Kritische Analyse zum Einsatz neuer Medien im Elementarbereich

Karin Krey

 

Für Kinder des frühen 21. Jahrhunderts ist die Welt der Medien ein selbstverständlicher Teil ihres Alltags. Die weltweite Nutzung des Internets verbindet Millionen von Computern und sichert somit auch Privathaushalten globale Informationen. Der erleichterte Zugang auf weltweit verfügbare Daten eröffnet neue Chancen für Lernprozesse und damit den Weg für lebenslanges und globales Lernen. Das Aufwachsen mit Medien, ob Bücher, Digitalkamera, Fernsehgerät oder Computer, stellt ein bedeutsames Merkmal moderner Kindheit dar. Medien sind integrale Bestandteile der Erfahrungswelt des Kindes und aus ihrem Umfeld nicht mehr wegzudenken. Mit einer Selbstverständlichkeit wachsen Kinder in dieser neuen Medienwelt auf und nehmen daran teil.

Der Umgang mit neuen Medien bedeutet Vorteile für diejenigen, die neue Medien nutzen können. Zudem helfen gute Videospiele und Computersoftware den Kindern beim Lernen (Bergmann 2000, S. 225). Dies ist die Ansicht vieler Befürworter neuer Medien. Aber auch Gegner melden sich zu Wort, insbesondere wenn neue Medien den Alltag jüngerer Kinder prägen. Die Argumente zum Einsatz neuer Medien reichen "von euphorischer Zustimmung und Erwartung bis zur Betonung vielfältiger Gefährdungen" (Tulodzieki/ Föllmer 2007, S. 7).

Theoretische Grundlagen und Begriffsdefinitionen

Neue Medien: Neue Medien sind computer- und netzwerkgestützte Medien. Es handelt sich dabei nicht um passive Instrumente, sondern um aktive Automaten, die der Zwischenschaltung zwischen menschlicher Kommunikation dienen. Neue Medien sind digital, ihre Darstellungsform ist mit jeder anderen arbiträr. Durch ihre Vernetzung ist weltweite Kommunikation unabhängig von Raum und Zeit möglich. "Neue Medien sind die sich ständig erneuernden und immer wieder neuen Medien" (Sesink 2006, S. 44).

Elementarbereich: Der Elementarbereich befasst sich mit Kindern in etwa zwischen drei und sechs Jahren. Entnommen wurde der Begriff dem "Thüringer Bildungsplan für Kinder bis 10 Jahre" (2008, S. 10). Der Bildungsplan nimmt keine eindeutige Alterszuordnung vor, sondern teilt die verschiedenen Bildungsbereiche in basale, elementare und primare Phasen, um den individuellen Lernvoraussetzungen und Besonderheiten jedes Kindes gerecht zu werden.

Neue Medien im Elementarbereich

Längst haben sich neue Medien die Kinderwelt originär erschlossen. Alte Medien, wie das Buch, die Gestaltung mit Farben und Papier etc., fanden ihre Ergänzung durch den Film, Hörspielkassetten bis zum Computer. Ein häufig eingesetztes Medium im Elementarbereich ist der CD-Player. Das Kind hört sowohl Musik als auch Hörgeschichten. Das eindeutige Lieblingsmedium allerdings ist der Fernseher. Hier verweilen Drei- bis Fünfjährige täglich durchschnittlich 76 Minuten (Baacke 1999, S. 365 f.), wobei ein kontinuierlicher Anstieg der Sehdauer zu verzeichnen ist. Der Medienmarkt bietet außerdem unter dem Begriff "Edutainment" ein reichhaltiges Angebot an Videokassetten und Computerspielen. Kinder sind fasziniert von den bewegten Bildern und den Möglichkeiten, mit ihnen zu interagieren; dadurch werden Neugier und Interesse geweckt.

Aufgrund der allgegenwärtigen Präsenz der Medien im Umfeld des Kindes ist nicht nur im Elternhaus, sondern zunehmend auch im Kindergarten eine angemessene und überlegte Medienerziehung erforderlich. Die Bildungspläne der Kindereinrichtungen, als verbindliche Arbeitsgrundlagen, regen den Umgang mit neuen Medien an. Zum Beispiel schreiben der Thüringer Bildungsplan (2008, S. 139) oder das Bildungsprogramm Berlin (2004, S. 27) den Umgang mit neuen Medien fest, weil sie neue Wege des Lernens, der Kommunikation und der Kontaktaufnahme eröffnen. Neben vielen Vorteilen werden aber auch einige Nachteile dargestellt.

