Integration: Jeder ist wie er ist - und das ist gut so! Modell der integrativen Spielpädagogik

Andrea Zech und Susanne Mrazek

 

Bernhard Eibeck schrieb in einer Fachzeitschrift: "Jedes Kind ist einmalig, jedes Kind hat seine Besonderheit, kein Kind ist wie das andere. Inklusion verlangt den Blick auf die ganze Persönlichkeit des Kindes. Nur einen Aspekt eines Kindes, z.B. seine körperliche oder geistige Behinderung, seine soziale Benachteiligung oder seine mangelhaften Deutschkenntnisse zu berücksichtigen, wird ihm nicht gerecht. Das Denken in Stereotypen und das Einsortieren in spezifische, meist von außen vorgegebene Schubladen behindern einen pädagogischen Prozess, in dem jedes einzelne Kind zu seinem Recht kommt und alle miteinander in der Gruppe davon profitieren."

Diese Aussage passt derart zu unserer Einrichtung, dass es uns wichtig war, sie als Einleitung zu verwenden. Sie beschreibt den Prozess von der Integration zur Inklusion, in dem wir uns befinden. Sie beschreibt außerdem unseren Wunsch, eine möglichst umfassende Teilhabe an unserem Leben in der Einrichtung für alle Kinder und Beteiligten zu realisieren.

Der Aspekt, dass behinderte oder von Behinderung bedrohte Kinder und alle anderen Kinder in ihrem vertrauten Lebensumfeld aufwachsen können, also mit ihren Freunden den Tag verbringen, ist für uns nach wie vor die größte Motivation. Ein Kind auf einem Förderplatz sagte auf die Frage "Wie geht es dir": "Mir geht es schön", und dies sagt unserer Meinung sehr viel über die gelungene Integration eines Kindes aus.

Wir erziehen, begleiten und bilden Kinder, die in ihrer geistigen, seelischen oder körperlichen Entwicklung gefährdet oder beeinträchtigt sind, zusammen mit Kindern ohne Behinderung. In unserem Haus gibt es mittlerweile drei Integrationsgruppen. Die erste wurde 1995 durch den Einsatz einer Elterninitiative ins Leben gerufen. 2006 wurde die zweite und 2008 die dritte Gruppe gebildet.

Wie wir Integration definieren

Integration heißt wörtlich übersetzt "Wiederherstellen einer Einheit", d.h. gemeinsame Erziehung von Kindern mit und ohne Behinderung. Integration ist die Wahrnehmung und Akzeptanz einer Vielfalt von Persönlichkeitsstrukturen, Interessen, Bedürfnissen und Zielen. Integration bedeutet pädagogisch, dass alle Kinder

  • in Kooperation miteinander
  • auf ihrem jeweiligen Entwicklungsniveau
  • nach Maßgabe ihrer momentanen Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungskompetenzen
  • an und mit einem "gemeinsamen Gegenstand" (Projekt, Vorhaben, Inhalt, Thema)
  • spielen, lernen und arbeiten.

Integration ist

  • kooperative (dialogische, interaktive, kommunikative) Tätigkeit im Kollektiv.
  • somit auch selbstbestimmtes Leben unter Berücksichtigung individueller Fähigkeiten und Fertigkeiten.
  • miteinander Spaß haben, spielen, Erfahrungen sammeln und lernen.
  • eine lebendige Gemeinschaft erleben.
  • Weg und Ziel zugleich.

Ziele der Integration

Es gelten auch bei der Integration die im bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan enthaltenen Bildungs- und Erziehungsziele als Basis jeder pädagogischen Arbeit. Das primäre Ziel ist ein selbstverständliches Miteinander von Kindern mit und ohne Behinderung unter den Aspekten Toleranz, Achtung und Wertschätzung. Zwischenmenschliche Beziehungen bringen den Kindern Zufriedenheit, Freude und Glück. Wir möchten, dass die Kinder dies erfahren und erleben. Weitere Ziele sind für uns:

