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Zitiervorschlag

Rezension

Daniela Wakonigg, Joachim Sohn: Freddy, das Glücksschwein. Aschaffenburg: Alibri Verlag 2020, 40 Seiten, EUR 16,00 – direkt bestellen durch Anklicken

 

Als in Deutschlands größtem Schlachtbetrieb Tönnies die Produktion im Juni 2020 gestoppt werden musste, weil sich rund 1.400 Arbeitnehmer/innen mit dem Coronavirus infiziert hatten, gab es wochenlang Fernsehreportagen über die unmenschlichen Arbeits- und Lebensbedingungen der Mitarbeiter/innen – und über die Massentierhaltung. Nahezu jedes Kleinkind wird Schweine, Rinder und Hühner in überfüllten Ställen und Mutterschweine mit ihren Ferkeln im sogenannten Kastenstand gesehen haben. Und es wird viele Fragen an seine Eltern gestellt haben – und an seine Erzieher/innen, falls es die Kita besuchen durfte.

In diesen Kontext passt hervorragend das Bilderbuch für Kinder ab sechs Jahren über das Glücksschwein Freddy. Eigentlich heißt es Frederik von Butenland – und die von Daniela Wakonigg erzählte Geschichte ist wahr. Sie berichtet, wie das Ferkel in einer riesigen dunklen Stallhalle geboren wurde, es anstatt eines Namens eine Marke mit einer Nummer ins Ohr gestanzt bekam, sein Ringelschwänzchen abgeschnitten wurde, es nach einigen Wochen mit all den anderen Ferkeln in einen Tiertransporter getrieben wurde und wie es während der Fahrt zum Schlachthof durch einen Schlitz auf die Straße sprang. Eine hinter dem Transporter fahrende Frau alarmierte die Polizei – und die Presse berichtete über das mutige Ferkel. Da meldeten sich die Menschen, die auf dem Bauernhof Butenland nahe der Nordsee arbeiten, nahmen das Schweinchen auf und gaben ihm den Namen „Frederik“. Das Beste aber ist, dass es sich um einen „Lebenshof“ handelt, wo kein Tier geschlachtet wird, sondern irgendwann eines natürlichen Todes stirbt. Dann erzählt Daniela Wakonigg, wie sich Freddy auf Hof Butenland einlebt, andere Tiere kennenlernt und schließlich erfährt, was mit seinen Geschwistern, seiner Mutter und all den anderen „Nutztieren“ passiert, wenn sie „schlachtreif“ sind...

Das von dem Animationsdesigner Joachim Sohn ansprechend und realitätsnah illustrierte Bilderbuch macht sehr betroffen. Deshalb ist es kein Buch, bei dem sich Erwachsene auf das Vorlesen und Zeigen der Illustrationen beschränken können. Kinder werden einen hohen Gesprächsbedarf haben und wahrscheinlich auch den Fleischkonsum in ihrer Familie hinterfragen. Aber wie das Beispiel Tönnies zeigt, werden alle Kinder irgendwann mit der Massenproduktion von Tierfleisch mehr oder minder brutal konfrontiert. Das Bilderbuch verdeutlicht, dass Tiere auch anders gehalten werden könnten. Selbst wenn Lebenshöfe eine Randerscheinung bleiben werden, so kann diese Publikation doch dazu beitragen, dass sich noch mehr Menschen für den Tierschutz engagieren und von Politiker/innen Gesetze über eine „artgerechte“ Nutztierhaltung einfordern.

Martin R. Textor

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