indem er dem Kind stets angemessene, vielfältige und abwechslungsreiche Angebote macht. Der Grundschullehrer muss die Arbeit im Kindergarten immer wieder hautnah kennen lernen. Kindergartenpädagogik und Grundschuldidaktik unterscheiden sich so wesentlich, dass nur durch ständige Kontakte und Informationsaustausch eine sinnvolle Zusammenarbeit zum Wohle der Kinder möglich werden kann. So müssen Lehrer immer wieder eigene Erfahrungen mit der Kindergartenpädagogik machen, ebenso wie die Eltern.

Es wäre wünschenswert, die Erzieher und Eltern könnten an Elternabenden der Schule teilnehmen, an denen berichtet wird, wie ein Schulalltag sich gestaltet, welche Lernangebote beispielsweise im Verlauf des ersten Grundschuljahres gemacht werden. Bei einer solchen Form der kooperativen Elternarbeit könnten viele Missverständnisse und Hemmschwellen zwischen Elternhaus, Kindergarten und Grundschule abgebaut werden.

Als eine besondere Form der Elternarbeit sei noch die offene Elternarbeit zu erwähnen. Offene Elternarbeit, d.h. der Kindergarten öffnet sich für Eltern. Eltern und selbstverständlich auch Grundschullehrer haben die Möglichkeit, den Kindergartenalltag mitzuerleben. Die inhaltliche Gestaltung der Rahmenpläne könnte gemeinsam besprochen werden, und Eltern und Lehrer so ein besseres und neues Verständnis für die Kindergartenarbeit gewinnen. Eltern und Lehrer bekämen mehr Einsicht in das Spiel des Kindes, sie würden es vielleicht nicht mehr länger nur als Spielerei bezeichnen, sondern erkennen, dass große Anstrengungen für das Kind mit dem Spiel verbunden sind. Eltern und Lehrer würden auch die vielfältigen Fördermöglichkeiten wahrnehmen, die sich im Spiel ergeben. Darüber hinaus erhalten Eltern und Lehrer eine ganze Reihe von Anregungen für den häuslichen bzw. schulischen Bereich. Es würde für Eltern und Lehrer leichter erkennbar, dass schulische Lernprogramme im Kindergarten keinen Platz haben dürfen, aber dort trotzdem gelernt wird.

Häufig werden Erzieher und Lehrer von Elternseite gegeneinander ausgespielt. Eltern sagen "die Schule will", die Schule wird von Elternseite falsch informiert usw. Gestaltet man Elternarbeit gemeinsam zwischen Kindergarten und Grundschule, so wird den Eltern deutlich, dass beide Institutionen keine Konkurrenzunternehmen sind, sondern harmonisch aufeinander aufbauen. Deshalb ist es im Rahmen der Elternarbeit unerlässlich, dass die Kindergartenarbeit mit den Inhalten des ersten Grundschuljahres verglichen wird. Im Interesse der Kinder kann so vermieden werden, dass schulisches Lernen im Elternhaus und im Kindergarten vorweg genommen werden. Hören Eltern aus der Sicht der Lehrer, worauf es diesen bei der Schulvorbereitung ankommt, so hat es leider noch immer mehr Wirkung, als wenn dies die Erzieherin selbst tut. Die Zusammenarbeit von Kindergarten und Grundschule, insbesondere im Bereich der Elternarbeit ist deshalb zum Wohle unserer Kinder unverzichtbar.

4.3 Schulanmeldung

Wer die Kooperation zwischen Kindergarten und Schule und den Übergang vom Kindergarten in die Schule ernst nimmt, muss sich auch mit Fragen der Schulanmeldung beschäftigen. Dass Kindergartenkinder bereits mehrfach am Unterricht einer Klasse teilgenommen haben, setze ich vor der Schuleinschreibung voraus. Diese Art der Vorbereitung auf die Schule ist mittlerweile (hoffentlich) überall zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Dabei ist es übrigens gleichgültig, welche Klasse besucht wird, da es nicht um den Lernstoff, sondern um die Schulatmosphäre geht, die die Kindergartenkinder kennen lernen sollen. Beim Besuch einer ersten oder zweiten Klasse treffen sie Freunde aus dem Kindergarten wieder, die ihnen zeigen können, was sie mittlerweile gelernt haben. Vielleicht hat die Lehrerin gemeinsam mit den Schulkindern eine Unterrichtsstunde für die Kindergartenkinder vorbereitet. Jeweils ein Schulkind betreut ein Kindergartenkind.

Beim Besuch in einer höheren Klasse können vielleicht Kinderpatenschaften für die Kindergartenkinder angebahnt werden. Die Kindergartenkinder werden von bestimmten Schulkindern bei ihren Besuchen betreut. Dies setzt sich in den ersten Schulwochen oder -monaten fort, bis die Schulneulinge gelernt haben, sich im Schulbetrieb zurechtzufinden.

Der Tag der Schulanmeldung ist für die Kindergartenkinder recht aufregend. Vielerorts ist es bereits selbstverständlich, dass die Erzieherin aus dem Kindergarten bei der Schuleinschreibung ebenfalls anwesend ist. Viele Schulen gehen mittlerweile diesen Weg und berichten über große Zufriedenheit. So manche Fragen zur Schulfähigkeit können dann noch beantwortet werden. Bisher sind keine Fälle bekannt, dass Mütter/ Väter nicht damit einverstanden gewesen wären, dass die Erzieherin bei der Schuleinschreibung zugegen ist. Besonders für das Kind kann diese Situation sehr hilfreich sein. Viele Kinder verhalten sich schüchtern oder sehr zurückhaltend, wenn sie sich fremden Personen gegenüber sehen. Dies führt nicht selten dazu, dass ihnen mangelnde Schulfähigkeit zugesprochen wird. In Wirklichkeit stecken vielleicht ganz unbegründete Ängste hinter dem Verhalten oder gar die Drohung von so manchem Erwachsenen: "...warte nur, wenn Du erst in die Schule kommst, dann kommen andere Zeiten".

Ideal kann die Situation gestaltet werden, wenn in der Schule eine kleine Spielecke eingerichtet ist. Dort können sich die Kinder die Wartezeit etwas vertreiben und bereits mit zukünftigen Klassenkameraden in Kontakt kommen. Beim eigentlichen Aufnahmegespräch finden sich dann Erzieherin, künftige Lehrerin/Lehrer, Mutter/Vater und Kind zusammen. Anschließend können sich die Kinder wieder zum Spielen begeben und die Eltern noch bei einem Getränk zusammensitzen. Spiele für die Kinder werden durch ältere Kinder angeleitet, ein kleines Theaterstück wird vorgeführt, in dem es um die Schule oder den ersten Schultag geht.

Gerade wenn Eltern den Rat des Kindergartens zur Zurückstellung (oder Früheinschulung) nicht akzeptieren wollen, wehren sie sich gegen die Anwesenheit der Erzieherin. Insbesondere die Zurückstellung um ein Jahr wird noch vielfach als Schande empfunden und kann von manchen Müttern/Vätern nicht akzeptiert werden. Sie befürchten deshalb, dass die Erzieherin Aussagen zur Schulreife machen könnte. Im Interesse der Kinder ist deshalb der vorgeschlagene Weg, dass Kindergarten und Schule auch bei der Schulanmeldung zusammenarbeiten, der richtige. Dies müsste zu einer Selbstverständlichkeit werden.

5. Kindergarten und Elternhaus arbeiten zusammen

In allen Bundesländern werden Kindergärten als familienergänzende und -unterstützende Einrichtungen definiert. Deshalb ist die Notwendigkeit und die Verpflichtung zur Kooperation zwischen Elternhaus und Kindergarten in vielen Kindergartengesetzen festgeschrieben. Gegenseitige Information wird unverzichtbar.

5.1 Elternbeirat

In den Kindergartengesetzen und Verordnungen der Bundesländer ist alles Nähere über die Wahl und die Aufgaben eines Kindergartenelternbeirats geregelt. Auf eine bestimmte Zahl von Kindergartenplätzen kommen jeweils ein Elternvertreter und dessen Stellvertreter. Alle Elternbeiräte wählen dann aus ihrer Mitte den Vorsitzenden. Die Wahl gilt jeweils für ein Kindergartenjahr. Die Eltern können Kandidaten vorschlagen. Häufig ist die staatliche Anerkennung oder Betriebserlaubnis für einen Kindergarten auch abhängig von der Existenz eines Elternbeirats. Elternbeiräte haben beratende Funktion und sollen zu wichtigen Entscheidungen gehört werden, z.B. personelle Besetzung des Kindergartens, Aufnahme von Kindern, Festlegung der Öffnungszeiten, Kindergartenbeiträge, Ferien, Veranstaltungen des Kindergartens, das pädagogische Konzept, usw..

Im Normalfall arbeiten Träger und Leitung des Kindergartens vertrauensvoll mit dem Kindergartenbeirat zusammen. Leider sind sich viele Elternvertreter ihrer Aufgabe nicht so recht bewusst und fühlen sich nur für die Gestaltung des Sommerfestes verantwortlich und die möglichst hohen Einnahmen aus dem Verkauf von Imbissen und Getränken. Wieder andere Beiräte sehen ihre Aufgabe darin, den Erzieherinnen vorzuschreiben, wie sie den Alltag gestalten sollen. Beides hat mit guter Kooperation nichts zu tun.

Sehr häufig machen Mütter/ Väter mit der Wahl in den Elternbeirat auch den ersten Schritt auf ein sogenanntes vorpolitisches Parkett. Sie nutzen nicht selten den Kindergarten, um sich zu profilieren, um ein Podium zu finden, das es ihnen möglich macht, sich öffentlich darzustellen, als Interessensvertreter aufzutreten. Oft geht ihre Aktivität an der Sache vorbei, da sehr schnell subjektive Haltungen und Meinungen die Überhand gewinnen. Viele Erzieherinnen sind begeistert von ihren Kindergartenbeiräten, viele beklagen sich aber auch, dass die Elternvertreter ihre Kompetenzen überschreiten und sich in Dinge einmischten, von denen sie nichts verstehen würden.

So gilt es bereits bei den Vorbereitungen für die Kindergartenbeiratswahl deutlich darzustellen, welche Kompetenzen, Aufgaben und Funktionen vom Elternbeirat wahrgenommen werden sollen. Offenheit und Dialog werden unverzichtbare Instrumente, wenn die Kooperation zwischen Träger, Kindergartenbeirat und Kindergarten zum Wohle der Kinder gelingen soll. Nur bei einer gelungenen Partnerschaft dieser drei Instanzen kann das Optimale für die Betreuung unserer Kinder erreicht werden.

Vielerorts werden bereits Seminare angeboten, in denen Kindergartenträger, Kindergartenbeiräte und Erzieherinnen gemeinsam fortgebildet werden bzw. die Möglichkeit haben, ihre Tätigkeit aufeinander abzustimmen, zu reflektieren und zum Wohle der Kinder auszubauen. Leider werden diese Veranstaltungen jedoch insbesondere von Trägern nur sehr wenig wahrgenommen. Hier gilt es die Chance zu erkennen und zu nutzen.

5.2 Elternmitwirkung im Kindergarten

Über eine mögliche Elternmitwirkung im Kindergarten sind bereits überall heiße Diskussionen entbrannt. In erster Linie befürchten Erzieherinnen die zu große Einmischung in ihre Arbeit und zum anderen, dass Fachkräfte durch Mütter ersetzt werden sollen oder können. Elternmitwirkung meint aber ein positives, dialogisches Zusammenwirken all jener, die sich an der Erziehung der Kinder im Kindergartenalter ganz maßgeblich beteiligen. Einen großen Teil des Tages verbringen die Kinder im Kindergarten, den Rest in der Familie. Elternmitwirkung im Kindergarten bzw. in der institutionalisierten Kinderbetreuung ist nichts neues. Bereits bei Fröbel war dies eine Selbstverständlichkeit, sollten doch junge Frauen und Mütter angeleitet werden zum richtigen Umgang mit den Kindern (etwa gleichzusetzen dem heutigen Begriff "Stärkung der Erziehungskraft der Familie"). Vielerorts kam es schon im 19. Jahrhundert zur Gründung von Mütterschulen. Heute haben sich bundesweit Mütterzentren etabliert. Auch hier spielen und lernen Kinder und Mütter/ Väter gemeinsam mit den Kindern. An Volkshochschulen, Familienbildungsstätten und anderen Erwachsenenbildungseinrichtungen gibt es unzählige Kursangebote zu Fragen der Erziehung aber auch zur Beschäftigung mit Kindern. Ist es da nicht natürlicher, dass Mütter und Väter diese Informationen über ihren Kindergarten erhalten? Durch Elternmitwirkung wird die Möglichkeit eröffnet, dass Mütter/ Väter im Alltagsgeschehen Erfahrungen machen können, wenn sie z.B. erleben, wie sich die Erzieherin in den verschiedenen Erziehungssituationen verhält.

Im Bereich der Elterninitiativen ist Elternmitwirkung seit Jahrzehnten selbstverständlich - wenn auch anstrengend. Aber sind nicht gerade die konstruktive Diskussion und das gemeinsame Finden eines Weges wichtig, unverzichtbar und richtungsweisend für die Kinderbetreuung in der Zukunft?