  • wechselseitiges Verständnis aller Beteiligten für besondere Lebenssituationen
  • Kinder entwickeln eine große Selbstverständlichkeit im Umgang mit Unterschieden und signalisieren Bereitschaft, sich auf die spezifischen Eigenarten des Anderen einzustellen.
  • Kinder lernen mit Unterschieden kreativ umzugehen.
  • Toleranz gegenüber dem "Anders-Sein" ist Haltung aller Beteiligten.
  • Für die Kinder ist es natürlich, sich gegenseitig zu helfen und Hilfe anzunehmen.
  • Alle Beteiligten lernen voneinander und miteinander.
  • Die Kinder spüren ein Gefühl der Zugehörigkeit und gegenseitigen Verantwortung.
  • Die eigenen Grenzen und Begrenztheit der Anderen werden erfahren.
  • Der Umgang mit diversen Hilfsmitteln (z.B. Rollstuhl, Hörgeräte) wird für alle zur Normalität.
  • Die Eltern sind entlastet, da lange Wegstrecken zu Therapeuten wegfallen. Sie können somit mehr Zeit mit Kind und Familie verbringen. Die Kinder können ohne Störung am Alltag teilnehmen und sich beteiligen.
  • Eltern fühlen sich angenommen in ihrer besonderen Situation.
  • Integration bedeutet für die Eltern von Kindern auf einem Förderplatz ein Stück Normalität. Es gibt keine Absonderung, da z.B. die Kinder in die Wohngemeinde eingebunden werden.
  • Kontakte und Freundschaften der Eltern von Kindern mit und ohne Behinderung entstehen.
  • Therapeuten und pädagogisches Fachpersonal arbeiten Hand in Hand.

Modell der integrativen Spielpädagogik

In unserem Haus arbeiten wir nach dem Modell der integrativen Spielpädagogik (Elisabeth Deuringer). Dieser Ansatz ist unserer Meinung nach sehr geeignet, ein behindertes bzw. von Behinderung bedrohtes Kind in die Integrationsgruppe zu integrieren.

Wissen über die Bedürfnisse und Fähigkeiten des einzelnen Kindes

Ausgangspunkt ist das Erkennen der Fähigkeiten und Bedürfnisse des Kindes: Wir orientieren uns nicht an den allgemeinen Leistungsstandards, sondern beginnen da, wo das einzelne Kind mit seinen aktuellen Fähigkeiten und Bedürfnissen steht. Das bedingt eine umfangreiche Anamnese des Kindes, an der alle zukünftigen Bezugspersonen der Einrichtung beteiligt sind. Die Anamnese bildet die Grundlage der Diagnostik. Mit der Erhebung der Anamnese werden folgende Ziele verfolgt:

  • umfassende Information über das Kind,
  • Verstehen der Lebenssituation des Kindes,
  • Hinweise auf mögliche Ursachen der Beeinträchtigung,
  • Steuerung des diagnostischen Prozesses sowie
  • Erkennen von Ansatzpunkten zur Hilfe.

Ebenso wichtig sind die genaue Beobachtung in unterschiedlichen Situationen und bei Bedarf Testverfahren oder Entwicklungsscreenings, um zu einer realistischen Diagnoseeinschätzung zu kommen. Zu erwähnen ist, dass für bestimmte diagnostische Verfahren eine entsprechende Ausbildung und Praxiserfahrung notwendig sind. Die Diagnostik wird von den Kooperationspartnern durchgeführt.

Voraussetzung für die Begleitung des Kindes und ein erfolgreiches Lernen ist das Wissen über das

  • Können - Ist-Stand des Kindes,
  • Wollen - Wo liegen die Interessen/Bedürfnisse des Kindes?
  • Sollen - Wo liegen die Normabweichungen?
  • Dürfen - Welche Möglichkeiten hat das Kind zur Teilhabe am Leben in der natürlichen wohnortnahen Umgebung?

Aus der Verpflichtung zur Gewährleistung bester Bildungs- und Entwicklungschancen sowie aus der Verpflichtung, Entwicklungsrisiken entgegen zu wirken (vgl. BaKiBiG, Art. 10 Abs. 1), folgt die Verpflichtung des pädagogischen Personals zur gezielten Beobachtung aller Kinder in der Einrichtung und deren Dokumentation. Ebenso ergibt sich diese Aufgabe auch aus § 2 Abs. 2 BayKiBiGV: "Das pädagogische Personal fördert die Kinder individuell entsprechend ihrer sozialen, kognitiven und körperlichen Entwicklung. Es begleitet und beobachtet sie in ihrem Entwicklungsverlauf."

