Erziehungsstress in der Kita? Muss nicht sein

Erdmute Partecke

 

In einer Meldung der Deutschen Presseagentur (dpa) von September 2013 heißt es, jede fünfte Erzieherin fühle sich im Beruf extremen Stress ausgesetzt und laufe Gefahr, an einem Burnout zu erkranken. In der Tat: die Arbeitsbedingungen mit zu großen Kindergruppen, zu wenig Personal und unzulänglicher Ausstattung vieler Einrichtungen machen die pädagogische Arbeit vielerorts zu einer täglichen Herausforderung. In diesem für alle Erwachsenen und Kinder beengten und oftmals ereignisarmen Umfeld fallen mehr und mehr störanfällige, störende und verstörte Kinder auf, die eine entwicklungsfördernde Lernwelt verlangen.

Darüber hinaus beobachte ich allerdings auch, wenn ich in Kindertagesstätten als Praxisbegleiterin an dem Alltag mit Kindern teilnehme, dass viele Stressmomente hausgemacht - und damit auch vermeidbar - sind. Erzieher/innen schleppen häufig einen fest geschnürten Packen an misslichen Einstellungen mit sich herum, die ihnen den pädagogischen Alltag mit Kindern unnötig erschweren. Dies führt dazu, dass sie auf der einen Seite dazu neigen, das Verhalten der Kinder unaufhaltsam zu regulieren, und sie auf der anderen Seite den Kindern großzügig freien Lauf lassen, wo sie gut und gerne unterstützende Begleitung praktizieren sollten.

In beiden Richtungen entstehen durch gutgemeintes (Fehl-) Verhalten der Erzieher/innen Probleme, die den Alltag mit Kindern unnötig erschweren. Auf der einen Seite hassen es Kinder, in ihrem Denken, Fühlen und Verhalten korrigiert zu werden, erleben sie darin doch immer wieder neu ihre Unzulänglichkeit. Die Folge ist, dass sie versuchen, sich gegen den als übermächtig erlebten Großen vehement zu widersetzen. Dies zeigt sich wiederum in sozial unerwünschten Reaktionen, die es erneut - und zwar in der Regel jetzt noch resoluter - erzieherisch auszubremsen gilt. Ein Teufelskreis von Aufregung, Strenge, Zorn und Maßregelung gewinnt eine schier unaufhaltsame Eigendynamik.

Auf der anderen Seite ist es nach meinen Erfahrungen mit Kindern genauso ein Irrglaube, Kinder seien am liebsten unter sich und missbilligten die Nähe eines Erwachsenen. Selbstredend mögen sie es nicht, wenn man sie mit tadelndem Blick beobachtet, ihnen unterstellt, sie machten gleich wieder Blödsinn (den sie allerdings notgedrungen machen, wenn ihr Leben öde und langweilig ist). Sie mögen in der Tat nicht den disziplinierenden Machtmenschen, der sie einschränkt. Ich kenne allerdings keine Kinder, die nicht liebend gerne den Großen an ihrer Seite haben, der Abenteuer, Forschergeist und Spielspaß mit ihnen teilt.

Somit ist es paradoxerweise häufig gerade der erzieherische Eifer einer Betreuerin, der - so oder so - den Umgang mit Kindern belastet. Wenn wir uns dagegen darin üben, mit mehr gütiger Gelassenheit auf die Gutwilligkeit kleiner Kinder zu vertrauen, dann kann es gelingen, dass wir überkommene Vorurteile kindlichen Verhaltens gegenüber aus der Welt schaffen.

Somit sind viele erzieherische Maßnahmen vergebliche Liebesmühe, wenn es darum geht, Kinder in ihrem Bestreben, das Leben zu meistern, beizustehen. Der Alltag mit Kindern wird dagegen entspannter, wenn wir uns von einigen überkommenen erzieherischen Einstellungen verabschieden - als da wären: Belehrungen, Zurechtweisungen, Strafen oder auch Nicht-Beachtung und Isolation. Aber was dann?

Ein Kind zeigt, dass es etwas nicht kann

Der Alltag mit Kindern ist voller Stolpersteine, und ein gütiger Erwachsener hat - so könnte man meinen - alle Hände voll zu tun, um Wege zu ebnen. Da wird der Stift, die Schere, das Messer falsch gehalten, das Bastelpapier ungeschickt gefaltet, die Kletterstange, der Balancierbalken, das Hindernis unnötig schwerfällig bewältigt, da werden Worte unverständlich gesprochen, falsch gesungen, sich zu laut oder zu leise geäußert. Da kann ein Gegenstand nicht transportiert, ein Fahrzeug nicht gesteuert, eine Dose nicht geöffnet, eine Brücke, ein Turm, ein Fenster mit Bausteinen nicht gebaut werden.

