Kinder zum Sprechen ermutigen mit "Persona Dolls"

Regine Böhm

 

Sprachförderung spielt in den Bildungsplänen aller Bundesländer eine zentrale Rolle. Keine Kita, die es sich noch leisten könnte, auf gezielte Sprachförderaktivitäten zu verzichten! Spracherziehungskonzepte, Trainingsprogramme, Sprachprojekte, Handreichungen und Veröffentlichungen - es ist kein Mangel mehr an Sprachfördermaterialien. Das Bewusstsein für die Notwendigkeit, sprachliche Kompetenzen der Kinder zu fördern, ist hoch und auch die Bereitschaft, Zeit und pädagogisches Herzblut in Sprachförderprojekte zu investieren. Der Erfolg jedoch erscheint mager. Kein Wunder: Sprechen lernt man durch Sprechen. In Sprachfördersituationen aber hat die Erzieherin in der Regel einen wesentlich größeren prozentualen Anteil der Sprechzeit als alle Kinder zusammen (Knapp u.a. 2010, S. 31)! Erzählen und miteinander Reden spielen erstaunlicherweise eine randständige Rolle innerhalb der Sprachförderprogramme (a.a.O., S. 22), obwohl Erzählsituationen neben der Arbeit mit Bilderbüchern als optimale Möglichkeiten der Sprachförderung gelten. "Komplexe Kommunikationssituationen" werden nicht geschaffen (a.a.O., S. 24).

Zudem wird in der Sprachförderung besonderer Wert auf die Vermittlung von Wortschatz gelegt. Dabei reagieren die Kinder auf Fragen wie "Was ist das?" mit Ein-Wort-Äußerungen: "Apfel". Im Alltag aber produzieren wir höchst selten Sätze wie "Das ist ein Apfel", sondern eher Sätze wie "Oh, der Apfel schmeckt aber süß!" oder "Soll ich dir einen leckeren Zauberapfel schneiden?" In der alltäglichen Kommunikation werden Begriffe in Sätze eingebaut, Wörter werden entsprechend gebeugt und damit grammatikalisch verändert. Die weit verbreiteten Benennungsübungen eignen sich darüber hinaus nur für Wörter, die Gegenstände bezeichnen, nicht aber für die Benennung von Gefühlen oder für abstrakte Wörter wie "gerecht" oder "Regeln". Das heißt: Wortschatzübungen haben nur einen relativ geringen Fördereffekt und sind darüber hinaus oft recht langweilig.

Sollen Kinder sprachlich intensiv gefördert werden, müssen sie also in erster Linie selbst viel sprechen. Werden sie dabei angeregt, über Situationen des Alltags nachzudenken und darüber zu sprechen, erwerben sie einen abstrakten und komplexen Wortschatz, der es ihnen ermöglicht, sich z.B. über soziale und emotionale Aspekte des Lebens auszutauschen. Dies ist ein wichtiges Ziel der Arbeit mit sog. "Persona Dolls".

Wann sprechen Kinder?

Kinder reden, wenn sie sich angenommen und ernst genommen fühlen; sie verstummen, wenn sie spüren, dass sie so, wie sie sind, nicht "richtig" sind. Kinder müssen also in ihrer Persönlichkeit beachtet werden, um bereit zu sein, sich anderen mitzuteilen. Sie fühlen sich anerkannt, wenn sie z.B. Gegenstände, die sie von zu Hause her kennen, in der Kita wieder erkennen. Sie fühlen sich anerkannt, wenn ihre Sprache entweder die selbstverständliche Umgangssprache ist, wie das bei muttersprachlich deutschen Kindern der Fall ist, oder wenn sie wahrnehmen können, dass ihre Sprache in anderer Weise eine Rolle spielt, z.B. in einem Begrüßungslied oder wenn die Erzieherin fragt, wie ein Wort in der Familiensprache des Kindes heißt. Kinder fühlen sich wertgeschätzt, wenn sie merken, dass ihre Familienform akzeptiert wird und sie kein missbilligendes Erstaunen hervorrufen, wenn sie von ihren zwei Mamas erzählen. Sie merken, "meine Lebenssituation wird wahrgenommen", wenn in einer Geschichte von arbeitslosen Eltern die Rede ist. Und genau dies ist bei Gesprächsrunden mit Persona Dolls sozusagen Programm.