Es wird per Gesetz zu unser aller Vorteil keine einheitliche Methode "vorgeschrieben". So können einrichtungsspezifisch unterschiedliche Akzente gesetzt werden. Grundsätzlich sind drei Ebenen der Beobachtung zu berücksichtigen:

  • Produkte bzw. Ergebnisse kindlicher Aktivitäten (z.B. Zeichnungen, Klebearbeiten, Fotos von Bauwerken),
  • freie Beobachtungen (z.B. situationsbezogene Verhaltensbeschreibungen, erzählende Berichte und Geschichten) sowie
  • strukturierte Formen der Beobachtung, (z.B. Engagiertheit, Entwicklungstabelle von Beller).

Bei der Auswahl konkreter Beobachtungsverfahren ist darauf zu achten, dass einschlägigen Qualitätskriterien (d.h. Objektivität, Zuverlässigkeit und Gültigkeit) Rechnung getragen wird.

Beziehungsgestaltung, Interaktion und Kommunikation

An dieser Stelle möchten wir den Leitgedanken von Martin Buber zum Ausdruck bringen: "Erst am Du wird der Mensch zum Ich".

Die verbale und nonverbale Kontaktaufnahme zum Kind hat bei der Beziehungsgestaltung eine hohe Bedeutung. Sie ist geprägt durch Wertschätzung, Achtung und Toleranz. Empathie und soziale Kompetenzen sind dabei erforderlich, ebenso Zuversicht und Vertrauen in die Selbstentfaltungskräfte des Kindes. Diese Haltung des Personals bildet die Grundlage für die Vermittlung von Beziehungsbotschaften, die den Aufbau eines positiven Selbstbildes ermöglichen.

Das Modellverhalten des pädagogischen Personals ist dabei wesentlich: Wie gehen wir miteinander um, können wir uns Fehler und Schwächen zugestehen? Dies hat Einfluss auf die moralische Entwicklung des einzelnen Kindes und auf die Dynamik des sozialen Gruppenverhaltens.

Die Erzieherin übernimmt die Rolle des Begleiters, Vermittlers und Unterstützers bei den alltäglichen Interaktionen in der Gruppe. Sie spürt:

  • Wann braucht das Kind Halt und Unterstützung?
  • Wann braucht es Lob, Ermutigung und Verstärkung?
  • Wann braucht es Ruhe und Zeit für sich selbst?
  • Wann braucht es Hilfe, im Sinne von M. Montessoris "Hilf mir es selbst zu tun "?

Das einzelne Kind soll in den Interaktionen mit der Erzieherin Verlässlichkeit und Wärme erleben und so emotionale Sicherheit erreichen. Dann kann es zu den anderen Kindern der Gruppe bzw. Einrichtung in selbständiger sozialer Kompetenz Freundschaften aufbauen. Eine freundliche und fröhliche Beziehung zum Kind ist Voraussetzung für eine angenehme und entwicklungsfördernde Atmosphäre in der Gruppe. Hier kann und soll sich jedes Kind wohl fühlen.

Entwicklungsfördernde Umweltbedingungen wie Raum-, Zeit- und Materialangebot

Jedes Kind braucht zur Entfaltung und Weiterentwicklung vielfältige Erfahrungsmöglichkeiten und unterschiedliche Spielangebote. Viele Gelegenheiten, um mit allen Sinnen sich selbst und die Umwelt zu erforschen, zu erleben, wahrzunehmen und zu begreifen, sind Voraussetzung. Ein chinesisches Sprichwort besagt:

Was ich höre - vergesse ich!
Was ich sehe - an das kann ich mich erinnern!
Wenn ich handle - verstehe ich!

Wir schaffen Spiel- und Erkundungsräume und Gelegenheiten, die dem Entwicklungsstand der Kinder mit und ohne Behinderung gerecht werden. Einerseits spielen die Raumgestaltung und Ausstattung eine Rolle, andererseits das Materialangebot. Die Gestaltung der Räume unterliegt einem Veränderungsprozess, da sich die Situation der Gruppe mit der Entwicklung der Kinder ändert. Sie ist deshalb immer wieder neu zu überdenken, um sie den Bedürfnissen der Gruppe und des einzelnen Kindes anzupassen. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, benötigen alle Kinder einen Raum, der

