Rezension

Maria Hageneder, Karoline Neubauer: Ratzfatz. Vom Zappeln, Wuseln, Wetzen und Flitzen. Innsbruck: Tyrolia 2017, 26 Seiten, EUR 14,95 - direkt bestellen durch Anklicken

 

Vor mir liegt ein Bilderbuch mit der Geschichte eines Wiesels. Sein Name: Ratzfatz. Da man Wiesel in der Natur nur selten zu Gesicht bekommt, sind sie Kindern kaum bekannt. Es bietet sich deshalb an, wenn Sie vor dem Einsatz dieses Buches in der Kita-Gruppe den Kindern einige Fotos von Wieseln zeigen. Ist dem einen oder anderen Kind schon einmal ein Wiesel begegnet, wird es sicherlich davon berichten.

Dann können die Kinder Ratzfatz kennenlernen. Er ist ein ganz besonders flinkes Wiesel. Ratzfatz hat einfach keine Zeit zum Trödeln. Die Welt wartet auf ihn, und er will nichts versäumen. Das ist aber nicht immer gut, denn man muss warten können - z.B. beim Spielen oder beim Lesen einer Geschichte. Sie sind als Pädagogin jetzt bestimmt schon auf der richtigen Spur: Es geht in dem Bilderbuch um Hyperaktivität.

Ratzfatz macht die Erfahrung, dass es manchmal gut ist, ruhig und konzentriert zu sein, aber dann auch wieder schnell und flink. Ferner lernt Ratzfatz, dass alle seine Freunde verschieden sind - wie auch die Kinder in Ihrer Gruppe. Es gibt große und kleine, hibbelige, träumerische, nachdenkliche, lustige... Zusammen genommen sind all die tierischen Freunde von Ratzfatz ein tolles Team.

Die Eule hat die schärfsten Augen und findet die anderen Tiere immer schnell. Nur, dieses Mal haben sich alle gut versteckt und sind mucksmäuschenstill - was gar nicht so einfach ist. Alle müssen so lange still sein! Aber so findet die Eule sie nicht.

Manchmal ist Ratzfatz zu schnell, wie beim Eierholen, oh je... Er freut sich schon auf den Besuch bei der Füchsin. Die kennt sich nämlich aus mit den Schnellen und Flinken. Sie sagt immer, was Ratzfatz tun soll. Und danach, da klopft sein Herz... Und dann wird er immer stiller.

Diese wunderbare Geschichte kann auch zusammengeführt werden mit Rhythmik, autogenem Training, Yoga - also Bereichen, bei denen es ganz besonders auf die eigene Körperwahrnehmung ankommt. Hyperaktive Kinder sind dafür sehr offen und können die dabei auftretenden Gefühle auch beschreiben. Sie finden sich in Ratzfatz wieder und pendeln dann zwischen Ruhe und Aktivität. Ihre Hyperaktivität wird quasi "aufgefangen", und sie werden nicht zu Außenseitern.

So ist Ratzfatz kein Bilderbuch zum einmaligen Betrachten, sondern ein Begleiter im Alltag. Es ist auch für die heil- und sonderpädagogische Arbeit zu empfehlen. Zum Buch gibt es noch den Bastelbogen "Ratzfatz springt". Konnte ich Sie neugierig machen?

Ingeborg Becker-Textor