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Zitiervorschlag

COVID-19-Krise und ihre Auswirkungen – Eine entwicklungstheoretisch-psychomotorische Perspektive für die Pädagogik der frühen Kindheit

Frank Francesco Birk & Sandra Mirbek

 

Abstract

Die COVID-19-Situation hat große Auswirkungen auf die Entwicklung der Menschen sowie unterschiedliche Bereiche wie Wirtschaft, Bildungssystem, Familienleben und Berufstätigkeit. Menschen erfahren Ängste und Unsicherheiten bezüglich ihrer Existenz und müssen sich mit neuen Regeln wie Abstand halten, Isolation von Freunden und Familie sowie der allgegenwärtigen Infektionsgefahr und dem möglichen schweren bzw. tödlichen Verlauf auseinandersetzen. Die Entwicklungstheorie nach Erikson und die Psychomotorik können einen bedeutsamen Beitrag leisten, dass diese körperlichen Erfahrungen verarbeitet werden und wieder eine positive Entwicklung möglich ist. Insbesondere für Kinder im Kindergarten- und Schulalter kann eine psychomotorische Begleitung vielfältige Fördermöglichkeiten sowie Gelegenheiten zur Verarbeitung dieser Situation bieten.  

Einleitung

Die COVID-19 und die damit einhergehenden Maßnahmen haben das Leben auf der Erde für die meisten Menschen massiv verändert. Auf der ganzen Welt erkrankten (13.562.401) und starben (585.093) zahlreiche Menschen (Stand: 16.07.2020). Viele Menschen haben zuvor keine Isolation (z.B. Ausgangssperren, Quarantäne, Kontaktbeschränkungen) von sozialen Kontakten (z.B. Freunden, Familienmitgliedern und Arbeitskolleg*innen), finanzielle Notlage (z.B. Kündigung, Kurzarbeit), solch außergewöhnliche Einkaufssituationen (z.B. Engpässe bei Nahrungs- und Hygienemitteln, Maskenpflicht), die flächendeckende Schließung von Bildungseinrichtungen (z.B. Kita und Schule) sowie eine massive Auseinandersetzung mit der Krankheit (z.B. Hygienemaßnahmen, Schutz vor Ansteckung, Weitergabe der Erkrankung) erlebt (vgl. Birk & Mirbek 2020).

Die Autoren setzten sich bereits in zwei Beiträgen mit der psychomotorischen Entwicklungs- und Gesundheitsförderung in Bezug auf die COVID-19-Situation auseinander. Diese coronabedingten Erfahrungen haben Auswirkungen auf die Entwicklung von vielen Menschen. Dieser Beitrag nimmt eine entwicklungstheoretische Perspektive auf die aktuelle Situation ein, anhand derer vielen Menschen durch Psychomotorik geholfen werden kann, wenn die aktuellen Kontaktbeschränkungen weiter aufgehoben werden.

Psychosoziale Entwicklungstheorie und Psychomotorische Entwicklungsbegleitung

Die Entwicklungstheorie der psychosozialen Entwicklung nach dem Psychoanalytiker Erik Homburger Erikson (*1902 - †1994) ist für den Diskurs der Pädagogik der frühen Kindheit weiterhin von großer Bedeutung. Auch die COVID-19-Situation ist eine große Herausforderung für die Entwicklung aller Menschen. Schon intrauterin und im Säuglingsalter zeigen sich Auswirkungen auf die Entwicklung. In dieser Phase haben der Stress und die Sorgen der Mutter Einfluss auf das Ungeborene. Obgleich es noch nicht geboren ist, ist der Fötus beispielsweise dem Stresshormon Cortison und der körperlichen Anspannung der Mutter ausgesetzt. Diese Erfahrungen schreiben sich schon früh in das Körpergedächtnis ein. Auch Stress und Anspannung im Kontakt mit dem Säugling sind ungünstig für die Entwicklung. Durch psychomotorische Interventionen in dieser Lebensphase sollen auch Mutter und Vater Entspannung erfahren und dem Neugeborenen durch Körperkontakt (z.B. wiegen, schaukeln) Halt geben. Dieser Körperkontakt und die Nähe helfen dem Säugling Ur-Vertrauen aufzubauen.