  • vielfältige Spiele und Aktivitäten ermöglicht,
  • Geborgenheit vermittelt,
  • in verschiedenen Funktionsbereichen gleichzeitig unterschiedliche Aktivitäten ermöglicht,
  • Rückzugs- und Ruhezonen zum Alleinsein oder zur konzentrierten Auseinandersetzung mit Lernmaterial bietet,
  • Betätigungen mit größerem Aktionsradius ermöglicht,
  • aktivitätsanregende Wirkung hat, indem er z.B. mit Materialien ausgestattet ist, die Aufforderungscharakter besitzen,
  • atmosphärisch positiv stimulierende Wirkung hat,
  • Orientierung und Überschaubarkeit bietet,
  • Bewegungs- und Entscheidungsfreiheit ermöglicht,
  • Möglichkeiten zur Veränderung gibt, wenn Spielabläufe bzw. Gruppensituationen dies erfordern.

Eine pauschale Aussage darüber, wie die Raumgestaltung in einer integrativen Einrichtung auszusehen hat, ist selbstverständlich nicht möglich. So unterschiedlich die Gruppen sind, so unterschiedlich sind die Räume, die für sie geeignet sind.

Bei dem Materialangebot gilt das gleiche Prinzip wie bei der Raumgestaltung: Fast jedes Spiel bzw. Material, das in der Regelgruppe zum Einsatz kommt, eignet sich auch für die Integrationsgruppe. Spiele lassen sich oft abwandeln, damit sie auch von Kindern mit Behinderung trotz ihrer Beeinträchtigung genutzt werden können. Neben dem herkömmlichen Material nutzen wir speziell für Behinderte entwickelte Materialien, auch solche, die ursprünglich aus dem therapeutischen Bereich stammen.

Somit findet eine Individualisierung statt, die von allen Beteiligten Flexibilität erfordert. Das pädagogische Personal braucht Einfühlungsvermögen in die Situation der behinderten wie nichtbehinderten Kinder, behinderungsspezifisches Wissen und Fantasie.

Zum Zeitangebot: Der strukturierte Tagesablauf bietet eine lange Freispielzeit mit der Möglichkeit zur selbstverantwortlichen Wahl der Spielart, des Spielpartners und der Spieldauer. Die Zeit des gezielten Lernangebotes bietet allen Kindern der Gruppe die Gelegenheit, Gemeinschaft zu spüren und fremd- sowie eigengesteuerte Angebote wahrzunehmen (wie z.B. Lernangebote, Einzelförderung, Kleingruppenangebote). Diese werden den Fähigkeiten und Bedürfnissen der Kinder angepasst und vermitteln neue Entwicklungs- und Lernerfahrungen.

Durch alle Angebote werden die Eigenaktivität, die Kreativität, das Erproben und Erweitern eigener Fähigkeiten und Fertigkeiten und auch der Aufbau sozialer Kompetenz durch die Interaktionen mit anderen Kindern ermöglicht.

Methodisch-didaktischer Handlungskreislauf

Von Kindern mit Behinderung sollte das pädagogische Personal nicht selbstverständlich erwarten, dass sie von sich aus zu aktivem Handeln kommen. Kinder mit Behinderung verharren oft in der Einseitigkeit ihres Spieles und in Stereotypien. Dann sind sie darauf angewiesen, aus ihrer Umwelt Impulse für neue Spiel-, Verhaltens- und Handlungsmuster zu erhalten. Aufgabe der Erzieherin ist es, das Interesse des Kindes für neue Erfahrungsmöglichkeiten zu wecken.

Für die Kinder ohne Behinderung treffen diese Aussagen ebenfalls zu. Jedoch finden diese meist aus eigener Motivation, Wissbegierde und Interesse zum Spiel und gehen an Angebote heran, die sie für ihre persönliche Weiterentwicklung nützen können.

