Aus: http://www.mckinsey-bildet.de/10_workshops/10_kongress_mck.phtml  - Auszug der auf Kindertagesbetreuung bezogenen Aussagen

Kongress McKinsey bildet: Standpunkt McKinsey

 

Mehr Investitionen in die frühkindliche Bildung, Qualitätstests in Schulen, mehr Autonomie für Bildungsinstitutionen und ein Investitionsprogramm für die Hochschulen, das z.T. über Studiengebühren finanziert wird - das sind die zentralen Aspekte eines Vier-Punkte-Plans von McKinsey & Company zur Bildungsreform. Die Punkte im Einzelnen:

Früh investieren, anstatt spät reparieren

Zur Verbesserung der frühkindlichen Bildung sind nach Ansicht von McKinsey vier Lösungsansätze zu verfolgen:

  1. Bereitstellung von 2,2 Milliarden Euro zur Schaffung von mehr Krippen- und Ganztagsplätzen: Um international übliche Versorgungsziele von 25 bzw. 50 Prozent bis 2006 zu erreichen, müssen 270.000 zusätzliche Krippenplätze und 680.000 Ganztagsplätze in Kindergärten geschaffen werden.
  2. Umstellung der finanziellen Förderung von Kindertagesstätten zur Förderung eines qualitativ hochwertigen und vielfältigen Angebots: Jede Kindertagesstätte, die bestimmte, einheitliche Qualitätskriterien erfüllt, sollte unabhängig von der Trägerschaft die gleiche Förderung erhalten. Dann wäre es auch für private Anbieter und Arbeitgeber attraktiv, Kindertagesstätten zu betreiben. Parallel sollte der Einfluss auf der Nachfrageseite gestärkt werden, indem die Betriebskosten zukünftig nach tatsächlich nachgefragten Plätzen gefördert werden und nicht - wie heute - nach der Anzahl der angebotenen Plätze.
  3. Aufwertung des Berufsstands der Erzieherinnen und Erzieher: Etwa ein Viertel der Erzieherinnen sind heute über 50 Jahre alt, in den neuen Bundesländern liegt der Anteil sogar bei knapp 40 Prozent. Die anstehende altersbedingte Fluktuation bietet gleichermaßen Gelegenheit und Notwendigkeit, die Ausbildung zu reformieren. Künftig sollten Erzieherinnen und Erzieher an der Fachhochschule zu einem Master of Education mit Schwerpunkt auf frühkindlicher Pädagogik ausgebildet werden. Entscheidend ist, die Reform der Ausbildung mit einer Reform des Berufsbildes und der Gehaltsstrukturen zu verbinden, will man genügend Interessenten finden. Für die bessere Ausbildung und eine Erhöhung der Gehälter entsteht ein zusätzlicher Finanzbedarf von etwa 1,5 Milliarden Euro jährlich.
  4. Gezielte Förderung von Kindern und Eltern aus sozial schwachem Umfeld: Das Bewusstsein für die Bedeutung frühkindlicher Erziehung muss insbesondere bei Eltern aus sozial schwachen Verhältnissen gestärkt werden. Vorbild kann hierfür Großbritannien sein. Hier werden Familien und Kinder zumeist aus sozialen Brennpunkten in heute über 50 Early-Excellence-Centern gezielt und gemeinsam gefördert. Mit Erfolg, wie erste Ergebnisse zeigen: So erzielten die Kinder eines solchen Centers in der Grundschule signifikant bessere Ergebnisse als der Durchschnitt - und das bei nachteiligen Startbedingungen. Eine solche Förderung für Deutschland hat ihren Preis: So würde ein Aufbau von integrierten Angeboten zur Unterstützung von 60.000 sozial schwachen Kindern mitsamt ihren Eltern nach britischem Vorbild in Deutschland etwa 400 Millionen Euro jährlich kosten.

Der Finanzbedarf des McKinsey-Reformpakets beläuft sich auf insgesamt etwas mehr als 4 Milliarden Euro. Nach dem Motto "Lieber früh investieren, anstatt spät reparieren" entspricht dies einer deutlichen Steigerung der bisherigen staatlichen Mittel um ca. 50 Prozent. Hätte man auf die Kindergelderhöhung im Jahr 1999 verzichtet, würde dieses Geld zur Verfügung stehen. Und es rechnet sich: Untersuchungen aus der Schweiz und den USA zeigen, dass diese Investitionen mit einem Faktor 3 bis 4 volkswirtschaftlich zurückfließen. ...