Im Kleinkindalter (1. bis 3. Lebensjahr) erfährt das Kind durch die COVID-19-Situation Isolation (z.B. Ausgangsperre und Quarantäne). Die Betreuungseinrichtungen wie Kita, Krippe bzw. Tagespflege haben geschlossen und die Großeltern stehen für die Betreuung der Kinder nicht zur Verfügung. Die ggfs. neu aufgebauten Kontakte werden ausgesetzt, die intensive Eingewöhnung muss später evtl. erneut durchlaufen werden und Beziehungen zu den pädagogischen Fachkräften und den Kindern aus der Gruppe wieder neu angebahnt bzw. erneuert werden. In dieser Phase ist es wichtig, dass Kinder nicht nur in der pädagogischen Einrichtung zahlreiche Material- und Sozialerfahrungen machen, da diese durch die Isolation oftmals deutlich reduziert worden sind. Auch im häuslichen Umfeld können zusätzlich Alltagsmaterialien wie Zeitungspapier, Papierrollen, Bierdeckel, Joghurtbecher und Wäscheklammern zur Verfügung gestellt werden, damit die Kinder vielfältige kreative Materialerfahrungen sammeln. Ideen hierzu finden sich beispielsweise bei Birk & Mirbek (2020).  Hierdurch kann das Kind einen Zugewinn an Autonomie entwickeln.

Auch in der Phase Kleinkind- und Vorschulalter (3. Lebensjahr bis Schuleintritt) sind soziale Kontakte und Interaktionen für die Entwicklung wesentlich, wenngleich auch die Regulation zwischen Nähe und Distanz in dieser Entwicklungsphase bedeutsam ist. Die Kinder mussten eine Zeit Abstand halten und hatten keine sozialen Kontakte. Gerade am Anfang kann es dem einen oder anderen Kind schwer fallen wieder Nähe zuzulassen bzw. Distanz einhalten, sodass das der neu gewonnene Kontakt für alle Kinder positiv erlebt werden kann. Soziale Kontakte sollten auch gerade in dieser Phase intensiv belebt werden, da im gemeinsamen Spiel viele Bildungsprozesse stattfinden. Weiter sollten in den Kitas vielfältige Bildung- und Lernerfahrungen in und durch Bewegung stattfinden, sodass die Kinder viele Erfahrungen nachholen können, um dadurch die zeitweise staatlich angeordnete Verhäuslichung zu kompensieren. Die Kindheit im 21. Jahrhundert ist auch ohne die COVID-19-Situation geprägt durch „Verhäuslichung, Verinselung, den Mangel an Primärerfahrungen in der Natur, mangelnde Bewegungserfahrungen sowie fehlende Spielgefährten“ (Birk 2020, S. 33). Hier ist insbesondere die Psychomotorik gefragt diesem Phänomen durch Bewegung, soziale Interaktionen und materielle Erfahrungen zu begegnen.