"Der Weg zum Ziel" - Bei der Frage, wie und was wir dem Kind anbieten, um Entwicklungsfortschritte zu erzielen, hilft uns der folgende Handlungskreislauf:

  1. Beobachtung des Ist-Zustandes: Was kann das Kind? Was will das Kind?
  2. Zieldefinition: Was braucht das Kind, um den nächsten Entwicklungsschritt zu erreichen?
  3. Vorbereitung der Methode/Didaktik: Wie kann das Ziel erreicht werden? Unter dem Gesichtspunkt der Interessen und Fähigkeiten des Kindes und der Beziehungskomponente werden Raum, Zeit, Mittel und Methode ausgewählt.
  4. Praktische Umsetzung: Unter der Beachtung der Motivation des Kindes und durch Einsatz von persönlichen und dinglichen Hilfen wird das Kind gefördert. Diese orientieren sich an den Interessen des Kindes. Einige Beispiele: Blickkontakt, Körperkontakt, persönliche Aufforderung, Ermutigung, Anschauungsmaterial, Möglichkeit zum aktiven Handeln.
  5. Reflexion: Wurde das Ziel erreicht? Welche Erkenntnisse lassen sich für das nächste Lernangebot gewinnen? Welche Veränderungen sind sinnvoll?

Die Gestaltung der Lernprozesse ist derart, dass alle Kinder daran teilnehmen können. Entsprechend den individuellen Voraussetzungen und Neigungen kann sich jedes Kind in die Lernangebote einbringen und dabei auf seine Art auch Erfolg haben. Ausgangspunkt sind hier die Stärken und Fähigkeiten der Kinder. Alle werden unterstützt, Autonomie, Selbständigkeit, Kompetenz, Zuversicht und Stolz auf die eigene Leistung zu entwickeln.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den therapeutischen Fachdiensten

Das Angebot unserer Einrichtung und die Therapie dienen dem gemeinsamen Ziel, die Möglichkeiten des Kindes zu erweitern, seine Bedürfnisse zu erkennen und zu verwirklichen. Damit wird angestrebt, dass das Kind sich den Anforderungen der Gesellschaft stellen kann. Alle Beteiligten kooperieren eng miteinander, um die Lern- und Entwicklungsprozesse des Kindes optimal zu unterstützen. Alle Fachkräfte lernen voneinander. Der Austausch erfolgt regelmäßig und in einer geplanten Form. Im Mittelpunkt dabei stehen die Weiterentwicklung und Förderung der Kinder auf einem heilpädagogischen Platz sowie die Hilfe zu ihrer Eingliederung in die Gruppe.

Gemäß der Leistungsbeschreibung des Bezirks Schwaben stehen dem Fachdienst insgesamt 35 Stunden pro Jahr zur Verfügung (25 Stunden direkt mit dem Kind und 10 Stunden für die Beratungsleistungen). Der Fachdienst kann durch interne Kräfte (Erzieherin, Sozialpädagogin usw.) oder durch externe Kräfte (z.B. Mitarbeiter einer interdisziplinären Frühförderstelle) durchgeführt werden.

Das Erbringen der Komplexleistungen (heilpädagogische und medizinische Leistungen) nach den Bestimmungen des Rahmenvertrages zur Frühförderung behinderter und von Behinderung bedrohter Kinder erfolgt durch die interdisziplinäre Frühförderung (Fachdienst/ Frühförderstelle). Es geht um folgende Inhalte:

  • Austausch aktueller Beobachtungen über das Verhalten des Kindes in allen Entwicklungsbereichen während des Kindergartenalltages,
  • Feststellung des aktuellen Entwicklungsstandes des Kindes durch Anamnese, Beobachtung und psychodiagnostischer Testverfahren oder Entwicklungsscreenings,
  • Konkretisierung des Förderbedarfes,
  • Feststellung der Reihenfolge der Förderbereiche, je nach Dringlichkeit und Interesse des Kindes,
  • Zielsetzung der akuten Fördermaßnahme,
  • Besprechung des Weges und der Methoden, um das Ziel zu erreichen,
  • Integration der therapeutischen Übungsmöglichkeiten in den Kindergartenalltag sowie in das Familienleben (Hilfestellung für Eltern),
  • Reflexion über Zielrealisierung - neue Feststellung des Förderbedarfes,
  • Erstellen von Förderplänen,
  • Vorbereitung und Durchführung von Elterngesprächen,
  • Schulberatung, auf Wunsch der Eltern gemeinsam mit dem pädagogischen Personal,
  • Austausch von Fachwissen und Beratung des Teams.

Die Kinder machen Fortschritte in der Einzeltherapie oder Kleingruppentherapie. Diese sind soweit wie möglich in das pädagogische Angebot der Einrichtung eingebettet; sie sind an den individuellen Interessen, Bedürfnissen und Vorlieben des Kindes angeknüpft.

