Aus: Kita aktuell NRW, Nr.2/2003, S. 40-43.

Fünf Jahre Einschätzskalen - Qualitätsfeststellung in Tageseinrichtungen für Kinder nimmt zu

Ulrich Braun

 

Vor 5 Jahren - 1997 - ist die "Kindergarten-Einschätz-Skala (KES)" (1) erschienen. Sie ist als Instrument zur Einschätzung von Kindergartenqualität vielfach angewandt worden. Ergebnisse solcher Einschätzungen sind bisher kaum veröffentlicht. Mit diesem Beitrag wird der Frage nachgegangen, welche Entwicklung "Einschätzskalen" in den letzten 5 Jahren genommen haben. Die Kindergarten-Skala (KES-R) (2) ist 2001 erschienen und weitere Einschätzskalen sind angekündigt (3). Es gibt inzwischen auch "selbsterfundene" Einschätzskalen, und die neueste Entwicklung ist, dass Einschätzskalen in einem Bundesland für die Auszeichnung als "bester Kindergarten" zugrundegelegt werden.

Die Kindergarten-Einschätz-Skala (KES) und die Kindergarten-Skala - Revidierte Fassung (KES-R)

1997 erschien die Kindergarten-Einschätz-Skala. Sie war eines der Instrumente, die für die Untersuchung von Prof. Dr. W. Tietze zur pädagogischen Qualität in deutschen Kindergärten (4) Verwendung gefunden haben. In Anschluss an die Veröffentlichung der KES begann eine kurze intensive Diskussion über Einschätzskalen (5). Diese Diskussion war geprägt von der grundsätzlichen Frage, ob und ggf. wie Qualität überhaupt "gemessen" werden sollte.

So wurde 1998 eine andere Zugangsweise zur Qualität in Tageseinrichtungen für Kinder veröffentlicht: "Qualität im Dialog entwickeln" (6). Umfangreiche Materialien zu Qualitätsstandards wurden zusammengetragen, die "beste Fachpraxis" dokumentieren und gleichzeitig ein Gegenentwurf zu Einschätzskalen sein sollten: "Wir wollen auch nicht behaupten, dass es mit dem Verteilen von Noten oder Qualitätssiegeln getan ist. (...) Wir distanzieren uns also von der bloßen Bewertung, von der Rationalisierung und Effektivierung heutiger Kindertageserziehung" (7).

Im Herbst 2001 ist eine revidierte Fassung der KES erschienen, die sich als "2. völlig neu bearbeitete Auflage" versteht. In Amerika wurde die revidierte Fassung der amerikanischen Originalskala 1998 (8) nach fast 20 Jahren der Anwendung der KES veröffentlicht. Die Anwendung der KES-R kann wie zuvor die KES in Trainingskursen erlernt werden (9).

In der KES-R sind einige Merkmale hinzugekommen, andere redaktionell bearbeitet worden. Methodisch ist die entscheidende Neuerung, dass zwischen "Merkmalen" und "Aspekten" unterschieden wird. "Für jedes Merkmal und für jede der Skalenstufen 1, 3, 5 und 7 sind ein bis mehrere Aspekte angeführt, die die jeweilige Stufe charakterisieren. Diese Aspekte sind innerhalb jeder Stufe durchnummeriert" (10). Diese methodische Veränderung hat zur Folge, dass noch mehr als bei der KES ein sehr enger Bewertungsrahmen vorgegeben ist, der ausschließlich die aufgeführten "Aspekte" abfragt. Werden die "Aspekte" nicht erfüllt, ist eine andere - bessere - Bewertung nicht möglich. Aus wissenschaftlicher Sicht ist dies zu befürworten, weil dies die Sicherheit erhöht, zu vergleichbaren Ergebnissen zu kommen. Aus der Sicht von Praxis wird dann noch weniger die Vielschichtigkeit ihrer Tätigkeiten und ihres Handelns berücksichtigt, die zu jedem pädagogischen Gestalten und Interagieren dazugehören. Konkret gemeint ist, dass auch manches aus der Kategorie 7 ("ausgezeichnet") Teil der pädagogischen Qualität sein kann. Dies findet aber in der Bewertung keine Berücksichtigung, weil nicht alle Kriterien von 5 ("gut") erfüllt sind. Das Ergebnis lautet dann 4 (zwischen "minimal und gut"), obwohl in der Einrichtung viel mehr pädagogische Qualität erkennbar war.