Erworbene Medienkompetenz soll das Kind befähigen, "Medien zu gebrauchen, ohne ihren bedenklichen Wirkungen schutzlos ausgeliefert zu sein" (Merkel 2005, S. 237). Dazu sind eine fundierte Medienkompetenz der Erzieher und die damit verbundene Medienerziehung vonnöten.

Zur Förderung der Medienkompetenz bietet beispielsweise die Thüringer Landesmedienanstalten (http://www.tlm.de/tlm/index.php Vorschulprojekte für den Medienalltag im Kindergarten. Das Thema "Lauschangriff im Kindergarten" umspannt vielfältige handlungsorientierte Lernfelder. Die eigene Stimme wird mit einem Aufnahme-Set aufgenommen. Neben der eigenen Stimme werden vielfältige weitere Geräusche selbst produziert, am Computer verändert, geschnitten und angehört. Zusätzlich setzen die Kinder Gehörtes in gemalte Bilder und gesprochene Geschichten um. Medienerlebnisse werden so auf variable Art bearbeitet und in die Erfahrungswelt der Kinder integriert. Das Projekt zielt insbesondere darauf, klare Hinweise für die Unterscheidung der medialen von der wirklichen Welt zu geben, um eine spätere distanzierte und kritische Auseinandersetzung mit Medien vorzubereiten.

Der Förderverein für Jugend- und Sozialarbeit e. V. qualifiziert in seinem Projekt BIBER (http://www.bits21.de/177_Projekt_BIBER.htm Erzieher/innen und Lehrer/innen in den Bereichen der elementaren Medienerziehung und -pädagogik. Praxisorientiertes Lernen bietet das Projekt "Mit der Digitalkamera die Umgebung erkunden". Die Kinder lernen die Digitalkamera kennen und werden mit der Handhabung vertraut gemacht. Anschließend fotografieren die Kinder Bestimmtes und Interessantes. Am Computer werden die Fotos betrachtet, darüber gesprochen und die Örtlichkeiten beschrieben. Gemeinsam ausgewählte Fotos werden zu einer Collage zusammengestellt, mit Zitaten der Kinder versehen und in einer Ausstellung präsentiert.

Ein lehrreiches und gewaltfreies Abenteuer können Kinder im Computerspiel "Pyjama Pit: Keine Angst im Dunkeln" (http://www.gamesplanet.com/DE/pcspiele/Pyjama-Pit-Keine-Angst-im-Dunkeln-kaufen-downloaden-1062-20.html) erleben. Gemeinsam mit Freunden stellt sich der kleine Pit seiner Angst an verschiedenen Plätzen. Auf lustige und fröhliche Art besiegt Pit in seinem Pyjama-Anzug Herrn Dunkel, der selbst auf der Suche nach einem Freund ist.

Die Spielsoftware "Abenteuer auf dem Bauernhof" ist eine 3D-Simulation. Vollkommen stressfrei können Kinder einen Bauernhof bewirtschaften. Dabei ernten sie Gemüse, sammeln Futter und pflegen Tiere. Findet das Kind an einer Pflanze oder einem Tier besonderes Interesse, so kann es mit einer Lupe genau betrachtet werden. Insgesamt 150 Bilder und Videoausschnitte helfen beim Erkunden des Bauerhofes.

Kritische Diskussion zum Einsatz neuer Medien im Elementarbereich

Die Lebenswelt des Kindes ist angefüllt mit alten und neuen Medien. Auch die Bildungspläne (Thüringer Bildungsplan 2008, S. 139; Berliner Bildungsprogramm 2004, S. 61) regen die Nutzung beider Medien an, um Vorzüge und Nachteile bewusst werden zu lassen und einen kritischen Umgang mit Medien und deren Inhalten zu erwerben. Neue Medien bieten die Möglichkeit, Kinder entsprechend ihrem Entwicklungsstand zu fördern, sofern einige Voraussetzungen gegeben sind. Fernsehen, Computer mit ihrer Lern- und Spielsoftware sowie die großen Bereiche der Internetangebote werden aber auch als Bremse oder Ursache für eine verlangsamte sprachliche und kognitive Entwicklung des Kindes gesehen.