In unserem Haus finden statt:

  • Austausch mit allen zuständigen Therapeuten in regelmäßigen Abständen.
  • pro Gruppe zwei "runde Tische" mit allen Therapeuten, die einzelne Kinder begleiten, und dem pädagogische Fachpersonal. Dieser Austausch wird von uns ausnahmslos als positiv erlebt. Alle Beteiligten profitieren davon, nicht zuletzt das Kind und dessen Eltern. Der derzeitige Ist-Stand in der Therapie und in der Gruppe ist Basis für neu vereinbarte Ziele. Es wird darauf geachtet, dass keine "Übertherapierung" passiert.
  • Dokumentation: Jede Therapeutin dokumentiert pro Woche die Inhalte der Therapiestunde und in welcher Art und Weise sich das Kind beteiligt hat. Das pädagogische Personal hält fest, was das Kind in der Gruppe erlebt und gelernt hat.
  • Entwicklungsberichte und individuelle Erziehungspläne werden in Zusammenarbeit mit den Therapeuten erstellt.

Zusammenarbeit mit den Eltern

Die Eltern sind die wichtigsten Bezugspersonen des Kindes. Sie kennen ihr Kind am besten. Als Experten für die Entwicklung und Erziehung des Kindes werden sie ernst genommen, d.h. sie sind gleichberechtigte Partner. Die Zusammenarbeit erfolgt demnach partnerschaftlich. Ein wesentlicher Auftrag des Kindergartens besteht in der Unterstützung und Begleitung der Eltern in Erziehungsfragen. Aus systemischer Sichtweise sind wir uns der wechselseitigen Einflussnahme in der Familie bewusst. Eine konstruktive Zusammenarbeit ist Voraussetzung, damit im Falle einer Entwicklungsabweichung die richtigen Schritte für erfolgreiche Interventionen gefunden werden.

Die pädagogischen Fachkräfte wissen um die spezifischen Probleme von Familien mit behinderten Kindern. Sie haben Verständnis dafür und sind in der Lage, effektiv Hilfe zu leisten. Deshalb ist es erforderlich, dass sie sich mit dem Verarbeitungsprozess der Eltern, ein behindertes Kind bzw. ein Kind mit drohender Behinderung zu haben, auseinandersetzen. Nur so können sie auf die Eltern entsprechend eingehen.

Folgende Aspekte/ Schwerpunkte der Elternarbeit werden bedacht:

  • Vertrauensaufbau zwischen Fachpersonal und Eltern,
  • Unterstützung der Eltern bei der Antragstellung zur Eingliederung, bei Kontakten mit Ämtern, Ärzte und Therapeuten sowie der Frühförderstelle,
  • regelmäßige Gespräche mit den Eltern; hierbei wird die Entwicklung des Kindes zu Hause und in der Einrichtung systematisch reflektiert,
  • Begleitung in Erziehungsfragen sowie Entlastung der Eltern/Familie.
  • Alle diagnostischen, erzieherischen und therapeutischen Zielsetzungen und Maßnahmen erfolgen in enger Absprache und Abstimmung mit den Eltern.
  • Tageseinrichtung und Fachdienst beraten die Eltern in Kooperation.
  • Sie werden in die Begleitung und Erziehung ihres Kindes intensiv eingebunden.

Es ist wichtig, dass alle Eltern der Einrichtung über das inklusive Konzept der Einrichtung informiert sind. Regelmäßige Informationsveranstaltungen und Elternaktionen sind Voraussetzung für gute Informationsarbeit und helfen, bestehende Ängste und Unsicherheiten abzubauen. Die Einbeziehung des Elternbeirats ist wichtig und fördert die Kommunikation zwischen allen Beteiligten.

