Rezension

Heidi Trpak, Leonora Leitl: Willi Virus. Aus dem Leben eines Schnupfenvirus. Innsbruck: Tyrolia 2015, 26 Seiten, EUR 14,95 - direkt bestellen durch Anklicken

 

Immer wieder begeistern mich die Bilderbücher aus dem Tyrolia-Verlag. Sie sind so ganz anders: von den Themen her, der Gestaltung und der Kindgemäßheit.

So greift das vorliegende Bilderbuch etwas ganz Alltägliches auf, direkt aus der Lebenswelt der Kinder. Wer kennt nicht ihre tropfenden Nasen? Und so stellt die österreichische Kindergartenpädagogin Heidi Tarpak den Kindern Willi Virus, den Schnupfenvirus, vor. In dem lustig geschriebenen Bilderbuch werden Gesundheitserziehung und Sachinformation kombiniert: Kleingedruckte Texte liefern weiterführende Infos für die Pädagog/innen, sodass sie besser Fragen der Kinder beantworten können.

Die Illustratorin Leonora Leitl hat eine Technik für die Bilder gewählt, die man fantasievoll "schleimig" nennen könnte. Sie erinnert an Kleisterpapier, mit kleinen Luftbläschen. Haben Sie schon einmal Kleisterpapier mit den Kindern gestaltet? Wenn nicht, am Ende der Rezension gebe ich Ihnen dazu eine kurze Anleitung.

Doch jetzt zu Willi Virus. Er ist ganz klein, mit bloßem Auge nicht zu sehen. Da braucht man schon ein Elektronenmikroskop. Neben Schnupfenviren wie Willi gibt es viele andere Arten von Viren. Es ist so wie mit den Schneeflocken: Alle sind verschieden. Wer geimpft ist, dem können bestimmte Viren nicht schaden; er kann nicht mehr krank werden. So kann man mit Kindern auch über Impfungen sprechen. Nahezu alle Kinder sind schon geimpft worden, und dementsprechend viel gibt es zu erzählen.

Wenn Menschen nießen oder husten, dann schicken sie Viren auf die Reise - selbst wenn sie sich ein Taschentuch vor Nase oder Mund halten. Was passiert aber, wenn sie sich die Hände waschen? Werden dann die Viren fortgespült? Und wie lange dauert es, bis ein Virus, der bei uns "gelandet" ist, krank macht? Und wie wird man wieder gesund?

Aber ich will den ganzen Inhalt des Bilderbuches nicht vorweg nehmen. Sie haben sicherlich schon gemerkt, dass man mit dem Buch lange arbeiten kann. Es reicht nicht, es einfach vorzulesen und die Bilder zu betrachten. Ein richtiges Schnupfenprojekt lässt sich auf Grundlage des Buches entwickeln!

Viel Bildung steckt in diesem Schnupfenbuch: Gesundheitserziehung, Biologie, Hygiene, medizinische Behandlung, Gesundheitsvorsorge und Prävention. Aber auch die Sprache kommt nicht zu kurz. Der Schnupfenvirus erreicht nämlich alle Menschen auf der Welt, gleich von welcher Hautfarbe oder von welchem kulturellen Hintergrund, vom Baby bis zum Greis. Wenn man nießt, wie klingt das wohl in anderen Sprachen? Bei uns sagt man "hatschi", aber in...

Ingeborg Becker-Textor

P.S.: Ach so, ich wollte noch schreiben, Kleisterbilder gemacht werden: Man tropft etwas Kleister auf Papier, dann etwas Farbe auf den Kleister. Jetzt kommt ein Papier darauf, es wird sachte gedrückt und dann das Papier vorsichtig abgezogen. Sieht das Bild nicht wie ein Schnupfenvirus aus?