Rezension

Gudrun Rathke, Isolde Christandl: Sophia und das große Spiel. Eine Schöpfungsgeschichte nach einer Idee von Alfred Vaupel. Innsbruck: Tyrolia 2017, 26 Seiten, EUR 14,95 - direkt bestellen durch Anklicken

 

Leser/innen finden eine ganz andere Schöpfungsgeschichte in diesem Bilderbuch. Bevor es Kindern vorgestellt wird, sollten Eltern und Pädagog/innen sich zuerst selbst mit den Bildern und dem Text auseinander setzen. Auch sollten die Kinder mit der biblischen Schöpfungsgeschichte vertraut sein, will man ihnen das Buch näher bringen. Dann können sie leichter Vertrautes aufspüren.

Die kleine Sophia führt uns durch das Buch. Sophia sitzt als Figur der Weisheit im Buch der Sprüche (Spr. 8, 30) zu Füßen Gottes. In einem großen Spiel entstehen neue Welten. Sophia fordert Gott auf, sich an dem Spiel zu beteiligen. Und Gott spielt mit ihr, eine halbe Ewigkeit lang. Es ist nichts Fremdes zwischen den beiden. Sie geben sich Impulse, bringen die blaue Leere ins Schwanken, die Welt in Bewegung und erschaffen Menschen, Bäume, Blumen, Tiere. Aus Gottes Mantel entstehen Land und Berge, Quellen und Flüsse, Seen und Meere, Felsen und Steine. Gemeinsam stellen sie fest: Die Leere ist fort! Sie freuen sich und lachen.

Das Buch endet mit: "Jetzt ist es gut!" sagte Gott. "Jetzt ruhe ich mich aus, eine ganze Ewigkeit lang!" Und zu seinen Füßen spielt Sophia mit ihren Händen, mit ihren Füßen, mit ihren Gedanken. Und davon hat sie ganz viele.

Dieses Buch fordert das gemeinsame Gespräch mit dem Kind oder einer kleinen Gruppe. Es ist ein Begleiter für einen längeren Zeitraum - kein einmal vorzulesendes Buch im Sinne herkömmlicher Bilderbuchbetrachtung. Es braucht sensible Erwachsene, die gut zuhören können und den kreativen Denkprozess jedes Kindes zulassen. Es ist ein inhaltsreiches Buch; es spricht an und fordert eigenes Nachdenken.

Wirklich eine ganz andere Schöpfungsgeschichte, die ich aber nicht missen möchte! Nehmen Sie sich als Erwachsener Zeit, dieses Buch kennenzulernen. Dann wird es zu einer Bereicherung für Sie und ihre Kinder. Das Buch eignet sich auch für die Ausbildung von Pädagog/innen, Theolog/innen und Philosoph/innen.

Ingeborg Becker-Textor