Brauchen Kinder unaufhörlich eine helfende Hand? Belehrungen ohne Ende? Wie soll eine Erzieherin allen Kindern dabei "gerecht" werden? Oder lässt sie es am besten gleich ganz? Immerhin mögen Kinder eine derartige Bevormundung - wie gesagt - ja ohnehin nicht. Das kann nicht die Lösung sein. Denn Desinteresse an dem ernsthaften Bestreben der Kinder, ihr Leben zu meistern, ist genauso schädlich wie vorschnelles helfendes Eingreifen.

Es gibt noch eine andere Möglichkeit, Kinder zu unterstützen: Empathie. Kinder lieben die Nähe des Erwachsenen, der sich in sie hineinversetzen kann. Wenn eine Erzieherin einem Kind geistig-seelisch nahe ist, dann kann sie miterleben, womit es sich auseinandersetzt. Sie bekommt dann eine Ahnung davon, welche ganz eigenen Lösungen bei auftauchenden Problemen ihm jetzt gelingen und vor allen Dingen zufrieden stellen. Dafür muss die Erzieherin das Kind in seinem Tun teilnehmend beobachten und sprachlich begleiten. Etwa so: "Einen schönen Turm möchtest du bauen. Immer wieder rutschen einige Baustein weg. Ich sehe, du hast noch eine ganz andere Idee, ihn stabil zu machen. Jetzt hast du einen breiteren Klotz genommen. Mal sehen, ob das klappt."

Ergänzend zu dem einfühlsamen Miterleben an der Seite des Kindes kann die Erzieherin sich selber in gleicher Weise mit dem Material, das das Kind gewählt hat, als Mitspielerin beschäftigen. Dabei hält sie sich etwas zurück und spielt bzw. arbeitet nur dezent und kommentiert leise und behutsam auch ihr eigenes Tun. Etwa so: "Ich bau jetzt auch mal einen Turm genau wie du. Für meinen Turm nehme ich mal nur die großen Steine."

In einer solchen einfühlsamen Situation genießt das Kind in der Regel die erlebte emotional-soziale Bindung mit der Erzieherin und ist geneigt, seinerseits nachahmend sein eigenes Tun zu erweitern. Es nimmt aus freien Stücken Lehre an und genießt die Lerngemeinschaft mit seiner Betreuerin.

Natürlich kann eine Erzieherin an einem Vormittag während einer Angebots- oder Freispielphase nicht alle Kinder in gleicher Weise betreuen. Das ist auch gar nicht erforderlich. Denn mit ihrem einfühlsamen Mittun schafft sie in der Spiel- bzw. Arbeitsgruppe eine ruhige, entspannte Grundstimmung, die allen anderen Kindern in ihrer Nähe gut tut - als Voraussetzung für das selbsttätige Lernen der Kinder.

Allerdings kann das nur gelingen, wenn die Bildungszeit am Vormittag gut strukturiert ist. So ist es beispielsweise absolut zu vermeiden, dass Angebote am Tisch und Freispiel zur gleichen Zeit in demselben Raum stattfinden. Stattdessen ist dringend anzuraten, dass alle Kinder freie und dynamische Spielangebote in einer definierten Zeit genießen können und dass zu einer anderen Zeit an den Tischen Ruhe und Ordnung für die Werk- und Projektarbeit herrschen, damit sich jedes Kind ohne Ablenkung einer Aufgabe widmen kann. Meine Erfahrungen in vielen Kindergruppen haben mir gezeigt, dass die Kinder derart geordnete Strukturen gut annehmen und die Möglichkeiten der Einrichtung viel besser für ihre Selbstbildung nutzen können als bei allzu freien Wahlmöglichkeiten, die zu Beliebigkeit und Sprunghaftigkeit verführen.

