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Zitiervorschlag

Von der Dokumentation zur Öffentlichkeitsarbeit

Susanne Günsch

 

Abstract

Kitas sind öffentliche Einrichtungen mit einem Bildungsauftrag. Die ErzieherInnen leisten einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag, bekommen jedoch häufig zu wenig Anerkennung dafür. Öffentlichkeitsarbeit ist das Instrument, um die Arbeit und Inhalte aus der Kita für die Umwelt erlebbar zu machen. Das weckt Interesse und sorgt für Wertschätzung.

Öffentlichkeitsarbeit beinhaltet die externe Kommunikation von der Dokumentation über die Konzeption bis hin zu Veranstaltungen und Pressemitteilungen – und ist weit mehr als nur Werbung. Ziele sind Imagebildung und Werbung, um damit Vertrauen zu schaffen. Gemäß dem Leitsatz „Tue Gutes und rede darüber!“ (vgl. Kindergarten heute 2012).

 

Dokumentation in der Kita als Teil der Öffentlichkeitsarbeit

Mit Dokumentationen sind hier Projektdokumentationen gemeint. Dokumentationen, die die Lern- und Erfahrungsprozesse von Kindern sowie die Impulse der päd. Fachkräfte sichtbar machen. Die kommunalen Kitas in Reggio Emilia haben das kultiviert: In Wort und Bild werden O-Töne der Kinder, also ihre Hypothesen über die Welt, aufgeschrieben. Sie dienen der Reflexion für Kinder und ErzieherInnen sowie der Eltern.

Im „Handlexikon der Reggio-Pädagogik“, herausgegeben von Sabine Lingenauber (2004) gibt es dazu umfangreiche Ausführungen.

In Reggio/Emilia heißen die Kitas “Schulen der Kindheit” und sind in das gesellschaftspolitische und wirtschaftliche Leben der Stadt eingebunden. Hier lebt eine Beteiligungskultur sowohl im Innern der Kitas als auch in ihrer Umgebung. Das ist, mal ganz abgesehen von den beispielhaften Bildungsprozessen, die die ErzieherInnen dort mit Unterstützung der Pedagogista und Artelierista initiieren, ein weiteres Erfolgsgeheimnis der Kitas in Reggio. Die Dokumentationen über die Arbeit mit den Kindern sind ein hervorragendes Marketingmerkmal: Die Eltern können nachvollziehen, was ihre Kinder dort erleben und engagieren sich deshalb auch gerne. Die Kommunalverwaltung, als Träger der Kitas, macht so transparent wofür der Bildungsetat ausgegeben wird.

Für die Dokumentation von Projekten gibt es verschiedene Formate: besipielsweise eine große Wandzeitung, auch sprechende Wand genannt, Ordner, Fotobücher sowohl digitale Formen als auch eine Mischung aus allem.

Grundregeln für gute Projekt-Dokumentation:

  • Aufgabe bzw. Titel des Projekts/Themas benennen. Dabei kann ein knackiger und lebendiger Titel neugierig machen und die Lust auf das Lesen anregen.
  • Wie ist das Thema entstanden? Ggf. kurze Einleitung schreiben.
  • Denk- und Arbeitsprozesse dokumentieren, die nicht nur den Kindermund wiedergeben.
  • Hypothesen der Kinder notieren ebenso wie die Impulse/Begleitung durch die ErzieherInnen, sodass Dialog und Kommunikation deutlich werden.
  • Nennen Sie die beteiligten Kinder mit Name Alter.
  • Am besten Blockbuchstaben verwenden (zumindest im Titel und bei Zwischenüberschriften), denn Kinder erschließen sich die Schriftsprache.
  • Ausgewogenheit von Bild und Text.
  • Aussagekräftige Fotos/Bilder auswählen, die den Text untermauern.
  • Schwarzer Text auf weißem Grund ist am besten lesbar und ein guter Kontrast zu farbigen Bildern und Fotos.
  • Horizontal/vertikale Ausrichtung wählen.
  • Kurze Sätze, einfache Wortwahl, Fachbegriffe vermeiden oder erläutern.
  • Nach Möglichkeit am PC geschrieben: klares Schriftbild z. B. Arial, max. 2 verschiedene Schrift-Typen für Fließtext und Überschrift.
  • Text in einzelne Abschnitte gliedern und in Spalten formatieren (Blickspanne).
  • Proportionen beachten.
  • Für die Wanddokumentation – “sprechende Wand“ eher kurze Abläufe wählen.
  • Umfangreichere Projekte in Ordner oder Mappen ablegen.
  • Platz und Ausstellung der Dokumentation: Wie lange mag man zum Betrachten dort stehen bleiben?
  • Für Dokumentationen, die als Auszug extern gezeigt werden, die wichtigsten Aspekte herausfiltern.
  • Dokumentation ist ein Teil der Öffentlichkeitsarbeit. Daher beachten: Versteht es ein Außenstehender? Dazu z. B. von Eltern oder auch KollegInnen Feedback einholen.

