Zitiervorschlag

Aktuelle statistische Daten zur Kindertagesbetreuung

 

Wie viele Kinder der verschiedenen Altersgruppen werden in Kindertageseinrichtungen oder durch Tagespflegepersonen betreut? Wie hoch sind die Versorgungsquoten? Wie viele Kinder werden halbtags, wie viele ganztags betreut?

Relevante statistische Daten finden Sie z.B. auf den Websites des Statistischen Bundesamtes, der Statistischen Landesämter und der zuständigen Bundes- bzw. Länderministerien. Dort sind sie aber oft schwer zu finden. Außerdem werden oft viele lange Tabellen präsentiert. Und Sie sind doch nur an einigen wenigen Zahlen interessiert, die irgendwo in dieser Unmenge von Daten versteckt sind!

Deshalb werden auf dieser Seite aktuelle Pressemitteilungen des Statistischen Bundesamtes (und vereinzelt anderer Institutionen) aufgenommen, die einen Überblick über die wichtigsten Daten zur Kindertagesbetreuung bieten. Die Pressemitteilungen wurden zum Teil gekürzt.

 

Kindertagesbetreuung unter Dreijähriger im März 2019: +3,7 % gegenüber dem Vorjahr

Die Zahl der Kinder unter drei Jahren in Kindertagesbetreuung ist zum 1. März 2019 gegenüber dem Vorjahr um rund 28.900 auf insgesamt 818.500 Kinder gestiegen. Damit waren 3,7% mehr unter Dreijährige in Kindertagesbetreuung als am 1. März 2018. Der Zuwachs fiel etwas stärker aus als im Vorjahr (2018: +27.200 auf 789.600 Kinder). Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, lag die Betreuungsquote am Stichtag bundesweit bei 34,3% (2018: 33,6%). In den westdeutschen Bundesländern betrug sie durchschnittlich 30,3%. In Ostdeutschland (einschließlich Berlin) lag sie bei 52,1%.

Bundesweit hatte im März 2019 Sachsen-Anhalt die höchste Betreuungsquote (58,2%). In den Stadtstaaten Hamburg (46,6%) und Berlin (43,8%) waren Kinder unter drei Jahren ebenfalls überdurchschnittlich häufig in einer Kindertagesbetreuung. Unter den westdeutschen Flächenländern erreichte Schleswig-Holstein (34,8%) die höchste Quote. Bundesweit am niedrigsten war sie in Bremen (28,4%) und Nordrhein-Westfalen (28,2%).

In den einzelnen Altersjahren sind die Betreuungsquoten sehr unterschiedlich: So waren bundesweit 1,9% der Kinder unter einem Jahr in Kindertagesbetreuung. Dagegen haben die Eltern von gut einem Drittel der Einjährigen (37,1%) ein Angebot der Kindertagesbetreuung in Anspruch genommen, bei den Zweijährigen waren es schon fast zwei Drittel (63,2%). Seit dem 1. August 2013 gibt es für Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr einen bundesweiten Rechtsanspruch auf einen öffentlich geförderten Betreuungsplatz.

Bei der Betreuungsquote handelt es sich um den Anteil der in Kindertageseinrichtungen (zum Beispiel Kindertagesstätte) oder in öffentlich geförderter Kindertagespflege (zum Beispiel öffentlich geförderter Betreuungsplatz bei einer Tagesmutter oder einem Tagesvater) tatsächlich betreuten unter Dreijährigen an allen Kindern dieser Altersgruppe.

1,4% mehr Kindertageseinrichtungen und 1,3% mehr Tageseltern als 2018

Anfang März 2019 gab es bundesweit 56.708 Kindertageseinrichtungen. Das waren 775 Einrichtungen mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres (+1,4%). Die Zahl der dort als pädagogisches Personal oder als Leitungs- und Verwaltungspersonal beschäftigten Personen stieg um 4,2% auf 653.800. Gleichzeitig erhöhte sich auch die Zahl der Tagesmütter und -väter leicht um 553 auf 44.734 (+1,3%). 

Kinder unter 3 Jahren in Kindertageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege1 am 1. März 2019 nach Bundesländern

Land

Betreute
Kinder
unter
3 Jahren

Betreuungsquote2

Insgesamt

im Alter von … bis unter … Jahren

0 - 1

1 - 2

2 - 3

in %

Baden-Württemberg

96 465

29,5

2,1

30,4

55,7

Bayern

109 549

28,5

1,9

31,0

52,7

Berlin

51 951

43,8

1,6

52,5

77,0

Brandenburg

36 529

56,9

3,2

73,6

88,8

Bremen

5 851

28,4

1,1

29,8

55,0

Hamburg

28 699

46,6

2,5

57,4

80,4

Hessen

57 749

31,4

2,1

34,2

57,2

Mecklenburg-Vorpommern

22 825

56,9

3,6

75,8

89,0

Niedersachsen

72 011

32,1

1,5

34,7

59,3

Nordrhein-Westfalen

147 171

28,2

1,2

25,0

57,8

Rheinland-Pfalz

35 933

31,3

1,3

20,2

71,3

Saarland

7 415

29,9

2,9

33,6

52,5

Sachsen

58 242

52,3

2,4

66,3

85,3

Sachsen-Anhalt

31 488

58,2

7,1

75,8

88,2

Schleswig-Holstein

26 860

34,8

1,9

39,0

62,2

Thüringen

29 745

54,6

2,4

67,8

90,1

Deutschland

818 483

34,3

1,9

37,1

63,2

Früheres Bundesgebiet

587 703

30,3

1,7

30,6

58,2

Neue Länder (einschließlich Berlin)