Und noch ein wichtiger Aspekt: Kinder sprechen dann, wenn sie interessiert sind an einem Thema. Die Gesprächsthemen, die die Erzieherin mit Hilfe der Persona Doll aufgreift, sind Erlebnisse und Anlässe aus dem Kindergartenalltag oder dem Leben von Kindern allgemein. So haben die Kinder einen emotionalen Anknüpfungspunkt, der sie motiviert, sich am Gespräch aktiv zu beteiligen.

Was ist eine Persona Doll?

Persona Dolls sind ein sehr effektives Medium für die Gesprächsführung mit Kindern; sie sind keine Puppen zum Spielen. Unter anderem in Großbritannien wird viel mit ihnen gearbeitet, sowohl im Kindergarten als auch in den ersten Schuljahren, von daher die englische Bezeichnung. Hierzulande werden Persona Dolls vor allem im Kindergarten eingesetzt, manche Erzieher/innen machen mit ihnen auch gute Erfahrungen mit den jüngeren Kindern im Hort.

Persona Dolls sind ca. 80 cm groß und aus Stoff gefertigt. Die Erzieherin stattet sie mit einer "Persönlichkeit" aus, die sich im Laufe verschiedener Gespräche mit den Kindern ausdifferenziert. So wird sie für die Kinder ein "lebendiges" Gegenüber. Dabei ist wichtig, sich an der Kindergruppe zu orientieren: So kann die Erzieherin der Puppe ähnliche Lebensumstände verleihen, um die Identifikation der Kinder mit der Puppe zu fördern. Oder sie versetzt die Puppe in ein ganz anderes soziales Milieu als die Kinder, um ihnen neue Erfahrungen zu ermöglichen. An anderer Stelle achtet sie dafür umso mehr auf Ähnlichkeiten, die die Kinder einladen, ihre eigenen Erfahrungen im Gespräch beizusteuern. So gibt die Erzieherin der Puppe einen Namen und eine Familie; sie wohnt in einem bestimmten Haus oder einer Wohnung in einer Umgebung, die den Kindern durch Erlebnisse, die die Puppe erzählt, vertraut wird. Und sie entwickelt für die Puppe Vorlieben und Abneigungen.

Wie jedes Kind auch hat die Persona Doll eine Hautfarbe: Sie ist hell- oder dunkelhäutig in allen Schattierungen, sie stammt aus einer sozialen Schicht, hat einen bestimmten ethnischen Hintergrund, spricht eine oder verschiedene Sprachen, und vielleicht hat sie auch eine Behinderung. Alle diese Aspekte entwickelt die Erzieherin in den Gesprächen, die sie mithilfe der Puppe mit den Kindern führt. Die Persona Doll "erlebt" alltägliche Freuden und Sorgen, die die Puppe der Erzieherin ins Ohr flüstert. Sie "führt" also ein ganz alltägliches Leben, das viel mit den Kindern gemeinsam hat. Das lädt die Kinder ein, sich positiv mit der Puppe zu identifizieren.

Pädagogischer Hintergrund der Arbeit mit Persona Dolls

Eine große Herausforderung heutiger Pädagogik ist es, Kinder zu befähigen, ohne Vorbehalte auf Menschen zuzugehen, die sich von ihnen in vielem unterscheiden. Kinder sollen darin unterstützt werden, respektvoll mit Überzeugungen und Werten anderer umzugehen, um so keine stereotypen Vorstellungen von Gruppen, denen sie selbst nicht angehören, zu entwickeln. Das heißt: Persona Dolls sind ursprünglich nicht für die Sprachförderung entwickelt worden, sondern sie lassen sich pädagogisch sehr umfassend einsetzen, z.B. auch für folgende Bildungsziele, die das Berliner Bildungsprogramm nennt (in den Bildungsplänen anderer Bundesländer finden sich ähnliche Ziele):

  • Anderen zuhören, sich einfühlen können, sich in die Perspektive eines anderen versetzen und darauf eingehen (Berliner Bildungsprogramm, S. 57).
  • Sich über unterschiedliche Erwartungen verständigen, Konflikte aushandeln und wenn nötig Kompromisse schließen (a.a.O.).
  • Für verschiedene Lebensformen aufgeschlossen sein; die kulturellen und religiösen Verschiedenheiten im Leben von Menschen wahrnehmen, anerkennen und achten (a.a.O., S. 59).

