Rezension der 1. Auflage

Gisela Lück: Handbuch der naturwissenschaftlichen Bildung. Theorie und Praxis für die Arbeit in Kindertageseinrichtungen. Freiburg, Basel, Wien: Herder, 2. Aufl. 2009, 255 Seiten, EUR 29,99 - direkt bestellen durch Anklicken

 

Seit ein, zwei Jahren wird immer häufiger gefordert, dass in Kindertageseinrichtungen (mehr) naturwissenschaftliche Bildung praktiziert werden sollte. Gisela Lück - einzige Chemie-Professorin in Deutschland, die sich mit dieser Thematik befasst - zeigt in ihrem Handbuch zunächst anhand von Forschungsergebnissen aus Entwicklungspsychologie und Neurobiologie auf, dass Kindergartenkinder an naturwissenschaftlichen Phänomenen interessiert sind und dass ihnen durchaus relevante Kenntnisse vermittelt werden können. "In weiteren Kapiteln folgen Ausführungen zu kindlichen Zugängen zu Naturphänomenen, die bereits intuitiv angelegt sind, zur Interessensbildung bei Kindern zum Thema Naturphänomene, zu ihrer Erinnerungsfähigkeit an die Deutung durchgeführter Experimente, zur Rolle der Animismen im Vermittlungsprozess sowie zur Bedeutung der sinnlichen Dimension beim naturwissenschaftlichen Experimentieren" (S. 11).

Nach diesem eher theoretischen Teil, der rund die Hälfte des Handbuchs umfasst, werden 26 Experimente für Kleinkinder vorgestellt (z.B. zu Luft, Wasser und Lebensmitteln). Sie sollen einmal pro Woche über einen Zeitraum von drei Monaten hinweg in einer Kleingruppe aus maximal sechs fünf- bis sechsjährigen Kindern durchgeführt werden. In diesem Praxisteil finden sich auch Aussagen darüber, was prinzipiell bei der Vorbereitung und Durchführung von Experimenten zu beachten ist. Im Schlusskapitel befasst sich Lück damit, was Medien wie Fernsehen, Experimentierkästen und Computer zur frühen Naturwissenschaftsvermittlung beitragen können. Im Anhang befindet sich noch ein Glossar der chemischen Begriffe.

Das mit Fotos und Abbildungen versehene Handbuch schließt eine große Lücke auf dem Buchmarkt. Es ist aber relativ anspruchsvoll - vor allem im theoretischen Teil. So wird es vielleicht für Lehrkräfte an Fachschulen für Sozialpädagogik und Fortbildner/innen von größerer Relevanz als für Praktiker/innen sein. Zu problematisieren ist schließlich der verschulte Ansatz: Die Experimente finden als "Lehreinheiten" losgelöst vom Alltag der Kindergruppe statt; sie sind nicht in andere Aktivitäten eingebunden. Auch werden nur maximal sechs Kinder erreicht - bei einem relativ hohen Aufwand seitens der Erzieherin.

Martin R. Textor