Die nachfolgend aufgeführten Diskussionsansätze für und gegen den Medieneinsatz zeigen lediglich einen Ausschnitt aus einer kontrovers geführten Debatte. Sie greift sowohl Gefahren als auch Chancen neuer Medien auf. Das intensive Studium der Literatur ergab ein umfangreiches Angebot an Aufsätzen, Konzepten und Studien zur Mediennutzung für Kinder im Elementarbereich. Unerwartet zeitaufwändig und schwierig erwies sich das Recherchieren nach Pro-Argumenten. Nur in den seltensten Fällen wurden neben den Vorteilen auch die Nachteile dargestellt.

Für den Einsatz neuer Medien im Elementarbereich ist der Medienpädagoge Prof. Stefan Aufenanger. Er bezog im Forum Multimedia auf der didacta 2009 eindeutig Stellung für den Einsatz von PCs im Kindergarten. Seine Argumentation wurde in der Thüringer Zeitschrift der Bildungsgewerkschaft GEW (Heft 03/2009, S. 13) veröffentlicht. Bereits Kinder mit drei Jahren könnten konstruktiv und produktiv arbeiten, wenn "der Computer im Kindergarten in ein pädagogisches Projekt eingebunden ist". Dadurch würde die sprachliche und kognitive Entwicklung von Kindern zum Teil positiv beeinflusst. Medien helfen den Kindern, ihre innere Welt mit Gefühlen, Phantasien und Wünschen kindgerecht wahrzunehmen und zu ordnen. Mit Lernprogrammen würde zu Kommunikation und Kooperation angeregt. Bereits im Kindergarten müssen Kinder "kompetent gemacht werden", um die Vor- und Nachteile verschiedener Medien abschätzen zu können.

Dem widerspricht der Kriminologe Prof. Christian Pfeiffer vehement (ebd. S. 13). Sprache könne nur durch menschliches Gegenüber und liebevolle Zuwendung erlernt werden. Der Umgang mit dem Computer lenke die Kinder lediglich ab und koste ihre Konzentration. Er verweist auf Längsschnittuntersuchungen von drei- bis sechsjährigen Kindern aus den USA, die eine Zunahme an Hyperaktivität aufzeigten, wenn diese frühzeitig an Bildschirme herangeführt wurden. Folgen seien Fettleibigkeit und Zunahme an Gewalttätigkeit.

Dieser Argumentation stimmt Manfred Spitzer in seinem Buch "Vorsicht Bildschirm" zu. Er warnt vor schädlichen Auswirkungen von Bildschirmmedien auf die körperliche und geistige Entwicklung des Kindes. Er geht davon aus, dass sich insbesondere kleinere Kinder "noch leichter formen oder verformen" (Lutz 2007) lassen. Als Gründe für die Zunahme der Fettleibigkeit (Adipositas) durch den Bildschirmmedienkonsum gibt der Neurowissenschaftler zu wenig Bewegung bei ungesunder Ernährung an. Vor allem das Fernsehen beeinflusst das Kind durch die Werbung und das Essverhalten der Rollenvorbilder. Bildschirmmedienkonsum führe ebenso zur Verdummung. Dies begründet er mit der Zunahme von Problemen beim Lesen lernen und der allgemeinen Verschlechterung der Schulleistungen. Außerdem mache Bildschirmmedienkonsum Kinder aggressiv und gewalttätig. Wenn Kinder Gewaltszenen passiv durch den Fernseher oder aktiv durch Computerspiele ausgesetzt sind, dann erfahren und lernen sie Gewalt.

Die Kita-Zeitschrift "Entdeckungskiste" (2003) thematisiert diesbezüglich Verhaltensauffälligkeiten. Von auffälligem Verhalten wird gesprochen, wenn es signifikant vom alters- und entwicklungsgemäßen Verhalten abweicht. In den Blickpunkt geraten unter anderem Aggressivität und Wahrnehmungsstörungen. Aggressivität zeigt sich symptomatisch durch mangelnde Verhaltenskontrolle, Stimmungsschwankungen oder innere und äußere Unruhe. Als Ursache einer erhöhten Aggressivitätsbereitschaft sehen die Autoren unter anderem psychischen Stress. Dieser könne durch einen erhöhten Fernsehkonsum und der damit verbundenen mangelnden Bewegung und hoher Lärmbelästigung entstehen. Kindliche Wahrnehmung bildet sich aus, wenn alle Sinne trainiert und miteinander in Wechselwirkung stehen. "Die Medien beanspruchen zu sehr den visuellen und auditiven Sinn" (ebd., S. 15), während andere vernachlässigt werden. Die Akkommodation (Piaget) verlangt aber nach einem ganzheitlichen Informationsgewinn im direkten Umgang mit Personen und Dingen, die nicht durch Computer-Lernprogramme oder Fernsehsendungen ersetzbar seien. Medien werden als Hemmfaktoren betrachtet, die den Kindern die Zeit stiehlt, ihre innenwohnenden Kräfte zu entfalten.