Dafür sind natürlich sprachliche Fähigkeiten notwendig: Auf die Sichtweise eines anderen eingehen können Kinder nur dann, wenn sie sich ausdrücken können. Das Aushandeln von Konflikten funktioniert umso besser, je differenzierter Kinder ihre Interessen verbal vertreten können. Um auf kulturelle und religiöse Besonderheiten zu achten, müssen Kinder lernen, z.B. respektvolle Fragen zu stellen. Das üben sie im Gespräch mithilfe einer Persona Doll.

In Deutschland finden Persona Dolls besonders innerhalb der "Vorurteilsbewussten Pädagogik" Verwendung. Dabei geht es nicht um Sprachförderung, sondern um einen sensiblen Umgang mit Unterschieden und Gemeinsamkeiten von Kindern.

Aufbau einer Gesprächsrunde mit einer Persona Doll

Eine Gesprächsrunde mit einer Persona Doll findet zweckmäßig in einer Kleingruppe statt: So ist gewährleistet, dass alle Kinder zu Wort kommen. Generell gilt, dass die Puppe nicht selbst zu den Kindern spricht, sondern die Erzieherin erzählt, was die Puppe ihr berichtet hat. Die Erzieherin verschmilzt also nicht, wie z.B. bei Handpuppen, mit der Persona Doll, sondern bleibt Erzieherin. Das hat den Vorteil, dass sie zwei Möglichkeiten hat, das Gespräch zu moderieren: Zum einen kann sie die Aufmerksamkeit der Kinder lenken, wenn sie der Puppe "zuhört": Die Kinder sind gespannt, was die Erzieherin ihnen gleich von der Persona Doll berichten wird, und beenden eigene Gespräche. Zudem entsteht eine Pause, in der die Erzieherin sich zurechtlegen kann, wie sie die Überlegungen der Kinder aufgreifen und die Grundintention des Gesprächs fortführen kann. Zum anderen kann sie in ihrer Rolle als Erzieherin Fragen stellen und Impulse zum Nachdenken geben. Nach der Gesprächsrunde verabschiedet sich die Persona Doll und geht wieder nach Hause; die Kinder spielen also nicht mit ihr. Es bleibt damit immer etwas Besonderes, wenn die Puppe die Kinder besucht.

Die Persona Doll sitzt auf dem Schoß der Erzieherin, und die Erzieherin beginnt z.B. mit den Worten: "Heute ist (Name der Puppe) wieder zu Besuch bei uns. Sie/ er möchte euch erst einmal begrüßen." Die Erzieherin steht auf und geht mit der Persona Doll zu jedem Kind, das so die Gelegenheit hat, erste (standardisierte) Begrüßungsworte zu sprechen. Wahlweise geben die Kinder die Puppe auch selbst weiter.

Ist die Puppe den Kindern bereits bekannt, nimmt die Erzieherin Bezug auf den Inhalt der letzten Gesprächsrunde, z.B.: "Ihr habt das letzte Mal gesagt, dass (Name der Puppe) doch mal dieses oder jenes ausprobieren soll, wisst ihr noch?" Dann neigt sie ihren Kopf zur Puppe, "hört" ihr "zu" und berichtet: "(Name der Puppe) hat mir gerade erzählt, dass..." Die Erzieherin kann z.B. von einem freudigen Erlebnis der Puppe erzählen, was die Kinder motiviert, ähnliche Erlebnisse beizusteuern. Es ist wichtig, diese Erlebnisse anerkennend zu kommentieren und zu fragen, wer sonst noch etwas Ähnliches erlebt hat, um möglichst viele Kinder zum Sprechen anzuregen. Oder die Erzieherin erzählt von einem Erlebnis, das die Persona Doll belastet (und dabei kann sie, leicht verfremdet, Geschehnisse in der Gruppe aufgreifen): Vielleicht ist sie wegen ihrer Frisur ausgelacht worden oder musste sich eine kränkende Äußerung zu ihrer Hautfarbe oder zu ihrer Familie anhören. In diesem Fall fordert die Erzieherin die Kinder auf, sich zu überlegen, wie sich die Puppe wohl gefühlt haben könnte und was sie tun könnte, um sich in einer ähnlichen Situation zu wehren. Auch hier bezieht die Erzieherin möglichst viele Kinder ein durch Kommentare und Fragen wie: "Ja, so könnte sie sich gefühlt haben. Habt ihr noch weitere Ideen, wie es ihr gegangen sein könnte?" Oder: "Ja, das könnte sie machen. Gibt es noch weitere Möglichkeiten, was sie tun könnte?"