In den vergangenen Jahrzehnten ist der Kindergarten in eine etwas isolierte Situation geraten, da kaum Vernetzung mit anderen Angeboten verwirklicht wurde oder gar Eltern eingebunden wurden. So gibt es noch immer Kindergärten keine in denen die Eltern gar nicht bis in den Gruppenraum hineinkommen, nur zwei bis drei formelle Elternabende stattfinden, die Elternsprechstunde festgelegt ist, Spontangespräche zwischen Eltern und Erzieherinnen eher verhindert als zugelassen werden. So überrascht derzeit die Abwehrhaltung von Kindergärten nicht, wenn es um die Öffnung der Kindergärten geht und als Folge der Öffnung dann auch um die Elternmitwirkung.

5.3 Formen und Methoden der Elternarbeit

Sicher ist, dass Kinderpflegerinnen, Erzieherinnen und Sozialpädagoginnen in Fragen der Elternarbeit unzureichend ausgebildet sind. Methoden der Erwachsenenbildung - und Elternarbeit ist Erwachsenenbildung - gehören noch lange nicht in den Ausbildungsalltag. Dies heißt, dass künftige Erzieher nicht nur zu wenig hören über Elternarbeit, sondern auch, dass sie selbst im Unterricht häufig nicht wie Erwachsene behandelt werden

Ich erinnere mich selbst an meine Studienzeit. Mein Studium an der Universität habe ich überwiegend neben meiner Tätigkeit als Kindergartenleiterin absolviert. In einem Seminar zur Elementar-pädagogik ging es unter anderem auch um die Gestaltung von Elternabenden in Einrichtungen der Kinderbetreuung. An die Vorlesung des Dozenten konnte ich nur anschließen: "Wenn Sie so einen Elternabend gestalten, dann kommt beim zweiten Mal keiner mehr"! Diese Aussage brachte mir ein Gespräch in der Sprechstunde des Professors ein. Der Dozent meinte, dass er diese Kritik nicht auf sich sitzen lassen könne. Methodisch-didaktisch sei doch sein entworfenes Elternarbeitsmodell einwandfrei. Wir diskutierten ziemlich heiß. Ich lud ihn zum Elternabend in meinen Kindergarten ein. Er lehnte ab, da er ja zu sehr bekannt sei und wenn er dann nicht Referent wäre... Dafür konnte ich allerdings kein Verständnis aufbringen. Er verabschiedete mich dann mit dem Satz: "Wo sollen wir an der Universität die Erfahrung für die Gestaltung von Elternabenden auch hernehmen". Viele meiner damaligen Kommilitonen unterrichten heute an Fachschulen für Sozialpädagogik...

Ein zweites Beispiel mag auch noch zur Veranschaulichung beitragen. Eine Dozentin einer Fachschule meinte, nachdem ich dort ein Seminar gestaltet hatte: "Also ich muss eingestehen, für mich war das alles neu. Bisher habe ich derartige Gedanken zur Elternarbeit in meinem Unterricht noch nicht berücksichtigt"! Welch gute Entscheidung, dass sie selbst an dem Seminar für ihre Schülerinnen teilgenommen hat.

Doch welche Formen und Methoden der Elternarbeit gibt es? Formen und Methoden entsprechen sich oder gehen regelrecht ineinander über. Dennoch soll versucht werden, zum einen Formen und zum anderen Methoden kurz aufzuzählen:

Formen der Elternarbeit: Elternabend, Elternsprechstunde, Elterngespräch, Elternseminar, Familienfreizeit, Elterntage, Hospitation von Eltern, Aktionstage, Eltern-Kind-Veranstaltungen, Elternbriefe, Elternmitteilungsblatt, Elterninfotafel, Elternstammtisch, Elternberatungsangebote, Elterngruppen, Elternbeirat, usw..

Methoden der Elternarbeit: Gespräche, Vorträge, Diskussionen, Gruppenarbeit, Aktionen, Freizeitgestaltung, Beratung, Spiel, Rollenspiel, Erfahrungslernen, usw..

In ihrer Gesamtsumme bilden diese Formen und Methoden die Elternarbeit. Was in welcher Einrichtung wichtig, richtig ist oder gebraucht wird, kann nicht verordnet werden, sondern muss individuell entschieden werden. Wenn ein Kindergarten 10 Elternabende pro Jahr anbietet, so bedeutet dies noch lange nicht, dass dort gute und erfolgreiche Arbeit gemacht wird. Ähnlich mit Elternstammtischen. Sie sind nur ein Aspekt der Elternarbeit, die eine bestimmte Gruppe von Eltern anspricht.

Grundsätzlich sollten Mütter/ Väter in der Vielfalt der Formen der Elternarbeit die Chance bekommen, selbst Erfahrungen zu machen, ähnlich ihren Kindern. So könnte ein Spielabend oder ein Elternabend zum Thema Spiel für Eltern angeboten werden. Auch hier ein konkretes Beispiel aus der Praxis:

Eine Kindergartenleiterin bat mich um die Ausgestaltung eines Elternabends zum Thema Spiel. Die Eltern würden die Meinung vertreten, dass sie im Kindergarten die Kinder viel zu viel spielen ließe, statt ihnen etwas beizubringen. Da ich der Meinung bin, dass Elternabende von der Erzieherin selbst gestaltet werden sollten, vereinbarte ich mit ihr nur ein sogenanntes "kooperatives Fortbildungsmodell". Dies bedeutete, dass wir den Abend gemeinsam vorbereiteten und auch gemeinsam die Durchführung übernahmen. Zuerst entwarfen wir die Einladung zum Thema: "Kinder lernen im Kindergarten - die Bedeutung des Spiels". 85% der Eltern trugen sich in die ausgehängte Liste ein. Manche kommentierten ihre Anmeldung: "Endlich, schließlich sollen Kinder etwas lernen"! "Hoffentlich kapiert es auch die Erzieherin, dass mit dem ewigen Freispiel Schluss sein muss". So einige Anmerkungen von Eltern.

Dann kam der Abend. Alle warteten gespannt. Entgegen den Erwartungen der Eltern fand der Abend nicht wie gewohnt im Gemeindesaal statt, sondern in den Räumen des Kindergartens. In einem Gruppenraum wurden lauter Einzeltische mit jeweils vier Sitzplätzen vorbereitet, auf jedem Tisch eine Nummer und ein Spiel bzw. Spielmaterial. Jede/r Mutter/ Vater zog eine Nummer und hatte damit ihren Platz. Nach einer kurzen Begrüßung bat ich die Eltern zu spielen. Murmeln, Unverständnis, aber dann auch Aktivität. Dreißig Minuten Spielzeit waren vereinbart. Es war spannend zuzuschauen. Manche stürzten sich sofort ins Spiel, andere waren sehr gehemmt und brauchten die persönliche Ansprache (wie mich das an die Arbeit mit den Kindern erinnerte!). Ein Vater schob ein Spiel zur Seite und wütete: "Das ist ein blödes Spiel, eine Zumutung, da kommt man nicht zum Ende, da muss eine andere Spielregel her, oder, das Spiel gehört ganz abgeschafft. Ich mach' hier nicht mehr mit"! Die Erzieherin schmunzelte. Sein Sohn hat auch keine Ausdauer und bringt kein Spiel zu Ende! An einem anderen Tisch herrschte höchste Konzentration bei einem Memoryspiel, wieder andere waren in ein Puzzle vertieft, andere bauten. Nach dreißig Minuten ein Schlag auf das Tambourin. "Gott sei Dank" sagten die einen, die anderen "...ach bitte noch nicht, bitte noch ein bisschen!" Wir vereinbarten, dass später weitergespielt werden könnte. Jetzt ging es an die Arbeit. Viele Fragen mussten von den Eltern beantwortet werden:

  • Wie haben Sie sich gefühlt?
  • Warum haben Sie das Spiel abgebrochen?
  • Was haben Sie bei dem Spiel gelernt?
  • Was hat Sie so richtig in das Spiel versinken lassen?
  • Meinen Sie, dass Spiel für Kinder wichtig ist und die Grundlage für schulisches Lernen?
  • Warum hätten Sie gerne noch länger gespielt?
  • Was halten Sie von Schillers Aussage: "Der Mensch ist erst dann ganz Mensch, wenn er spielt"!
  • Ist das Spiel der Kinder vergleichbar der Arbeit des Erwachsenen?
  • usw.

Eine heftige Diskussion entbrannte, bei der ich nur noch als Diskussionsleiterin fungierte. Die Antworten fanden die Teilnehmer selbst. Die Erzieherin kommentierte manche Fragen oder Aussagen mit Beispielen aus dem Alltag. Sie berichtete vom Spielverhalten und Spielsituationen einzelner Kinder. Immer mehr Eltern wollten von ihr erfahren, wie sich ihr Kind in diesen Spielsituationen verhält. Nach ca. 60 Minuten Diskussion und Aussprache fügte ich noch einige theoretische Ausführungen hinzu wie zum Beispiel:

  • Grundbedingungen für das kindliche Spiel: Raum, Zeit, Material
  • Störfaktoren für das kindliche Spiel
  • Veränderungen in der Auffassung, der Bedeutung des Spiels - damals, heute, morgen.
  • der therapeutische Charakter des Spiels
  • Spielbedingungen in Familie und Kindergarten.
  • Spiel als Möglichkeit der Entspannung und Erholung.
  • Spiel und Experiment
  • freies Spiel und angeleitetes Spiel
  • Lernspiele (?)
  • Wie sehen bekannte Pädagogen die Bedeutung des Spiels (hier wurde besonders auf die Reformpädagogen eingegangen, wie z.B. Maria Montessori, Berthold Otto und andere)
  • usw.

Den Abschluss des Elternabends bildeten Überlegungen zu allgemeinen Grundsätzen des Spiels:

  • Spiel verfolgt keinen außerhalb seiner selbst liegenden Zweck. Im Gegensatz zur Arbeit, die man einer anderen Absicht wegen unternimmt, beschäftigt man sich beim Spiel ohnehin ohne irgend einen Zweck dabei zu beabsichtigen (Kant).
  • Unabdingbares Wesensmerkmal des Spiels ist die Freiheit, das Freisein von etwas.
  • Es gibt zweifellos einen Zwang zum Spiel. Kinder und Tiere müssen in bestimmten Situationen spielen, wenn sie nicht neurotisch werden sollen.
  • Arbeit will erledigt werden, Spiel will Ewigkeit. Das Spiel kann innerhalb seines Freiraumes gekennzeichnet werden als Bewegung von innerer Unendlichkeit.
  • Spiel ist an allen Belangen der Wirklichkeit uninteressiert. Der Mensch ist erst dann wirklich Mensch, wenn er spielt (Schiller).
  • Allein die Aufführung, die Improvisation und die im ästhetischen Genuss erfahrene Wirkung der Kunst sind mit dem Spiel vergleichbar.
  • Der Spielablauf ist als ein Werdendes zugleich immer schon fertig.
  • Jedes Spiel fordert vom Spieler ein Minimum an faktischer Leistung. Der Grad des "Glückens" hängt davon ab, ob und in welchem Maße es gelingt, das Tun im reinen Geschehen aufgehen zu lassen (eine Leistung zu vollbringen und zugleich zu verbergen).
  • Heinrich von Kleisthat einen Aufsatz über das Marionettentheater geschrieben. "Die Marionette, losgelöst von aller Subjektivität, hat ihren Schwerpunkt ganz in sich selbst und befindet sich so in dem oft geforderten dritten Zustand des Menschen, indem sich Tierheit und Gottheit vereinen. Nicht der vollkommenste Tänzer kann die Grazie einer Marionette erreichen. Nirgends kann das Kind mehr Vollkommenheit erlangen als im Spiel".
  • Charlotte Bühler beschreibt Spiel: "Spiel und Arbeit sind kein Gegensatzpaar, weil Spielen nicht als Tätigkeitsform definierbar, sondern die Erscheinungsweise eines von allem Tun abhebbaren Geschehens ist, das aus jeder Tätigkeit entstehen kann".

Dann wird noch kurz auf den Zusammenhang von Spielen und Lernen eingegangen: Im Spiel lernt man

  • körperliche Fertigkeiten,
  • Kenntnisse - man lernt etwas kennen,
  • geistige Fertigkeiten,
  • das Schalten und Walten mit Kenntnissen, Haltungen und Gesinnungen,
  • heimisch sein in einer geistigen Welt.
  • Es gibt ein Lernen, von dem man nichts weiß,
  • ein Lernen, von dem der Lernende weiß,
  • es gibt ein Lernen, beide wissen davon,
  • ein haptisches oder motorisches Lernen,
  • es gibt ein schaffendes Lernen.
  • Spiel fördert, indem es fordert.

Wie versprochen wurde im Anschluss noch gespielt. Der Elternabend endete gegen Mitternacht. Die Eltern waren entspannt, hatten glühende Backen und hätten am liebsten noch weitergespielt. Genauso erleben wir unsere Kinder, wenn sie im Spiel vertieft sind. Dieser Elternabend brachte eine große Veränderung im Verhältnis der Eltern zu den Spielsituationen im Kindergarten.

Die Erzieherin zog aus dieser Veranstaltung die Konsequenz, dass sie in regelmäßigen Abständen Spielnachmittage oder Spielsamstage für Eltern und Kinder anbot. Die große Teilnahme zeugte von dem regen Interesse der Eltern. Sie lernten das Spiel für ihre Kinder schätzen und sicherlich blieben diese Erfahrungen auch nicht ohne Wirkung auf die Gestaltung der freien Zeit im Familienalltag.