Auch in der Phase Schulalter (6. Lebensjahr bis Pubertät) konnten die Kinder der Schulpflicht nicht nachgehen, da die Schulen wegen COVID-19 geschlossen waren. Im Schulsystem wären bewegte Lernerfahrungen wünschenswert, um den Kindern freudvolle Bildungserfahrungen zu bieten. Kinder mit weniger privilegierten sozio-ökonomischem Hintergrund müssen zumeist viele Ressourcen investieren, um auch nach der COVID-19-Situation im Unterricht gut mithalten zu können, da gerade bei dieser Zielgruppe das Home-Schooling für die Eltern oftmals eine große Herausforderung war (z.B. Hilfestellungen geben, Zugang zu Laptop und stabilen Internet) und die Kinder nur unzureichend Lernmöglichkeiten bzw. Unterstützung erhalten konnten. Insgesamt war das Home-Schooling für viele Familien eine große Belastung, da die Eltern die Inhalte je nach Fach und Altersstufe selbst nicht mehr ohne intensive Vorbereitung bzw. gar nicht vermitteln konnten. Auch diese Situation sorgte für Konflikte zwischen Eltern und Kinder. Insbesondere für Kinder im Schulalter ist wichtig, dass sie nach der Phase der Isolation wieder mit anderen Kindern in Interaktion kommen können, Bewegungs- und Naturerfahrungen nachholen sowie sich durch Bewegung spielerisch vergleichen und Wettkämpfe erleben können. Hierfür eignen sich insbesondere Methoden wie Ringen und Raufen, Fangspiele oder Sportangebote (z.B. Fußball). Daneben können auch Freizeitangebote beispielsweise durch die Zirkus-AG oder im Sportverein genutzt werden, um soziale Kontakte zu schaffen. Auch sollte den Kindern die Möglichkeit gegeben werden, den Sozialraum (z.B. Nachbarschaft, Wald, Park, Supermarkt) zu erkunden, um nach der Zeit der Isolation mögliche Veränderungen wahrzunehmen.

Im Jugendalter (ca. 13. bis 20. Lebensjahr) haben die Jugendlichen Schulunterricht in Form von digitalem Unterricht kennengelernt. Herausforderungen hierbei waren sicherlich u.a. unzureichende Ausstattung bzw. Internetverbindung und Absprachen für digitale Lernzeiten/PC-Nutzung mit Familienmitgliedern. Diese Situationen haben in viele Familien zu zahlreichen Konflikten geführt. Gerade im Jugendalter ist die Freizeitgestaltung mit Peers bedeutsam, die durch die Isolation eingeschränkt war. Durch den Kontakt erhalten die Jugendlichen wieder die Möglichkeit ihre Körperlichkeit im realen Leben zu repräsentieren (z.B. Kosmetik, Körperschmuck und Mode). Social Media bietet zwar viele Möglichkeiten hierfür, jedoch sind direkte Kontakte mit den Peers unerlässlich, da in dieser Phase auch gemeinsame Erfahrungen mannigfaltig notwendig sind. Körperbezogene Grenzerfahrungen mit Peers (z.B. Sport treiben, Freizeitaktivitäten) wiedererleben und dadurch den Umgang mit eigener Stärke und Identität zu erlernen ist ein wesentliches Kennzeichen dieser Entwicklungsphase.

In den Entwicklungsphasen Frühes Erwachsenenalter (ca. 20. bis 30. Lebensjahr) und Mittleres Erwachsenalter (ca. 30. bis 65. Lebensjahr) sind ähnliche Themen durch die COVID-19-Situation entstanden. Dazu gehören beispielsweise herausfordernde Einkaufssituation (z.B. Engpässe bei Nahrungs- und Hygienemitteln, Hamsterkäufe, Maskenpflicht, Abstandsregelung) und berufliche Veränderungen (z.B. Home-Office, Digitalisierung, Kurzarbeit, Kündigung, finanzielle Notlage) ebenso ist der Kontakt zu den eigenen Eltern nur eingeschränkt möglich. Gerade wenn Kinder mit im Haushalt leben entstehen Mehrfachbelastungen, da die Betreuung durch Großeltern, Kita, Schule und andere Betreuungspersonen entfällt. Wichtige Themen für die psychomotorische Entwicklungs- und Gesundheitsförderung ist die Bewusstmachung, dass durch die Lockerung der Maßnahmen die Mehrfachbelastung nachlässt und wieder Freizeit entdeckt und erlebt werden kann sowie soziale Kontakte wieder aufgenommen werden können. Aufgrund des Home-Office ist zu empfehlen mehr Bewegung und Entspannung in den Alltag integrieren, um Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus, koronare Herzkrankheit, Distress und Probleme mit dem Rücken vorzubeugen.