"Wie gut sind unsere Kindergärten" - Die erste Anwendung der KES 1993/1994

Lange vor der Veröffentlichung der KES wurde diese Skala bereits in einer wissenschaftlichen Studie verwendet. Die Studie hieß "Wie gut sind unsere Kindergärten" und untersucht wurden im Kindergartenjahr 1993/1994 103 Kindergartengruppen unterschiedlicher Träger in vier Untersuchungsregionen in Deutschland. Eine eher "mittelmäßige Qualität" wurde festgestellt, d.h. die Ergebnisse lagen zwischen 3 und unter 5 auf der Kindergarten-Einschätz-Skala von 1-7. Bei 30% der Kindergartengruppen konnte eine gute, entwicklungsangemessene pädagogische Prozessqualität angenommen werden. Die gewonnenen Ergebnisse sagten wenig über die Qualität eines Kindergartens aus, sondern mehr über die Qualität (und zwar vor allem über die pädagogische Qualität) einzelner Kindergartengruppen. Durch eine Zufallsstichprobe sind in ausgewählten Kindergärten nur einzelne ausgewählte Kindergartengruppen eingeschätzt worden, nicht aber alle Gruppen eines Kindergartens.

Auf einem FDP-Forum am 18.02.2002 in Düsseldorf wurden die Ergebnisse der Studie zum wiederholten Mal von Prof. Dr. Tietze herangezogen, um die überwiegende Mittelmäßigkeit der Kindergärten und die Qualitäts-Unterschiede in Kindergärten, die bei fünfjährigen Kindern bis zu einem Jahr Entwicklungsunterschied ausmachen können, zu belegen (11). Diese Aussage hat sich aber immer nur auf eine Gruppe von Kindern bezogen, die zum Zeitpunkt der Untersuchung vier Jahre alt waren. Für die Fünf- und Sechsjährigen lässt sich diese Aussage nicht generalisieren, vor allem weil im letzten Kindergartenjahr in unterschiedlicher Weise Aktivitäten und Förderungen für die künftigen Schulkinder unternommen werden. Hier könnte der Zusammenhang zwischen pädagogischer Qualität und Entwicklungsfortschritt schon ganz anders aussehen.

Bei einer Einschätzung von Gruppen und Einrichtungen mit der KES, der ein mehrmaliger Besuch zugrunde liegt, liegt die Einschätzung höher als bei einer nur dreistündigen Beobachtung. Einschätzungen werden durch zusätzliche Beobachtungen genauer. Dabei ist eine Veränderung systematisch nach oben zu beobachten. Gruppen mit schlechten Werten werden nicht schlechter, sondern bleiben auf gleichem Niveau schlecht. Zu vermuten ist deshalb, dass auch das Gesamtergebnis der bundesweiten Studie besser ausgefallen wäre, hätte man die Beobachtungszeit insgesamt erweitert. Vielleicht wäre dann auch der Entwicklungsunterschied von bis zu einem Jahr geringer ausgefallen (12).

Feststellung und Entwicklung pädagogischer Qualität in den evangelischen Kindertagesstätten in Bremen - KES-R und HOS

Die bisher einzige größere Studie (13) für die Einrichtungen einer Trägergruppe hat die Bremische Kirche im Internet 2001 veröffentlicht (14). Das Ergebnis der Einschätzungen entspricht in etwa den Ergebnissen der überregionalen Studie von 1993/1994. In 20% der Kindergartengruppen ist danach eine ausgesprochen gute Prozessqualität gegeben, 7% weisen eine unzureichende Qualität auf und bei 73% zeigt sich eine mittlere Qualität. Die Einschätzung der Hortgruppen führten zu einem ähnlichen Ergebnis. Erstmalig wurde ein besonderes Augenmerk auf die pädagogische Prozessqualität in Gruppen mit einer integrativen Förderung gelegt. Tendenziell ist die pädagogische Prozessqualität in Gruppen mit integrativer Förderung höher als in Standardgruppen ohne Kinder mit Behinderung.

