Rezension

Kurt Gerwig: Neues für die Welt der Kinder. Innovationen aus der Elementarpädagogik, Vol. 1. Kaufungen: AV1 Film 2011, DVD mit 16-seitigem Booklet, 44 Min., EUR 26,00 (zuzüglich Versandkosten). Nur erhältlich bei AV1 Film + Multimedia, Pfalzstraße 10, 34260 Kaufungen, Fax: 05605/70219, Email: pf@AV1.de


Diese DVD enthält drei Filme zu ganz unterschiedlichen Themen. Der erste Film "Männer in die KiTas" (20 Min.) problematisiert die Feminisierung der frühen Kindheit: In Familien und Kindertageseinrichtungen werden Kleinkinder überwiegend von Frauen erzogen; nur ca. 3% aller Fachkräfte in Kitas sind Männer. Absichtserklärungen von Politik und Verbänden, mehr Erzieher anzuwerben, blieben bisher ohne Erfolg. Kurt Gerwig hat für seinen Film zwei Kindertagesstätten mit einem hohen Männeranteil besucht: die Kita "Ossendorfer Weg" in Köln und die "Kita im Bogen" in Frankfurt am Main. In Filmaufnahmen und Interviews arbeitet er die Vorteile gemischter Teams für Kinder, Fachkräfte, Eltern und die pädagogische Arbeit heraus. Ferner setzt er sich mit Vorurteilen auseinander, die Männern eine Tätigkeit in Kindertageseinrichtungen verleiden, und fordert klare Signale, dass Erzieher in den Teams willkommen sind. Auch müsse ein Netzwerk für Erzieher geschaffen werden, damit sich die Männer wechselseitig unterstützen können.

Im zweiten Film "Marte Meo" (14 Min.) wird diese von der Niederländerin Maria Aarts entwickelte und in Deutschland noch weitgehend unbekannte Methode einer ressourcen-orientierten Pädagogik vorgestellt. In Filmaufnahmen und Interviews mit der Begründerin, dem Hirnforscher Gerald Hüther und Erzieherinnen der Kita "Kinderland Grenzweg" in Schmalkalden wird der Perspektivenwechsel weg von der Problemorientierung, den Verboten bzw. den Lernprogrammen und hin zu dem Fokus auf Stärken, Entwicklungspotenzialen und Energieströmen, zu Verhaltensvorschlägen mit positiver Verstärkung und zur weitgehenden Berücksichtigung der Initiative von Kleinkindern verdeutlicht. Bei "Marte Meo" werden Alltagssituationen in Kindertageseinrichtungen gefilmt. Beim Besprechen der Videos wird das, was bei Kind bzw. Fachkraft an Stärken vorhanden ist, zunächst einmal gewürdigt. Dann wird nach Entwicklungsmöglichkeiten gesucht. Schließlich werden diese im pädagogischen Alltag aktiviert. Deutlich wird die Macht positiver Bilder - von sich selbst oder anderen Personen.

Beim dritten Film (10 Min.) werden zwei Mehrgenerationenprojekte vorgestellt, an denen einerseits der Kindergarten "Unterm Regenbogen" in Apen, dortige Senioren und das Pflegezentrum Augustfehn sowie andererseits die Kita "Lossespatzen" und das Senioren- und Therapiezentrum in Helsa beteiligt sind. Es wird gezeigt, wie Kleinkinder und alte Menschen miteinander kommunizieren, spielen und basteln, aber auch wie "Zeitspenderinnen" vorlesen oder einen Plattdeutsch-"Kurs" geben. In Interviews wird deutlich, dass dabei eine Brücke zwischen den Generationen entsteht: Kinder erhalten Weltwissen aus erster Hand und lernen mit Handicaps umzugehen, Senioren erfahren Lebensfreude und fühlen sich gebraucht.

Die inhaltlich interessanten und technisch guten Filme sind für die Aus- und Fortbildung von Erzieher/innen geeignet. Der erste Film lässt sich auch zur Berufsorientierung und -findung einsetzen (z.B. an allgemeinbildenden Schulen).

Martin R. Textor