Ein Kind spricht nicht

Zugegeben, es sind die besonders aufmerksamen und engagierten Erzieher/innen, die ein sprachloses Kind fördern wollen - ahnen sie doch, dass der Bildungsauftrag heutzutage nicht an der Sprachförderung und der damit verbundenen Intelligenzentwicklung vorbeigehen darf. Wie schade, dass ihre besondere Zuwendung nicht fruchtet. Was als liebevolle Unterstützung gemeint ist, wird allzu oft von dem Kind als lästige Bedrängnis abgewehrt. Aufforderungen zu sprachlichen Äußerungen wie "Wie heißt das?", "Sag mal", "Was willst du?" etc. wehrt ein stummes Kind meistens mit einer renitenten Verweigerung ab. Nicht selten zieht sich die vorerst freundlich zugewandte Erzieherin enttäuscht und entmutigt zurück und überlässt das Kind seinem Schicksal - ganz nach dem Motto: Da kann man nichts machen. Mit dieser Haltung dem Kind gegenüber reißt die emotionale Bindung zwischen dem Kind und dem Erwachsenen ab - und damit die Grundvoraussetzung für den Spracherwerb. Denn ohne ein Wir-Gefühl entwickelt sich keine Sprache.

Was ist zu tun? Wenn in einer Kindergruppe bereits klare pädagogische Strukturen (mit Stuhlkreis, täglichen Gruppenangeboten in verbindlicher Raum- und Zeitnutzung und täglichen Gesprächskreisen) eingeführt sind, dann fügt sich die Sprachförderung ganz natürlich ein. Denn dann ist die Erzieherin nicht in erster Linie Anleiterin und Aufsichtsperson, sondern Begleiterin der Kinder bei Arbeit, Spiel und Spaß. Sprache bekommt in diesem Kontext einen großen Raum. Denn das Miteinander begünstigt Sprechen ohne allzu großen pädagogischen Aufwand. Es erübrigt sich, einzelne Kinder zum Sprechen anzuspornen oder sie gezielt zu befragen. Sie sprechen von selbst, wenn die Erzieherin erste kleine Äußerungen bemerkt und entsprechend beantwortet. Denn die Geborgenheit in ihrer Lerngruppe befördert ihre eigenen Möglichkeiten der Kommunikation.

Ein Kind ist scheu und zurückhaltend

Wenn ich als Supervisorin an dem Alltag in Kindergruppen teilnehme, dann fallen mir immer wieder Kinder auf, die abseits stehen und dabei einen traurigen Eindruck machen. Häufig sind es die gleichen Kinder, die nicht sprechen. Sie werden von der Betreuerin selbstverständlich aufgefordert, zu anderen Spielgruppen zu gehen und zu fragen, ob sie mitspielen dürfen. Nur zu gut, dass sie sich das nicht trauen, denn die Antwort wäre natürlich: nein! Das wiederum ist auch nur allzu verständlich, denn so ein stilles, scheues Kind kann erfahrungsgemäß nicht gut mitspielen. Es hat nicht gelernt, sich auf Spielpartner einzulassen. Und so fristet es im Kindergarten ein elendes Dasein und vergeudet die beste Lernzeit seines Lebens durch Warten, bis die Zeit endlich abgelaufen ist.

Häufig höre ich von den Verantwortlichen Ansichten wie: "Das Kind braucht noch seine Zeit." - "Es muss sich noch eingewöhnen." - "Es mag halt gerne beobachten." Die Erfahrung zeigt jedoch: Ein zurückgezogenes Kind kommt nur äußerst selten von selbst aus seiner Isolation heraus; es verharrt in seiner passiven Einsamkeit. Und während es vielleicht mit seinem Spielzeug belanglos hantiert, ist es doch aus einer sicheren Distanz sehnsuchtsvoll den anderen Kindern zugewandt. Da ist eine einfühlsame, pädagogische Begleitung vonnöten, die seine Hemmungen lockert, Vertrauen in sich selbst und in potentielle Partner ermöglicht und Brücken zu anderen Kindern baut.

Dabei ist gar nicht unbedingt eine "Einzelfallbetreuung" gefragt, zu der die Erzieherin keine Zeit erübrigen kann. Die Krippenpädagogik mit der pädagogischen Methode der "Bodenzeit" (Greenspan 2003; Partecke 2014) beweist uns, was pädagogisch betreutes Spiel bewirken kann. Das Grundprinzip dabei ist, dass der Erwachsene nicht das Kind aufheitert, anspornt, ihm was vormacht oder abverlangt, sondern ganz einfach sich in gleicher (sparsamen) Art mit einem Gegenstand betätigt wie das Kind. Er schafft also eine umgekehrte Erfahrung zu dem, was das Kind erwartet: Der Große tut es dem Kleinen gleich und ahmt das Tun des Kindes nach, statt ihm etwas vorzumachen. Das erstaunt und amüsiert das Kind oftmals sehr bald, und im lächelnden Blickkontakt entsteht eine emotional-soziale Bindung mit der Betreuerin.

