Aus: Landeshauptstadt München Schul- und Kultusreferat (Hrsg.): Multimedialandschaften für Kinder - Spielplatz Computer als Herausforderung für Kindertageseinrichtungen. München 2001

MuLa - Das Projekt

SIN - Studio im Netz / Schul- und Kultusreferat der Landeshauptstadt München

 

Der Leitgedanke von Multimedia-Landschaften für Kinder ist, die pädagogischen Herausforderungen der Lern- und Spielwelten, die der Computer in zunehmenden Maße bereits für Drei- und Vierjährige eröffnet, im Kontext der Kindertagesstätten und Horte aufzugreifen. Im medienpädagogischen Blickfeld von MuLa steht insbesondere die Ausformung und Förderung der kindlichen Medienkompetenz in kindgerechter, also spielerischer Form mit vielen anderen. Der selbstbestimmte, aktive, kreative und verantwortete Umgang mit Medien ist ein pädagogisches Ziel, dessen Relevanz sich aus der von digitalen Medien determinierten Wissensgesellschaft ergibt. Unter sozialen Aspekten ist es dabei besonders wichtig, frühzeitigen Chancenungleichheiten entgegenzuwirken.

Für die Kinder bietet das Projekt einen pädagogisch kreierten Erlebnisraum, in dem die virtuellen Spiel- und Lernwelten freigegeben sind zum eigenständigen Erkunden.

Für die beteiligten Erzieherinnen ist dieses Projekt ein praxisorientiertes Erprobungsfeld zur zeitgemäßen Frage, inwieweit der "Spielplatz Computer" für Kinder im Kindergartenalltag bereichernd ist. MuLa schafft einen Rahmen, in dem die Kompetenzen der pädagogisch Verantwortlichen vor Ort zusammenfließen können und aufgegriffen werden im Hinblick auf das neue Aufgabenfeld, das die interaktiven Spielwelten für die Kindertagesstätten (Kindergarten, Hort, Kindertagesheim) schaffen.

Für die Eltern bietet das Projekt pädagogische Orientierungshilfen zum Thema "Multimedia und Kinder" sowie in unterschiedlichen Formen direkte Partizipationsmöglichkeiten (Aktionstage). Darüber hinaus können sie ihre Meinungen über die computerisierten Lern- und Spielprogramme kundtun (u.a. in Fragebögen).

Das Schulreferat/ FA 5 Kindertagesstätten hat das SIN-Studio im Netz e.V. mit der Projektkoordination und der pädagogischen Betreuung beauftragt.

Die fünf Module

Das Gesamtprojekt "Multimedia-Landschaften für Kinder" hat sich dynamisch seit 1997 entwickelt und besteht derzeit aus fünf Modulen:

  • MuLa 1 - Der Computerausflug: Er gibt interessierten Kindertagesstätten die Möglichkeit, mit einer Kindergruppe das SIN - Studio im Netz zu besuchen und den "Spielplatz Computer" zu testen. Dieses Projektmodul findet punktuell, vor allem in den Herbstferien, statt.
  • MuLa 2 - Die Computerkarawane: Sie bringt die neuen virtuellen Spiel- und Lernwelten für einen Zeitraum von ca. 8-12 Wochen direkt in den Kindergarten oder Kinderhort. Derzeit sind dafür drei Computersets (jeweils drei Multimedia-Rechner plus Farbdrucker) unterwegs.
  • MuLa 3 - Die Computeroase: Sie integriert den "Spielplatz Computer" medienpädagogisch verantwortet in den Kindergartenalltag ohne eine zeitliche Limitierung.
  • MuLa 4 - Die Geheimnisse des Internet: Dies eröffnet den Hort- und Kindertagesheimbereichen das gesamte Spektrum der pädagogischen höchst interessanten Spiel-, Lern- und Kreativmöglichkeiten sowie der zeitgemäßen Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten, die mit den via Internet vernetzten interaktiven Computerwelten einhergehen.
  • MuLa 5 - Faszination Internet (Adventskalender): Entspricht inhaltlich und in der Rahmenkonstellation MuLa 4. Zur Finanzierung dieses MuLa-Moduls hat das Schulreferat Mittel von der Süddeutschen Zeitung (Adventskalender) erhalten.

Mit dem Schlagwort "Adventskalender" ruft die Süddeutsche Zeitung jedes Jahr ihre Leser auf für wohltätige Zwecke zu spenden. Dieses Jahr hat die SZ einen Teil der bei ihr eingegangenen Spenden im Rahmen der Hilfeaktion "Adventskalender" dem Schulreferat der Landeshauptstadt München/ Fachabteilung V zukommen lassen, da sie hierbei das Vertrauen und die Zuversicht hat, dass die Gelder sinnvoll und gemäß den Spendenzielen verwendet werden. Der Zweck des Adventskalenders ist es, sozial benachteiligte Kinder in städtischen Kindertageseinrichtungen zu fördern und zu helfen. die Chancenungleichheit im Bereich der neuen digitalen Medien abzubauen. Häufig befinden sich gerade in städtischen Horten Mädchen und Buben aus sozial schwachen Familien. Vor allem diese Kinder haben nur selten einen Zugang zu den neuen Medien, die in der heutigen Wissens- und Informationsära nahezu alltäglich geworden sind. Hier ist ein enormer Bedarf, diesen Kindern die Möglichkeit zu eröffnen, sich mit den neuen Medien zu beschäftigen, mit ihnen vertraut zu werden und einen sinnvoll Umgang zu erlernen. Dadurch wird die Medienkompetenz der Heranwachsenden gefördert und werden neue Chancen eröffnet, an unserer Gesellschaft aktiv und erfolgreich teilzunehmen.