Folgende Formen der Elternarbeit haben sich in unserem Haus bewährt:

  1. Tag der offenen Tür, um unsere Einrichtung in der Öffentlichkeit präsent zu machen und unser pädagogisches Konzept vorzustellen,
  2. Schnuppertag des Kindes vor der Kindergartenzeit mit Anamnesegespräch,
  3. Dokumentation der Eingewöhnungszeit; danach findet mit den Eltern ein Eingewöhnungsgespräch statt,
  4. zwei angebotene Elternsprechstunden anhand des "Kinderordners" (Bildungsbuch, Lerngeschichten, Ressourcenplan), um sich über den Entwicklungsstand des Kindes auszutauschen und aktuelle Situationen zu besprechen,
  5. regelmäßige Elterngespräche unter Einbeziehung der Therapeuten,
  6. Hospitationsmöglichkeiten der Eltern im Freispiel und bei Lernangeboten; dies schafft Transparenz, Verständnis und Vertrauen zu unserer Einrichtung,
  7. Dokumentationen und Präsentation anhand von Aushängen, Fotos und Elternbriefen,
  8. Hausbesuche,
  9. Feste für "Alle": Eltern, andere Verwandte, Kinder, Gemeinde, Pfarrgemeinde usw.,
  10. Elternabende und Gruppenelternabende mit oder ohne pädagogischem Thema.

Kooperation und Vernetzung

Zu den Vernetzungsaktivitäten gehören:

  • Austausch mit anderen Integrationseinrichtungen in der Umgebung (Arbeitskreise),
  • fachlicher Austausch mit Kinderärzten und allen pädagogischen Einrichtungen vor Ort,
  • Kooperation mit dem Caritasverband und Schulen (z.B. Diagnose-Förderschule),
  • Besuch von Fortbildungen hinsichtlich Integration bzw. Inklusion,
  • Konsultationstätigkeit beim Institut für Frühpädagogik.

Konsultationseinrichtung

Unter dem Motto "Voneinander lernen und profitieren" startete im März 2009 das bayernweite Projekt des Staatsinstitutes für Frühpädagogik "Aufbau eines Netzwerkes von Konsultationseinrichtungen zur Unterstützung der Praxis bei der Umsetzung des Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplans". Unterstützt und finanziert wird dieses vorläufig auf drei Jahre ausgelegte Modellprojekt vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen.

Konsultationseinrichtungen sind Kinderkrippen, Kindergärten und Kinderhäuser, die den Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan (BayBEP) in seiner gesamten Breite gut und ganzheitlich umsetzen. Insgesamt hatten sich 118 Einrichtungen Kindertageseinrichtungen aus ganz Bayern für diese Aufgabe beworben. In einem Auswahlverfahren, das sowohl die Umsetzungs- als auch die Entwicklungsprozesse der einzelnen Einrichtungen im Bezug auf den BayBEP im Blick hatte, wurden 26 geeignete Einrichtungen ausgewählt. In allen sieben Regierungsbezirken Bayerns gibt es nun Konsultationseinrichtungen, die sich durch Hospitationsangebote und Beratung anderer Kindertageseinrichtungen, an der Vernetzung mit Institutionen der Aus- und Fortbildung und an der Öffentlichkeitsarbeit aktiv beteiligen.

Unsere Einrichtung ist als Konsultationseinrichtung des Staatsinstituts für Frühpädagogik ausgewählt worden. Im Rahmen des Projektes laden wir alle Interessierten ein, unsere Einrichtung kennen zu lernen. Nähere Informationen unter: http://www.ifp.bayern.de/projekte/laufende/konsultation.html

Literatur

Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen, Staatsinstitut für Frühpädagogik München: Der Bayerische Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder in Tageseinrichtungen bis zur Einschulung. Beltz, 2. Aufl. 2006

Bernitzke, Fred: Heil- und Sonderpädagogik. Stam 2001

Dichans, Wolfgang: Der Kindergarten als Lebensraum für behinderte und nichtbehinderte Kinder. Kohlhammer, 2. Aufl. 1993

Heimlich, Ulrich: Behinderte und nichtbehinderte Kinder spielen gemeinsam. Klinkhardt 1995

Heimlich, Ulrich: Integrative Pädagogik - Eine Einführung. Kohlhammer 2003

Pausewang, Freya: Ziele suchen - Wege finden. Cornelsen 1994

Schmutzler, Hans-Joachim: Handbuch Heilpädagogisches Grundwissen. Herder, 3. Aufl. 1994

Tietze-Fritz, Paula: Integrative Förderung in der Früherziehung. Borgmann, 2. Aufl. 1999

Kontakt

Andrea Zech, Fachkraft für Integration
Susanne Mrazek, Einrichtungsleitung
Integrativer Kindergarten Don Bosco
Konsultationseinrichtung des Staatsinstituts für Frühpädagogik in München
Weichter Str. 5
86807 Buchloe
Tel: 08241/3322