Hier hätte allerdings deutlicher herausgearbeitet werden können, um welche Programme oder Sendungen es sich konkret handelt. Denn ganz anders sieht dies Wolfgang Bergmann. Für ihn ist der Computer ein "komplexes Medium zur Förderung des Intellekts" (2000, S. 137). Als umfassendes Lernmedium könne der Computer zur Veränderung von Verhalten und Gefühlen beitragen und sollte darum genutzt werden. Computerspiele vermitteln Erfolgserlebnisse. Selbst "ganz schwierige Kinder" (ebd., S. 126) lernen dabei das Beherrschen eines technischen Instruments, das von höchster lebenspraktischer Bedeutung sei. Außerdem verbünden sich Zahlen, Mengen oder die topologische Ordnung von Motiven mit kindlicher Phantasie, wodurch die intellektuelle und emotionale Intelligenz des Kindes gefördert werden könne. Pighin (2005, S. 256) warnt jedoch davor, Kinder vor dem Computer zu "parken" und ihn als "Babysitter" zu verwenden.

Eine konträre Argumentation konnte ebenso herausgearbeitet werden, wenn ausschließlich der Fernsehkonsum betrachtet wird. Postman (1994, S. 93) konstatiert zur Bedeutung des Fernsehens: Es verlange keinerlei Fähigkeiten und entwickele auch keine. Es sei für Kinder leicht zugänglich und entziehe den Erwachsenen die Kontrolle über das, was Kinder sehen und hören. Werden Sendungen jedoch gezielt ausgewählt, bieten zum Beispiel die "Sendung mit der Maus" (Bachmair 2007, S.69), "Löwenzahn" oder "Willi will's wissen" ein lehrreiches Programm, welche über ein großes Kinderpublikum verfügen.

Ausgesuchte filmische Mittel untersuchte Heinz Moser (2000, S.137) und vermutet, dass diese das Lernen unterstützen könnten. Die "visuelle Bewegung" erleichtere es dem Kind, "Informationen über Handlungen ins Gedächtnis zurückzurufen". Sehen Kinder eine Geschichte im Fernsehen, dann könne der Inhalt besser verstanden und reflektiert werden als beim Hören einer Vorlesegeschichte. Werden visuelle Attribute durch Toneffekte, Musik oder Veränderungen im gesprochenen Dialog untermalt, bleibe das Interesse und die Aufmerksamkeit des Kindes erhalten.

Fazit und Ausblick

Nie sind die Neugier, die Offenheit für Neues und die Lust am Lernen so groß wie in der elementaren Phase. Für diese Zeit benötigt das Kind liebevolle und kompetente Beratung, Betreuung und Führung. Wer Kindern Neues, Zeitgemäßes bieten möchte, kommt selbst am lebenslangen und globalen Lernen nicht vorbei. Merkel (2005, S. 227) betont, dass Kindheit heute Medienkindheit ist. Kindereinrichtungen sollten diese neuen Darstellungsweisen und Techniken akzeptieren, aufgreifen und integrieren, da sie als Teil der kindlichen Lebenswelt dazu gehören. Ein curriculares Festschreiben medienpädagogischer Inhalte ist in der Ausbildung der Erzieher notwendig und sollte verpflichtend gemacht werden (ebd., S. 5). Dies ist insofern unverzichtbar, da Deutschland in der medienerzieherischen Professionalisierung der Erzieherausbildung hinter anderen europäischen Ländern zurückbleibt (Marci-Boehncke/ Rath 2007, S. 13).