5.4 Das Elterngespräch als Form ganzheitlicher Beratung

Ich beschreibe hier die Tradition des Elterngesprächs in einem Kindergarten: Jede Familie wird zweimal pro Jahr zu einem Elterngespräch eingeladen, erstmalig bei der Aufnahme/ Anmeldung des Kindes. Der Gesprächstermin wird nach Möglichkeit so gelegt, dass Mutter und Vater und auch eventuell Geschwister daran teilhaben können. Im Zimmer der Leiterin ist eine gemütliche Sitzecke, in den Regalen gibt es einige ausgefallene Spielsachen, Puppen, Spiele. Es ist ein zwangloses Beisammensein bei Keksen und einem Getränk. Die künftige Gruppenerzieherin, die Leiterin, Eltern und Kinder tauschen sich aus. Sie berichten über Ereignisse und Erfahrungen im Zusammenhang mit dem Kindergarten, klären offene Fragen, aber auch Probleme werden angesprochen. Die Kinder spielen dabei oder beteiligen sich am Gespräch. In der entspannten Atmosphäre kommt es nicht nur zu einem offenen Gesprächsaustausch, sondern es fließen viele Aspekte einer ganzheitlichen Beratung ein: Zu Erziehungsfragen, organisatorischen Dingen, zum Familienleben mit Kindern, zum Erzieher-Kind-Verhältnis, zum Kind-Kind-Bezug usw.

Einige Aussagen einer/s Mutter/ Vaters eines Kindes und des achtjährigen Bruders sollen nicht den Dialog wiedergeben, sondern mehr Einblick in die Art eines späteren Gesprächs ermöglichen (wenn das Kind schon den Kindergarten besucht):

Vater: "Ich bin schon froh, dass Maria im Kindergarten ist. Das entlastet meine Frau und sie kann sich mehr dem Klaus widmen".

Mutter: "Eigentlich denke ich immer, dass ich Maria "abschiebe", um es mit Klaus einfacher zu haben bei seinen Hausaufgaben".

Hier mischt sich Maria in das Gespräch ein, die bisher ganz konzentriert mit einer kleinen Puppe gespielt hat: "Nee, Mama. Ich gehe am liebsten nachmittags in den Kindergarten, weil da sind weniger Kinder und da gehen wir öfters zum Werken oder Töpfern".

Klaus: "Wenn Maria im Kindergarten ist, dann stört mich zwar keiner bei den Hausaufgaben. Aber ich finde es schade, weil dann ist es so still in der Wohnung".

Mutter: "Ich bin immer wieder überrascht, was Maria alles im Kindergarten lernt. Beim Blumenumtopfen hat sie mir mit ihrem Wissen ganz schön imponiert".

Maria: "Da hat die Mama vielleicht gestaunt, wie ich ihr was von den Haarwurzeln, von der Blumenerde und dem Gießen gesagt hab. Da hat sie gemerkt, dass ich schon groß bin, 5 1/2 Jahre".

Vater: "Wie bringen Sie denn den Kindern solche Dinge bei? Im Grunde genommen interessiert das die Kinder doch kaum".

Der Vater wird zur Hospitation eingeladen, um Kinder bei ihren Gartenaktivitäten zu erleben. Bisher war er nur am Wochenende daheim - er arbeitet auf Montage - und es war ihm nicht möglich gewesen, einmal einen Tag im Kindergarten zu verbringen. Durch den Wechsel des Arbeitsplatzes wird dies jedoch bald machbar.

Klaus: "Ich würde gerne mal wieder zu einem Familiensamstag in den Kindergarten kommen. Das ist immer so toll, wenn alle aus unserer Familie was zusammen machen können und uns keiner dabei stört. Können wir uns schon anmelden"?

Die Kindergartenleiterin verspricht ihm, seine Familie am nächsten Samstag - Familiensamstage sind immer am ersten Samstag des Monats angeboten - einzuladen.

Ein derartiges Gespräch im Kindergarten hat eine ganze Reihe von Beratungsanteilen. An dem geplanten Familiensamstag werden weitere Beratungsanteile zu finden sein, würde man den Ablauf genau festhalten und analysieren. Bei einer ganzheitlich verstandenen Elternarbeit kommt es jedoch nicht darauf an, immer die einzelnen Ziele wirklich abzufragen. Bei der Anwendung verschiedenster Formen und Methoden der Elternarbeit kann man sicher sein, das die Eltern alle erreicht werden können. Allerdings müssen Erzieherinnen von der Erwartungshaltung abrücken, dass alle Eltern an jeder Veranstaltung gleiches Interesse zeigen. Das kann man nicht erwarten. So wird es auch immer Eltern geben, die am Elterngespräch nicht teilhaben. Auch dies muss akzeptiert werden. Vielleicht sind sie die Akteure, wenn es gilt, den Garten umzugraben oder sie beteiligten sich an der Radtour. Allerdings muss der Kindergarten derartige andere Chancen den Eltern auch einräumen.

5.5 Elternbriefe

Der Elternbrief als ein Mittel oder eine Form der Elternarbeit wird in den meisten Kindergärten leider noch viel zu wenig genutzt. Dies mag daran liegen, dass sich Erzieherin und Erzieher nicht zur "schreibenden Zunft rechnen", das heißt, dass sie nur relativ selten bereit sind, das alles aufzuschreiben, was sie tun (dies bestätigt sich immer wieder, wenn ich Erzieherinnen um kurze Praxisbeiträge bitte). In vielen Kindergärten werden Elternbriefe noch immer als Leistungsnachweis verstanden, in denen die Wochenpläne den Eltern bekannt gegeben werden, Termine für den nächsten Elternabend, die ärztliche Untersuchung im Kindergarten, das Sommerfest u.a.

Diese Art von Elternbrief ist dann eine Art Eltern-Info. Eine Erzieherin ärgerte sich über die Elternbriefe, die der Elternbeirat ihr abverlangte: "Die Eltern, die nicht beide berufstätig sind, schicken ihr Kind nur an Tagen, wenn sie das Thema auf dem Wochenplan interessiert. Und wehe wir verschieben dann etwas oder situationsbedingt fällt etwas aus. Eine Mutter hat sich zum Beispiel aufgeregt, weil wir sozusagen außerplanmäßig an einem weiteren Tag geturnt haben. Sie bräuchte den Kindergarten nicht für Sportaktivitäten, das hätte ihr Kind im Sportverein, hat sie gesagt. Im Kindergarten soll mein Kind etwas lernen, schließlich will ich Andrea schon frühzeitig einschulen". Es gibt aber auch Kinder, die fragen die Mutter, die dann den Wochenplan vorliest. Wenn etwas angekündigt ist, was sie nicht gerne machen, dann betteln sie oft daheim bleiben zu dürfen oder täuschen sogar Bauchschmerzen oder Übelkeit vor. Wenn ich könnte, ich würde diese Art Elternbrief sofort abschaffen".

Der hier beschriebene Elternbrief ist sicher recht einseitig und muss bezüglich seines Zweckes überdacht werden. Elternbriefe können von Ausgabe zu Ausgabe sehr unterschiedlich sein. Ein Elternbrief zu Anfang des Kindergartenjahres braucht sicher viel Information, da ja eine gewisse Zahl neuer Eltern hinzugekommen ist. Der folgende Elternbrief kann thematisch ausgerichtet sein oder einfach auch nur Denkanstöße für Eltern geben. Übrigens ist hier anzumerken, dass sich ein Kindergarten nie festlegen sollte auf eine bestimmte Regelmäßigkeit des Erscheinens von Elternbriefen. Unter Termin- und Zeitdruck verlieren sie leicht an Qualität und Attraktivität und werden dann von den Eltern auch nicht mehr gelesen.

Einige Beispiele für gelungene Elternbriefe finden sich im Anhang dieses Buches.

6. Der Kindergarten in der Vernetzung mit sozialen Diensten und im Gemeinwesen

Das Wort Vernetzung ist in den letzten Jahren zu einem Schlagwort in der Jugendhilfe geworden. Gleichzeitig ist Vernetzung aber ebenso schwer zu begreifen und zu fassen, wie der Situationsansatz. Vernetzung oder Vernetzen leitet sich ab von den Worten Netz bzw. Nesteln, das bedeutet in diesem Zusammenhang knüpfen, schnüren, herumfingern, etwas Geknüpftes.

Vernetzung des Kindergartens mit anderen sozialen Angeboten und Diensten der Jugendhilfe bedeutet demnach eine Verbindung mit diesen herzustellen, eng zusammenzuarbeiten.

Wenn wir bedenken, dass der Kindergarten die erste Institution ist, die nahezu alle Kinder und Familien in unserem Land erreicht (spätestens bei den fünf- bis sechsjährigen besuchen 98% der Kinder einen Kindergarten), dann gewinnt der Begriff der Vernetzung eine neue Dimension. Wenn es dem Kindergarten gelingt, zu einer Art Koordinationsstelle für Kinder- und Familienfragen zu werden, zu einer Art Gemeinwesen- und Familienzentrum, dann leistet er unverzichtbare Unterstützung im Zusammenleben von Kindern und Familien.

Noch wehren sich die Erzieher diese erweiterte Aufgabe zu akzeptieren, da sie glauben, dann alle die neuen Aufgaben noch zusätzlich zu der schon immer schwieriger werdenden Arbeit mit den Kindern und Eltern selbst bewältigen zu müssen. "Was sollen wir noch alles tun?" heißt dann ihre Frage.

Vernetzung meint jedoch Verknüpfung vorhandener Dienste und Angebote und fordert den Kindergarten in erster Linie als Koordinator oder Vermittler.

6.1 Dienste rund um den Kindergarten

Ein Blick in das örtliche Telefonbuch, ein Anruf beim Jugendamt und beim Gesundheitsamt oder dem Sozialreferat der Kommune kann beim Herausfinden der sozialen Dienste rund um den Kindergarten sehr hilfreich sein. Viele Dienste und Angebote werden Sie schon kennen, andere neu entdecken - auch wenn Sie im ersten Moment keinen direkten Bezug zum Kindergarten erkennen können: Erziehungsberatung, Familienberatung, psychosoziale Dienste, mobile Altenhilfe, mobile Erziehungshilfe, Essen auf Rädern, Suchtberatung, anonyme Alkoholiker, Frühförderstelle, Allgemeiner Sozialdienst, Einrichtungen und Beratungsstellen für Familien mit behinderten Angehörigen, Schuldnerberatung, Scheidungsberatung, Gesundheitsdienste, Kinderzentrum, Alleinerziehendentreff, Jugendamt, usw.

Ich habe die Dienste bewusst ungeordnet aufgezählt, nicht nach ihrer spezifischen Bedeutung für den Kindergarten geordnet. Sie selbst müssen abklopfen, worüber Sie mehr wissen müssen oder mit welchem Dienst eine engere Kooperation unverzichtbar ist. Hier wird es von Kindergarten zu Kindergarten Unterschiede geben, denn es ist abhängig von den Bedürfnissen der Kinder und Eltern. Vielleicht gibt es einige der Angebote in Ihrer Nähe nicht, aber dafür auch andere. Wichtig ist, dass Sie sich Informationen über diese Dienste besorgen. Sie alle sind familienunterstützende Maßnahmen und stehen auch in einem Kontext zum Kindergarten. Sie können aber auch als Erzieherin dort selbst um Beratung oder um Unterstützung für die eigene Arbeit bitten.