230 780

52,1

3,0

65,9

84,9

1: Die Ergebnisse zur Tagespflege beinhalten nur die Kinder, die nicht zusätzlich eine Kindertageseinrichtung besuchen (das heißt ohne Doppelzählung).
2: Anteil der betreuten Kinder an allen Kindern in dieser Altersgruppe. Die bei der Quotenberechnung verwendeten Einwohnerzahlen beruhen auf den Ergebnissen der Bevölkerungsfortschreibung zum 31. Dezember 2018 auf Basis des Zensus 2011.

Quelle: Pressemitteilung Nr. 379 des Statistischen Bundesamtes vom 26.09.2019

 

Kitapersonal braucht bessere Arbeitsbedingungen

Trotz aller Kraftanstrengungen: Die unzureichende Personalausstattung in deutschen Kitas wird zunehmend zum Problem. Zwar hat sich die Zahl der pädagogischen Fachkräfte durch den Kita-Ausbau deutlich erhöht, doch die Personalschlüssel verbessern sich vielerorts zu langsam. Der Personalmangel belastet nicht nur die Kita-Qualität, sondern auch die Erzieherinnen und Erzieher und erschwert es, mehr Menschen für den Beruf zu begeistern.

Mit dem Kita-Ausbau ist von 2008 bis 2018 die Zahl des pädagogischen Personals um 54 Prozent angestiegen, von 379.146 auf 582.125. Diese enorme Aufstockung des Kitapersonals ist ein erheblicher Erfolg. Zudem zeigt sich seit 2013 – dem Jahr der Einführung des Rechtsanspruchs auf einen Krippenplatz – eine im bundesweiten Durchschnitt verbesserte Personalsituation in den Kitas.

Konkret heißt das: Am 1. März 2013 war eine vollzeitbeschäftigte pädagogische Fachkraft in Krippengruppen rein rechnerisch noch für 4,6 ganztagsbetreute Kinder zuständig. Am 1. März 2018 waren es 4,2 Kinder. Auch in Kindergartengruppen gab es eine Verbesserung: verantworteten Erzieherinnen und Erzieher 2013 die Förderung von 9,6 Kindern, waren es im Jahr 2018 nur noch 8,9 Kinder. Trotz dieser Entwicklung sorgen die Personalschlüssel vielerorts nach wie vor dafür, dass in zahlreichen Kitas nicht kindgerecht betreut werden kann und die Arbeitsbelastung für die Fachkräfte sehr hoch ist. Zu diesen Ergebnissen kommt das diesjährige Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme. Die Bertelsmann Stiftung empfiehlt, dass für eine kindgerechte Betreuung in Krippengruppen maximal drei Kinder auf eine pädagogische Fachkraft kommen und in Kindergartengruppen 7,5.

Bundesweit einheitliche Standards für gleiche Bildungschancen und Arbeitsbedingungen

Die im bundesweiten Durchschnitt verbesserten Personalschlüssel verdecken die unter-schiedlichen Entwicklungsdynamiken in den Ländern. So gibt es Länder wie Bremen und Thüringen, in denen sich die Personalausstattung sowohl in Krippen- als auch Kindergartengruppen verschlechtert hat oder stagniert. Andernorts, wie etwa in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Hamburg, haben sich die Personalschlüssel von einem ungünstigen Ausgangsniveau deutlich verbessert. Hervorzuheben ist hier Mecklenburg-Vorpommern, wo bei den Personalschlüsseln der größte Qualitätssprung für die älteren Kinder gelungen ist (von 1 zu 14,9 auf 1 zu 13,2). Baden-Württemberg konnte in beiden Gruppenformen seine bereits günstigen Personalschlüssel sogar weiter ausbauen. Insgesamt hängen die Bildungschancen trotz des Qualitätsausbaus der vergangenen Jahre noch immer stark vom Wohnort ab. So ist in Mecklenburg-Vorpommerns Kindergartengruppen eine Fachkraft rein rechnerisch für 13,2 und in Baden-Württemberg für 7,0 Kinder zuständig. Im Krippenbereich zeigt sich zwischen Sachsen und Baden-Württemberg eine ebenso große Kluft (1 zu 6,2 und 1 zu 3,0). Je nach Land oder auch Kommune muss das Kitapersonal also unter sehr unterschiedlichen Arbeitsbedingungen die Bildung und Entwicklung von Kindern fördern.

Das Betreuungsverhältnis sieht im Kitaalltag sogar noch ungünstiger aus. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass rund ein Drittel der Arbeitszeit einer Erzieherin für Aufgaben außerhalb der pädagogischen Praxis benötigt wird; zum einen beispielsweise für Elterngespräche, Qualitätsentwicklung oder Bildungsdokumentationen, zum anderen für Urlaub und Fortbildungen. In Mecklenburg-Vorpommerns Kindergartengruppen muss dann beispielsweise eine Mitarbeiterin fast 20 Kinder, in Baden-Württemberg hingegen 10,5 Kinder betreuen. Längere Ausfallzeiten durch Krankheit verschlechtern die Betreuungssituation noch weiter, wenn kein Vertretungspersonal zur Verfügung steht.

Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, bedauert: „Das Gute-Kita-Gesetz ist eine vertane Chance. Es fehlen im Gesetz bundesweit einheitliche Standards für die Personalausstattung, damit überall kindgerechte Betreuungsverhältnisse und gleiche Arbeitsbedingungen realisiert werden können.“

Personal hat Vorrang: Mindestens 106.500 Fachkräfte notwendig

Dräger sorgt vor allem die angespannte Situation des Kitapersonals: „Der Fachkräftebedarf wird weiter steigen: Für mehr Plätze, eine gute Kitaqualität und den Ausbau der Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder brauchen wir mehr Erzieherinnen und Erzieher. Diese können wir nur gewinnen und halten, wenn die Arbeitsbedingungen gut und attraktiv sind. Kindgerechte Personalschlüssel sind dafür eine wichtige Stellschraube.“ Insgesamt brauche es, so Dräger, fast 106.500 zusätzliche Fachkräfte, um die Empfehlungen der Bertelsmann Stiftung zu realisieren.

Um neue Fachkräfte zu gewinnen, fordert er zudem Verbesserungen im Ausbildungssystem für Erzieherinnen und Erzieher: bundesweit kostenfreie Ausbildung, eine angemessene Ausbildungsvergütung sowie Renten- und Sozialversicherungspflicht für alle Ausbildungsgänge. Zudem sollen die derzeit entstehenden unterschiedlichen Wege in den Beruf – beispielsweise für Quereinsteiger – keine Absenkung des bisherigen formalen Qualifikationsniveaus nach sich ziehen.

Zusatzinformationen

Grundlage des jährlich aktualisierten Ländermonitorings Frühkindliche Bildungssysteme sind Auswertungen von Daten der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder aus der Kinder- und Jugendhilfestatistik und weiteren amtlichen Statistiken. Stichtag für die Datenerhebung war der 15. März 2008 und jeweils der 1. März 2013 und 2018. Die Berechnungen für 2018 wurden von dem LG Empirische Bildungsforschung der FernUniversität in Hagen durchgeführt. Die aktuellen Daten und Fakten zu den frühkindlichen Bildungssystemen finden Sie unter www.laendermonitor.de sowie in den Länderprofilen unter www.laendermonitor.de/laender-profile.

Der Personalschlüssel ist ein zentrales strukturelles Qualitätsmerkmal von Kitas. Nach Empfehlung der Bertelsmann Stiftung sind für eine gute Kita auch Standards für eine professionelle Leitungsausstattung, berufsbegleitende Beratung sowie Aus-, Fort- und Weiterbildung der Fachkräfte und eine gute Mittagsverpflegung wichtig. Zusammenfassende Darstellung der wissenschaftlichen Studien zu den Arbeitszeitanteilen verschiedener Aufgabenbereiche von Fachkräften vgl. Viernickel und Schwarz (2009).

Quelle: Pressemitteilung der Bertelsmann Stiftung vom 26.09.2019

 

Höchststand beim Kita-Ausbau: Rund 790.000 Plätze deutschlandweit für die Kleinsten

Das zeigen die aktuellen Zahlen, die das Bundesfamilienministerium für die vierte Ausgabe der Publikation „Kindertagesbetreuung Kompakt“ zusammengestellt hat. Demnach wurden am Stichtag 1. März 2018 bundesweit 789.559 Kinder unter drei Jahren in einer Kita oder in der Kindertagespflege betreut. Das waren 27.198 mehr als im Vorjahr. Die Betreuungsquote stieg damit von 33,1 auf 33,6 Prozent.

Bei den Kindern im Alter von drei Jahren bis zum Schuleintritt stieg die Zahl im Vergleich zum Vorjahr um 52.061 auf knapp 2,4 Millionen. Das ist der höchste Anstieg seit Beginn des Berichtszeitraums im Jahr 2006 und entspricht einer Betreuungsquote von 93,3 Prozent.

Quelle: Pressemitteilung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend vom 02.09.2019 (Auszug)

 

Kita-Qualität steigt - Gefälle zwischen Kreisen und Bundesländern ist enorm

Die Qualität der Kitas in Deutschland steigt. Dies zeigt sich vor allem an der positiven Entwicklung des Personalschlüssels. Kamen zum 1. März 2012 noch 4,8 ganztags betreute Kinder auf eine vollzeitbeschäftigte Fachkraft in Krippengruppen, waren es im März 2016 rein rechnerisch 4,3 Kinder. In Kindergartengruppen verbesserte sich der Personalschlüssel von 9,8 auf 9,2 Kinder pro Fachkraft.

Innerhalb der Bundesländer erhebliche Unterschiede in der Kita-Betreuung

Erstmals hat die Bertelsmann Stiftung die Kita-Personalschlüssel der 402 Kreise und kreisfreien Städte ausgewertet. Die Unterschiede sind enorm. In einigen Gebieten Brandenburgs kommen knapp dreimal so viele Krippenkinder auf eine Fachkraft wie in bestimmten Kreisen Baden-Württembergs. Doch auch innerhalb der Bundesländer sind die Unterschiede groß. In Bayern liegt das landesweite Mittel bei 3,7 Kindern pro Fachkraft, zwischen den Kreisen gibt es jedoch eine große Spannweite bei der Betreuungsrelation: So liegt der Personalschlüssel mancherorts bei 1 zu 2,7, andernorts bei 1 zu 5,0. Vergleichbar ist die Situation in Rheinland-Pfalz, wo kreisabhängig eine Fachkraft 2,7 bzw. bis zu 4,7 Kinder betreut (landesweites Mittel 3,5 Kinder pro Fachkraft). Eine landesweit relativ einheitliche - wenngleich ungünstige - Betreuungsrelation bei den unter Dreijährigen erreicht Sachsen. Auch im Saarland gibt es bei einer deutlich besseren Betreuungsrelation kaum Abweichungen vom landesweiten Mittel pro Fachkraft.

