Rezension

Thé Tjong-Khing: Hieronymus. Frankfurt am Main: Moritz 2017, 48 Seiten, EUR 14,95 - direkt bestellen durch Anklicken

 

Thé Tjong-Khing ist nicht nur ein wandelndes kunsthistorisches Lexikon, er hat auch - wie in seinem Bilderbuch Kunst mit Torte - die Gabe, Kunstgeschichte kindgerecht lebendig werden zu lassen, ohne sich der Jugend anzubiedern oder gar belehrend zu erscheinen.

Hieronymus Bosch hätte sicherlich seine Freude an dem übersprudelnden Geist gehabt, der in dem Buch Hieronymus offenbar wird. Ohne Worte, mit viel Witz, Sinn fürs Detail und Temperament hat der Illustrator den kleinen Jungen Hieronymus in die Fabel-Welt des großen Malers eintauchen lassen. Hieronymus, der mit seinem Hund draußen spielt, stürzt in eine tiefe Schlucht und damit auch in die Welt Boschs mit seinen skurrilen Wesen. Unbeeindruckt von den gruseligen und raffgierigen Wesen, die dem Jungen Ball, Rucksack und Mütze gestohlen haben, nimmt der Junge sofort die Verfolgung auf und begegnet auch netten und hilfsbereiten Geistern.

Bemerkenswert ist, dass weder der Renaissance-Maler Bosch noch der Bilderbuchillustrator Tjong-Khing sich schriftlich zu ihren Werken geäußert haben, was ja im Fall Tjong-Khing noch möglich wäre. Nötig hingegen ist es nicht. Denn diese Bilderwelt, die handelnden Personen und Wesen lassen unterschiedliche Interpretationen zu.

Das beeindruckende Bilderbuch, das von den Details und von der übergeordneten und überbordenden Handlung lebt, ist ein lohnender Ausflug in das Werk Boschs wie in die Fantasiewelt der Gegenwart. Es ist für Kinder und Erwachsene ab fünf Jahren wärmstens zu empfehlen.

Sabine Kippenberg