Frühpädagogische Fachkräfte in Deutschland: Stand und Entwicklung im Spiegel der Statistik

Norbert Schreiber

 

Zusammenfassung

Der Beitrag bietet mit Daten der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder sowie der Bundesagentur für Arbeit einen zahlenmäßigen Überblick zum Stand und zur Entwicklung Frühpädagogischer Fachkräfte in Deutschland. Zu dieser Berufsgruppe zählen Erwerbstätige, die zum Erhebungszeitpunkt als Erzieher/innen oder als Kinderpfleger/innen bzw. Sozialassistent/innen mit Kinderbetreuung befasst waren. Durch den Ausbau der öffentlichen Betreuungsangebote für unter Dreijährige ist in den nächsten Jahren mit einem weiteren Zuwachs bei den Frühpädagogischen Fachkräften in Deutschland zu rechnen (Rauschenbach/ Schilling 2010).

Datengrundlage

Zur Beschreibung der quantitativen Entwicklung bei den Frühpädagogischen Fachkräften in Deutschland stehen bundesweit drei Datenquellen zur Verfügung.

  1. Im Rahmen des Mikrozensus der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder werden jährlich die Berufe aller zum Erhebungszeitpunkt Erwerbstätigen erfragt. Der Mikrozensus ist allerdings keine Vollerhebung, sondern richtet sich lediglich an eine Stichprobe von einem Prozent der Haushalte in Deutschland. Die Zahlenangaben zu Erzieher/innen und zugeordneten Berufen sind wegen Hochrechnungen etwas ungenauer, wie wenn alle Haushalte in die Befragung einbezogen würden.
  2. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit bietet mit "Berufe im Spiegel der Statistik" Daten zu den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland. Diese Zahlen zu Erzieher/innen und zugeordneten Berufen enthalten also keine Frauen und Männer, die beispielsweise als Selbständige nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind.
  3. Eine weitere Teilgruppe von Erzieher/innen und zugeordneten Berufen wird im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfestatistik erfasst. Diese von den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder durchgeführten jährlichen Erhebungen beziehen sich auf Personen, welche in Kindertageseinrichtungen oder in öffentlich geförderter Kindertagespflege tätig sind. Unberücksichtigt bleiben also Erzieher/innen und zugeordnete Berufe, die außerhalb von Kindertageseinrichtungen oder öffentlich geförderter Kindertagespflege Kinder betreuen. Dies können zum Beispiel Frauen sein, die gegen Bezahlung in Privathaushalten für die Kinderbetreuung sorgen.

Alles in allem bietet der jährliche Mikrozensus einen umfassenden Überblick zur aktuellen Beschäftigung Frühpädagogischer Fachkräfte in Deutschland. Nachteilig ist allerdings, dass es sich beim Mikrozensus um eine Stichprobe handelt, welche häufig wegen zu kleiner Fallzahlen keine kleinräumigen Analysen, zum Beispiel nach einzelnen Städten und Kommunen, gestattet.

Der Beitrag beschränkt sich auf den Zeitraum bis 2010, weil dazu aus allen drei Datenquellen Zahlen in veröffentlichter Form vorliegen.

Frühpädagogische Fachkräfte unter allen Erwerbstätigen

Nach dem Mikrozensus waren 2010 in Deutschland rund 547.000 Personen als Frühpädagogische Fachkräfte erwerbstätig (Tabelle 1). Dies bedeutete gegenüber dem Jahr 2005 einen Zuwachs von rund 82.000 Erwerbstätigen (Plus von 18%). Der sehr hohe Anteil Frauen bei Erzieher/innen und zugeordneten Berufen hat sich seit 2005 nicht wesentlich gemindert. Er sank im Beobachtungszeitraum nur geringfügig um 0,8 Prozentpunkte.