Ich denke besonders an die Erziehungsberatung. Viele unserer Kinder waren mit ihren Eltern bereits in einer Erziehungsberatungsstelle. Leider wird aber der Kindergarten noch viel zu selten in das Beratungsangebot miteinbezogen. Wie die Vernetzung mit der Erziehungsberatung funktionieren kann, zeigen zwei Praxisbeispiele:

Beispiel A: In einem Neubaugebiet soll eine Außenstelle der Erziehungsberatungsstelle eingerichtet werden, um den jungen Familien den Weg in die Stadt zu ersparen und ihnen eine lebensraumnahe Beratung zu sichern. Nach einiger Überlegung entschied man sich, diese Erziehungsberatungsstelle an den Kindergarten anzubinden. Die Erziehungsberatungsstelle ist vom Kindergarten aus zugänglich, hat aber auch einen direkten Zugang. Gymnastikraum, Werkraum und Kleingruppenräume werden nach Absprache von beiden Einrichtungen genutzt. Alle 14 Tage bietet die Erziehungsberatungsstelle einen Spiel- und Beratungsnachmittag für Eltern und Kinder des Kindergartens an. Das Angebot wird rege angenommen. Eltern formulieren nach einigen solcher Treffen offen ihre Fragen, die Mitarbeiter der Erziehungsberatungsstelle beobachten das Spiel der Kinder, reflektieren es gemeinsam mit den Müttern/ Vätern und geben Anregungen für das Spiel und den Erziehungsalltag in der Familie. Auch für die Erzieherin ist die Erziehungsberatungsstelle zur Selbstverständlichkeit geworden. Ebenfalls alle zwei Wochen nimmt die Psychologin oder ein anderer Mitarbeiter der Erziehungsberatungsstelle am Teamgespräch bzw. an Fallbesprechungen im Kindergarten teil. Für manches Kind kann dann Hilfe im Alltag des Kindergartens angeboten werden. Die Beratung und Behandlung durch die Erziehungsberatungsstelle wird in vielen Fällen überflüssig. So kommt es auf beiden Seiten zu einer Entlastung. Die Erzieherin aus dem Kindergarten: "Durch die enge Kooperation mit der Erziehungsberatungsstelle haben wir viel dazugelernt. Nein, wir wollen keine Therapeuten werden. Wir brauchen die Erziehungsberatungsstelle. Die Mitarbeiter haben uns aber unverzichtbare Anregungen für die Beobachtung und da vor allem für den Umgang mit verhaltensauffälligen Kindern gegeben. Das wirkt sich sehr positiv auf unsere ganze Arbeit aus"! Die Mitarbeiter der Erziehungsberatungsstelle: "Wir können alle Möglichkeiten des Kindergartens auch für unsere Arbeit nützen. Wir hätten wohl sonst niemals so viele Nebenräume und Materialien zur Verfügung. Auch eröffnet sich für uns die Chance, mit einem Problemkind und 'normalen' Kindern gemeinsam in einer Gruppe zu arbeiten. Kinder sind nämlich hervorragende Therapeuten. Allerdings darf man sie nicht überfordern. Gerne beobachten wir auch Kinder, wie sie sich in der Großgruppe verhalten. Wir gehören hier einfach zusammen und die Kooperation ist selbstverständlich geworden. Bis wir trotz aller Empfehlungen in einem anderen Kindergarten die gleiche Chance bekommen, dort ein Kind zu beobachten ... Es würde immer eine Sondersituation bleiben. Hier kennen uns alle Kinder. Hier im Stadtteil leben viele Familien aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten. Es ist nicht einfach für sie, den Anschluss zu finden. Vor allen Dingen auch bedingt durch ihre teilweise so anderen Erziehungsvorstellungen. Zu einer Erziehungsberatungsstelle gehen sie normalerweise niemals. Hier haben wir eine Gesprächsgruppe für diese Mütter eingerichtet und tauschen uns über Erziehungsziele und Erwartungen aus. So lernen die Mütter im Interesse der Kinder neue Wege zu gehen".

Beispiel B: Eine Erziehungsberatungsstelle hat sich unter anderem auf Fragen der Schulfähigkeit und Einschulungsprobleme spezialisiert. Es kommen Eltern, die den Rat ihres Kindergartens nicht akzeptieren wollen, insbesondere wenn ihnen zur Zurückstellung des Kindes geraten wird. Die Erziehungsberatungsstelle arbeitet sehr eng mit einem Kindergarten zusammen, in dem Gastkinder zum Alltag gehören. Dort besuchen diese Gastkinder der Erziehungsberatungsstelle dann für eine Woche die Einrichtung. Vorbehaltlos beobachten die Erzieher das Kind und vergleichen es mit den Gleichaltrigen in ihrer Gruppe. Im gemeinsamen Gespräch mit der Erziehungsberatungsstelle, Kindergarten und Elternhaus wird dann die Situation des Kindes besprochen und nach einem gangbaren Weg gesucht. Gerade durch die Situation, dass das Kind eben vorher nicht in diesem Kindergarten war, kommt es zu objektiver Wahrnehmung und so zu einer objektiven Einschätzung. Der Erziehungsberatungsstelle sind auch die Arbeitsweisen des Kindergartens bekannt, z.B., dass dort großer Wert auf Selbständigkeit und eigene Problemlösung gelegt wird. Kindern wird nichts abgenommen. Oft kommt es zur Vermittlung von Kindern mit besonderen Bedürfnissen in diesen Kindergarten. Der Erziehungsberatungsstelle ist es wichtig, dass Grundzüge der von ihr in den Therapiestunden angewandten Methoden auch im Kindergartenalltag Berücksichtigung finden. So wurde z.B. ein Kind mit einem Pendel-Tick an den Kindergarten empfohlen. Es gelang, das Kind die überwiegende Zeit des Tages beidhändig zu beschäftigen und es konnten so ganz wesentliche Schritte zur Verbesserung seiner Situation erreicht werden. Eine Therapiestunde ist begrenzt. Im Verlauf des Kindergartentages kann man vielfältige therapeutische Arbeitsweisen einsetzen. Im Alleingang ist der Kindergarten allerdings mit derartigen Aufgaben überfordert.

Auch die Arbeit der Frühförderstelle muss mit dem Kindergarten vernetzt werden. Insbesondere in sozialen Brennpunkten werden Angebote der Frühförderung nur sehr schwer angenommen. Anders, wenn beide Einrichtungen unter einem Dach arbeiten. In direkter räumlicher Nähe zu einem Kindergarten wurde so z.B. eine Frühförderstelle eingerichtet. Auf ein eigenes Türschild wurde verzichtet. Durch die Sozialarbeiterin im Stadtteil wurden insbesondere Kinder mit besonderen Bedürfnissen an den Kindergarten verwiesen. In besonderen Spielstunden erhielten die Kinder Angebote und Hilfen durch die Frühförderung. Es dauerte nicht lange, so brachten die Mütter auch bereits ihre Kleinstkinder mit. Die Frühförderstelle bot daraufhin eine Mutter-Kind-Gruppe an und konnte so den Müttern schon frühzeitig Anregungen geben für den Umgang mit ihren Kindern. Entwicklungsverzögerungen wurden rechtzeitig erkannt und notwendige Maßnahmen konnten eingeleitet werden. Keine der Familien, die erfasst wurden, wäre je zu einer Erziehungsberatungsstelle oder ähnlichen Institution gegangen.

Durch diese Art der Vernetzung kam es im Stadtteil zu einem sozialen Arbeitskreis, indem sich Kindergarten, Frühförderung, Beratungsstellen, Stadtteilsozialarbeit, Grundschule, Schulkindergarten usw. zu einem regelmäßigen Austausch trafen. Die Vernetzung hat allen Beteiligten geholfen und den Kindergarten in keiner Weise mehr belastet. Er wurde vielmehr entlastet!

Wie Vernetzung realisiert werden kann, muss von den Betroffenen individuell überlegt werden. Einer muss allerdings immer die Initiative ergreifen. Nachdem der Kindergarten nun einmal alle Familien erreicht, ist er hier besonders gefordert.

6.2 Der Beratungsführer

Wenn der Kindergarten alle Dienste in seinem Umfeld herausgefunden hat, so wäre ein nächster Schritt die Erstellung eines Beratungsführers. Gut wäre es, wenn dies im Arbeitskreis aller Kindergärten im Stadtteil oder in der Kommune geschehen könnte. Alle Dienste werden erst einmal aufgelistet und gemeinsam überlegt, in welchem Kontext sie zum Kindergarten stehen. Warum und wann brauchen Kinder, Familien oder der Kindergarten diese Dienste?

Im nächsten Schritt werden die Erzieherinnen Kontakt mit den einzelnen Stellen aufnehmen. Dies geschieht arbeitsteilig durch die Mitglieder des Arbeitskreises. Ideal ist es, wenn Vertreter der jeweiligen Dienste zum Gespräch in den Arbeitskreis eingeladen werden und dort selbst ihre Arbeit vorstellen können. Gemeinsam wird dann festgehalten, wo mögliche Berührungspunkte zum Kindergarten gegeben sind.

Der auf dieser Basis entstehende Beratungsführer kann auch als eine Art Elternbrief genutzt werden, gewährt er doch auch den Eltern Einblick in die Arbeit der verschiedenen Beratungsangebote und sozialen Dienste und trägt dazu bei, die Anonymität und Ängste ein Stück aufzuheben. Während der Entstehungszeit dieses Beratungsführers wächst die Vernetzung und lässt auch hier unter den Fachleuten die Ängste und das Konkurrenzdenken verschwinden.

6.3 Der Kindergarten im Gemeinwesen

Der Kindergarten ist nahezu allerorts zu einer unverzichtbaren Einrichtung im Gemeinwesen geworden, zu einem Treffpunkt junger Familien, aber auch für alte Menschen. So ist es heute unverzichtbar, dass sich der Kindergarten zum Gemeinwesen hin öffnet, Nachbarschaften sucht, mit den Kindern Schritte in das Gemeinwesen tut. Wie viele interessante Einrichtungen gibt es am Ort für die Kinder zum kennen lernen! Da ist einmal die Versorgungsstruktur im Stadtteil wie Geschäfte, aber auch Arzte, Krankenhaus, Feuerwehr, Dienstleistungsbetriebe, Handwerker. Es gilt aber auch zu erkunden, welche Verkehrsmittel die Verbindung zu anderen Stadtteilen und Kommunen möglich machen. Kulturelle Angebote können mit den Kindern besucht werden, Museen, Theater usw. Es tut sich eine Vielfalt von Möglichkeiten auf, die die Enge des Kindergartens weitet. Gemeinsam mit den Erzieherinnen und der Kindergruppe verlassen die Kinder ihre Einrichtung für eine geraume Zeit und werden zu Forschern und Entdeckern, zu kleinen Kulturexperten, zu sicheren Benutzern von Verkehrsmitteln und zu guten Beobachtern. Dem Kindergarten sind hier keine Grenzen gesetzt.

Besonders wichtig aber sind die Menschen, denen begegnet wird, die sonst im Kindergarten selten anzutreffen sind. Die Kinder lernen einen blinden Mann kennen, der mit seinem weißen Stock an der Ampel steht und wartet bis das akustische Signal ertönt. Sicher überquert er die Straße. Die Kinder sind sprachlos. Wie kann er das nur? Viele Gespräche werden sich an solche Situationen anschließen.

Da ist eine junge Frau im Rollstuhl, die den Klingelknopf an einer Haustüre nicht erreicht. Die Kinder können ihr helfen. Die Kindergruppe kommt an einem Altenheim vorbei. Alte Menschen blicken aus den Fenstern und winken. Max fragt: "Warum gehen die denn nicht spazieren, bei so einem schönen Wetter"? Eva erklärt ihm: "Die können halt nicht mehr laufen. Brauchen Stöcke. Da schauen sie eben aus dem Fenster, weil sie wissen wollen, was draußen passiert". Vielleicht ist dies der Anstoß zu einer Kontaktaufnahme mit einem Altenheim!

Eine Erzieherin berichtet: "Kontakte zum Altenheim gehören bei uns seit langem zur Tagesordnung. Wir besuchen die alten Menschen in einem Heim in unserer Nähe ganz regelmäßig. Über die Hälfte der Heimbewohner dort hat keine Enkelkinder. Nachdem sich anfängliche Zurückhaltungen abgebaut haben, sind wir Freunde geworden. Die Kinder erzählen bei unseren Besuchen von unserem Kindergartenalltag. Besonders spannend wird es immer, wenn die Kinder wissen wollen, wie es früher einmal war, als die Omas und Opas Kinder waren. Und diese Frage kommt immer und sie kommt an. Leben doch viele der alten Menschen mehr in der Vergangenheit als in der Gegenwart. Es ist ein wunderbares Bild, wenn sich Kinderköpfe über den Seiten eines alten Fotoalbums drängen. Seit wir unsere Besuche im Altenheim machen, bleibt das Thema Tod nicht mehr im Kindergarten ausgespart. Kinder erfahren, dass sie einen ihrer alten Freunde beim nächsten Besuch vielleicht nicht mehr antreffen. Als unser Musiker-Opa gestorben ist, wünschten sich die Kinder an der Beerdigung teilzuhaben. Wir sprachen mit den Eltern. Einige Mütter waren einverstanden".

Im Kindergarten treffen sich aber auch Gruppen von Menschen in ähnlichen Lebenslagen. So finden junge Familien Kontakt zueinander. Im anonymen Hochhaus dauert es zu lange. Es entstehen Nachbarschaftshilfen. Man übernimmt gegenseitige Babysitterdienste oder auch die Betreuung eines kranken Kindes, wenn die Mutter arbeiten muss. Der Kindergarten ist so ein lebendiges Gemeinwesenzentrum - allerdings nur, wenn die Erzieher diese Entwicklung erkennen und bereit sind, sich für diese erweiterten Aufgaben zu öffnen. Haben Sie Mut, gehen Sie erste Schritte, dann nähern Sie sich dem Konzept eines neuen Kindergartens, den unsere Zeit braucht.

In einem bundesweiten Modellprojekt hat das Deutsche Jugendinstitut derartige "Orte für Kinder" initiiert und wissenschaftlich begleitet. Es wurden Ansätze einer Öffnung nach innen und einer Öffnung nach außen erprobt. Die Öffnung hat sich als eine Bereicherung für alle Beteiligten erwiesen und zu Veränderungen in der Angebotsstruktur geführt (Altersspanne, Betreuungszeiten, Zielgruppen), die Orientierung an den Bedürfnissen der Kinder, Ausweitung des Kindergarten zu einem Nachbarschaftszentrum. Besonders wichtig erwies sich aber auch die Vernetzung mit all den verschiedenen Gremien und den Vertretern der Sozial- und Familienpolitik. Wenn dies gelingt, so führt das zu einer Lobby für Kinder, dann können Lebensräume für Kinder von den Verantwortlichen erschlossen werden (vgl. Projektblätter des Deutschen Jugendinstituts, München, "Orte für Kinder").

