Rezension

Sabine Hebenstreit-Müller: Beobachten lernen - das Early Excellence-Konzept. Mit DVD. Berlin: Dohrmann Verlag 2013, 127 Seiten, EUR 15,50 - direkt bestellen durch Anklicken

 

Im Berliner Pestalozzi-Fröbel-Haus wurden im Rahmen des dort vertretenen Early Excellence-Konzepts Instrumente und Verfahren für eine ressourcenorientierte Beobachtung entwickelt - für einen "positiven Blick" auf das jeweilige Kind.

Zunächst wird anhand eines Interviews mit der Erzieherin Anne Bergmann aus der Kita Barbarossastraße gezeigt, wie das "Beobachtungkind" Mila ausgewählt wurde, wie die ca. zehn Minuten umfassende Beobachtungssequenz auf einem Beobachtungsbogen schriftlich festgehalten wird, wie die Beobachtungen in wöchentlich stattfindenden Besprechungen erörtert werden und wie dann auf dieser Grundlage ein individuelles Angebot entwickelt wird. Eine Fotostrecke verdeutlicht das für Mila ausgewählte Angebot, wobei die Fotos aus ihrem Entwicklungsordner stammen. Dann folgt die Auswertung anhand des PLOD (= "possible lines of direction", Lernkreis), der verwendete Schemas und berücksichtigte Bildungsbereiche verdeutlicht. Ferner wird das individuelle Angebot schriftlich dokumentiert. Der PLOD wird Teil des Entwicklungsordners. Dieser bildet auch eine Grundlage für Elterngespräche, die schriftlich dokumentiert werden.

In einem weiteren Kapitel geht es um Qualitätsvereinbarungen zum Beobachtungsbogen, zu den Analyseverfahren "Emotionales Wohlbefinden und Engagiertheit", "Schemata/ Verhaltensmuster", "Bildungsbereiche" sowie "PLOD/ Lernkreis", zum Ergebnisbogen und zum Situationsbuch.

Dann wird beschrieben, inwieweit ein "positive Blick" auch in Integrationskitas möglich ist, wie hier in offenen Gruppen gearbeitet werden kann, wie Bezugs- und Integrationsfacherzieher/innen kooperieren, wie Förderpläne erarbeitet und auf welche Weise Therapieangebote mit der pädagogischen Arbeit verbunden werden. Dabei werden Aussagen von Kathrin Di Luccio, Leiterin der integrativen Kita Belziger Straße, in den Text eingestreut.

Im nächsten Kapitel werden die Aussagen mehrerer Erzieherinnen aus dem Kinder- und Familienzentrums Schillerstraße zu den Fragen "Was hat sich meines Erachtens durch die Arbeit nach dem Early Excellence-Ansatz bei den Kindern verändert?", "Was hat sich in meiner pädagogischen Haltung den Kindern gegenüber und in meiner pädagogischen Arbeitsweise durch den EEC-Ansatz verändert?" und "Was hat sich für mich in der Zusammenarbeit mit den Eltern verändert?" dokumentiert.

Die letzten 40 Seiten enthalten ein Glossar, eine Kurzbeschreibung der dem Buch beigefügten DVD, eine Kurzdarstellung der Leitlinien und pädagogischen Strategien des Early Excellence-Konzepts sowie eine farbige Dokumentation der reich bebilderten Broschüren "Schemas" sowie "Das emotionale Wohlbefinden und die Engagiertheit von Kindern" des Kinder- und Familienzentrums Schillerstraße.

Es entsteht so der Eindruck, als ob Artikel zu recht unterschiedlichen Themen zu einem Buch zusammengefügt wurden und - da der gewünschte Umfang nicht erreicht worden war - noch zwei Broschüren fotografiert und angehängt wurden. Das Thema "Beobachten" nimmt nur einen kleinen Teil des Buches ein - und wie man das Beobachten lernt (siehe Titel des Buches) wird eigentlich nicht gezeigt. Die Filmaufnahmen in einer Länge von 15 Minuten aus der Kindertagesstätte "Menschenskinder" der Stadt Mülheim an der Ruhr beziehen sich nur auf ein Kapitel des Buches und geben die bereits skizzierte Sequenz Beobachtung, Auswertung, Angebot und Elterngespräch am Beispiel des Kindes Arnis wieder - wobei rund zehn Fachkräfte an der Besprechung der Beobachtungen und zwei Fachkräfte am Elterngespräch teilnehmen. Dies verstärkt den Eindruck, dass in dem Buch ein sehr zeit- und arbeitsaufwändiges Beobachtungsverfahren dargestellt wird.

Martin R. Textor