Wenn sich auf dieser Basis das gemeinsame Spiel langsam etwas ausweitet und die Erzieherin ihre Freude über kleine Spielzüge bekundet, dann gesellen sich sogleich andere Kinder dazu, die an dem offenkundig interessanten Geschehen teilnehmen wollen. Schon entsteht eine überschaubare Spielgruppe, in die das vorerst randständige Kind einbezogen ist. Aus einer Einzelzuwendung entwickelt sich eine Gemeinschaft, in der die Erzieherin als Mitspielerin viele Kinder im Blick behalten kann. Und das "Sorgenkind" fühlt sich nicht mehr alleingelassen und lernt, wie man Freunde gewinnt, nämlich indem man ganz einfach nachahmend dasselbe macht wie all die anderen auch.

Ein Kind zeigt Fehlverhalten

In vielen Kindergruppen gibt es oftmals mehrere Kinder, die als Störenfriede erlebt werden. Sie spielen nicht wie die anderen Kinder, sind häufig sprunghaft und umtriebig, behindern und schubsen scheinbar unmotiviert andere Kinder oder zerstören deren Spiel. Häufig entwickeln sie sogar ungute Angewohnheiten wie Beißen und Schlagen.

Die Verführung nun ist groß, mit disziplinierenden Maßnahmen zu versuchen, dem andauernden Übel beizukommen. Damit wird - wie gesagt - ein zermürbender Prozess eingeleitet. Stattdessen ist dringend anzuraten, den "Übeltäter" als ein unglückliches Kind zu begreifen, das in Schwierigkeiten steckt. Ein einfühlendes Verstehen kann gelingen, wenn wir uns die Grundbedürfnisse des Kindes vor Augen halten und uns fragen: Was will das Kind in seinem Bemühen, sein Leben zu meistern, "bearbeiten"? Wofür steht sein "Fehlverhalten"?

  • Fühlt sich das Kind verunsichert und sucht deswegen nach Halt und Orientierung?
  • Fühlt sich das Kind einsam und will deswegen dazugehören?
  • Will das Kind seine Ichstärke finden und deswegen beachtet werden?
  • Langweilt sich das Kind und will deswegen mehr Lern-Spaß erleben?
  • Fühlt das Kind sich ohnmächtig und will deswegen mehr Entscheidungsfreiheit haben?

Ein unglückliches, gestresstes Kind ist unleidlich. Aber es gibt uns wertvolle Hinweise, was alle Kinder für eine störungsfreie Entwicklung brauchen. Dies gilt genauso für die stillen, zurückgezogenen und ebenso für die ungeschickt erscheinenden Kinder: Sie alle wollen lernen, wie sie ihre Grundbedürfnisse erfüllen können, um Wachstum und Reife zu erreichen. Und deswegen gilt, pädagogisch beherzt zu handeln. Denn wir kommen auf den Plan, um die Lernumgebung zu regulieren - und nicht das Kind (Partecke 2014).