7. Schlussgedanken

Der Versuch, Sie praxisorientiert einzuführen in die Arbeit des Kindergartens, endet hier. Der Weg ist noch lange nicht zu Ende gegangen, nur wenige Themenbereiche konnten angesprochen werden. Sie haben sich durch das Lesen dieses Buches bereiterklärt, mich zu begleiten auf geraden und verschlungenen Wegen, auf ebener Strecke und bei schwierigen Steigungen - ebenso vielfältig wie auch der Kindergartenalltag in der Realität ist.

Das Ziel, das uns nicht vom Weg abkommen ließ, ist das Kind. Während der Kindergartenzeit begleiten wir es ein Stück, unterstützen oder verhindern Entwicklungsprozesse. Kein Erzieher ist perfekt. Jeder von uns macht Fehler. Es darf uns nur nicht passieren, dass wir das Kind aus den Augen verlieren und damit ziellos handeln.

Mit einigen Sätzen aus Ellen Keys Buch "Das Jahrhundert des Kindes" will ich enden: "Während man schöne Worte von der individuellen Entwicklung spricht, geht man gegen die Kinder vor, als wären diese gar kein Selbstzweck, sondern einzig und allein zur Freude, zum Stolz und zur Behaglichkeit der Eltern geschaffen. Und dass all dies am besten gefördert wird, wenn die Kinder, wie alle anderen werden, strebt man früh danach, sie zu ehrsamen und tauglichen Mitgliedern der Gesellschaft zu machen. Aber der einzige richtige Ausgangspunkt bei der Erziehung eines Kindes zu einem sozialen Menschen ist, es als einen solchen zu behandeln, während man gleichzeitig den Mut des Kindes stärkt, ein individueller Mensch zu werden. Der neue Erzieher wird durch planmäßig geordnete Erfahrungen das Kind stufenweise lehren, seinen Platz im großen Zusammenhang des Daseins und seine Verantwortung gegen alles, was es umgibt, einzusehen, während andererseits keine der individuellen Lebensäußerungen des Kindes unterdrückt werden sollen, insofern sie nicht dem Kinde selbst oder anderen zum Schaden gereicht..."

Ein Auftrag für die Gestaltung der Arbeit im Kindergarten?

Anhang 1

Aussagen und Gedanken aus einer Fortbildungsveranstaltung

Im Rahmen einer Fortbildungsveranstaltung besuchte ich mit einer Gruppe von Erzieherinnen einen viergruppigen Kindergarten. Drei Gruppen sind sogenannte Regelgruppen, die vierte Gruppe ist ein Schulkindergarten, d.h. eine Gruppe für Kinder, die vom Schulbesuch zurückgestellt sind. Im Rahmen dieser Veranstaltung wurden verschiedenste Themen, die den Kindergartenalltag betreffen, diskutiert. Sie reichen von den Aspekten der Raumgestaltung bis hin zum pädagogischen Alltag und der Elternberatung. Zum Konzept des Kindergartens gehört zum einen die offene Arbeit mit Eltern und sozialen Institutionen, ein gegliedertes Raumprogramm, besondere Formen der Elternarbeit, heilpädagogische Ausrichtung des Gesamtkonzeptes. Ausschnitte vom Tonbandmitschnitt sollen hier wiedergegeben werden. Sie ergänzen die Ausführungen.

Gesprächsteilnehmer:

  • Professor Wolfgang Mahlke,zum Zeitpunkt der Gesprächsaufnahme Professor für Kunsterziehung an der Philosophischen Fakultät der Universität Würzburg - Lehrerausbildung,
  • Leiterin eines Kindergartens,
  • die Teilnehmerinnen des Fortbildungsseminars und
  • Frau Becker-Textor als Seminarleiterin.

Professor Mahlke: "Mir war wichtig, das einzelne Kind zu stützen und nicht von der Gruppe auszugehen. Das Wort Gruppe war mir immer etwas unheimlich. Ich denke auch, dass es nicht immer richtig ist, dass sich die Psychologie so absolut auf die Gruppe eingeschworen hat, sondern ich glaube, dass der einzelne Mensch sein Schicksal zu tragen hat, von der Geburt bis zum Tod. Weder eine Kindergartengruppe bleibt zusammen, wenn die Kinder den Kindergarten verlassen, noch eine Klasse... Jeder geht irgendwann seinen eigenen Weg. Deswegen hat es mich gefreut, dass ich hier in diesem Kindergarten die Gelegenheit bekommen habe, einen Raum zu gliedern, für das einzelne Kind ebenso wie für kleine Gruppen. Ich glaube, besonders Kindergartenkinder, wenn sie mit drei oder vier Jahren kommen, sind noch nicht gruppenfähig, was 25 Kinder anbetrifft. Vielmehr vertragen sie anfänglich nur eine Gruppe von zwei bis drei Kindern. Ich habe deshalb den Raum so gegliedert, dass Möglichkeiten für einzelne Kinder, für kleine Gruppen, selbstverständlich auch für die ganze Gruppe gegeben sind. Die ganze Gruppe steht für mich aber am Schluss und nicht am Anfang. Mit der Schulkindergartengruppe haben wir hier begonnen, aber schon bald festgestellt, dass sich dieses Konzept auch für die Regelkindergartengruppe mit 25 Kindern eignet. Wir haben festgestellt, dass, je schwieriger die Kinder werden, um so notwendiger es ist, zunächst vom einzelnen Kind auszugehen. Ich hatte mich vorher mit Räumen für behinderte Menschen befasst. Für geistig behinderte Kinder, Jugendliche und Erwachsene habe ich zunächst Betten gebaut, und zwar Betten als Alkoven-Betten und bin eigentlich davon ausgegangen, dass die Menschen Geborgenheit brauchen - die in einem Schlafsaal mit 15 oder mehr Betten nicht gegeben ist, genauso wenig in den Gemeinschaftsräumen. Ich habe also auch Gemeinschaftsräume gegliedert und überlegt, ob da nicht eine Küchenzeile eingebaut werden kann. Ich habe dies dann gemacht, habe es auch im Kindergarten eingeführt, so dass Essen und Kochen im Kopf der Kinder auch einen Zusammenhang bekommt ... Es wäre wichtig, dass Sie sich jetzt die Räume anschauen. Wobei ich meine, der Kinder wegen nicht alle in einem Raum, sondern in kleineren Gruppen. Ich empfehle Ihnen, dass Sie sich mit einem besonderen Aspekt beschäftigen, z.B. Licht, Farbe, Material, Struktur, dem Befinden der Erzieherin oder der Kinder. Bitte achten Sie darauf, wie wir mit der Farbe umgegangen sind oder welche Rolle das Material gespielt hat bei der Raumgestaltung. Wie ist der Raum gegliedert? Dann haben Sie mehr davon, als wenn Sie global in einen Raum gehen und viele Eindrücke auf Sie einstürzen".

Frau Becker-Textor: "Ich würde gerne noch einen Aspekt anschließen. Die Mehrzahl von Ihnen arbeitet in einem Schulkindergarten. Bitte schauen Sie, wie die Kinder aktiv sind und wie konzentriert sie aktiv sind. Ich denke, es wird Ihnen auffallen, dass die Arbeit keineswegs den Geruch von Schule hat ... Was strahlt der Raum aus, wie werden die Materialien den Kindern angeboten, welche Wirkung haben sie auf das Kind. Achten Sie auch darauf, ob sich die Kinder durch Ihren Besuch ablenken lassen. Oft lassen die Kinder alles liegen und stehen, wenn ein Fremder in die Gruppe kommt. Hier wird es erfahrungsgemäß anders sein".

Kindergartenleiterin: "Im Schulkindergarten tun wir nichts anderes als in der normalen Kindergartengruppe, d. h. dem Kind individuelle Hilfe geben und dem Kind die Möglichkeit einräumen, selbständig zu werden. Der Raum gibt entsprechende Reize. Der Erzieher soll ganz sensibel dabei sein, um zu sehen, wo das Kind seine Fähigkeiten hat, wo er es unterstützen oder ihm Starthilfe geben kann oder muss, damit es zum Erfolg kommt. Er muss auch erkennen, wo das Kind Hemmungen hat oder Entwicklungsverzögerungen. ... Das Kind muss selbst aktiv werden können ohne unser Dazutun. Die Raumgliederung allerdings liefert dazu die Grundvoraussetzung. ... Räume sind Hilfen, um das Kind in die Gruppe einzuführen. Kinder können aber die Gruppe erst einmal beobachten, bevor sie den wirklichen Einstieg in die Gruppe schaffen. Hier ist der Erzieher gefordert, sensible Einstiegshilfen anzubieten oder anzubahnen. Oft reicht ein Hinschauen, ein ermunterndes Zunicken. Kinder wachsen in kleinen Schritten in die Gruppe hinein. Das braucht geduldige und sensible Erzieher, die sich zurückhalten können".

Nach der Besichtigung des Kindergartens ist die Möglichkeit für Fragen gegeben.

Teilnehmerin: "Wie haben Sie denn diese ganze Raumgliederung und diese Holzbauarten finanziert"?

Kindergartenleiterin: "Dies ist alles in Eigenleistung geschehen. Die Eltern haben selbst eingebracht, dass sie im Rahmen des Umbaus gleich die Holzeinbauten verwirklichen wollten. Lediglich tragende Balken wurden bauseits eingefügt. Alles andere haben die Väter gestaltet. Über mehrere Wochen wurde täglich von 17 bis 22 Uhr gearbeitet. Die Väter haben sich in Listen eingetragen. Ein Vater war Schreiner und konnte alles fachlich gut unterstützen. Während am Familienwandertag überwiegend die Mütter teilnahmen, wurden die Väter im Kindergarten schreinerisch aktiv. Auch die Erzieher haben nach Kräften mitgeholfen und sind so gleich mit der neuen Raumgliederung zusammengewachsen. Die Räume wurden ihnen also eigen. Das ist die beste Voraussetzung, um in solchen Räumen zu arbeiten".

Teilnehmerin: "Das ist bei uns undenkbar, dass man sich an der Planung beteiligen und Vorstellungen einbringen darf. Wenn auch Eltern die Sache, die Idee und den Wunsch hätten, etwas zu verändern, so wäre das doch bei uns unmöglich"!

Professor Mahlke: "Wissen Sie, es war in den Bereichen, in denen ich bisher gearbeitet habe, immer am Anfang alles unmöglich und dann wurde es doch möglich. Viele haben zusammen geholfen, um die Ideen zu realisieren. Am Anfang ist immer alles unmöglich".

Kindergartenleiterin: "Wichtig für solche Projekte ist, mit Kindern leben zu lernen. Nicht Kindern eine vom Erwachsenen vorgegebene Raumsituation aufzwingen. Sondern die Bedürfnisse von Kindern beobachten und daraus dann Überlegungen anstellen, welche Antwort oder Hilfen der Raum geben kann".

Teilnehmerin: "Gibt es ähnliche Raumkonzepte schon häufiger"?

Professor Mahlke: "Es gibt viele Kindergärten mit derartigen Raumgliederungskonzepten. Sie sehen ein solches Konzept vielleicht als eine ästhetische Sache an. Das Bauen aber ist der Pädagogik nachgeordnet. Zunächst ist es wichtig, dass man sich über das pädagogische Konzept Gedanken macht. Und wenn ich dann möchte, dass einem Kind mehr Geborgenheit zuteil werden soll, muss ich mir Gedanken machen, wie ich das erreichen kann. Aber zuerst ist die Forderung nach der Geborgenheit da und die muss erhoben werden. Für die Erzieherinnen darf der Krach, der den ganzen Tag auf sie einwirkt, nicht zur Selbstverständlichkeit werden. Vielmehr müssen sie sich fragen, wie dieser Krach zustande kommt. Das ist doch das Gegenteil davon, dass ein Mensch geborgen ist, wenn er Krach macht, dann ist sein Bedürfnis unter Umständen gar nicht Krach zu machen, sondern er macht den Krach nur, weil er Langeweile hat, mit sich nichts anzufangen weiß oder übermüdet ist. Und, wenn er dieses ist, muss man ihm die Möglichkeit schaffen, dass er sich ausruhen kann. Und auf der Ebene eines 50 qm großen ungegliederten Raumes ist es sehr schwierig. Ganz abgesehen davon, dass das Ausruhen, die Geborgenheit, sich zurückzuziehen, sinnvoller auf einer erhöhten Ebene ist. Geborgenheit kommt von Berg. Geborgenheit, d. h. auf einen Berg sein. Und geborgen ist man am ehesten oben, nicht in einer Kuhle, sondern ganz oben. Das kann man in einem hohen Raum schon schaffen. Die Räume sind alle an sich für Kinder viel zu hoch. Unten ist alles dicht und oben ist alles Luft. Das kann man ändern".

Teilnehmerin: "Wenn Sie das bei uns alles so verändern wollten, dann läuft man gegen Mauern, die unüberwindbar erscheinen"!

Professor Mahlke: "Wir haben festgestellt, dass keine Mauern unüberwindbar sind. Ich denke aber im Gegenteil, dass die Pädagogen viel zu feige sind. Sie haben sehr oft kein Interesse etwas zu verändern. Das war schon immer so, warum verändern".