In Kindergartengruppen unterscheiden sich die Personalschlüssel ebenfalls zwischen den Kreisen erheblich. Während in einigen Kreisen Baden-Württembergs 6,1 Kinder von einer Fachkraft betreut werden, sind es in Mecklenburg-Vorpommern teilweise bis zu 14,3 Kinder. Auch die Gefälle innerhalb der einzelnen Bundesländer sind erheblich. In Hessen kommt eine Fachkraft auf 9,6 Kinder. Allerdings schwankt der Personalschlüssel auf Kreisebene zwischen 1 zu 7,6 und 1 zu 11,9. In Sachsen ist die Betreuungsrelation bei einem mittleren Personalschlüssel von 1 zu 13,4 landesweit einheitlicher: Dort sind es mindestens 12,9 und maximal 14,0 Kinder, die von einer Fachkraft betreut werden. Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, sieht die große Spannweite innerhalb der Bundesländer kritisch: "Die Bildungschancen von Kindern hängen heute erheblich von ihrem Wohnort ab. Wir brauchen verlässliche Kita-Qualität in ganz Deutschland."

Ost-West-Gefälle beim Personalschlüssel bleibt bestehen

Wenngleich sich die Kita-Qualität bundesweit tendenziell verbessert, sind die Unterschiede zwischen den Bundesländern nach wie vor gravierend. In westdeutschen Krippengruppen kümmert sich eine Fachkraft um deutlich weniger Kinder (1 zu 3,6) als in Ostdeutschland (1 zu 6,0). Allerdings befinden sich in Ostdeutschland 52 Prozent der unter Dreijährigen in Betreuung, während es in Westdeutschland lediglich 28 Prozent sind. Bundesweit sind fast alle Kinder ab dem dritten Lebensjahr in Kindertagesbetreuung. Im Westen kommen dabei 8,5, im Osten 12,2 Kinder auf eine Fachkraft. Die Bertelsmann Stiftung empfiehlt einen qualitätssichernden Personalschlüssel von 1 zu 3,0 in Krippengruppen und 1 zu 7,5 in Kindergartengruppen. Mit Blick auf diese Empfehlung sticht Baden-Württemberg im direkten Ländervergleich positiv hervor. Bundesweite Schlusslichter sind Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen.

Gebraucht werden bundesweit einheitliche Standards und zusätzliches Kita-Personal

"Bund und Länder müssen einheitliche Qualitätsstandards umsetzen", fordert Dräger. Für einen kindgerechten Personalschlüssel müssen nach Berechnungen der Bertelsmann Stiftung zusätzlich 107.200 vollzeitbeschäftigte Fachkräfte eingestellt und weitere 4,9 Milliarden Euro jährlich bereitgestellt werden. Zusätzlicher Bedarf an Kita-Plätzen und Fachkräften entsteht zudem aufgrund der Trendwende bei den Geburtenzahlen und einer zunehmenden Anzahl an Kindern mit Fluchterfahrungen. Ohne attraktivere Rahmenbedingungen für das Kita-Personal wird es schwer, dem steigenden Fachkräftebedarf nachzukommen. Der Ausbau in Qualität und Quantität erfordert einen Kraftakt von Bund, Ländern, Kommunen und auch Eltern. Deshalb rät Dräger davon ab, kurzfristig auf die Elternbeiträge zu verzichten: "Erst wenn die Qualität stimmt und genügend Betreuungsplätze zur Verfügung stehen, können wir die Beitragsfreiheit angehen." Die Beteiligung der Eltern darf dennoch keine Zugangsbarriere für Kinder werden. Deshalb sollten Kita-Beiträge einkommensabhängig gestaffelt und Familien mit besonders niedrigen Einkommen komplett entlastet werden. ...

Quelle: Pressemitteilung der Bertelsmann Stiftung vom 28.08.2017

 

5,2% der Beschäftigten in der Kindertagesbetreuung sind männlich

Nach wie vor ist der Anteil der Männer, die beruflich in der Kindertagesbetreuung tätig sind, relativ gering. Allerdings zog es in den letzten Jahren mehr Männer in diesen Beruf. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) anlässlich des Kids‘ Day am 26. April mitteilt, waren im März 2016 in Deutschland 5,2% der Beschäftigten in der Kindertagesbetreuung männlich. Damit waren rund 30.500 Männer unmittelbar mit der pädagogischen Betreuung von Kindern in einer Kindertageseinrichtung befasst oder als Tagesvater aktiv. Vor fünf Jahren waren es noch 16.700 Männer gewesen (3,6%).