Die Erzieherin kann die Kinder auch auffordern, erst einmal mit dem neben ihnen sitzendem Kind über das Erlebnis der Persona Doll oder über Möglichkeiten, die Puppe zu unterstützen, zu sprechen. Dann wird es zwar lauter, aber die Kinder sprechen noch mehr. Und genau das ist ja auch gewünscht. Die Aufmerksamkeit der Kinder gewinnt man schnell wieder, wenn man sagt: "(Name der Puppe) will mir etwas sagen" und den Kopf wieder zur Puppe neigt. Die Gesprächsrunde endet, indem die Puppe verspricht, die Vorschläge der Kinder auszuprobieren und sich wieder von jedem Kind einzeln verabschiedet.

Beginn der Arbeit mit einer Persona Doll

Können sich die Kinder positiv mit der Persona Doll identifizieren, werden sie sich gern am Gespräch beteiligen. Wichtig ist deshalb, die Persona Doll behutsam in die Gruppe einzuführen, eventuell so: "Das ist Fernanda. Fernanda lebt mit ihrer Mutter, ihrem Vater und ihrer Schwester Luz in einer Wohnung in einem großen Haus, wo noch viele andere Familien wohnen. Fernanda ist viereinhalb Jahre alt. Ihre Schwester Luz wird bald acht Jahre alt. Fernanda findet ihre Wohnung schön, besonders die Küche, denn da drin gibt es einen gemütlichen Esstisch mit einer Bank. Fernandas Mama ist Ingenieurin. Vor vielen Jahren ist sie aus Haiti nach Deutschland gekommen. Sie hat an der Universität studiert. Jetzt arbeitet sie in einem Büro und zeichnet Brücken, die dann so, wie sie es sich ausgedacht hat, gebaut werden. Fernandas Papa arbeitet in einem großen Supermarkt. Er muss dafür sorgen, dass es immer genug zu kaufen gibt und es auch abends noch Milch und Kartoffeln gibt."

Puppe flüstert der Erzieherin ins Ohr.

"Fernanda möchte euch gern begrüßen."

Die Erzieherin geht mit der Puppe herum. Jedes Kind kann die Puppe individuell begrüßen.

"Fernanda geht in einen Kindergarten, der ganz nah bei ihrem Haus ist. Besonders mag sie den Garten. Dort gibt es nämlich einen ganz steilen Hügel aus Steinen. Wenn man da hoch will, muss man ein Seil greifen und sich daran entlang hochziehen. Das macht ihr großen Spaß. Außerdem gibt es eine Wasserpumpe. Wenn man die kräftig nach unten drückt, kommt ein dicker Wasserstrahl aus der Pumpe. Das Wasser fließt in eine Wasserrinne, die sich durch den Garten schlängelt. Im Sommer spritzen sich die Kinder gegenseitig nass."

Puppe flüstert der Erzieherin ins Ohr.

"Fernanda möchte wissen, was ihr im Garten besonders gern spielt."

Die Kinder antworten; die Erzieherin bestätigt die Kinder durch wertschätzende Kommentare.

Puppe flüstert der Erzieherin ins Ohr.

"Fernanda sagt, dass sie euch noch etwas von ihrer Schwester Luz erzählen möchte. Sie und Luz schlafen zusammen in einem Zimmer in Etagenbetten. Sie teilt gern das Zimmer mit Luz. Wenn sie einen schlechten Traum hat und aufwacht, ist es dunkel und still, und sie fürchtet sich. Und dann ist sie sehr, sehr froh, wenn sie Luz im Bett über sich schnaufen hört. Manchmal klettert sie nach oben zu Luz und kuschelt sich an sie. So kann sie schnell wieder einschlafen."

Puppe flüstert der Erzieherin ins Ohr.

"Fernanda möchte wissen, ob ihr auch mit jemandem das Zimmer teilt oder ob ihr ein eigenes Zimmer habt."

Die Kinder antworten; die Erzieherin reagiert freundlich.

Puppe flüstert der Erzieherin ins Ohr.

"Fernanda möchte wissen, was ihr macht, wenn ihr schlecht geträumt habt!"

Die Kinder antworten; die Erzieherin reagiert mit wertschätzenden Kommentaren.

Puppe flüstert der Erzieherin ins Ohr.

"Fernanda sagt, dass es ihr gefallen hat, mit euch zu sprechen, aber dass sie jetzt zurück möchte in ihren Kindergarten. Deshalb sagt sie tschüss, aber sie möchte gern mal wieder kommen!"