In der letzten Entwicklungsphase Seniorenalter bzw. spätes Erwachsenenalter (ca. ab dem 65. Lebensjahr bis zum Tod) sind bei vielen Menschen durch die COVID-19-Situation Herausforderungen wie die soziale Isolation  von Familie und Freunden, die  zunehmende Abhängigkeit von anderen (z.B. durch Einkaufsdienst oder mangelnde Internet bzw. PC-Kenntnisse), die Überforderung mit Digitalisierung, Überlebensängste durch Risikogruppenstatus und eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Tod vorhanden. Die Motogeragogik, also die Psychomotorik im Seniorenalter, sollte insbesondere nach der COVID-19-Situation darauf fokussieren, dass die Senior*innen wieder mehr Autonomie erfahren und die Stigmatisierung als Risikogruppe verlieren. Durch Bewegung können motorische Kompetenzen wie beispielsweise Ausdauer, Koordination, Schnelligkeit und Grob- und Feinmotorik angeregt werden, sodass diese Kompetenzen solange wie möglich erhalten bleiben. Gerade Menschen im Seniorenalter sind von der Isolation betroffen, da auch ohne die COVID-19-Situation soziale Kontakte mit dem Alter abnehmen und jetzt erschwerend hinzukommt, dass einige ihre Lebenspartner*innen bzw. langjährige Freunde verloren haben, Kinder und Enkel weiter weg wohnen und Besuchs- bzw. Kontaktverbote bestehen.

Hierbei bietet die Motogeragogik die Möglichkeit, dass soziale Erfahrungen gemacht werden, die Persönlichkeit gestärkt wird und neue Materialerfahrungen gesammelt werden, sodass neben der Bewegung auch kognitive, soziale sowie emotionale Fähigkeiten bestmöglich gefördert werden. Auch generationsübergreifende Kontakte sind bedeutsam und sollten wieder aufgenommen werden. Hierfür bieten sich Angebote der Generationsübergreifende Psychomotorik (Birk 2015) an. In nachfolgender Tabelle werden die jeweiligen Entwicklungsstufen bzw. psychosozialen Krisen, die Bewegungs- und körperbezogene Entwicklungsherausforderungen sowie die psychomotorischen Interventionen für die Zeit nach der Lockerung bzw. Aufhebung der coronabedingten Schutzmaßnahmen zusammenfassend dargestellt.

Tabelle  1: Psychosoziale Entwicklung, bewegungs- und körperbezogene Entwicklungsherausforderungen und Psychomotorische Interventionen (In Anlehnung an Hammer 2004, 174ff.)

Entwicklungsstufe/ Psychosoziale Krise

Bewegungs- und körperbezogene Entwicklungsherausforderungen

Psychomotorische Intervention für die Zeit danach

1. Säuglingsalter

Vorgeburtlich bis 1. Lebensjahr

Ur-Vertrauen vs. Ur-Misstrauen

Ø  Stress der Eltern wird verleiblicht (z.B Körperkontakt, Nahrungsaufnahme und Nähe)

Ø  Entspannung

Ø  Wiegen und Schaukeln

Ø  Körperkontakt (z.B. gehalten werden)

2. Kleinkindalter

1. bis 3. Lebensjahr

Autonomie vs. Scham und Zweifel

Ø  Isolation durch Ausgangsperre und Quarantäne

Ø  Soziale Kontakte zu Familienmitgliedern (z.B. Großeltern) sowie Freunden/Fachkräften aus der Kita, Krippe oder Tagespflege sind ausgeschlossen bzw. nur eingeschränkt möglich