Tabelle 1: Erwerbstätige Erzieher/innen und zugeordnete Berufe 2005 bis 2010

Jahr

Insgesamt

darunter Frauen

Frauenanteil

2005

465.000

433.000

93,1%

2006

478.000

445.000

93,1%

2007

487.000

452.000

92,8%

2008

492.000

454.000

92,3%

2009

519.000

482.000

92,9%

2010

547.000

505.000

92,3%

Quelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus, Fachserie 1, Reihe 4.1.2, verschiedene Jahre und eigene Berechnungen

Sozialversicherungspflichtig beschäftigte Frühpädagogische Fachkräfte

Nach der Datei der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten der Bundesagentur für Arbeit waren 2010 von allen rund 547.000 erwerbstätigen Frühpädagogischen Fachkräften rund 443.000 (81%) sozialversicherungspflichtig beschäftigt (Tabelle 2). Die Gruppe der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frühpädagogischen Fachkräfte verzeichnete gegenüber 2005 einen Zuwachs von rund 69.000 Erwerbstätigen. Der Zuwachs beträgt wie bei allen erwerbstätigen Frühpädagogischen Fachkräften 18%.

Im Zeitraum 2005 bis 2010 zeigen sich folgende Tendenzen:

  • leichte Steigerung des Männeranteils von 3,2% auf 4,2%,
  • leichte Steigerung der Beschäftigten mit Hochschulabschluss von 4,5% auf 5,5% und
  • deutlicher Zuwachs der Beschäftigten in Teilzeit von 49,3% auf 54,6%.

Tabelle 2: Sozialversicherungspflichtig beschäftigte Erzieher/innen und zugeordnete Berufe 2005 bis 2010

Jahr

Insgesamt

Frauenanteil

mit Hochschul-
abschluss

Teilzeiterwerb

2005

374.512

96,8%

4,5%

49,3%

2006

379.195

96,6%

4,7%

50,7%

2007

383.773

96,3%

4,9%

53,1%

2008

398.961

96,2%

5,1%

55,2%

2009

422.096

96,0%

5,3%

54,3%

2010

443.324

95,8%

5,5%

54,6%

Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit: Berufe im Spiegel der Statistik und eigene Berechnungen.

Mit dem Datenbestand der Bundesagentur für Arbeit sind auch kleinräumige Analysen möglich. Aufschlussreich ist eine Langzeitbetrachtung (2000/2010) nach Bundesländern (Tabelle 3).

2010 waren bundesweit rund 100.000 Frühpädagogische Fachkräfte mehr sozialversicherungspflichtig beschäftigt als im Jahr 2000. Der Zuwachs betrug bundesweit im Durchschnitt 29%. Die Beschäftigungssituation hat sich allerdings nach Bundesländern sehr unterschiedlich entwickelt.

  • Besonders große Zuwächse bei Frühpädagogischen Fachkräften (Werte über 40%) waren zwischen 2000 und 2010 in den Bundesländern Bayern, Bremen, Hamburg und Hessen zu verzeichnen.
  • Unter den Stadtstaaten fällt Hamburg durch einen besonders großen Zuwachs und Berlin durch einen weit unterdurchschnittlichen auf.
  • In den neuen Bundesländern waren die Zuwächse unterdurchschnittlich (Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen) oder durchschnittlich (Sachsen). In Sachsen-Anhalt ist die Gruppe der sozialpflichtig beschäftigten Frühpädagogischen Fachkräfte sogar kleiner geworden.

Tabelle 3: Sozialversicherungspflichtig beschäftigte Erzieher/innen und zugeordnete Berufe nach Bundesländern 2000 und 2010

 

2000
(Anzahl)

2010
(Anzahl)

Plus/Minus
(Anzahl)

Plus/Minus
(Prozent)

Baden-Württemberg

41.186

55.900

+ 14.714

+ 36%

Bayern

47.210

68.375

+ 21.165

+ 45%

Berlin

22.803

25.650

+ 2.847

+ 12%

Brandenburg

14.109

15.450

+ 1.341

+ 10%

Bremen

2.293

3.340

+ 1.047

+ 46%

Hamburg

4.235

8.035

+ 3.800

+ 90%

Hessen

23.923

34.037

+ 10.114

+ 42%

Mecklenburg-Vorpommern

7.507

8.724

+ 1.217

+ 16%

Niedersachsen

30.105

38.962

+ 8.857

+ 29%

Nordrhein-Westfalen

71.056

89.523

+ 18.467

+ 26%

Rheinland-Pfalz

18.356

23.812

+ 5.456

+ 30%

Saarland

3.949

5.341

+ 1.392

+ 35%

Sachsen

19.986

25.788

+ 5.802

+ 29%

Sachsen-Anhalt

14.047

13.673

- 374

- 3%

Schleswig-Holstein

10.637

13.773

+ 3.136

+ 29%

Thüringen

11.851

12.941

+ 1.090

+ 9%

Deutschland

+ 100.071

+ 29%

Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit: Berufe im Spiegel der Statistik und eigene Berechnungen.