Bezugnehmend auf die kritischen Einwände von Manfred Spitzer und Christian Pfeiffer zur Fettleibigkeit des Kindes kann in der Tat von einer "Zunahme an Übergewicht bei Kindern" (Gesundheitsberichterstattung des Bundes 2008) gesprochen werden. Den Zusammenhang von Medienkonsum und Fettleibigkeit belegt eine Längsschnittstudie aus Berlin (Thüringer Zeitschrift der Bildungsgewerkschaft GEW, Heft 03/2009, S. 14).

In der Konsequenz ist es gerade deshalb wichtig, dass kompetent geschultes Personal Kinder behutsam und pädagogisch verantwortungsbewusst an den Computer mit ausgewählten Spielen oder Programmen und ebenso an alternative Möglichkeiten der Freizeitgestaltung heranführt. Dabei sollte der Computer "immer nur eine Spielmöglichkeit unter vielen anderen sein" (Pighin 2005, S. 256). Das pädagogische Handeln der Erzieher/innen darf sich dabei nicht nur auf die überlegte Auswahl an neuen Medien beschränken, sondern zusätzlich auf wechselnde An- und Entspannungsphasen mit Ruhe- und Bewegungsmöglichkeiten, die dem kindlichen Bewegungsdrang Rechnung tragen. Lediglich pädagogisch wertvolle Lern- und Anwendungsprogramme sollten zum Einsatz kommen, die sich möglichst auch für Partner- und Gruppenarbeit eignen. Werden diese zusätzlich in ein sachgebietsumfassendes Projekt eingebunden, dann werden neben den feinmotorischen Bewegungen des Kindes auch grobmotorische genutzt und alle Sinne des Kindes angeregt.

Die Medienkindheit erfordert die Unterscheidung von selbst gemachten Erfahrungen und durch Medien vermittelten Erfahrungen. Kindliche Phantasie und Kreativität sollen durch visuell vorgegebene Bilder nicht beeinträchtigt werden. Bei einer optimalen Umsetzung eines medienpädagogischen Projektes lernt das Kind die neuen technologischen Möglichkeiten zum Teil bereits selbständig zu nutzen und erhält positive Lernerlebnisse. "Das Wissen über die medialen Vorlieben und Erfahrungen von Kindern und ihre Wahrnehmungs- und Bearbeitungsmöglichkeiten werden dann zur Voraussetzung für pädagogisches Handeln" (Marci-Boehncke/ Rath 2007, S. 13).

Deshalb sollten medienpädagogische Bildungsprozesse an holistische Prozesse gebunden sein, die die physiologischen und kognitiven Besonderheiten des Kindes berücksichtigen, wie seine eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit und die individuelle Lernvoraussetzung. Das Einbeziehen neuer Medien darf deshalb nicht den zeitlichen Umfang eines alltäglichen Lernangebotes überschreiten. Bedingungen für medienpädagogische Projekte sind selbstverständlich eine entsprechende Infrastruktur und organisatorische Rahmenbedingungen, die eine praktische Durchführung erst ermöglichen.

Nicht nur Elschenbroich (2001, S. 115) bezeichnet den Umgang mit dem Computer als "vierte Kulturtechnik". Ohne Handhabung der Technik und der entsprechenden Kompetenz wird das Kind in unserer Gesellschaft zukünftig nicht mehr auskommen. In welchem Alter mit neuen Medien begonnen werden soll, bleibt umstritten. Merkel (2005, S. 230) stellt dazu fest, "Problem sind nicht die Medien, sondern wie sie von uns benutzt werden". Dies stellt sowohl besondere Anforderungen an die Ausbildung der Erzieher/innen dar als auch an die Kompetenzentwicklung des Kindes. Bereits kleine Kinder wachsen in komplexen Medienwelten auf, und diese durchdringen ihre Wahrnehmungs- und Kommunikationsprozesse. Deshalb sollte und darf sich auch der Kindergarten nicht davor scheuen, den Kindern Medien vorzustellen und anzubieten.

Erhebliche Unterschiede zeigen sich in den Bildungsplänen der Kindereinrichtungen. Umfangreich und ausführlich partizipiert das Bildungsprogramm Berlin (2004) neue Medien, während der Orientierungsplan Baden-Württemberg (2006) neue Medien lediglich an wenigen Stellen erwähnt. Eine integrierte und überlegte Mischung alter und neuer Medien bewirkt Vielschichtigkeit und Multidimensionalität. Die Berücksichtigung altersspezifischer und individueller Besonderheiten und das Integrieren aller Bildungsbereiche sind erforderlich, um das Kind ganzheitlich zu erziehen und zu bilden. Resümierend soll dem Grundsatz Baackes (1999, S. 387) beigepflichtet werden:

"Vom Vorlesen bis zum Fernsehen, vom Computerspielen bis zum Netzsurfen, vom Musikhören bis zum gemeinsamen Liedersingen - alle Kommunikationsspiele müssen, gelernt, geübt und in emotionale Dichte verwandelt werden".