Andere Einschätzskalen

Im Bereich der wissenschaftlichen Diskussion gibt es hinsichtlich der Einschätzung pädagogischer Qualität nach wie vor keinen Konsens. Wünschenswert wäre es, wenn wenigstens die, die "Einschätzungen" der pädagogischen Qualität für sinnvoll halten, einen Konsens erzielen würden. Das Gegenteil ist leider der Fall.

Es entstehen trägerspezifische oder anders interessengeleitete neue Qualitätskriterienkataloge, bestückt mit einem je eigenen System der Qualitätsbewertung, die alle zur Grundlage der Bewertung der Arbeit in Tageseinrichtungen für Kinder gemacht werden sollen. Wahrscheinlich gibt es inzwischen vielerorts solche Versuche, neue Kategorisierungen der Arbeit in Tageseinrichtungen für Kinder vorzunehmen. Leider wird dies viel zu wenig wissenschaftlich beobachtet und bewertet.

Dr. Armin Krenz, der bisher eher bekannt war im Kontext des Situationsansatzes, hat ein eigenes "Instrumentarium" zur Einschätzung von Qualität veröffentlicht (15). Es richtet sich "an Erzieherinnen in Kindertagesstätten, die daran interessiert sind, ihre Einrichtung einer Qualitätsprüfung zu unterziehen" (16). Das Verfahren wird als ein Selbstevaluationsprogramm gekennzeichnet, dass sich als "Alternative zu den zur Zeit gebräuchlichen Evaluierungsverfahren" versteht. Aber auch Träger sollen sich angesprochen fühlen, die ein "Verfahren gesucht haben, das umfassend und praktikabel in der Durchführung zu einer aussagekräftigen Qualitätsanalyse führt" (17). Insgesamt über 400 Qualitätskriterien werden dem Instrumentarium zugrundegelegt. die in "Einschätzstufen" ("ausgezeichnet, eher gut, unzureichend, völlig unzureichend") bewertet werden sollen. Z.B. das Qualitätskriterium F 8: "Die LeiterIn erkennt unterschiedliche Zusammenhänge zwischen politischen Erwartungen oder Vorgaben und sozialpolitischen Auswirkungen auf die Pädagogik und deren Bedeutung für die Kinder und Arbeitsbedingungen in der Praxis." Oder K 17: "Die MitarbeiterInnen suchen gemeinsam mit den Eltern nach Lösungen für bedeutsame Fragen."

Der Diözesan-Caritasverband für die Diözese Köln hat ebenfalls ein Qualitätsmessinstrument entwickelt (18). Die Bewertungsskalen werden so eingeführt: "Um eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse zu erreichen, ist die Qualität in den einzelnen Bereichen jeweils mit Punkten zu bewerten. Dabei ist in den Bereichen Struktur- und Prozessqualität folgende Bewertung möglich:

6 Punkte = Kriterium erfüllt / (optimal) vorhanden; Es besteht kein Handlungsbedarf
1 Punkt = Kriterium nicht erfüllt / nicht (ausreichend) vorhanden. Es besteht Handlungsbedarf" (19)

Eine weitere Kategorisierung zwischen 6 und 1 ist nicht ausgeführt. Es ist auch nicht erkennbar, wie eine Gewichtung "dazwischen" vorgenommen werden soll. Die Ergebnisdokumentation lässt ahnen, dass es dazu Vorstellungen gibt. Danach entspricht 6 einer "besonders hohen Qualität", 5 einer "hohen Qualität", 4 einer "guten Qualität", 3 einer "zufriedenstellenden Qualität", 2 einer "eingeschränkten Qualität", 1 einer "mangelhaften Qualität" (20). Im Bereich der Religionspädagogik soll beispielsweise unter Strukturqualität ein Wert zwischen 1 und 6 für die Frage "Hat die Mitarbeiterin Gottvertrauen?" vergeben werden.