Von Reggio Projekten lernen

  1. Besuche und Forschungsreisen zu Denkmälern, Museen, Institutionen, Theatern, Geschäften, Handwerkern, Bahnhöfen, Fabriken... In erster Linie geht es natürlich darum den Kindern das Leben zu zeigen, Impulse zu geben. Aber in zweiter Linie geht es auch darum, überall einen Eindruck zu hinterlassen, wie Kinder lernen und wie ErzieherInnen sie heranführen – kurz: wie wichtig und vielschichtig und vor allem zukunftsweisend diese Aufgabe ist. Die Dialoge genießen und daraus Beziehungen initiieren.
  1. Aktiv Öffentlichkeitsarbeit betreiben. Die Arbeit mit den Kindern, aufgeschlüsselt nach Impulsen der ErzieherInnen und der Kinder, Erkenntnisprozessen, Erfahrungen wird dokumentiert. Selbstverständlich in der Kita, aber nach Möglichkeit auch draußen: an öffentlichen Orten oder in Geschäften. Dabei sollte eine einfache, leichtverständliche Sprache verwendet werden, um zu erklären was man tut, wie und warum. Offene Fragen sollten benannt werden und Unterstützungsmöglichkeiten angeboten werden: Die Kinder haben eine Frage, die keine der ErzieherInnen beantworten kann? Ganz wichtig: Bei Öffentlichkeitsarbeit und Marketing geht es zuallererst darum, sich zu profilieren und damit Vertrauen zu schaffen.
  1. Öffentlichkeitsarbeit ist mehr als nur Werbung. Kitas mit Warteliste meinen oft, sie bräuchten keine Werbung, und damit auch keine Öffentlichkeitsarbeit, weil sie ja voll sind. Öffentlichkeitsarbeit ist jedoch viel mehr als nur Werbung (vgl. Textor 1998, S. 127-141).
  1. Ein Netzwerk auf Gegenseitigkeit knüpfen. Eltern, die gern ihre Fähigkeiten einbringen, Lieferanten, Nachbarn, Betriebe in der Umgebung usw. Aber auch neue Kontakte knüpfen, die zukünftig interessant und wichtig werden könnten. Gegenseitiges Geben und Nehmen ist dafür die wichtigste Voraussetzung. So gewinnt man Freunde, die gerne auch Förderer werden. Da sie mit Ihrer Kita, der Arbeit, den MitarbeiterInnen etwas Positives verbinden.
  1. Öffentlichkeitsarbeit ist die Voraussetzung für Marketing und Fundraising, also zum Spendensammeln und der Akquise von Mitteln jeglicher Art – was ist ein weiteres Thema darstellt.

Ausblick

Zusammenfassend argumentiert dieser Beitrag das Kitas als öffentliche Einrichtungen ihren Bildungsauftrag durch die Öffentlichekeitsarbeit transperent nach Außen tragen können. Damit bietet sich die Möglichkeit ein wertschätzendes Interesse an der Arbeit der Kinder und ErzieherInnen zu wecken. Weiterhin wurde argumentiert, dass Öffentlichkeitsarbeit gerade durch den Einsatz gezielter Dokumentation gelingen kann, mit dem Hinweis auf Grundregeln. Dieses Instrument könnte gewinnbringend eingesetzt werden, um weitere Ziele zuverfolgen, wie die Vernetzung mit Eltern, Nachbarn oder Betrieben sowie als Voraussetzung für Marketing und Fundrasing.

 

Literatur:

Becker-Textor, I.; Textor, M.R. (1998): Der offene Kindergarten - Vielfalt der Formen. 2. Aufl., Freiburg, Basel: Verlag Herder, S. 127-141.

Lingenauber, S. (Hrsg.) (2004): Handlexikon der Reggio-Pädagogik. Freiburg: Projektverlag. 

Handlexikon der Reggiopädagogik, Hrsg. Sabine Lingenauber, 2004 Projektverlag.

Kindergarten heute (2012): „Das Leitungsheft“. 5.Jg., Heft 2, Freiburg: Herder Verlag.

 

Autorin:

Susanne Günsch ist ausgebildete Erzieherin, Diplom Sozialpädagogin, Fortbildnerin und Gründerin der ersten deutschen Remida in Hamburg.

Weitere Informationen:

www.remida.de

www.susanne-guensch.de

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