Rezension

Dieter Höltershinken: Die Nichtplanbarkeit in Erziehung und Bildung. Ein Essay über vergessene Erfahrungen und Erkenntnisse in der Pädagogik. Bochum, Freiburg: Projekt Verlag 2013, 107 Seiten, EUR 12,80 - direkt bestellen durch Anklicken

 

Das hier vorliegende Buch ist das rechte Buch zur rechten Zeit, ein kritischer Blick auf den einseitigen Förderwahnsinn und die so genannten Bildungswissenschaften, die das Kind aus dem Blick verlieren und völlig vergessen, dass Bildung und Erziehung nicht perfekt planbar sind.

Höltersinken wählt für seine Ausführungen die Form des "Essays". Er behandelt ein ungelöstes Problem aus subjektiver Sicht und fordert den Leser zum Diskurs auf. Dies geschieht ausgewogen und fundiert auf der Basis der Erkenntnisse der pädagogischen Klassiker und deren Auseinandersetzung mit Bildung, Erziehung und Lernen. Auf diese Weise wird das Buch auch zu einer Fundgrube und Wiederbelebung vergessenen pädagogischen Grundwissens.

Der derzeitige Förderwahnsinn verfehlt die gesteckten Ziele und erreicht letztlich ein Weniger an Bildung und Erziehung. Deshalb will dieses Buch ein Umdenken initiieren. Es muss den Leser aufrütteln, wenn er Sätze liest wie: "Man glaubt alles planen, machen, organisieren zu können, übersieht aber zu häufig, dass die einzelne erzieherische Situation, die ihre je spezifische Struktur hat, die auch von nichtrationalen Momenten abhängig ist, im Letzten nicht planbar ist, übersieht, dass ich wesentliche Bereiche des Menschen nur indirekt erreiche." Kaum zu glauben, dieser Satz stammt aus einem Aufsatz aus dem Jahr 1967! Vergessene Erfahrungen und Erkenntnisse in der Pädagogik könnten Türöffner für längst überfällige Reformen sein.

Der Leser wird "ermahnt", Konsequenzen aus der Nichtplanbarkeit von Erziehung und Bildung für die Bildungsplanung zu ziehen. So ist es zu wünschen, dass alle mit Bildungsplanung bzw. mit der Erstellung von Bildungs- und Lehrplänen befassten Menschen dieses Buch aufmerksam lesen und in eine kritische Betrachtung ihrer Arbeit eintreten. Hoffentlich findet das Buch auch Berücksichtigung in der pädagogischen Ausbildung von Erzieher/innen, Lehrer/innen, Fortbilder/innen, Pädagog/innen und Psycholog/innen.

Ingeborg Becker-Textor