Frühpädagogische Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen

Nach der Kinder- und Jugendhilfestatistik waren 2010 im gesamten Bundesgebiet rund 420.000 Personen in Kindertageseinrichtungen mit der Betreuung, Bildung und Erziehung von Kindern beschäftigt (Tabelle 4). Darunter befanden sich rund 352.000 Erzieher/innen, Kinderpfleger/innen und Sozialassistent/innen.

Der Zuwachs gegenüber 2006 betrug im Durchschnitt 19%. Der Personalbestand bei den Erzieher/innen in Kindertageseinrichtungen ist durchschnittlich gewachsen. Die Teilgruppe der Kinderpfleger/innen hat vom Ausbau der öffentlichen Kinderbetreuungsangebote weniger (unterdurchschnittlich) profitiert. Demgegenüber war bei den relativ neuen Sozialassistent/innen-Berufen ein kräftiger Zuwachs zu verzeichnen.

Tabelle 4: In Kindertageseinrichtungen tätige Personen 2006 bis 2010 (ohne Verwaltung und hauswirtschaftlicher/technischer Bereich)

Jahr

Insgesamt

darunter
Erzieher/innen

darunter Kinder-
pfleger/innen

darunter Sozial-
assistent/innen

2006

352.771

249.023

46.136

1.736

2007

363.115

257.020

47.144

1.760

2008

379.146

267.296

48.414

2.146

2009

398.500

282.795

50.282

2.510

2010

419.659

296.658

51.984

3.128

Zuwachs
2006/2010

66.888
(19%)

47.635
(19%)

5.848
(13%)

1.392
(80%)

Quelle: Statistisches Bundesamt 2010 und eigene Berechnungen

Literatur

Fuchs-Rechlin, K.: Wie geht's im Job? KiTa-Studie der GEW. Hrsg.: Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Frankfurt am Main 2007

Fuchs-Rechlin, K.: Die berufliche, familiäre und ökonomische Situation von Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen. Hrsg.: Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Frankfurt am Main 2010

Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit: Berufe im Spiegel der Statistik. Nürnberg. verschiedene Jahre

Janssen, R.: Die Ausbildung Frühpädagogischer Fachkräfte an Berufsfachschulen und Fachschulen. Eine Analyse im Ländervergleich. München 2010

Rauschenbach, T./Schilling, M.: Der U3-Ausbau und seine personellen Folgen. Empirische Analysen und Modellrechnungen. München 2010

Schreiber, N.: Wissenschaftliche Begleitstudien zur Einführung der Bildungspläne in den Kindertageseinrichtungen von Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein - Konzeption, Methoden und Ergebnisse, 2007. http://www.kindergartenpaedagogik.de/1623.html

Schreiber, N.: Empirische Ergebnisse zur Arbeitszufriedenheit von Erzieherinnen in Deutschland, 2011. http://www.kindergartenpaedagogik.de/2176.html

Schreiber, N.: Zehn Fragen - Zehn Antworten zur Ausbildung von Kinderpflegerinnen und Sozialassistentinnen. Ergebnisse einer bundesweiten Befragung der Leitungen von Berufsfachschulen. München, im Druck

Statistisches Bundesamt: Statistiken der Kinder- und Jugendhilfe. Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege am 01.03.2010. Wiesbaden 2010

Statistisches Bundesamt: Mikrozensus, Fachserie 1, Reihe 4.1.2. Wiesbaden, verschiedene Jahre

Autor

Der Sozialwissenschaftler Dr. Norbert Schreiber hat an einer Evaluation von Kindertageseinrichtungen im Bistum Trier, an drei Begleitstudien zur Einführung der Bildungspläne in Kindertageseinrichtungen (Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein) und an einer Begleitstudie zur Einführung der Familienzentren in Nordrhein-Westfalen mitgearbeitet. Zuletzt wertete er für die "Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte" eine bundesweite Befragung von Berufsfachschulen aus, welche Kinderpfleger/innen oder Sozialassistent/innen ausbilden.

Adresse

Dr. Norbert Schreiber
Sozialwissenschaftler
Kirchweg 27
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Tel.: 07572/6410
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