Rezension

Rainer M. Osinger: Waususel-dabidu-dingsda. Leipzig: Engelsdorfer Verlag, 2. Aufl. 2014, 40 Seiten, EUR 12,00 - direkt bestellen durch Anklicken

 

Waususel-dabidu-dingsda ist eine Flunde. Was, Sie haben noch nie von Flunden gehört? Kein Wunder, denn keiner weiß, dass es sie gibt - obwohl sie in Häusern wohnen und ganz normale Autos fahren. Jedoch haben sie flossengroße Füße, einen langen Schwanz und kleine Flügel, die sie aber normalerweise nicht benutzen, weil sie Höhenangst haben.

Eines Tages stößt Waususel fast mit einem Jungen im Rollstuhl namens Max zusammen. Beide sind erschrocken, und der erste Satz von Max lautet natürlich: "Wer bist denn du?" Die beiden kommen ins Gespräch, und Waususel begleitet Max nach Hause. Dort suchen sie im Lexikon nach Informationen über Flunde, finden aber keine. Und Waususel gesteht Max weinend, dass er keine Freunde habe, weil es ihn ja eigentlich nicht gäbe. Aber auch Max ist einsam, weil er als Behinderter von anderen Menschen diskriminiert wird. So beschließen beide, Freunde zu werden und etwas ganz Besonderes zu machen, damit sie nicht länger ignoriert werden können.

Waususel und Max treffen sich zwei Monate lang auf einem Schrottplatz und basteln dort ein fünf Meter hohes Gefährt. Max kann es wohl besteigen, aber nicht vorwärts bewegen. Und so überwindet Waususel seine Höhenangst, klettert zu ihm hoch und nutzt zum ersten Mal seine Flügel, um das Gefährt in Gang zu bringen. Und schon fahren die beiden durch die Stadt, werden von den Menschen bestaunt und bald von Reportern und Fotografen verfolgt. Sie verlieren die Kontrolle über ihr Gefährt und plumpsen mit ihm im Hafen auf eine Autofähre. Am Steg werden sie von ihren Zuschauern bejubelt; und am nächsten Tag steht ein Artikel über sie in der Zeitung. Nun werden sie als Erfinder von anderen Menschen bewundert. Und sie sind so glücklich darüber, dass sie Freunde geworden sind!

Das von Rainer M. Osinger mit lustigen Karikaturen - teilweise vor einem Hintergrund aus Zeitungsausschnitten - versehene Bilderbuch macht behinderten und anderweitig diskriminierten Kindern Mut, ihre Handicaps zu akzeptieren, ihre Außenseiterrolle zu überwinden und nach Freunden zu suchen.

Martin R. Textor