Rezension

Hurra, ich gehe in die KITA! Ravensburg: Ravensburger Buchverlag 2016, 14 Seiten, EUR 6,99 - direkt bestellen durch Anklicken

 

Das für Kinder ab 18 Monaten geeignete Pappbilderbuch erzählt von Nils, der zum ersten Mal ins "Zwergenhaus" geht - während seine Mutter ihren ersten Arbeitstag hat. Nils, der "schon ein paar Mal" in der Kita war, läuft gleich zu Jakob und spielt mit ihm. Als er später Papa, Mama und sich selbst malt, hat er ein wenig Heimweh. Aber das geht schnell vorbei. Dann frühstückt er mit den anderen Kindern, bekommt eine Geschichte vorgelesen, spielt draußen - und schon wird er wieder von seiner Mutter abgeholt. Zuhause bauen sie dann ein "Zwergenhaus" aus Bauklötzen und zeigen es dem Vater, als dieser heimkommt. Und sie erzählen von ihren Erlebnissen.

Leider entspricht das Bilderbuch nicht der Realität: So wird wohl jede Kita-Leiterin einer Mutter abraten, am gleichen Tag, an dem ihr Kind in die Krippe kommt, wieder arbeiten zu gehen. Anstatt der "ein paar Mal" in der Kita gibt es heute eine bewusst gestaltete Eingewöhnungsphase: Das Kind und ein Elternteil besuchen mehrere Tage lang gemeinsam die Krippe, wobei sich der Elternteil immer mehr zurückzieht, bis das Kind alleine in der Gruppe bleibt. Auf den Bildern sind alle Kinder gleich alt - in der Realität gibt es aber in nahezu allen Kitas altersgemischte Gruppen. In der Regel werden die Kinder auch nicht nur von einer Fachkraft betreut, sondern von zwei Mitarbeiter/innen. Und dass ein Kleinkind gleich am ersten Tag in der Gruppe integriert ist, glücklich am Kita-Leben teilnimmt und dann auch noch seinem Vater davon erzählt, ist recht unwahrscheinlich...

Martin R. Textor