Literatur

Baacke, Dieter (1999): Die 0- bis 5jährigen. Einführung in die Probleme der frühen Kindheit. Weinheim u.a.: Beltz Verlag.

Bachmair, Ben (2007): Medienbildung und Alltagsästhetik. Studienbrief 03350 Hagen. FernUniversität.

Bergmann, Wolfgang (2000): Computer machen Kinder schlau. Was Kinder beim Computerspielen sehen und fühlen, denken und lernen. München: Beust Verlag.

Elschenbroich, Donata (2001): Das Weltwissen der Siebenjährigen. München: Kunstmann Verlag.

Entdeckungskiste. Fachliteratur für anwendbare Elementarpädagogik (2003): Sept./Okt.-Heft.

Kultusministerium des Freistaates Thüringen (2008): Thüringer Bildungsplan für Kinder bis 10 Jahre. Weimar, Berlin: verlag das netz.

Lutz, Susi (2007): Manfred Spitzer: Fernsehen macht dick, dumm, gewalttätig. http://www.hdm-stuttgart. de/ifak/medienwissenschaft/medienkritik_medienwirkung/neue_protagonisten_der_medienkritik/ medienkritik_lutz (Stand 04.03.2010).

Marci-Boehncke, Gudrun/Rath, Matthias (2007): Medienkompetenz für ErzieherInnen. Ein Handbuch für die moderne Medienpraxis in der frühen Bildung. Bobingen: Kessler Druck + Medien.

Merkel, Johannes (2005): Gebildete Kindheit. Wie die Selbstbildung von Kindern gefördert wird. Handbuch der Bildungsarbeit im Elementarbereich. http://www.handbuch-kindheit.uni-bremen.de/kindheit.pdf (Stand 10.03.2010).

Ministerium für Kultus, Jugend und Sport (2006): Orientierungsplan für Bildung und Erziehung für die baden-württembergischen Kindergärten. http://www.km-bw.de/servlet/PB/-s/dpy5fx1rvg2cf1ddgppyl tfhrk1fa1h9d/show/1215793/oplan_bw.pdf (Stand 26.02.2010).

Moser, Heinz (2000): Einführung in die Medienpädagogik. Aufwachsen im Medienzeitalter. 3., überarbeitete und aktualisierte Aufl.. Obladen: Leske + Budrich.

Pighin, Gerda (2005): Die besten Förderspiele. Stuttgart: Urania Verlag.

Postman, Neil (1994): Das Verschwinden der Kindheit. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag.

Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport Berlin (Hrsg.) (2004): Berliner Bildungsprogramm für die Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern in Tageseinrichtungen bis zu ihrem Schuleintritt. Berlin: Verlag das Netz. http://www.berlin.de/imperia/md/content/senbildung/bildungswege/vorschulische_ bildung/berliner_bildungsprogramm_2004.pdf (Stand 26.02.2010).

Sesink, Werner (2006): Verhältnis von Allgemeiner Didaktik zur Mediendidaktik. Studienbrief 33070 Hagen: FernUniversität.

Six, Ulrike/Gimmler, Roland (2007): Förderung von Medienkompetenz im Kindergarten. Eine empirische Studie zu Bedingungen und Handlungsformen der Medienerziehung. http://www.lfm-nrw.de/downloads/ medienkomkiga-zusamm.pdf (Stand 11.03.2010).

Thüringer Zeitschrift der Bildungsgewerkschaft GEW (2009): PRO & CONTRA: Computer im Kindergarten? Heft 03/2009, S. 13-15.

Tulodzieki, Gerhard/Föllmer, Isabell (2007): Nutzung und Gestaltung von Medien als medienpädagogische Aufgabe. Kurseinheit 1. Einführung in Erziehungs- und Bildungsaufgaben im Bereich von Medien- und Informationstechnologie. Studienbrief 33051 Hagen: FernUniversität.