Quelle: Statistisches Bundesamt: Zahl der Woche vom 25.04.2017

 

Leitungsmangel in Kitas gefährdet Qualität

Leiter und Leiterinnen von Kindertageseinrichtungen haben zu wenig Zeit für ihre Führungsaufgaben. Das ist das Ergebnis einer Studie der Bertelsmann Stiftung. Für Pädagogik, Personal, Budget und Elterngespräche fehlt den Leitungskräften durchschnittlich etwa die Hälfte der eigentlich notwendigen Zeit. In den Bundesländern wird unterschiedlich viel Wert auf die zeitliche Leitungsausstattung gelegt.

Lediglich 15 Prozent der mehr als 51.000 Kitas in Deutschland erfüllen derzeit die Empfehlungen der Bertelsmann Stiftung. Denen zufolge sollte jede Kita unabhängig von ihrer Größe idealerweise über eine Grundausstattung von 20 Stunden pro Woche für Führungs- und Leitungsaufgaben verfügen. Zusätzlich zu diesem Sockel sollten jeder Kita pro rechnerisch ganztags betreutem Kind 0,35 Stunden wöchentlich eingeräumt werden, um dem höheren Leitungsaufwand mit wachsender Kita-Größe gerecht zu werden. Die Leiterin einer Kita mit rechnerisch 30 ganztags betreuten Kindern hätte nach diesem Modell 30,5 Wochenstunden, innerhalb derer sie neben der klassischen Betriebs- und Personalführung das pädagogische Konzept weiterentwickeln und die Zusammenarbeit mit Eltern und externen Partnern gestalten kann. Fast doppelt so viele Leitungsstunden würden einer Einrichtung mit 115 ganztags betreuten Kindern zur Verfügung stehen.

Jeder zweiten Kita fehlt das Minimum an Leitungskapazität

Die Bedeutung dieser Aufgaben für die Qualität einer Kita ist laut Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, lange unterschätzt worden: "Eine gute Kita braucht kindgerechte Personalschlüssel und eine professionelle Leitung. Das verbessert die Qualität in den Kitas und hat einen positiven Einfluss auf die Bildungschancen der Kinder", sagt Dräger. Zwar seien in Kita-Ausbau und bessere Betreuungsrelationen in den vergangenen Jahren erhebliche Summen investiert worden, die Ausstattung mit Leitungsressourcen sei allerdings zumeist vernachlässigt worden. "Die gestiegenen Ansprüche von Eltern, Gesellschaft und Politik kann eine Kita kaum erfüllen, wenn nicht wenigstens eine halbe Stelle für Leitungsaufgaben vorhanden ist", so Dräger.

Genau das trifft derzeit jedoch nur auf jede zweite Kita zu. Allen anderen knapp 25.000 Kitas in Deutschland steht noch nicht einmal der von der Bertelsmann Stiftung empfohlene Sockel von 20 Leitungsstunden zur Verfügung. Fast 11 Prozent der deutschen Kitas haben sogar überhaupt keine zeitlichen Ressourcen für Leitungs- und Verwaltungsaufgaben. Davon betroffen sind vor allem kleinere Einrichtungen. Jeder vierten Kita mit weniger als 40 Plätzen steht keinerlei Zeit für Leitung und Verwaltung zur Verfügung. "Die Null-Ausstattung für Leitung geht zu Lasten der Kinderbetreuung, des pädagogischen Konzepts und der Gesundheit der Leiterin", sagt Dräger.

Große regionale Unterschiede legen bundesweite Standards nahe

Ähnlich wie bei den Personalschlüsseln stellt sich die Lage in den einzelnen Bundesländern höchst unterschiedlich dar. Überhaupt keine zeitlichen Ressourcen haben in Bremen 28 Prozent der Kitas, in Sachsen-Anhalt und Thüringen hingegen nur knapp 1 Prozent. Und während in Hamburg jede zweite Kita die Empfehlung der Bertelsmann Stiftung erfüllt, erreichen in Thüringen nur 3 Prozent der Kitas den empfohlenen Wert. Nicht viel besser ist die Lage in Sachsen-Anhalt (4 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (5 Prozent) und Bayern (6 Prozent).

Für Jörg Dräger sind diese eklatanten Unterschiede zwischen den Ländern ein Beleg dafür, dass es eines bundesweit einheitlichen Standards bedarf. Mit einem solchen Standard kann die Zeit bemessen werden, über die Leitungskräfte verfügen sollten. "Die nötigen Ressourcen für die Leitung einer Kita sollten gesetzlich verankert und finanziell gesichert sein", fordert der Vorstand der Bertelsmann Stiftung.

Um das bestmögliche Maß an Professionalisierung zu erreichen, fehlen für die Leitungsebene umgerechnet 21.800 Vollzeitkräfte in Deutschland. Bundesweit bedeutet dies einen Anstieg der Personalkosten um jährlich bis zu 1,3 Milliarden Euro (das entspricht in etwa 5 Prozent der öffentlichen Ausgaben für die Kindertagesbetreuung). ...

Quelle: Pressemitteilung der Bertelsmann Stiftung vom 06.03.2017

 

Pro-Kopf-Ausgaben für Kindertagesbetreuung: 2006 - 2015

Auf Grundlage der Jugendhilfestatistik, die vom Statistischen Bundesamt zur Verfügung gestellt wird, lassen sich die Ausgaben der öffentlichen Hand für Kindertagesbetreuung pro Kind berechnen (inklusive der investiven Aufwendungen). So ist ein Vergleich der Pro-Kopf-Beträge der einzelnen Bundesländer möglich.