Interessanterweise hat der Bereich Ergebnisqualität eine andere Bewertungsskala:

6 Punkte = Das Kriterium ist in besonderem Maße erfüllt
5 Punkte = Die Erfüllung des Kriteriums liegt über den Anforderungen (4 = entspricht den Anforderungen; 3 = entspricht im Wesentlichen; 2 = nur gelegentlich)
1 Punkt = Die Erfüllung des Kriteriums entspricht nicht den Anforderungen.

Hier soll beispielsweise für die Frage "Hat das Kind eine Beziehung zur Spiritualität?" ein Wert zwischen 6 und 1 gegeben werden.

Die Einschätzkategorien sind deshalb so ausführlich vorgestellt, damit die Kompliziertheit deutlich wird. Bei jeder "Neuerfindung" werden neue Kategorien eingeführt, die jede Vergleichbarkeit zwischen Tageseinrichtungen, die unterschiedliche Skalen verwenden, unmöglich machen. Vor allem gibt es bei den vorgestellten Kategorien keine definierten Abstufungen, so dass Einschätzungen "über den Daumen" vorgenommen werden. KES und KES-R haben klare Abstufungen, bis wohin eine Qualität "Minimal" "Gut" oder "Ausgezeichnet" ist. Das ist in den selbstentwickelten neuen Einschätzskalen nicht enthalten.

Bei beiden Qualitätskriterienkatalogen (QKK) ist zudem nicht erkennbar, worauf sich die Qualitätskriterien gründen. Der Kölner QKK verzichtet auf Literaturhinweise, so dass der Eindruck entstehen kann, dass es ein vollständig neu und selbständig zusammengestellter QKK ist. Der QKK von Krenz ist hingegen so mit Literaturhinweisen bestückt (ca. 1/5 des Buches), dass ebenfalls nicht mehr erkennbar ist, auf welcher Grundlage die Qualitätskriterien entstanden sind.

Verloren geht mit jeder neuen Einschätzskala ein Stück mehr Vergleichbarkeit. Krenz' Nachwort bringt die Problematik auf den Punkt. Er stellt einen Kindergarten, der zur "Service-Station" umgestaltet wurde, einem von ihm favorisierten Kindergarten gegenüber, der "pädagogische Ansätze miteinander fachkompetent abgewogen, eine professionelle Entscheidung getroffen und innovative Wege beschritten (hat), um primär Kinder in ihrer Entwicklung zu begleiten" (21). Dieser Kindergarten hat nach Aussage von Krenz keinen guten Ruf bei Eltern und dem Träger, während der serviceorientierte Kindergarten einen guten Ruf bei Eltern und Träger genießt (22). Aber welcher Kindergarten ist nach welchen Kriterien ein guter Kindergarten? Dazu gibt es bei Krenz keine Aussage, obwohl er vor seiner Schlusswort-Einschätzung Hunderte von Kriterien zusammengestellt hatte.

Der Kita-Qualitätswettbewerb "Beste Kita" in Brandenburg

Eine aktuelle Entwicklung im Bereich der Qualitätseinschätzung sollte aufmerksam wahrgenommen werden. Der "Kita-Qualitätswettbewerb" in Brandenburg wird von PädQuis inhaltlich und organisatorisch verantwortet. In der Ausschreibung (23) sind die Merkmale der KES-R als Orientierungsrahmen enthalten. Teilweise sind sie mit neuen Überschriften versehen oder anders zugeordnet, aber bis in den Wortlaut hinein sind es die Qualitätsbeschreibungen der KES-R, die hier für die "beste Kita in Brandenburg" zugrundegelegt werden. Ein Evaluationsteam bewertet die Prozessqualität, in dem es die pädagogische Arbeit beobachtet und Interviews mit Erzieherinnen und der Kita-Leitung führt. Dies entspricht dem Vorgehen bei der Anwendung der KES. Weiter werden auch Strukturen für die Bewertung als wichtig erachtet. Räume und Personal sollen einbezogen werden. Nach welchen Kriterien diese als "gut" oder "weniger gut" beurteilt werden, ist der Ausschreibung nicht zu entnehmen.