Sprachförderung mit Persona Dolls

Die Kinder haben bei so einem Gespräch viele Anknüpfungspunkte, um von sich selbst zu erzählen: Sie vergleichen ihre Wohn- und Familiensituation mit der der Persona Doll, sie machen ebenfalls Erfahrungen im Kindergarten, und sie kennen schlechte Träume oder anderes, was sie ängstigt. Manches kommt ihnen vielleicht aber auch fremd vor. Das ist gewollt, denn die Kinder sollen angeregt werden, sich auch mit fremden Aspekten des sozialen Lebens auseinander zu setzen.

Kinder hören aber auch gebannt zu, wenn ihnen eine Geschichte erzählt wird. Die Erzieherin kann also gezielt einfachere und auch komplexere Satzmuster und Begriffe anbieten, ihr Sprachniveau bewusst an die sprachlichen Fähigkeiten der Kinder anpassen. Die Erzieherin erzählt aber nicht lange, sondern sorgt dafür, dass die Kinder selbst sprachlich aktiv werden: Sei es bei der Begrüßungsrunde, sei es, wenn die Erzieherin, die vielleicht gerade von den Essensgewohnheiten der Puppe erzählt hat oder davon, wie sie ihren Geburtstag feiert, fragt, was denn die Kinder selbst gern essen oder wie sie selbst ihren Geburtstag feiern.

Dabei ist es durchaus auch gewollt, dass die Kinder untereinander ins Gespräch kommen, dass sie miteinander in kleinen Grüppchen reden, was von außen betrachtet manchmal auch wie ein Durcheinander wirken kann. Aber: Die Kinder sprechen; sie erproben Satzmuster, die sie gerade von der Erzieherin gehört haben; kombinieren neue Sätze, jedes Kind auf seinem Sprachniveau. Es ist Aufgabe der Erzieherin zu entscheiden, wie lange sie solche Gespräche "laufen" lässt, wann sie das Gespräch stärker strukturiert und auf die Einhaltung von Gesprächsregeln besteht sowie wann sie wieder der Persona Doll "zuhört": Signal für die Kinder, wieder ruhig zu werden und selbst zuzuhören.

Die Kinder schließen auf diese Weise Freundschaft mit der Persona Doll und sind deshalb schnell bereit, sich auch auf ihre Sorgen und Nöte einzulassen und sich einzufühlen. Auf diese Weise kann die Erzieherin auch belastende Situationen im Alltag einer Kindergruppe aufgreifen und bearbeiten: Die Puppe erzählt von Erlebnissen, die Situationen ähneln, die die Erzieherin in der Kindergruppe beobachtet hat. Meist äußern die Kinder dann spontan: "Ja, so was habe ich auch erlebt!" Durch den Verfremdungseffekt können die Kinder leichter auch über Belastendes sprechen. Sie denken über unfaire Situationen nach und überlegen, wie eine bessere Lösung aussehen könnte, die niemanden beschämt oder benachteiligt.

So wird eine Atmosphäre geschaffen, die es Kindern ermöglicht, sich emotional zu öffnen und zu sprechen, übrigens auch in einer Sprache, die nicht die eigene Muttersprache, sondern die Zweitsprache ist. Sprachförderung mit Persona Dolls kommt ohne die Trennung in muttersprachlich deutsche und nicht deutsche Kinder aus, sondern fördert Kinder im Alltag anhand von Themen, die für die Kinder bedeutsam sind und dadurch zum Sprechen motivieren. Das macht ihren praktischen Einsatz besonders wertvoll.

Literatur

Bowles, Marilyn (2007): The Little Book of Persona Dolls. Leicestershire: Featherstone

Brown, Babette (2008): Equality in action. Staffordshire: Trentham Books

Enßlin, Ute/Henkys, Barbara (2003): Vielfalt ins Gespräch bringen. In: Preissing, C./Wagner, P. (Hrsg): Kleine Kinder, keine Vorurteile? Freiburg: Herder

Knapp, Werner u.a. (2010): Sprache fördern im Kindergarten. Weinheim: Beltz

Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport (Hrsg.) (2004): Berliner Bildungsprogramm. Berlin: verlag das netz

Whitney, Trisha (1999): Kids like us. Using Persons Dolls in the classroom. St. Paul: Redleaf Press

www.kinderwelten.net

Autorin

Regine Böhm, Dipl. Päd., ist Lehrkraft an der Evang. Fachschule für Sozialpädagogik Stuttgart. Sie ist Mitautorin des "Handbuchs Interkulturelles Lernen", veröffentlicht 1999 im Verlag Herder.