Zwischen 2006 und 2015 stieg die Zahl der in Einrichtungen und Tagespflege betreuten Kinder im Alter von 0 bis 14 Jahren bundesweit von 3.014.757 auf 3.490.592 an. Im gleichen Zeitraum nahmen die Pro-Kopf-Ausgaben der öffentlichen Hand für Kindertagesbetreuung von 3.464 auf 7.040 Euro zu. Dies verdeutlicht die großen Anstrengungen der Länder und Kommunen, mehr Plätze für unter Dreijährige zur Verfügung zu stellen und die Ganztagsbetreuung auszuweiten.

Auch zwischen 2014 und 2015 nahmen die Pro-Kopf-Ausgaben für Kindertagesbetreuung zu, und zwar um 372 Euro (von 6.668 Euro auf 7.040 Euro).

Allerdings sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern bei den Ausgaben pro Kind sehr groß. Für 2015 ergibt sich folgende Reihenfolge der Länder:

  1. Berlin: 9.504 Euro
  2. Hamburg: 8.973 Euro
  3. Rheinland-Pfalz: 8.505 Euro
  4. Bremen: 8.277 Euro
  5. Nordrhein-Westfalen: 8.066 Euro
  6. Saarland: 8.007 Euro
  7. Hessen: 7.768 Euro
  8. Bayern: 7.753 Euro
  9. Baden-Württemberg: 7.362 Euro
  10. Niedersachsen: 6.385 Euro
  11. Thüringen: 6.329 Euro
  12. Schleswig-Holstein: 6.151 Euro
  13. Sachsen-Anhalt: 4.796 Euro
  14. Brandenburg: 4.613 Euro
  15. Sachsen: 4.516 Euro
  16. Mecklenburg-Vorpommern: 4.090 Euro

Sechs Bundesländer gaben mehr als 8.000 Euro pro Kind für Kindertagesbetreuung aus - vier Länder hingegen weniger als 5.000 Euro. Der Spitzenreiter, das Land Berlin, wandte mit 9.504 Euro pro Kopf mehr als doppelt so viel wie Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern auf.

In allen Bundesländern stiegen die Pro-Kopf-Ausgaben für Kindertagesbetreuung zwischen 2006 und 2015 mehr oder minder stark an. Gegenüber 2014 erhöhten sich die Beträge in allen Bundesländern mit. Die höchsten Anstiege (in absoluten Zahlen) zwischen 2014 und 2015 verzeichneten Hamburg mit 1.151 Euro und Bayern mit 980 Euro pro Kind.

Detaillierte Angaben für die neun Jahre und Erklärungen zur Berechnung der Zahlen können unter www.kindergartenpaedagogik.de/1650a.pdf abgerufen werden.

Der Pro-Kopf-Betrag für Bayern ist etwas zu hoch, da - im Gegensatz zu den anderen Bundesländern - die Personalkostenzuschüsse sowie investive Zuschüsse für Kindertageseinrichtungen freier Träger im Ergebnis enthalten sind. Bei dem Betrag für Nordrhein-Westfalen ist zu beachten, dass bei den Einnahmen der öffentlichen Träger für eigene Einrichtungen der Kindertagesbetreuung die Einnahmen von Einrichtungen in freier Trägerschaft mit enthalten sind, da in Nordrhein-Westfalen Elternbeiträge von den öffentlichen Trägern der Kinder- und Jugendhilfe mit vereinnahmt werden. Dieser Einnahmeanteil kann nicht separat ausgewiesen werden.

Ansonsten gilt, dass nur die reinen Kosten der Bundesländer und der Kommunen berücksichtigt wurden. Die Gesamtausgaben pro Kind sind somit höher, wenn man auch die Aufwendungen der Eltern (Elternbeiträge) und der freien Träger von Kindertageseinrichtungen (z.B. Kirchengemeinden, Wohlfahrtsverbände, Vereine) einbeziehen würde.

Quelle: Pressemitteilung des Instituts für Pädagogik und Zukunftsforschung vom 28.02.2017

 

Bedarf bei Kindertagesbetreuung weiter gestiegen - BMFSFJ veröffentlicht erstmals Daten zu Betreuungsbedarfen von Kindern von 3-11 Jahren

Die aktuellen Zahlen zeigen: Der Ausbau in der Kindertagesbetreuung muss weitergehen. In der Publikation "Kindertagesbetreuung Kompakt" hat das BMFSFJ die aktuellen Zahlen zusammengetragen. Erstmals auch für Grundschulkinder bis 11 Jahre.

Der Betreuungsbedarf für Kinder unter drei Jahren ist weiter gestiegen, von 43,6% in 2015 auf 46% in 2016. Doch nur 32,7% der Kinder dieser Altersgruppe - das entspricht einer Zahl von knapp 720.000 Kindern - wurden auch tatsächlich in 2016 betreut.

Nicht nur das Platzangebot, sondern auch die angebotenen Betreuungsumfänge sind für Eltern ein wichtiges Thema. Bei etwa der Hälfte der Eltern von Drei- bis Fünfjährigen unterschreitet die tatsächliche Betreuungszeit der Kinder die von ihren Eltern benötigte Betreuungszeit um mindestens fünf Stunden die Woche.