(Bei der Besichtigung in der Einrichtung ist aufgefallen, dass sich die Erzieherinnen sehr für formale Dinge interessierten. Kaum jemand fragte nach dem pädagogischen Konzept, nach der Veränderung der Kinder, nach der Wirkung des Raumgliederungsverfahrens. Vielmehr zogen sich alle wie in einer Schutzhaltung zurück mit dem Wort: es ist unmöglich. Kindergartenarbeit kann sich jedoch nur angemessen entfalten, wenn auf die Bedürfnisse von Kindern eingegangen wird. Dies erfordert eine Dynamik im Kindergartenalltag und verlangt nach Veränderungen, die sich jeweils an der Situation der Kinder, den gesellschaftlichen und sozialen Umständen usw. orientieren müssen. Es ist immer wieder erschreckend, in welche Passivität sich Erzieher zurückziehen und Entschuldigungen für ihr Nichtstun in den Vordergrund schieben. Es bleibt nur zu hoffen, dass der Besuch in dieser Einrichtung vielleicht ein oder zwei Erzieherinnen Impulse mitgegeben hat für eine Pädagogik im Alltag des Kindergartens. Wenn dies der Fall ist, dann hat sich die Veranstaltung gelohnt!)

Die weiteren Gespräche konzentrierten sich auf den Raum:

Professor Mahlke: "In einem kleinen Raum, den man weiten will, wird man mit Weiß am weitesten kommen. Aber ich möchte gerne, dass den Kindern auch im Kindergarten oder schon im Kindergarten Farbe als ein Element unserer Welt bewusst wird und, dass es ihnen in einer freundlichen Weise nahegebracht wird. Denn wenn Menschen farbig sensibel sind oder werden, ist dies ein wunderbares Gut für sie. Sie sehen viel mehr, sie sehen interessanter, sie sehen differenzierter. Und darauf sollte ja das Leben der Kinder hingehen. Deshalb möchte ich also die Farbe ganz unbedingt einbeziehen. Und wenn ich da nach der Mode gehe, dann muss ich jedes Jahr vielleicht zweimal die Wände streichen. Ich werde mich also nicht nach der Mode richten, sondern nach den Vorgaben in einem Raum und werde versuchen, die Farbigkeit möglichst ausgeglichen zu wählen, d. h., also zwischen kalt und warm einen Ausgleich herstellen. ... Wenn also Vorgaben da sind, der Boden, das ist ja alles Holz und warm, muss ich dazu einen kalten Ton setzen. Weiß ist dann sicher ein kalter Ton, wenn ich das aber ein bisschen weiter treiben will, werde ich blau wählen, wenn ich es nicht so weit treiben will, werde ich Grün wählen. Grün liegt auch auf der kalten Seite der Farbskala, das ist auch in manchen Räumen hier geschehen. Nicht ein hartes, nicht ein eiskaltes blaustichiges Grün, sondern ein Olivgrün oder ins Olivgrün gehend. Denn wenn Kiefer die Voraussetzung ist, also ein Holz, das rot wird, dann möchte ich mit Grün kompensieren. Ist es Fichte, dann werde ich mehr zum Blau tendieren. An sich ist Violett der komplementäre Ton zur Fichte, aber den möchte ich im Kindergarten nicht unbedingt als eine Farbe haben, jedenfalls nicht als große Farbfläche. So werde ich also beim Blau ankommen und werde versuchen, ein warmes Blau, Ultramarinblau, zu wählen. Ich würde auch nicht Ton in Ton oder nicht mit Pastelltönen kommen, sondern würde versuchen, die Töne so laut zu halten, dass sie bemerkt werden, dass sie nicht untergehen im Raum, sondern dass die Kinder sie spüren! Ich will sie auch benennen. Die Erzieher müssen über Farben sprechen, sie müssten den Kindern nicht nur sagen, das ist Rot, sondern was es für ein Rot ist, d.h. also spezifizieren, auch in Worten".

Teilnehmerin: "Haben Sie schon Beobachtungen gemacht, wie die Farben auf die Kinder wirken"?

Professor Mahlke: "Ich erlebe, dass sowohl im Behindertenbereich, wie im Kindergarten oder Kinderheim, die Farben, mit denen ich versuche, auf das Holz, den Teppichboden oder andere Dinge, die da bestehen, einzugehen, als harmonisierend empfunden werden. Es sind in solchen Räumen Zerstörungen bisher fast nicht aufgetreten. Ich habe festgestellt, dass Farben durchaus beruhigend gewirkt haben, denn es sind keine Zerstörungen entstanden. Wenn da keine ausgleichende Wirkung zustande gekommen wäre, dann hätte man wahrscheinlich Dinge kaputtgemacht. Das ist heutzutage die Reaktion".

Teilnehmerin: "Zur Helligkeit hätte ich noch eine Frage. Es wird ja immer noch auf Luft und Licht geachtet. Ich habe es hier sehr angenehm empfunden, dass bestimmte Bereiche heller und manche dunkler sind, die ja eigentlich der Welt entsprechen. Es ist ja nicht alles ausgeleuchtet. Wie sind da die Erfahrungen"?

Professor Mahlke: "Kükelhaus hat sich darüber Gedanken gemacht, was die Helligkeit und Dunkelheit im Raum anbetrifft und gesagt, man sollte einen großen Raum - wie im Kindergarten - in hellere, verhaltenere und dunklere Zonen gliedern. Und ich habe überall eigentlich gespürt, dass ich da mit meiner Prognose richtig gelegen habe, dass ich also Rückzugsbereiche dunkler gehalten habe, da wo man arbeitet, gestalterisch tätig ist, die Plätze ans Fenster gelegt habe. Ich meine, das ist ein allgemeines menschliches Grundbedürfnis, dass man es zum Ausruhen dunkler haben möchte. Wenn man die Augen zumacht, braucht man dies nicht in der Sonne zu tun, es sei denn, zu einem besondere Zweck vielleicht. Und zum Arbeiten möchte man es hell haben, das ist im Kindergarten genauso wie im Altersheim..."

Teilnehmerin: "Die Nischen für die Brotzeit. Es wird also bei Ihnen nicht in der großen Gruppe Brotzeit gemacht"?

Kindergartenleiterin: "Mir ist es ein ganz großes Anliegen, dass die Kinder den Wechsel von An- und Entspannung selber setzen. Immer während des Freispiels legen vier bis fünf Kinder bewusst Wert darauf, dass sie am Brotzeittisch zusammenkommen, Hände waschen, Taschen holen, gemeinsam essen. Diese selbstgewählten Treffen sind für die Kinder sehr wichtig. Gemeinsam feiern wir in der ganzen Gruppe. Auch kommt es vor, dass wir ein- oder zweimal in der Woche das Frühstück gemeinsam einnehmen, aber das normale Frühstück, ich würde es nie mehr so machen, wie wir es früher gewohnt waren, dass eben alle zur Toilette gehen und dann wird gegessen. Jedes Kind hat seinen eigenen Rhythmus. Gerade die kleinen Kinder fühlen sich wohl, wenn sie zu zweit, zu dritt fast eine halbe Stunde oder manchmal länger zusammensitzen können, essen und sich unterhalten. Erzieherinnen setzen sich auch immer wieder dazu. Die Kinder aber lernen mit der Frühstückspause selbständig umzugehen, nach dem Essen zu spülen, den Platz wieder herzurichten für die Nächsten. Anfangs geben die Erzieher hierzu die notwendige Anleitung".

Zu einem späteren Zeitpunkt wechselt das Gespräch zur Elternarbeit.

Kindergartenleiterin: "In der Elternarbeit, was ist mir wichtig? Ich würde sagen, dass auch wie in der Arbeit mit dem Kind, es unverzichtbar ist, mit den Eltern sensibel zusammenzuleben und zu arbeiten. Die Eltern, die hierher kommen, nehmen meistens selbst Kontakt mit uns auf, entweder über Telefon oder kennen Eltern, die ihre Kinder schon hier haben und wünschen dann ein Erstgespräch. Sie wissen, dass es bei uns so läuft, dass wir ein Erstgespräch vereinbaren. Dafür räume ich mir ca. eine Stunde Zeit ein, für jede Familie. Meistens kommen Vater und Mutter und bringen das künftige Kindergartenkind schon mit. Ich kann ihnen in Ruhe etwas über die Konzeption sagen, sie über wichtige Dinge informieren. Außerdem gehen wir kurz durch die Räume, damit sie sehen, wie die Kinder hier leben. Sie haben dann später einen ganz anderen Bezug zur Einrichtung, wenn ich mir am Anfang ausreichend Zeit nehme. Außerdem wissen sie, was auf sie zukommt, wenn sie hier Kindergarteneltern werden. Sie hören etwas über die Zusammenarbeit mit den Eltern, unsere Themen in der Arbeit mit Kindern, bei der Erzieherkonferenz usw. Dann ist es so, dass die Eltern auch wissen, dass sie zu Tür-und-Angel-Gesprächen jederzeit auf die Erzieherin zugehen können, wenn sie dringend ein Gespräch brauchen. Wir in der Gruppe besprechen jede Woche eine Stunde lang die Belange der Gruppe. Gemeinsam gehen wir die Kinder der Gruppe durch, wie es jedem einzelnen Kind geht, bereiten dann im Verlauf eines Halbjahres für jede Familie ein Elterngespräch vor. Eine Woche vorher machen wir den Termin mit der Familie fest. Wir merken, dass dieses Angebot sehr gerne angenommen wird. Daneben laufen Elterngesprächskreise, normale Elternabende zu einem Thema (z.B. Info für Schulneulinge, Umgang mit dem kleinen Tyrannen, Familienwanderungen am Samstag, Spielnachmittage (mit großem Engagement vom Elternbeirat vorbereitet) usw. Der Elternbeirat ist sehr aktiv. Im Moment planen wir z.B. zwei offene Spielhallen. Da sind die Väter eifrig dabei. Dann haben wir die Spielnachmittage. Diese laufen gruppenübergreifend, auch der Schulkindergarten ist dabei. Wenn z.B. Spielnachmittage angeboten werden, dann sind alle Erzieher da und es wird im Team ausgemacht, wer in welchen Räumen welche Spielangebote anleitet bzw. übernimmt. Die Feste werden ebenfalls gruppenübergreifend gestaltet. Die ganze Arbeit ist auch vernetzt mit verschiedenen Jugendhilfeangeboten. So arbeiten wir gerade im Schulkindergarten in vielen Fällen mit der Erziehungsberatungsstelle zusammen, mit der Frühförderstelle, Logopäden, Ergotherapeuten usw. Das erfordert einiges an Zeit für die Kooperation. Es wundert mich immer sehr, wie offen Kinderärzte, Frühförderstelle, Psychotherapeuten und all die anderen Dienste mit uns zusammenarbeiten und bereit sind, uns zu unterstützen. Wir haben zur Zeit einen mutistischen Jungen und arbeiten gemeinsam mit der Erziehungsberatungsstelle an diesem Problem. Wir haben nie Schwierigkeiten, die verschiedenen Hilfsangebote zu uns in den Kindergarten zu holen. Die Stellen finden immer Zeit und bestätigen uns, dass sie froh darüber sind, ihre Angebote in die Kindergartenarbeit integrieren zu können. Eltern und Mitarbeiter von Beratungsstellen sitzen bei uns an einem Tisch. Das bereichert nicht nur unsere Arbeit, sondern wir können damit vielen Kindern helfen, dass all die Erziehungs- und Behandlungskonzepte aufeinander abgestimmt werden können".

Frau Becker-Textor fordert die Leiterin auf, etwas über die Gespräche mit den Eltern zu berichten.