Brandenburg hat sich also entschlossen, die KES-R und das damit verbundene Verfahren zur Grundlage für Qualitätsbewertung zu machen, zumindest zunächst in einem Qualitätswettbewerb, der, so ist es wohl geplant, jährlich wiederholt werden soll. Durch diesen Kita-Wettbewerb wird indirekt ein "Qualitätssiegel" - beste Kita Brandenburgs - ausgestellt. Ohne den Ergebnissen vorgreifen zu wollen, ist nach den Erfahrungen, die bisher mit Einschätzskalen gewonnen worden sind, eine umfassende nuancierte Bewertung pädagogischer Qualität allein mit Einschätzskalen und mit punktuellen Beobachtungen von Gruppen eher nicht möglich.

Ausblick

Einschätzskalen sind ein Teil der - externen und internen - Qualitätsfeststellung im Bereich Tageseinrichtungen für Kinder. Erkennbar ist die Entwicklung zu einer zunehmenden Ausdifferenzierung bei der Feststellung von Qualität. Noch gar nicht berücksichtigt ist hierbei, dass die Projekte der Nationalen Qualitätsinitiative (24) mit dem Auftrag versehen sind, ein "handhabbares Feststellungsverfahren" zu erstellen. Dies wird zu noch mehr Instrumenten der internen und externen Qualitätsfeststellung in Tageseinrichtungen für Kinder führen.

Solche Entwicklungen sind nicht gut für das Handlungsfeld Tageseinrichtungen für Kinder. Es sollte endlich eine Annäherung aller Wissenschaftler und Verbände in der Fragestellung, was einen "guten Kindergarten" auszeichnet, geben. Dass dies möglich ist, machen uns die meisten Länder weltweit vor. Es sollte in diesem Zusammenhang auch sehr kritisch gefragt werden, ob die Einschätzung der Qualität einer Tageseinrichtung für Kinder weiter allein jedem Träger / jeder Trägergruppe und dem Team einer Tageseinrichtung für Kinder überlassen bleiben sollte (einschließlich der freien Wahl der Instrumente).

Es besteht weitgehend Konsens in der Fachprofession zu einer Ablehnung von "Gütesiegeln" oder einer "zentralen bundesdeutschen Qualitätsagentur für Tageseinrichtungen für Kinder" (25). Diese Ablehnung steht in einem direkten Zusammenhang zu der Ablehnung einheitlicher Einschätzungen von Qualität. Dies wird zunehmend eine Ablehnung, die abgekoppelt ist von den Wünschen von Eltern und auch von Mitarbeiterinnen von Tageseinrichtungen für Kinder.

Eltern wünschen sich seit langem Kriterien, welche Kindertageseinrichtung für ihr Kind geeignet ist und vor allem, welche besser und welche nicht so gut ist (26). Sollen Eltern zukünftig die "Einschätzkategorien" jeder Trägergruppe und jedes einzelnen Teams gegenüberstellen, um Erkenntnisse über die Qualität der jeweiligen Einrichtung zu erlangen? Vorausgesetzt ist dabei schon, dass die Tageseinrichtung überhaupt etwas über ihre Qualität sagen kann (oder möchte). Auch das pädagogisch tätige Personal hat zunehmend Interesse daran, dass "Vergleichbarkeit" hergestellt wird, damit die gute Qualität einer Tageseinrichtung für Kinder auch nach außen hin erkennbar wird. Dies hätte Werbeeffekte und die tragen schon sehr bald zur Sicherung des Arbeitsplatzes bei.

In den nächsten Jahren werden die Kinderzahlen um etwa 10-20% zurückgehen. In vielen Städten des Ruhrgebietes werden 20, 30, 40 Gruppen geschlossen. Die zukünftige Steuerung des Abbaus, Umbaus und Ausbaus von Tageseinrichtungen für Kinder sollte deshalb auf einem Konsens über das, was "Qualität" in Tageseinrichtungen für Kinder tatsächlich sein soll, beruhen. Die Einspardiskussion würde dann von einer Fachdiskussion begleitet, welche Kindertageseinrichtungen im Jahr 2010 mit welcher Qualität in einer jeden Kommune in Deutschland vorhanden sein sollen.

