Zitiervorschlag

Aus: Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung: Bildung für eine nachhaltige Entwicklung - Orientierungsrahmen. Materialien zur Bildungsplanung und zur Forschungsförderung, Heft 69. Bonn: Selbstverlag 1998, S. 4-7, 41-46

Bildung für eine nachhaltige Entwicklung

Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung

 

Vorwort

Umweltbildung hat in den letzten 20 Jahren in allen Einrichtungen des Bildungswesens eine Fülle von Veränderungen bewirkt. Lehrpläne, Ausbildungsordnungen, Studienpläne und zahlreiche Angebote verschiedener Träger der Weiterbildung haben Umweltthemen aufgenommen.

Einige Einrichtungen haben darüber hinaus praktischen Umwelt- und Naturschutz zum Leitbild der Umgestaltung ihrer Gebäude und Gelände genutzt. Umweltbildungszentren spielen eine wichtige Rolle bei der Unterstützung der institutionellen Umweltbildung. All dies ist ausführlich dargestellt in der 1997 erschienenen Evaluationsstudie "Umweltbildung als Innovation - Bilanzierungen und Empfehlungen zu Modellversuchen und Forschungsvorhaben" von de Haan und anderen.

Mit der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung vom Juni 1992 in Rio de Janeiro und dem Beschluß der 4. Kommission für nachhaltige Entwicklung vom April 1996 in New York City haben die am "Rio-Prozeß" beteiligten Staaten, darunter auch die Bundesrepublik Deutschland, sich darauf verständigt, daß Umweltbildung eine geeignete Grundlage für die notwendige Entwicklung einer Bildung im Zeichen des Leitbilds einer nachhaltigen Entwicklung bietet und entsprechend weiterzuentwickeln ist: Die Verwirklichung des Leitbilds einer nachhaltigen Entwicklung ist eine der wesentlichen Bildungsaufgaben der Zukunft. Dabei spielen andere Politikbereiche eine ebenso tragende Rolle: Gesundheitsschutz, entwicklungspolitische Bildung, politische Bildung, wirtschaftliche Entwicklung, Bekämpfung der Armut sind nur einige Themen, die die Zukunft der Umweltbildung beeinflussen werden.

In diesem Zusammenhang stellen sich heute den Bildungseinrichtungen in allen Bereichen des Bildungssystems folgende Fragen:

Auf den Punkt gebracht: Traditionelle Umweltbildung versuchte, die Lernenden zu Anwälten für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen zu erziehen bzw. aus- oder weiterzubilden. Das Bildungsziel Nachhaltigkeit fordert mehr: Die "Anwälte" werden sozusagen "Schiedsleute". Sie müssen jetzt auch lernen, Konflikte zu analysieren, Lösungsvorschläge abzuwägen, Kompromisse und Perspektiven zu konzipieren und vermittelnd umzusetzen. Die daraus abgeleitete zusammenfassende Grundfrage für Bund, Länder und Kommunen lautet somit: Wie lassen sich Bildungseinrichtungen ermutigen und in Stand setzen, sich selbständig innovativ zu entwickeln und ihren Beitrag zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen in Verantwortung für die kommenden Generationen zu leisten?

Der "Orientierungsrahmen Bildung für eine nachhaltige Entwicklung" der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung richtet sich an die Verantwortlichen in der Bildungspolitik, Bildungsverwaltung und mit Fragen der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung befaßten gesellschaftlichen Institutionen und Organisationen. Er formuliert auf der Basis vielfältiger Erfahrungen der Umweltbildung inhaltliche Eckpunkte und Anregungen, mit denen Bildungseinrichtungen ihren Weg zu Orten des Lehrens und Lernens im Zeichen des Leitbilds einer nachhaltigen Entwicklung gehen können.

Zusammenfassung

Ausgehend von vorliegenden Beschlüssen zur Umweltbildung, beispielsweise des Deutschen Bundestages, des Hauptausschusses des Bundesinstituts für Berufsbildung oder der Kultusministerkonferenz sowie der Kommission für nachhaltige Entwicklung und von Empfehlungen, z. B. des Wissenschaftsrates, des Wissenschaftlichen Beirats Globale Umweltveränderungen und des Sachverständigenrats für Umweltfragen, formuliert der Orientierungsrahmen didaktische Prinzipien und Schlüsselqualifikationen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung:

Ausführlich werden die Aufgaben beschrieben, die sich in den verschiedenen Bildungsbereichen, in Kindertagesstätten, in der Schule, in der beruflichen Bildung, in der Hochschule und in der Weiterbildung zur Umsetzung des Leitbildes einer nachhaltigen Entwicklung stellen:

Der Orientierungsrahmen schließt mit konkreten Maßnahmen des Bundes und der Länder, die sich auf drei Ebenen erstrecken:

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V. Stand der Diskussion, Folgerungen für die einzelnen Bildungsbereiche und die Qualifizierung des Personals

1. Kindertagesstätten

1.1 Zum gegenwärtigen Diskussionsstand

Im Kindergartenbereich wurden Überlegungen und Konzepte zu einer ökologisch bewußten Pädagogik schon früh entwickelt, intensiv diskutiert und in vielen Einrichtungen - auch mit bewußt unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen - umgesetzt. Die für den gesamten Bereich der Jugendhilfe typische Trägervielfalt, deren Autonomie in konzeptionellen Fragen und die intensive, trägerübergreifend auf den verschiedensten Ebenen geführte konzeptionelle Diskussion haben auch diese Entwicklung gefördert und beschleunigt.

Gegenwärtig stehen folgende Themen im Vordergrund:

1.2 Zur Weiterentwicklung von Kindertagesstätten

Die Ansätze einer Bildung für eine nachhaltige Entwicklung fügen sich wie folgt in die Essentials der Kindergartenpädagogik ein:

Quelle

http://www.blk-bonn.de/papers/heft69.pdf



In: Martin R. Textor/Antje Bostelmann (Hrsg.): Das Kita-Handbuch.

https://kindergartenpaedagogik.de/fachartikel/bildungsbereiche-erziehungsfelder/naturwissenschaftliche-und-technische-bildung-umweltbildung/643