Rezension

Waltraud Weegmann, Carola Kammerlander (Hrsg.): Die Jüngsten in der Kita. Ein Handbuch zur Krippenpädagogik. Stuttgart: W. Kohlhammer 2010, 341 Seiten, EUR 32,00 - direkt bestellen durch Anklicken

 

In ihrem Vorwort schreiben Waltraud Weegmann und Carola Kammerlander: "Unser Buch, für dessen Texte wir viele renommierte Wissenschaftler/-innen und Praktiker/-innen als Autor/-innen gewinnen konnten, ... bietet einen Überblick über die zentralen pädagogischen Aspekte bei der Betreuung, Bildung und Erziehung der unter dreijährigen Kinder. Die Beiträge dazu gliedern sich in eher theoretische Erkenntnisse zu diesem Thema und solche mit höherem Praxisbezug. Doch unser 'Krippenhandbuch' ist kein reines Pädagogikbuch. Es ist uns wichtig, zugleich den Blick auf die gesellschaftlichen und historischen Zusammenhänge zu richten, unter denen sich die Entwicklung vollzieht" (S. 9). Dieser Intention entspricht das Handbuch zur Krippenpädagogik - und auch die Liste der Beiträger enthält viele bekannte Namen. Allerdings wird bei dem Begriff "Krippenpädagogik" ignoriert, dass nur noch ein gutes Drittel der unter Dreijährigen in Kinderkrippen betreut wird - die meisten Kinder dieses Alters findet man heute in Tageseinrichtungen mit einer größeren Altersmischung.

Der erste Buchteil "Gesellschaftliche Aspekte" enthält vier Kapitel: Anke König schreibt über Kindheiten heute, das neue Bild vom Kleinstkind und den Ausbau der institutionellen Betreuung von unter Dreijährigen. Dann skizziert Iris Nentwig-Gesemann die Geschichte der außerfamiliären Erziehung und Bildung von Kindern unter drei Jahren, wobei die Entwicklungen in der BRD und in der DDR sowie die Zeit nach der Wiedervereinigung im Mittelpunkt stehen. Waltraud Weegmann geht auf die politischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen des Ausbaus der Krippenbetreuung ein, während Stefan Sell die Bedeutung der Tagesbetreuung unter Dreijähriger für Gesellschaft, Familie und Kinder aufzeigt.

Im zweiten Teil "Frühkindliche Bildung und Entwicklung" (sechs Kapitel) fasst zunächst Manfred Spitzer wichtige Forschungsergebnisse zur Gehirn- und Denkentwicklung zusammen, bevor Sabina Pauen und Janna Pahnke entwicklungspsychologische Erkenntnisse über Säuglinge sowie Hellgard Rauh über Ein- und Zweijährige präsentieren. Rüdiger Posth stellt die Bindungstheorie vor und geht auf die "Theory of Mind" ein, während sich Marjan Alemzadeh mit Daniel N. Sterns Entwicklungstheorie und insbesondere mit dem Selbstempfinden beschäftigt. Dann folgt ein weiteres Kapitel von Hellgard Rauh, in dem verschiedene Entwicklungstheorien skizziert werden.

Der dritte Teil "Die Jüngsten in der Kita - Grundpfeiler der Pädagogik" mit seinen sechs Kapiteln beginnt mit einem Beitrag von Gabriele Haug-Schnabel und Joachim Bensel über die Ziele der Krippenpädagogik und die Anforderungen an die Qualität der Betreuung. Dann folgen grundsätzliche Ausführungen von Gerd E. Schäfer über die frühkindliche Bildung, bevor Julia Schmidt sich mit der Bewegungsentwicklung und -förderung befasst. Karin Jampert und Andrea Sens gehen auf den Spracherwerb und dessen Unterstützung ein, gefolgt von einem Kapitel von Dagmar Kasüschke über den Erwerb sozialer Kompetenzen in unterschiedlich altersgemischten Gruppen. Danach behandeln Ursula Stenger und Angela Franzen Ausdrucksformen von Krippenkindern (Malen, Zeichnen, Tonen, Musik, Tanz, Spiel usw.).

Im vierten Buchteil "Die Jüngsten in der Kita - Themen der pädagogischen Praxis" mit seinen fünf Kapiteln beschreibt zunächst Éva Hédervári-Heller das Berliner Eingewöhnungsmodell. Dann diskutieren Kornelia Schneider und Wiebke Wüstenberg, was bei der Auswahl von Materialien für Säuglinge, Ein- und Zweijährige zu berücksichtigen ist. Klaus Fröhlich-Gildhoff und Sibylle Fischer befassen sich mit der Beobachtung von Kleinstkindern und deren Dokumentation. Dann folgen ein Beitrag von Jorina Senger über die Erziehungspartnerschaft mit Eltern und ein Kapitel von Carola Kammerlander, in dem die "element-i-Konzeption" für Kinderhäuser vorgestellt wird.

Der fünfte und letzte Teil "Qualität sichern" umfasst nur zwei Kapitel: Zunächst problematisieren Henriette Harms und Stefanie Schwarz die Ausbildung der Fachkräfte für die pädagogische Arbeit mit unter Dreijährigen. Dann beschreibt Jutta Hinke-Ruhnau Ergebnis-, Struktur- und Prozessqualität in Krippen aus der Sicht des Kindes, der Eltern und der Fachkraft. Es folgen ein Autoren- und ein Stichwortverzeichnis.

Das Handbuch von Waltraud Weegmann und Carola Kammerlander bietet einen umfassenden Überblick über die Krippenpädagogik. Alle wichtigen Aspekte werden gut verständlich und relativ praxisnah behandelt. So ist das Buch sowohl für die Ausbildung als auch für die Praxis relevant.

Martin R. Textor