Auch ein Teil der Eltern von Grundschulkindern bis unter elf Jahren hat einen erweiterten Betreuungsbedarf. Eltern von Kindern ohne Betreuungsangebot nach dem Unterricht äußern einen zusätzlichen Betreuungsbedarf von über 22 Prozent. Aber auch bei Eltern von Kindern, die einen Hort besuchen, haben 14 Prozent einen zusätzlichen Betreuungsbedarf von durchschnittlich 10 Stunden pro Woche. Bei Ganztagsschülerinnen und -schülern nennen über 22 Prozent der Eltern einen zusätzlichen Bedarf von durchschnittlich 9 Stunden pro Woche. Es zeigt sich, dass ganztägige Betreuungsangebote auch für Grundschulkinder weiter auszubauen sind. ...

Quelle: Pressemitteilung des BMFSFJ vom 03.02.2017

 

228.000 Plätze für unter Dreijährige fehlen

Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln fehlen für 10,4% der unter dreijährigen Kinder Betreuungsplätze, wenn man von den Wünschen der Eltern ausgeht. Der Prozentsatz variiert je nach Bundesland:

  1. Bremen: 14,2%
  2. Nordrhein-Westfalen: 13,4%
  3. Schleswig-Holstein: 12,7%
  4. Rheinland-Pfalz: 12,5%
  5. Niedersachsen: 11,2%
  6. Baden-Württemberg: 11,1%
  7. Saarland: 10,8%
  8. Hessen: 10,0%
  9. Bayern: 9,5%
  10. Hamburg: 8,9%
  11. Berlin: 7,6%
  12. Mecklenburg-Vorpommern: 6,5%
  13. Sachsen: 6,1%
  14. Sachsen-Anhalt: 5,2%
  15. Thüringen: 4,4%
  16. Brandenburg: 4,1%

Zum einen konnte noch nicht das auf dem "Krippengipfel" von 2007 beschlossene Ziel erreicht werden, 750.000 Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren bis zum Jahr 2013 zu schaffen. Zum anderen ist damals von einem zu geringen Bedarf ausgegangen worden: Statt 35% der Eltern unter dreijähriger Kinder wünschen sich mehr als 43% einen Betreuungsplatz.

Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln: Bund muss Kita-Lücken schließen (30.12.2016). https://www.iwd.de/artikel/bund-muss-kita-luecken-schliessen-319262/.

 

Pro-Kopf-Ausgaben für frühkindliche Bildung höher als für Grundschüler/innen

Im Juni 2016 veröffentlichte der Grundschulverband das Gutachten "Finanzierung und Ausstattung der deutschen Grundschulen" von Klaus Klemm. Dieser ermittelte, dass im Jahr 2013 deutschlandweit rund 5.600 Euro je Schüler/in an Grundschulen ausgegeben wurde - im Gegensatz zu 7.500 Euro je Schüler/in an Gymnasien. Bei der Betrachtung der einzelnen Bundesländer ergab sich eine erhebliche Spannweite, die von 4.800 Euro (Nordrhein-Westfalen) bis zu 8.700 Euro (Hamburg) reichte.

Für Kinder in Kindertageseinrichtungen und Tagespflege gab die öffentliche Hand im Jahr 2013 mit 5.726 Euro pro Kind (um Investitionen bereinigte Pro-Kopf-Ausgaben, siehe http://www.kindergartenpaedagogik.de/2316.pdf) 126 Euro mehr aus als für Grundschüler/innen - aber 1.774 Euro weniger als für Schüler/innen an Gymnasien. Auch hier konnte eine große Bandbreite bei den Ausgaben für frühkindliche Bildung zwischen den einzelnen Bundesländern festgestellt werden (ebd.).

Beim Vergleich dieser Zahlen muss man beispielsweise berücksichtigen, dass Grundschulkinder mit 24,2 Unterrichtsstunden pro Woche ("Wochenpflichtstunden", deutschlandweiter Durchschnittswert laut Klaus Klemm) bei weitem kürzer gefördert wurden als Kleinkinder in Kindertageseinrichtungen und Tagespflege: Im Jahr 2013 wurden 27,2% der unter Dreijährigen mehr als 25 und bis zu 35 Stunden sowie 51,9% mehr als 35 Stunden betreut; bei Kindern im Alter von drei Jahren bis zum Schuleintritt waren es 40,4% bzw. 43,6% (vertraglich vereinbarte Betreuungszeit laut Bildungsbericht 2014). Selbst wenn Klaus Klemm in seiner Studie darauf verwies, dass die Pro-Kopf-Beträge auch die eingesetzten Ressourcen für die Finanzierung von Ganztagsschulen enthielten und im Schuljahr 2014/15 bereits 27,1% aller Grundschüler/innen Ganztagsschulen besuchten, wird deutlich, dass mit den 5.726 Euro pro Kind in Kindertageseinrichtungen und Tagespflege eine bei weitem längere Bildungszeit finanziert wird.

Zudem wird - bedingt durch das Alter der Kinder - in Kindertageseinrichtungen und Tagespflege eine personalintensivere Betreuung gewährleistet: Während in Grundschulen 16,3 Schüler/innen auf eine Stelle kamen (2014, laut Klaus Klemm), lagen die Personalschlüssel in Kindertageseinrichtungen zwischen 4,6 bei reinen Krippengruppen und 9,6 bei reinen Kindergartengruppen (2013; Median laut Bildungsbericht 2014). Tagespflegepersonen betreuten im Durchschnitt 3,2 Kinder.