Kindergartenleiterin: "Ich möchte Ihnen ein Beispiel geben. Es kam ein Elternpaar hierher zum Elterngespräch. Sie waren sehr erstaunt über die Einladung: 'Hat unser Kind etwas angestellt?' Der Vater konnte sich nicht vorstellen, wieso er zum Elterngespräch eingeladen wurde. Die Gruppenleiterin hat dann erzählt, wie es dem Kind in der Gruppe geht, was es spielt, wo es seine Fähigkeiten hat. Sie erzählt einfach so, was für das Kind von der Gruppe her wichtig ist. Dann forderten wir die Eltern auf, doch auch ein bisschen zu berichten, wie es dem Kind daheim geht. Wir waren vielleicht so ca. zehn Minuten zusammen, dann begann der Vater plötzlich, sich in das Gespräch einzubringen. Er hängte zuerst seine Jacke auf und sagte dann zu seiner Frau: 'Frau, so haben wir noch nie miteinander geredet und schon gar nicht über unseren Felix.' Wir merkten deutlich, wie wichtig es dem Vater war, etwas über sein Kind zu erfahren, ohne dass Kritik geübt wurde und nur auf Fehler eingegangen und auf Probleme hingewiesen wurde. Der Vater war begeistert, dass wir uns die Zeit genommen haben, mit ihm und seiner Frau zu reden, uns einfach auszutauschen, etwas voneinander zu erfahren. Einander zuhören ist das wichtigste im Elterngespräch. Wenn uns dies gelingt, desto mehr Zeit wir uns nehmen für diesen Austausch, je mehr wir Verständnis für die Situation der Eltern und des Kindes haben, desto leichter wird unsere Kooperation. Wenn neue Erzieherinnen in unserer Einrichtung arbeiten, so sind sie am Anfang meist recht unsicher und sagen oft: 'Ich weiß noch gar nicht, wie ich mit den Eltern umgehen soll. Wie soll ich das nur machen?' Aber die Eltern merken sehr schnell, dass ein Elterngespräch bei uns im Kindergarten kein Kommen und Gehen bedeutet, dass wir uns Zeit füreinander nehmen. Eine Mutter schilderte ihre Erfahrungen in der Schule so: 'Nachdem drei Mütter schon vor mir an der Reihe waren, klopfte ich am Lehrerzimmer an. Die Lehrerin war ganz verwundert, dass ich kam'. 'Sie hätte ich gar nicht erwartet. Ihr Kind ist doch sehr gut. Ich wüsste nicht, in welchem Fach ihr Kind Probleme hätte'. 'Wenn ich dann an die Gespräche hier im Kindergarten denke, dann merke ich, die mögen mein Kind!' Elternsprechstunden finden wir deshalb nicht gut. Die vereinbarten Elterngespräche sind unersetzlich. Während der ersten 20 Minuten sind normalerweise die Elterngespräche ein Austausch und dann plötzlich kommen die Fragen und auch Probleme der Eltern. Ich versuche dann immer wieder kurz zusammenzufassen, was Kernpunkt unseres Gesprächs ist. Dann überlegen wir gemeinsam mit den Eltern, wie wir weitergehen mit dem Kind. Dann fällt es uns auch leicht, die Eltern zu bitten, vielleicht doch einmal den Schritt zur Erziehungsberatungsstelle zu wagen oder zum Hörtest in die Hals-Nasen-Ohren-Klinik zu gehen oder. Dann ist dies ganz leicht, und die Eltern fühlen sich nicht angegriffen. Es entsteht nicht das Gefühl: 'Die im Kindergarten haben an meinem Kind und mir immer etwas auszusetzen.' Wir brauchen für solche Gespräche auch wirklich immer eine Stunde. Wir teilen unsere Dienstpläne so ein, dass diese Stunden möglich werden. Da nachmittags meist weniger Kinder im Kindergarten sind, lässt sich das sehr gut arrangieren. Viele Themenbereiche, die in diesen Einzel-gesprächen angegangen werden, finden dann auch Eingang in die Elterngesprächskreise. 12 bis 16 Eltern treffen sich dann mehrere Male zu einem bestimmten Thema, das eben diese Elterngruppe interessiert oder betrifft".

Teilnehmerin: "Suchen sich die Eltern das Thema aus"?

Kindergartenleiterin: "Ja, z.B. 'immer dieser Streiterei unter Geschwistern'. Das ist gewünscht worden und wird dann auch angeboten".

(Man muss noch einmal auf den Unterschied zwischen Elterngesprächskreisen und Elternabend hinweisen. In Elterngesprächskreisen wird gemeinsam etwas erarbeitet, während im Elternabend vorrangig auch lnfos gegeben oder Themen stärker verallgemeinert werden. Beim Gesprächskreis trifft sich eine Interessengruppe zu einem Thema. Der Teilnehmerkreis verändert sich je nach Thema. Im Gesprächskreis werden die Erzieherinnen zum Partner. Es sind also nur "Erzieher" unter sich. Die Erzieherin kann sich in ihrer eigenen Rolle als Mutter einbringen. Sie ist also nicht mehr Referentin, sondern Partnerin im Erziehungsgeschehen. Es ist damit keine Elternarbeit, die von "oben nach unten" geht, sondern ein Dialog miteinander.)

Kindergartenleiterin: "Bei uns sind die klassischen Elternabende übrigens mehr und mehr zu Gesprächsabenden geworden. Auch beim lnformationsabend für die Schulneulinge haben wir uns hier getroffen und haben mit einer bildhaften Geschichte begonnen, von zwei Schiffen, die andocken - Vergleich Kindergarten und Schule. In vier Gruppen konnten dann Einzelfragen an Lehrer und Rektoren gerichtet werden. Daneben wurde gespielt und gesungen. Diese Abende sind ganz wichtig für den Kontakt zwischen Kindergarten und Schule, aber auch für einen harmonischen Übergang vom Kindergarten zur Schule. Wir freuen uns immer sehr, dass diese Abende auch von den Lehrern sehr gerne angenommen werden. Besonders das ungezwungene Beisammensein und der Austausch wird von allen sehr geschätzt."

(Es handelt sich bei diesen Ausführungen nur über einen Ausschnitt der Diskussion. Dennoch wird deutlich, welche Schwerpunkte in diesem Kindergarten in der Pädagogik des Kindergartenalltags gesetzt werden. Vielleicht gibt der Bericht einige Impulse, regt zur Nachahmung an oder führt zur Reflexion der eigenen Arbeit im Bereich der Raumgestaltung und der Elternarbeit.)

Anhang 2

Beispiele für gelungene Elternbriefe

1. Elternbrief "Festwoche im Kindergarten"

Nach einer sog. "Festwoche" im Kindergarten wurde gemeinsam mit den Kindern folgender Elternbrief erarbeitet:

"Festwoche im Kindergarten"

Puppenfest - Montag
Sportfest - Dienstag
Zopftag - Mittwoch
Spielzeugfest - Donnerstag
Sängertag - Freitag
Blauer Tag - Montag
eine Woche war zu kurz.

Festschrift anlässlich unserer Festwoche
Herausgegeben von
Ihrem Kindergarten

Puppenfest

Die Puppen konnten's kaum erwarten, sie durften in den Kindergarten.

Bei uns war Puppenfest. Die Puppenmuttis und Puppenpapis haben ihre Püppchen und Bären mitgebracht. Es waren viele Gäste. Wir hörten Musik und alle tanzten. Natürlich auch die Puppen. Eine Puppe hieß Jeanette, eine andere Susi. Da waren noch viele Puppenzwillinge, der große Bär, viele Schlummerpüppchen, eine Sprechpuppe. Zuerst hat sie gesagt: "Ich will ein Lied hören!" Dann: "Ich bin müde." Dann: "Mutti, du bist schön". Eine Negerpuppe war auch da. Wir haben Hüte für die Puppen genäht. Das geht einfach. Man braucht ein rundes Stück Stoff, Nadel und Faden. Man näht außen um den Stoff herum, dann zieht man den Faden, und der Hut ist fertig. Wir haben auch Ketten für die Puppen gemacht. Das war lustig. Auf langen Fäden haben wir Sternchennudeln aufgefädelt. Oder wir haben mit den Fingern aus Wolle Gürtel und Haarschleifen gehäkelt. Alle Puppen wurden dann auf einen Tisch gelegt. Jede Puppenmutti durfte von ihrer Puppe erzählen. Zum Schluss wurden alle Puppen im Flur geknipst. Dann waren die Puppen müde und wollten heim. Manche Kinder haben auch daheim ein Puppenfest gemacht. Sie haben ihr Zimmer schön geschmückt und dann mit den Puppen gespielt. Nächstes Jahr machen wir wieder ein Puppenfest!

Sportfest

Wir sind in den Kindergarten gekommen und ein paar Kinder sind schon gerannt. Wir haben uns dann gleich umgezogen. Dann haben wir einen Dauerlauf gemacht. Helene, Rieke, Jürgen, Petra und Marion kamen auch in Turnsachen. Wir haben auch die Nasen und die Daumen turnen lassen ... Dabei haben alle Kinder lustige Grimassen gemacht. Für Rund-herum-Purzelbäume, Matratzenhüpfen und lustige Kopfstände bekamen wir Urkunden. Die Urkunden sahen so aus:

"Urkunde für die Kinderolympiade im Kindergarten

Herr/Fräulein ................................................. hat im ......................................... hervorragende Leistungen erbracht.

Datum ........................... Die Jury"

Beim Reifenspiel gab es Goldmedaillen. Es hat uns allen Spaß gemacht. Die Muttis kamen um 12 Uhr. Die Erzieher waren müde und wir Kinder quietschfidel. Nachmittags waren nicht mehr so viele Kinder da. Wir haben die Turngeräte aufgebaut. Die Sieger sind auf eine Tonne gestiegen und dreimal heruntergehüpft. Dann haben die Kinder gesungen "Hoch soll er leben, dreimal hoch!" Wir melden uns alle zu den nächsten olympischen Spielen an!

Zopftag

Bei uns im Kindergarten war Zopftag. Fast alle Kinder hatten an diesem Tag Zöpfe. Rainer hatte eine Indianerperücke mit Zöpfen. Kilian trug einen Lorbeerkranz mit Krepppapierzöpfen. Das hat ihn aber gedrückt. Manche hatten auch falsche Zöpfe aus Wolle. Die waren rot, gelb, grün und blau. Jürgen hatte lauter kleine Zöpfe mit vielen Schleifen. Inge hatte Vorhängezöpfe aus roter Wolle. Das sah lustig aus. Anja fand, dass Rieke aussah wie ein Hase mit Schlappohren. Sogar bei Zauberer Knickefuß war Zopffest. Der hatte hinten einen Zopf und er reiste nach Zopfanien. Das ist eine lange Geschichte. Wir wollen sie auch aufschreiben. Aber erst später. Am Vormittag haben wir alle Zöpfe geflochten. Die Zopfkinderbilder hängen noch im Flur. Nachmittags war es ganz toll. Wir haben nämlich Zöpfe gebacken. Aus echtem Zauberteig. Der wurde nämlich immer größer und dicker. Als er fertiggebacken war, haben wir einen langen großen Tisch gebaut und haben Tee getrunken und Zöpfe gegessen. Micha und Fabrice haben auch eine Mutti beißen lassen.

Zopfrezept für einen ganzen Kindergarten:

Man nehme eine große Portion Kreativität und dann folgende Zutaten: Ca. drei Pfund Mehl, drei Würfel Hefe, Salz, 150 g Zucker, vier Eier, zwei Vanillinzucker, 250 g Butter, Wasser. Man braucht viele Kinder zum Kneten und dann zum Flechten der Zöpfe. Jetzt können auch Sie ein Zopffest feiern! Hm, die Zöpfe schmecken gut!

Geschichte vom Zauberer Knickefuß in Zopfanien:

Knickefuß machte eine Reise nach Zopfanien. Als er in der Hauptstadt landete, war er sehr enttäuscht. Alle Leute hier trugen Zöpfe, nur er nicht. Die Zopfanier begrüßten ihn kurz und fragten dann gleich: "Wo hast du deinen Zopf? Wer bei uns leben will, der braucht einen Zopf!" Knickefuß überlegte. Was soll ich tun? Er beschloß, gleich einen Friseur zu suchen. Leider konnte aber auch der ihm nicht helfen, denn oh Jammer, der Zauberer hatte keine Haare. Der Friseur war sehr einfallsreich und befestigte einen langen Zopf am Zauberhut. Stolz lief Knickefuß nun durch Zopfanien. Die Leute eilten aus den Häusern. Auch der Bürgermeister. Sie begrüßten Knickefuß ganz überschwänglich. "Knickefuß, du bist unser Ehrengast. Ein Zauberer in Zopfanien! Wir laden dich ein, unseren Zopfberg und das Geheimnis dieses Berges kennen zulernen". "Lirum, larum, hokospokus, ich bedanke mich bei euch!" Sie machten sich auf den Weg zum Zopfberg. Zuerst der Bürgermeister und die Bewohner von Zopfanien, dann der Zauberer. So war es nämlich vorgeschrieben. Am Zopfberg angekommen, erklärte der Bürgermeister: "Jeder, der in den Zopfberg will, der muss zuerst einen Zopf flechten. Hier hängen drei Schnüre. Immer wenn ein Zopf fertig ist, geht die Tür zum Zopfberg auf. Der Besucher kann eintreten." Nacheinander gingen alle Zopfanier in den Berg. Nur noch Knickefuß stand da. "Pah", denkt er, "jetzt mache ich mir einen Zopf und dann gehe ich in den Berg". Aber Knickefuß kann nicht flechten. In seinem Zauberbuch steht auch kein passender Zauberspruch. Was soll jetzt geschehen? Drei Schmetterlinge kommen geflogen und schaukeln auf den Schnüren. Da entsteht ein Zopf. Knickefuß passt gut auf und weiß jetzt, wie ein Zopf geflochten wird. Tatsächlich, die Tür zum Zauberberg öffnet sich und Knickefuß geht hinein. (Alle Kinder üben jetzt das Flechten, denn sie sind neugierig und wollen auch in den Zopfberg. Nachdem alle Zöpfe fertig sind, lernen wir das Geheimnis des Zopfberges kennen.) Wir haben das Geheimnis des Zopfberges gefunden. Wer von euch es auch wissen will, der muss überlegen. Vielleicht fällt ihm die Geschichte ein!