Ø  Material erproben bzw. damit experimentieren

Ø  Soziale Kontakte initiieren

Ø  Neue Eingewöhnung in die Kita

3. Klein- und Vorschulalter

4. bis 5. Lebensjahr Initiative vs. Schuldgefühl

Ø  Eingeschränkter Körperkontakt mit Freunden

Ø  Übergang Kita und Schule wird nur unzureichend begleitet

Ø  Nähe-Distanz-Regulation

Ø  Vielfältige Bildung- und Lernerfahrungen durch Bewegung

Ø  Naturerfahrungen

 4. Schulalter

6. Lebensjahr bis Pubertät

Werksinn vs. Minderwertigkeitsgefühl

Ø  Schulbesuch nicht möglich

Ø  Mangel an Peer-Kontakten (z.B. Interaktion, Vergleich, Wettkampf)

Ø  Belastung durch Home-Schooling (z.B. Zeitmanagement, Konflikte mit Eltern bzw. Geschwistern, Raumknappheit)

Ø  Bewegung und Spiel mit Peers

Ø  Freizeitangebote wahrnehmen (z.B. Zirkus AG, Verein)

Ø  Sozialraum erkunden

5. Jugendalter/Adoleszenz

(ca. 13. bis 20. Lebensjahr)

Identität vs. Identitätsdiffusion

Ø  Digitalisierung von Schulen (z.B. unzureichende Ausstattung bzw. Internetverbindung, Absprache für digitale Lernzeiten/PC-Nutzung mit Familienmitgliedern)

Ø  Freizeitgestaltung außerhalb des Hauses nur eingeschränkt möglich

Ø  Interaktion mit Peers/Partner*in

Ø  Körperbezogene Grenzerfahrungen

Ø  Inszenierung von Körperlichkeit (z.B. Kosmetik und Mode)

Ø  Umgang mit eigener Stärke und Identität

6. Frühes Erwachsenenalter

(ca. 20. bis 30. Lebensjahr)

Intimität und Solidarität vs. Isolation

Ø  Digitalisierung von Hochschule und Ausbildung

Ø  Möglichkeit zu Home-Office

Ø  Einführung der Kurzarbeit

Ø  Finanzielle Notlage

Ø  Einkaufssituation (z.B. Engpässe bei Nahrungs- und Hygienemitteln, Hamsterkäufe, Maskenpflicht, Abstandsregelung)

Ø  Soziale Kontakte wieder aufbauen

Ø  Mehr Bewegung in den Alltag integrieren

Ø  Freizeit wiederentdecken und erleben

7. Mittleres Erwachsenalter

(ca. 30. bis 65. Lebensjahr)

Generativität vs. Stagnation und Selbstabsorption

Ø  Kontakt zu Eltern nur eingeschränkt möglich

Ø  Betreuung durch Großeltern/Kita/Schule entfällt

Ø  Mehrfachbelastung (z.B. Home-Office, Kinderbetreuung, Haushalt)

Ø  Mehrfachbelastung lässt nach

Ø  Entspannung in den Alltag integrieren

Ø  Sich körperlich ausagieren

8. Seniorenalter bzw. spätes Erwachsenen-alter

(ca. ab dem 65. Lebensjahr bis zum Tod)

Ich-Integrität vs. Verzweiflung

Ø  Soziale Isolation von Freunden/ Familienmitgliedern (z.B. Kinder, Enkel)

Ø  Überforderung mit Digitalisierung

Ø  Überlebensängste durch Risikogruppenstatus

Ø  Abhängigkeit von anderen nimmt zu (z.B. Einkaufsdienste, Internet bzw. PC-Kenntnisse)

Ø  Intensivere Auseinandersetzung mit dem Tod

Ø  Mehr Autonomie erfahren

Ø  Stigmatisierung der Risikogruppe verliert an Bedeutung

Ø  Bewegung zum Erhalt von Grob- und Feinmotorik

Ø  Natur- bzw. Außerhaus-Aufenthalte soweit möglich anbieten

Ø  Alltagsgewöhnung (z.B. Einkauf, soziale Kontakte)