Schon diese beiden Vergleiche verdeutlichen, wie "kostengünstig" die frühkindliche Bildung ist: Für einen minimal höheren Pro-Kopf-Betrag wird zum einen eine personalintensivere und individuellere Förderung (besserer Personalschlüssel) und zum anderen eine längere und umfassendere Förderung als in Grundschulen gewährleistet - sofern in Kindertageseinrichtungen und Tagespflege wirklich Vorgaben wie die folgenden umgesetzt werden: "Der Förderungsauftrag umfasst Erziehung, Bildung und Betreuung des Kindes und bezieht sich auf die soziale, emotionale, körperliche und geistige Entwicklung des Kindes. Er schließt die Vermittlung orientierender Werte und Regeln ein. Die Förderung soll sich am Alter und Entwicklungsstand, den sprachlichen und sonstigen Fähigkeiten, der Lebenssituation sowie den Interessen und Bedürfnissen des einzelnen Kindes orientieren und seine ethnische Herkunft berücksichtigen" (§ 22 Abs. 3 SGB VIII).

Offensichtlich dürfte aber auch sein, dass eine längere Betreuungszeit je Kind und ein besserer Personalschlüssel durch die schlechtere Bezahlung von sozialpädagogischen Fachkräften in Kindertageseinrichtungen und von Tagespflegepersonen im Vergleich zu Grundschullehrer/innen "erkauft" werden. Zudem haben sozialpädagogische Fachkräfte und Tagespflegepersonen kaum Verfügungszeit (z.B. für die Vorbereitung von Bildungsangeboten oder für die Dokumentation der Entwicklung der ihnen anvertrauten Kinder).

Quelle: Pressemitteilung des Instituts für Pädagogik und Zukunftsforschung vom 14.07.2016

 

Fast zwei Drittel der Beschäftigten arbeiten weniger als 38 Stunden

Teilzeitbeschäftigung hat in Kitas einen hohen Stellenwert: Nahezu zwei Drittel des Personals arbeiteten 2015 weniger als 38,5 Stunden pro Woche. 1998 war es nur knapp die Hälfte. 2015 gingen rund 26% einer Tätigkeit im Umfang von 21 bis unter 32 Stunden nach, rund 18% hatten sogenannte vollzeitnahe Stellen mit 32 bis unter 38,5 Stunden und rund 16% solche mit unter 21 Stunden. Der vollzeitnahe Bereich ist in Ostdeutschland deutlich stärker ausgeprägt, während in den westdeutschen Ländern mehr Beschäftigte unter 21 Stunden in Kitas tätig sind. Das zeigen neue Auswertungen des Fachkräftebarometers Frühe Bildung der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF).

Die Zunahme von Teilzeit ist nicht zu Lasten von Vollzeitverträgen gegangen. Sie ist vielmehr auf einen Personalausbau zurückzuführen, der mehr Teilzeit- als Vollzeitstellen umfasst: Während zwischen 1998 und 2015 die Anzahl der Vollzeitjobs um +28% auf rund 223.000 gestiegen ist, haben sich die Teilzeitarbeitsplätze zeitgleich mehr als verdoppelt (+109%) auf rund 332.000. Der überproportionale Anstieg lässt sich für alle Formen der Teilzeit beobachten, insbesondere für Stellen mit 32 bis unter 38,5 Stunden (+183%). Den zweitgrößten Zuwachs hatten Stellen mit einer Wochenarbeitszeit von unter 21 Stunden (+139%), aber auch solche mit 21 bis unter 32 Stunden wurden ausgebaut (+65%).

Die große Bedeutung der Teilzeit hängt mit dem hohen Anteil an Frauen im Arbeitsfeld Kita zusammen (95%). Sie entscheiden sich für einen reduzierten Stellenumfang, um Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren. Dies legt der Mikrozensus für das Jahr 2013 nahe: Nur rund 14% der Erwerbstätigen in der Frühen Bildung, die weniger als 32 Stunden arbeiteten, gaben an, keine Vollzeitstelle zu finden. Die meisten Befragten nannten als Gründe für die Teilzeit die Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Personen bzw. Menschen mit Behinderung (31%) sowie sonstige persönliche und familiäre Verpflichtungen (24%) - eine Aufgabe, die immer noch überwiegend von Frauen übernommen wird.

www.fachkraeftebarometer.de

Das Fachkräftebarometer Frühe Bildung liefert auf Basis der amtlichen Statistik ausführliche Informationen über Personal, Arbeitsmarkt, Erwerbssituation sowie Qualifizierung in der Frühpädagogik. Die Publikation wurde im November 2014 erstmals veröffentlicht. Als Beobachtungs- und Analyseinstrument erscheint sie zukünftig etwa alle zwei Jahre. Die Website präsentiert einen Überblick über Bundestrends und Entwicklungen in den Ländern. Darüber hinaus wird jeden Monat eine aktuelle Zahl vorgestellt, die die Analysen des Fachkräftebarometers Frühe Bildung fortschreibt.

Quelle: Pressemitteilung der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF) vom 06.04.2016 (gekürzt)



In: Martin R. Textor/Antje Bostelmann (Hrsg.): Das Kita-Handbuch.

https://kindergartenpaedagogik.de/fachartikel/kita-politik/bildungspolitik/1650