Fußnoten

(1) Tietze, W., Schuster, K.-M. Roßbach, H.G.: Kindergarten-Einschätz-Skala. Neuwied u.a. 1997.

(2) Tietze, W., Schuster, K.-M., Grenner, K., Roßbach, H.-G.: Kindergarten-Skala. Revidierte Fassung (KES-R). Neuwied u.a. 2001.

(3) Ebd., S. 5: Krippen-Skala (KRIPS), Hort-Skala (HOS) und Tagespflege-Skala (TAS); die jeweils zugrundeliegenden amerikanischen Skalen sind dokumentiert in: Braun, Ulrich: Tageseinrichtungen für Kinder und Qualität - Einige aktuelle Forschungsprojekte und Veröffentlichungen.. In: KiTa aktuell NW, 02/2002. S.41-43. (Auch in den Landesausgaben BW 2/2002. S. 28-30 und MO 2/2002, S. 42-44, HRS 4/2002. S. 83-85, BY 7/8/2002, S. 149-151)

(4) Tietze, W. (Hrsg.): Wie gut sind unsere Kindergärten? Eine Untersuchung zur pädagogischen Qualität in deutschen Kindergärten. Neuwied u.a. 1998.

(5) Vor allem StudentInnen und DozentInnen des Arbeitsbereiches Pädagogik der Frühen Kindheit an der Universität Dortmund, u.a. M. Broersen, D. Höltershinken, H. Hoffmann haben in einem Offenen Brief an die Autoren der Kindergarten-Einschätz-Skala (KES) Kritik an Teilen der KES geübt. Abgedruckt wurde der offene Brief in TPS 3/98, S. 49-53 und in klein & groß 5/98, S. 12-16. Die Autoren antworten in der gleichen Ausgabe von klein & groß 5/98, S. 16-20.

(6) Kronberger Kreis für Qualitätsentwicklung in Kindertageseinrichtungen: Qualität im Dialog entwickeln. Wie Kindertageseinrichtungen besser werden. Seelze/ Velber: 1998.

(7) Ebd., S. 14f.

(8) Harms, T., Clifford, R.M., Cryer, D.: Early Childhood Environment Rating Scale. Revised Edition. Teachers College Press. New York 1998.

(9) Pädagogische Qualitäts-Informations-Systeme gGmbH (PädQuis). Prof. Dr. W. Tietze, Limastr. 28, 14163 Berlin oder Takustr. 4, 14195 Berlin, Tel.: 030/838 51173 (Frau Schlecht). In den Ausführungen zur KES-R wird auf ein "einwöchiges Anwendertraining" hingewiesen, aber nicht mit einem Hinweis auf die vielen bereits geschulten KES-Anwender eine Verbindung zur KES - und zu dem dort angewandten Anwendertraining - verbunden. Auf Nachfrage teilte das Institut mit, dass das Training für die KES-R für KES-Trainierte einen Tag kürzer sei (3 statt 4 Tage). Da das neue Trainingskonzept aber auch stärker die Qualifizierung zur Durchführung eines Qualitätsentwicklungsprozesses beinhalte, wird die Teilnahme an einem Training zur Anwendung der KES-R empfohlen. "Anpassungskurse" von der KES zur KES-R werden z.Zt. nicht angeboten. Der Trainingskurs KES-R kostet 450,- Euro und wird im Moment nur in Berlin angeboten (Telefonische Mitteilung vom 28.08.2002). Einen ersten Ausbildungskurs hat die Evangelische Kirche in Bremen gemeinsam mit PädQuis angeboten (vgl. http://www.kiki-bremen.de).

(10) Vgl. Endnote 2, S. 8.

(11) Münstersche Zeitung v. 19.02.02 "Nur jeder achte Kindergarten ist gut. Experten sehen deutliche Qualitätsunterschiede."