Spielzeugfest

Spielzeugfest ist toll. Da darf man nämlich sein Lieblingsspielzeug in den Kindergarten mitnehmen. Da sieht es immer aus wie in einem Spielzeugladen. Bei uns gab es Puppen, Tiere, Autos, Eisenbahnen, Bälle, Tragetaschen, Doktorkoffer, Spiele, Bausteine. Auch die anderen Kinder dürfen mitspielen. Einige haben das Spielzeug vergessen und nicht mitgebracht. Alle Spielsachen haben von ihrer Entstehung erzählt. Manche wussten sogar Geschichten. So z.B. das rote Auto: "Einmal fuhr ich und fuhr und kam in den Wald zum großen Zauberer. Der hatte noch nie ein Auto gesehen. Er zauberte noch schnell Pferde und wollte sie anspannen. Da habe ich vielleicht getutet. Da ist der Zauberer ganz toll erschrocken und weggelaufen. Weggelaufen vor meiner lauten Hupe. Ich bin schnell heimgefahren". Wir haben alle Spielsachen auf die Tische gelegt. Dann sah es wirklich aus wie im Spielwarenladen. Wir haben auch ein Lied von den Spielzeugtieren gelernt. Es heißt "Ein kleiner Spielzeugaffe". Es gefällt uns sehr gut. Wir singen es oft. Machen wir im nächsten Jahr wieder ein Spielzeugfest? Kinder: Einstimmig ja! Also bis zum nächsten Spielzeugfest.

Tri-tra-trallala, bei uns war Sängertag

Da haben alle gesungen. Am Sängertag sollte nämlich gar nicht gesprochen werden. Alle haben's vergessen. Manche Muttis haben gar nichts gesagt, weil sie nicht singen wollten. Es war stiller im Kindergarten. Manchmal haben alle gesprochen. Das war nicht richtig. Beim nächsten Sängertag müssen wirklich alle singen. Wir singen oft selbstgedichtete Lieder, z.B. das Lied vom Hamster:

Der Hamster

1. Was träumt der Hamster lieb und nett,
dass er den Namen Oskar hätt'.
2. Was träumt der Hamster dann und wann,
dass er sich Körner sammeln kann.
3. Was träumt der Hamster, wenn er gräbt,
dass er 'ne schöne Wohnung hätt'.
4. Was träumt der Hamster in der Erd',
dass es nun endlich Frühling werd'.
5. Was träumt der Hamster in dem Haus,
dass er Besuch kriegt von der Maus.
6. Was träumt der Hamster in dem Loch,
hoffentlich reicht mein Vorrat noch.
7. Was träumt der Hamster beim Sonnenschein,
jetzt kann ich wieder fröhlich sein.
8. Was träumt der Hamster hier und dort,
dass er noch lange lebt am Ort.

Ihr könnt noch viel mehr Verse dazu finden.

Blauer Tag im Kindergarten

Am Blautag haben alle Kinder blaue Sachen angehabt. Nur der Fabrice nicht. Weil er nicht in seiner Wohnung war. Sein Auto ist nämlich nicht gegangen. Es gibt viele blaue Sachen: blaue Unterhosen, blaue Hemden, blaue Hosen, blaue Strumpfhosen, blaue Pullis, blaue Handschuhe, blaue Mützen, blaue Schals, blaue Schuhe, blaue Perücken, blaue Fingernägel, blaue Jacken ... Alle Kinder sehen gleich blau aus. Wir haben lauter blaue Bilder gemacht. Auf blaues Papier haben wir blaue Kleider aufgeklebt und blaue Gesichter dazu gemalt. An die Tafel haben wir blaue Bilder gemalt. Rieke hat die Geschichte von der verzauberten blauen Stadt erzählt. In einer Stadt haben die Leute gefeiert. Als sie laut waren, kam die Hexe und schimpfte. Sie zauberte die ganze Stadt blau. Der Zauberer war aber im Urlaub. Die Leute haben vor lauter blauer Farbe nichts mehr gesehen. Da haben sie den Raben Abraxas zur Hexe Wackelzahn geschickt. Sie wusste aber keinen passenden Zauberspruch. Da hat sie einen erfunden. Der Spruch war falsch und die ganze Stadt wurde rot. Später wurde die ganze Stadt wieder hell. Aus.

Es gab noch eine andere Geschichte am blauen Tag. "Wie PIaneti die blaue Farbe vom Himmel holen wollte". Ihm war es auf der Erde zu grau. Er band an einen Eimer einen Strick und warf ihn in den Himmel. Zu seiner Enttäuschung blieb der Eimer leer. Dann dachte er, der blaue Himmel wäre ins Wasser gefallen, aber es war nur gewöhnliches Wasser. Der Himmel spiegelte sich nämlich nur im Wasser. Darüber war Planeti sehr traurig. Wir Kinder wussten auch keine Lösung.

Im nächsten Jahr machen wir wieder einen Farbtag.

Eine gute Idee für einen Elternbrief? Er musste mehrfach nachgedruckt werden!

2. Elternbrief zum Jahreswechsel

Eine Erzieherin hatte das Märchen vom selbstsüchtigen Riesen für einen Elternbrief aufgeschrieben und am Schluss noch folgenden Text hinzugefügt: "Liebe Eltern, wir wünschen Ihnen geruhsame Feiertage, Zeit, um mit Ihren Kindern zu spielen, zu spielen, zu spielen ... zu wandern, zu erzählen, zu lesen - vielleicht das Märchen vom eigensüchtigen Riesen. Deshalb habe ich es Ihnen aufgeschrieben. Vor allem aber brauchen Sie viel Zeit, um miteinander zu sprechen oder miteinander still zu sein. Viel Vertrauen und Glauben, dass das kommende Jahr ein gutes Jahr wird und die Wünsche unseres Kindergartenwunschbaumes in Erfüllung gehen und dass Sie für sich und Ihre Kinder Hoffnungen und Ziele haben können, auch wenn nicht immer alles erfüllt werden kann. Mit herzlichen Grüßen für den Jahreswechsel. Ihr Kindergarten."

Auch eine interessante Idee für einen Elternbrief?

3. Elternbrief zum Thema Bilderbuch

"Liebe Eltern, wir wählen Bilderbücher aus, z.B. nach dem Thema, nach der künstlerischen und sprachlichen Gestaltung. In diesen drei Punkten muss jedes Buch die Kinder ansprechen, sie zu aktiver Teilnahme anregen und ihr Qualitätsgefühl und ihre Phantasie bilden. Davon abgesehen kann das Buch verschieden eingesetzt werden. Es kann Wissen vermitteln, z.B. über Pflanzen und Tiere, es kann helfen, psychologische und erzieherische Probleme zu lösen, etwa Angst abzubauen, durch Vorbilder soziales Verhalten fördern, es kann der Einstimmung in bestimmte Höhepunkte und Ereignisse dienen, z.B. Geburt eines Geschwisterchens, Nikolaus, Sommerfest, Tod oder es kann ganz einfach Spaß machen. Gruselige Themen reizen alle Kinder ganz besonders. Ein Buch über Hexen, Gespenster, Räuber, Geister und Ungeheuer ist deshalb gefragt und löst sofort lebhafte Diskussionen aus. Gibt es Hexen oder nicht? Was können sie einem tun? Wie kann man sich gegen sie wehren? Muss man sie fürchten? Hast du schon mal eine gesehen? Wenn die Kinder ihre unbestimmten und sie oft bedrängenden Vorstellungen in dem Bild erklärt sehen, wiederholt darüber sprechen und sie auch malen können werden sie allmählich vertraut mit diesen Gestalten, die mit der Zeit ihre Bedrohlich keit verlieren.

Wenn wir das zum Thema passende Buch gefunden und uns selbst mit dem Buch vertraut gemacht haben, suchen wir uns einen ruhigen Platz, an dem uns niemand stört. Wichtig ist auch, dass die Kinder die Bilder gut sehen können, Lichtverhältnisse müssen bedacht werden. Über die Bilder soll ja die Anregung zum Denken, Phantasieren und miteinander Sprechen kommen. Die "Hexenkralle" zum Beispiel ist eher einfach, regt durch wenige Figuren an, die manchmal sogar schemenhaft gezeichnet sind. Knallige Farben gibt es in diesem Buch nicht, sie sind sehr dezent, von zartem Grau über ein helles Grün fließen sie in ein dunkler werdendes Grau bis Schwarz. Was wird wohl mit dieser gruseligen Hexe in unserem Buch geschehen? Schon kommt Spannung zur Neugierde und wir lassen uns auf unser Hexenabenteuer ein. Ein kleiner Junge entdeckt an einer Wand einen seltsamen Gegenstand. Die Kinder schauen das Bild an, durch Abwarten, ihnen Zeit lassen, fangen sie an, von eigenen Erlebnissen zu erzählen. Hauptthema sind ihre Ängste in der Nacht.

Wir achten sehr darauf, dass wir die Kinder zeitlich nicht überfordern. Weniger wichtig ist perfektes Vorlesen. Erzählen ist besser. Genauso natürlich wie man auch sonst mit Kindern umgeht, soll man mit ihnen ein Buch anschauen. Wir müssen ihnen Zeit lassen, Geduld haben, wenn sie sich mit ihren Gedanken, Vorstellungen und Wünschen in die Bilder hineinschauen. Wenn die Kinder zu erzählen anfangen, in ihrer Phantasie Geschichten erfinden - auch wenn es andere sind, als die des Verfassers.

Ihr Kindergartenteam."

Eine interessante Einführung in dem Umgang mit Bilderbüchern?

Literatur

Becker-Textor, Ingeborg. In: Schnabel, Thomas: Versorgen, bilden, erziehen, 1912-1987. Festschrift des Zentralverbandes kath. Kindergärten und Kinderhorte Deutschlands. Freiburg, 1987

Becker-Textor, Ingeborg: Der offene Kindergarten - Ort der Begegnung - Zentrum des Gemeinwesens. Ein Gespräch im Jahr 2010. In: kindergarten heute, Heft 1/1991, S. 3-6

Becker-Textor, Ingeborg: Andere Zeiten, andere Ideen, andere Möbel. Wehrfritz, Rodach, 1993

Becker-Textor, Ingeborg: Mein Kind soll in den Kindergarten. Herder-Spektrum, Freiburg, 1993

Becker-Textor, Ingeborg: Kindergarten 2010. Herder: Freiburg, Basel, Wien, 1994

Berliner Institut für Kleinkindpädagogik, Herausgeber: Entdeckerland, Luchterhand, Neuwied, 1991

Berger, Manfred: Der Übergang von der Familie in den Kindergarten. München, 1986

Colberg-Schrader, Hedi/ Krug, Marianne: Ein Kindergarten fürs Wohngebiet. Antwort auf Lebensbedingungen unserer Kinder. In: Welt des Kindes, Heft 3/1983, S. 190-200

Deutscher Bildungsrat: Empfehlungen der Bildungskommission. Klett: Stuttgart, 1973

Deutsches Jugendinstitut: Projektblätter. "Orte für Kinder". Deutsches Jugendinstitut, München, 1992, 1993, 1994

Duden: Das Herkunftswörterbuch. Bibliographisches Institut: Mannheim, 1963

Erath, Peter: Abschied von der Kinderkrippe? Plädoyer für altersgemischte Gruppen in Tageseinrichtungen für Kinder. Lambertus: Freiburg in Breisgau, 1992

Grossmann Wilma (Hrsg.): Kindergarten und Pädagogik, Beltz Edition sozial, Weinheim und Basel, 1992

Haefele, Bettina/ WoIf-Filsinger, Maria: Aller Kindergarten Anfang ist schwer. Don Bosco, München, 1990

Hebenstreit, Sigurd: Einführung in die Kindergartenpädagogik. Klett: Stuttgart, 1980

Krecker, Margot: Quellen zur Geschichte der Vorschulerziehung. Volk und Wissen: Berlin, 1983

Krempien, Christiane/ Thiesen, Peter (Hrsg.): 50 bildnerische Techniken, Beltz: Weinheim und Basel, 1992

Montessori, Maria: Selbsttätige Erziehung im frühen Kindesalter. Stuttgart, 1913

Montessori, Maria: Spannungsfeld Kind - Gesellschaft - Welt. Herder: Freiburg, 1979

Pausewang/ Hansen. In: Sozialpädagogische Blätter, Heft 4/1985

Reble, Albert: Geschichte der Pädagogik. Klett: Stuttgart, 1975

Textor, Martin R.: Elternarbeit mit neuen Akzenten. Herder: Freiburg, Basel, Wien, 1994

Textor, Martin R.: Familienunterstützende Maßnahmen im Kontext des Kindergarten - ein Modellversuch in Passau. Bayr. Sozialministerium München: Selbstverlag, 1993

Textor, Martin R.: Intensivierung der Elternarbeit - Modellprojekt in der Diözese Passau, Bayr. Sozialministerium, München: Selbstverlag, 1995

Autorin

Ingeborg Becker-Textor, geb. 1946, Kindergärtnerin und Hortnerin, Montessori-Diplom, Dipl.-Sozialpädagogin (FH), Diplompädagogin (UNIV) mit den Studienschwerpunkten Elementarpädagogik, Erwachsenenbildung und Sonderpädagogik.

Bisherige Arbeitsfelder: Langjährige Leiterin eines 2gruppigen Kindergartens, Fachberaterin für Krippen, Kindergärten und Horte bei der Regierung von Unterfranken, Lehrbeauftragte an der Universität Würzburg und Referententätigkeit in der Aus- und Fortbildung von Kinderpflegerinnen, Erzieherinnen, Sozialpädagogen, Lehrern und Mitarbeitern in der Jugendhilfe. Beratendes Mitglied in Lehrplankommissionen für Sozialpädagogische Berufe.

Leiterin des Referates "Kindergärten, Netz für Kinder und Sozialpädagogik in der Jugendhilfe" im Bayer. Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Gesundheit, derzeit Leiterin des Referates "Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit" im Bayr. Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen.

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