Fazit

Die COVID-19-Situation hat einen großen Einfluss auf die Entwicklung aller Menschen. Dieser Beitrag stellt in jeder Entwicklungsphase die psychosoziale Entwicklungstheorie nach dem Psychoanalytiker Erik Homburger Erikson vor und weist auf mögliche psychomotorische Interventionen hin, die nach der Lockerung bzw. Aufhebung der coronabedingten Schutzmaßnahmen fokussiert werden sollten. Insbesondere für die Pädagogik der frühen Kindheit bieten sich durch Psychomotorik vielfältige Fördermöglichkeiten, die nicht nur die Kinder fokussieren, sondern alle Personen im familiären Umfeld mit einbeziehen. Eine Herausforderung ist, dass sich Erfahrungen wie soziale Distanzierung, Isolation, Abstand halten, die Angst vor Infektion und Tod, Stigmatisierung durch Risikogruppenstatus und Existenzängste ins Leib- und Körpergedächtnis eingeschrieben haben.

Diese Erfahrungen werden auch nach dem Lookdown und dem Ende der COVID-19-Ausnahmesituation weiterhin im Körper fortleben. Die Aufgabe der Psychomotorik ist hierbei positive Körper- und Bewegungserfahrungen anzubieten, um dadurch das Selbstkonzept der Menschen in der gesamten Lebensspanne zu stärken, sodass die dargestellten negativen Erfahrungen überschrieben werden und dadurch eine positive Entwicklung gelingen bzw. weitergeführt werden kann. Hierbei sind besonders die Kinder in den Blick zu nehmen, für welche diese Ausnahmesituation aufgrund der sensiblen Entwicklungsphase Kindheit besonders einschneidend und die Einschränkungen weniger nachvollziehbar sind, sodass diese besonders auf die Unterstützung und Begleitung durch einfühlsame pädagogische Fachkräfte und Eltern angewiesen sind.

Literaturverzeichnis

Birk, Frank Francesco (2015): Modellforschungsprojekt: Generationsübergreifende Psychomotorik. In: Praxis der Psychomotorik. Jg. 40 (4), 219-222.

Birk, Frank Francesco (2020): Der Waldkindergarten. Ein Konzept zur Prävention von Entwicklungsstörungen. In: Schweizerische Zeitschrift für Heilpädagogik. Jg. 26 (3), 32-37.

Birk, Frank Francesco & Mirbek, Sandra (2020): Pandemien als Thema von Entwicklung und Gesundheit in der Motologie. In: Praxis der Psychomotorik. Jg. 45 (2), 84-89.

Birk, Frank Francesco & Mirbek, Sandra (in Druck): Soziale Distanzierung und Isolation in der frühen Kindheit - Psychomotorik in der häuslichen Quarantäne. In: Praxis der Psychomotorik. Jg. 45 (3).

Hammer, Richard (2004): Der Verstehende Ansatz in der Psychomotorik. In: Köckenberger, Helmut & Hammer, Richard (Hrsg.): Psychomotorik Ansätze und Arbeitsfelder. Ein Lehrbuch. Dortmund: Verlag modernes Lernen, 164-186.

Die Autor*innen

Frank Francesco Birk M.A.

Motologe M.A., Kindheitspädagoge B.A., Motopäde, Erzieher und Kulturpädagoge. Dozent an verschiedenen Hochschulen, Abschluss der Dissertation im Promotionsfach Heilpädagogik und Rehabilitationswissenschaften an der Universität zu Köln sowie Motologe im heilpädagogischen Fachdienst, frankbirk2003@yahoo.de

Sandra Mirbek M.A.

Motologin M.A., Heilpädagogin B.A., Doktorandin an der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Dozentin an verschiedenen Hochschulen sowie pädagogische Fachkraft mit den Schwerpunkten Bewegung, Sprache, Inklusion und Heilpädagogik. mirbek@em.uni-frankfurt.de

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