  • Für das Grundbedürfnis nach Sicherheit sind klare zeitliche und räumliche Strukturen notwendig (mit Morgenkreis, Gruppenangeboten zum Projektthema, räumlicher und zeitlicher Trennung von lebhaftem Spiel und konzentrierter Arbeit, Gesprächskreis, festen Tischgruppen bei Mahlzeiten etc.). Die Erfahrung zeigt, dass leicht störbare Kinder sich entspannen und zur Ruhe kommen, weil sie sich selber gut orientieren können.
  • Für das Grundbedürfnis nach Wir-Gefühl ist dringend anzuraten, konsequent verbindliche Spiel- und Lerngruppen zu bilden und gleichzeitig sich als Erwachsener statt als Aufsichtsperson durchgängig als Spiel- und Arbeitspartner einzubringen. Das erleichtert Kindern, die Schwierigkeiten im sozialen Kontakt zeigen, ganz erheblich eine Anpassung. Sie können sich wunderbar einfügen, weil sie in der Geborgenheit nachahmend lernen.
  • Für das Grundbedürfnis nach Ich-Stärke, nach dem viele bedürftige Kinder verzweifelt streben, ist es notwendig, dass die Erzieherin sich planvoll und regelmäßig in Spiel- und Arbeitssituationen einem einzelnen Kind anschließt und in geistig-seelischer Präsenz mit dem Kind kommuniziert. Eine derartige Beachtung, die dem Kind immer wieder zuteilwird, lässt ihm gewahr werden, wer es ist und was es kann. Damit wachsen das Selbstwertgefühl und die angemessene Selbstbehauptung.
  • Für das Grundbedürfnis nach Lern-Spaß ist mit Bedacht täglich das Lernfeld für die Kinder übersichtlich, aber auch abwechslungsreich zu bestellen. Das gilt für das Spiel genauso wie für klassische Bildungsangebote. Dabei zeigt die Erfahrung, dass Spiel und Arbeit in vorab pädagogisch geplanten Gruppen den Kindern mehr Spaß machen als in spontan gefundenen Gruppierungen, die nämlich störanfälliger sind und damit auch schneller sich wieder auflösen. Die Selbstbildung der Kinder, von der heutzutage so viel gesprochen wird, entfaltet sich nämlich erst dann im erwünschten Maße, wenn pädagogische Strukturen ein kreatives Miteinander in konstanten Lerngruppen begünstigen.
  • Für das Grundbedürfnis nach Freiheit sollte übermäßige Freizügigkeit mit Freispiel durch mehrere Räume und Spielmaterial in ausschließlich offenen Regalen vermieden werden. Stattdessen brauchen Kinder überschaubare Wahlmöglichkeiten und Verbindlichkeit bei getroffener Wahl über einen definierten Zeitraum. Denn es geht darum, dass sie lernen, Verantwortung für ihr eigenes Tun und Wohlergehen zu übernehmen und auch bei auftauchenden Schwierigkeiten eigene Lösungswege zu finden, ohne allzu schnell aufzugeben und sich dabei zu verzetteln. Bewährt haben sich in der Projektarbeit drei vorbereitete Lernorte (beispielsweise drei Materialtische für Werken, Experimentieren, Buchinformationen), an denen die Kinder nach freier Wahl in einem festgelegten Zeitraum und nach ihrem eigenen Ermessen sich einbringen können. Genauso wichtig wie diese Verpflichtung, die die Kinder eingehen, ist die gewährende und respektvolle Haltung der Erzieherin jedem Kind gegenüber - auch wenn die Art und Weise der Auseinandersetzung mit dem Angebot ihren eigenen Vorstellungen nicht ganz entspricht. Denn nur so kann das Kind seinen eigenen freien Willen für nachhaltiges Lernen nutzen.

Alle genannten fünf Grundbedürfnisse bedingen sich gegenseitig. Deswegen ist es wichtig, dass die Erzieherin buchstäblich als "Kindergärtnerin" das pädagogische Feld täglich gut bestellt hat. Erst dann gelingen Erziehung und Bildung mit leichter Hand.

Fazit

Wir können von Kindern, die den Alltag in Kindergruppen belasten und traditionell erzieherische Maßnahmen auf sich ziehen, lernen, was alle Kinder für eine störungsfreie Entwicklung brauchen, nämlich die Erfüllung aller ihrer Grundbedürfnisse. Dafür ist es erforderlich, dass in den Kitas verlässliche pädagogische Strukturen eingezogen werden, die eine zukunftsweisende Kleinkindpädagogik ermöglichen. Dann ist zu erwarten, dass sowohl die Kinder als auch die Erwachsenen gemeinsam eine lebensbejahende Grundstimmung gewinnen. An die Stelle von Stress, Fehlverhalten und Burnout treten Gelassenheit, gute Laune und die Gewissheit, dass wir trotz der noch verbleibenden äußeren Unzulänglichkeiten auf einem guten Weg sind.

Literatur

Greenspan, Stanley I: Das geborgene Kind. Weinheim: Beltz 2003

Partecke, Erdmute: Spring vom Tisch, Luigi. Den Alltag mit Krippenkindern zukunftsweisend gestalten. Weinheim: Beltz 2014

Autorin

Erdmute Partecke, Diplompsychologin, Supervisorin
Pädagogische Psychologie in Workshops und Praxisbegleitungen
Reinbek bei Hamburg
Email: epartecke@web.de