Rezension

Matthias Hugoth: Handbuch religiöse Bildung in Kita und Kindergarten. Freiburg, Basel, Wien: Herder 2012, 272 Seiten, EUR 22,95 - direkt bestellen durch Anklicken


Da es bereits eine Unmenge an Büchern und Materialien für die praktische religionspädagogische Arbeit in Kindertageseinrichtungen gäbe, legt Matthias Hugoth, Professor für Erziehungswissenschaft und Elementarpädagogik an der Katholischen Hochschule in Freiburg, nun eine "Theorie der religiösen Bildung in Kindergarten und Kita" vor. Damit will er auf einen von ihm ermittelten Bedarf von Fachkräften, Aus- und Fortbildnern sowie Trägern reagieren. Es handelt sich bei dem Handbuch weder um ein praxisnahes noch um ein wissenschaftliches Werk, sondern um eine wissenschaftlich fundierte, theoretische Grundlegung der religionspädagogischen Arbeit.

Im ersten Teil des Handbuches mit dem Titel "Die Kinder und ihre Welt - Religion in der Welt der Kinder" werden zunächst Erkenntnisse der Kindheitsforschung präsentiert. Dann wird untersucht, inwieweit Religion in der Lebenswelt von Kleinkindern präsent ist, wobei auch auf die Situation konfessionsloser und der Religion entfremdeter Kinder eingegangen wird. Anschließend werden Herausforderungen für die religiöse Bildungsarbeit formuliert und die Interessen von Eltern, Erzieherinnen und Kirchen thematisiert.

Im zweiten Buchteil mit dem Titel "Gründe und Motive für die religiöse Bildung in Kindergarten und Kita" befasst sich Hugoth ausführlich mit anthropologischen und theologischen Begründungen und proklamiert ein "Recht des Kindes auf Religion". Dann kommen die Kirchen zu Wort - in Auszügen aus Stellungnahmen und Positionspapieren der Evangelischen und der Katholischen Kirche.

Im dritten Teil des Handbuches mit dem Titel "Eine religionspädagogische Didaktik für den Elementarbereich" werden zunächst der katechetische, der moralisch-kerygmatische, der in die bürgerliche Gesellschaft integrierende, der kulturkundliche und der alle in den Familien der Kinder praktizierten Religionen berücksichtigende Ansatz kritisch diskutiert. Da diese Ansätze ergänzungsbedürftig seien und zu wenig die Situation von Kindern ohne Konfession bzw. mit nicht christlichen Religionen berücksichtigen würden, entwirft Hugoth dann

  • eine "subjektorientierte,
  • eine kompetenzorientierte,
  • eine resilienzorientierte,
  • eine kontextbezogene und systemische,
  • eine sozialpädagogisch ausgerichtete,
  • eine konfessionell-überkonfessionell charakterisierte,
  • eine indirekte, mystagogische Religionspädagogik" (S. 183).

Dann wird kurz auf Methoden der religiösen Bildung eingegangen, bevor sich Hugoth den Erzieher/innen zuwendet: den von ihnen erwarteten Haltungen und religiösen Kompetenzen, ihrer Spiritualität und ihrer Resilienz. Hier finden sich auch Anregungen, wie Fachkräfte spiritueller werden und sich Kraftquellen erschließen können. Nach einem knappen Schlusswort folgt das Literaturverzeichnis.

Das Handbuch ist trotz der komplexen Thematik und anspruchsvollen Argumentation gut zu lesen. Zentrale Aussagen werden in Kästchen präsentiert, "Fragen zur Vergewisserung und Vertiefung" an die drei Zielgruppen des Buches (Erzieher/innen, Aus- und Fortbildner, Träger) blaugrau unterlegt.

Martin R. Textor