(12) Diese Hinweise verdanke ich Martin Schlattmann, der seit vielen Jahren als KES-Trainer tätig ist und vielfältige, auch internationale Erfahrungen, mit Qualitätseinschätzungen hat. Martin Schlattmann, Kita-Agentur-Münster, Scharnhorststraße 11, 48151 Münster, Tel.: 0251 / 534 8334; E-Mail: Martin.Schlattmannn@gmx.de

(13) In der nächsten Ausgabe von Kita aktuell (03/2003) wird eine zweite große Trägerstudie vorgestellt. In den städtischen Tageseinrichtungen für Kinder in Recklinghausen sind erstmalig in Deutschland in einer Trägergruppe alle Gruppenformen eingeschätzt worden. Für die Kindergartengruppen wurde die Kindergarten-Einschätz-Skala (KES) und für die Gruppen mit Schulkindern und Kindern unter 3 Jahren amerikanische Einschätzskalen eingesetzt.

(14) http://www.kiki-bremen.de/Aktuelles. Die Evaluationsstudie wurde von PädQuis, gGmbH, Kooperationsinstitut der Freien Universität Berlin, unter der Leitung von Prof. Dr. W. Tietze durchgeführt. Dabei wurden Testversionen der "KES-R" und der "Hort-Skala" verwendet.

(15) Krenz, A.: Qualitätssicherung in Kindertagesstätten. Kieler Instrumentarium für Elementarpädagogik und Leistungsqualität - K.I.E.L.. München 2001.

(16) Ebd., S.7

(17) Ebd.; Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass auch Fachschulen und -akademien für Sozialpädagogik und auch Personen in der Weiterbildung von ErzieherInnen und FachberaterInnen nach Meinung des Autors ihren Nutzen aus diesem Instrumentarium für ihre Arbeit ziehen werden.

(18) Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln e.V., Abt. Tageseinrichtungen für Kinder, Georgstr. 7, 50676 Köln (Hrsg.): Qualität in SPE. Ein neuer Leitfaden zur Weiterentwicklung der Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität in Tageseinrichtungen für Kinder. o. J.

(19) Ebd., S. 6

(20) Ebd., S. 8

(21) Vgl. Endnote 15, S. 83

(22) Vgl. ebd. S. 82f.

(23) http://www.paedquis.de

(24) Nationale Qualitätsinitiative im System der Tageseinrichtungen für Kinder. Eine Broschüre mit der Darstellung der 5 Teilprojekte wird herausgegeben vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 11018 Berlin, http://www.bmfsfj.de

(25) Vgl. Braun, U.: Fachtagung "Nationale Qualitätsinitiative im System der Tageseinrichtungen für Kinder" in Berlin. Kita aktuell NW 07/08/ 2002, S. 153-154 (auch in den Landesausgaben ND, S. 151-152, HRS, S. 153-154): "Prof. Dr. Tietze forderte einen Zusammenschluss der Fachleute im Bereich der Tageseinrichtungen für Kinder, um in einem "Non-profit-Institut" eine gemeinsame Grundlage für die Arbeit von Tageseinrichtungen für Kinder zu gestalten, zum Beispiel ein geltendes Gütesiegel für Tageseinrichtungen für Kinder. Niemand - im Publikum und auf dem Podium - nahm diese Initiative auf." - Und auf dieser Fachtagung waren die Fachleute im Bereich Tageseinrichtungen für Kinder in Deutschland fast vollständig versammelt.

(26) Vgl. Susanne Mayer: Fünf Sterne für die Kleinsten? Was ist ein guter Kindergarten? In Deutschland herrschen beliebige Maßstäbe. Ein Blick von außen. In: klein & groß, 6/2002, S. 6-9.

Autor

Ulrich Braun, Diplom-Pädagoge, ist Fachberater für Tageseinrichtungen für Kinder und stellvertretender Abteilungsleiter im Fachbereich Kinder Jugend und Familie der Stadt Recklinghausen. Weitere Informationen unter http://www.u-braun.de