In MuLa 1-4 werden die Einrichtungen so ausgewählt, dass alle Bezirke Münchens berücksichtigt werden. In Mula 5 werden speziell die Bezirke Münchens berücksichtigt, in denen Horte Kinde aus anregungsärmeren Milieus betreuen. MuLa 5 wendet sich damit speziell an die Kinder, die einer frühzeitigen Benachteiligung ausgesetzt sind.

Wichtige Ergebnisse

Die nachfolgenden Erkenntnisse beziehen sich auf medienpädagogische Erfahrungen mit dem Einsatz des "Spielplatz Computer" in Kindertagesstätten. Das heißt, die Erfahrungen wurden in einem pädagogisch verantworteten Rahmen gesammelt und verweisen auf medienpädagogischen Chancen, die sich mit den multimedialen Lern- und Spielwelten eröffnen.

Die multimedialen Lern- und Spielwelten bieten Neues

Mit dem Computer steht den Kindern erstmals ein mediales Spielzeug zur Verfügung, das zur aktiven (interaktiven) Nutzung auffordert. Anstelle einer passiven Berieselung können die jungen Menschen gemäß ihren individuellen Vorlieben die virtuellen Spiel- und Lernwelten erkunden. Der Multimedia-Rechner in Verbindung mit Edutainment-Titeln, d.h. Programmen zum Spielen und Lernen, ist zweifellos ein Spielzeug, das pädagogisch interessant ist. Durch die visualisierte Oberfläche ist er kinderleicht zu bedienen, und die bunten Darstellungsformen animieren die Kinder zum Spielen. Diese Grundkonstellation ist es, die den Einbezug des "Spielplatz Computer" in den Erziehungsprozess zur frühzeitigen Ausformung einer Medienkompetenz geradezu prädestiniert.

Kinder "computern" am liebsten gemeinsam

Entgegen dem oftmals bestehenden Vorurteil, dass der Computer vereinsamend wirkt, zeigt sich im Gegenteil, dass die Kinder im Vorschulalter am liebsten gemeinsam mit und am Computer spielen. Die damit einhergehenden regen Kommunikationsprozesse verweisen auf eine positive Gruppendynamik.

Mädchen "computern" genauso gern wie Jungen

Im Vorschulalter gibt es keine Dominanz der Jungen in der Nutzung der Computer, das zeigt MuLa ganz deutlich. Die Mädchen gehen genauso selbstverständlich mit der Hard- und Software um wie die Jungen. Ein deutlich erkennbares Verdrängen der Mädchen von der Maus oder Tastatur durch die Jungen kommt nicht vor. Geschlechtsdifferenziertes Verhalten ist allerdings in der Auswahl der Softwaretitel zu erkennen.

Der "Spielplatz Computer" aktiviert Eltern

Das Interesse der Eltern an dem Projekt ist erstaunlich hoch. An den Aktionstagen und Elternabenden ist vor allem die Beteiligung der Väter überraschend hoch. Sie nutzten die Aktionstage nicht selten dazu, mit ihrem Kind eigene Erfahrungen zu sammeln. Die häufig gestellten Fragen nach sinnvollen Programmen verweisen auf einen enormen Beratungsbedarf.

MuLa bietet Zugang für alle Kinder

Im Informations- und Kommunikationszeitalter besteht zunehmend die Gefahr ungleicher Zugangsmöglichkeiten von Jungen und Mädchen, aber auch von Kindern aus wohlhabenden Elternhäusern gegenüber Kindern, deren Eltern sich die digitalen Spielewelten nicht leisten können. Die Kindertagesstätten als übergreifende institutionalisierte Einrichtungen haben hierbei die wichtige Funktion, gravierenden Benachteiligungen entgegenzuwirken. Ein Projekt wie MuLa gibt allen Kindern Möglichkeiten, Erfahrungen in den virtuellen Welten zu sammeln.

Fazit

Die frühzeitige Ausformung und Stärkung der kindlichen Medienkompetenz kann nur auf breiter Basis gelingen, wenn sie von einem starken politischen Willen - auch über parteiliche und soziale Grenzen hinweg - getragen wird. In ihrer Breite wird sie dann eine nachhaltige Wirkung erzielen, wenn über punktuelle Maßnahmen hinaus kontinuierliche und strukturelle Offensiven und Investitionen realisiert werden.

Jugend- und bildungspolitische Initiativen dienen der Qualifizierung einer Informations- und Wissensgesellschaft in Richtung einer zukunftsfähigen Bildungsgesellschaft, die der Multimedia-Dynamik gewachsen ist. Es gilt, die "Mediengeneration" in Stand zu setzen, eine medial-vernetzte Welt aktiv mitzugestalten, statt ihr passiv ausgeliefert zu sein. Sowohl Jungen als auch Mädchen brauchen zur gesellschaftlichen Teilhabe eine adäquat entwickelte Medienkompetenz.