Aus: Bildung Erziehung Betreuung. IFP-Infodienst 2004, Heft 1-2, S. 12-14

Emotionen im Elterngespräch richtig handhaben! Das Auf und Ab der Gefühle in schwierigen Elterngesprächen

Michael Schnabel

 

Jedes Gespräch hat einen Inhalts- und Beziehungsaspekt. Und der Beziehungsaspekt steuert den Inhaltsaspekt (Watzlawick/ Beavin/ Jackson 1974). Dies gilt gleichermaßen für Elterngespräche: Auch sie werden durch Beziehung gesteuert. Mehr noch: Elterngespräche stecken in einer doppelten Beziehungsproblematik: Da lenken Beziehungen zwischen Erzieherinnen und Eltern das Gesprächsgeschehen; zusätzlich ist der Inhalt des Elterngesprächs ein Gespräch über Beziehungen. Denn die Erziehung der Kinder ist keine neutrale Angelegenheit, sondern eine Frage von Beziehungen und ihrer Gestaltung. Wenn beispielsweise Eltern über die Zukunftsvorstellungen reden, wenn sie Erwartungen und Wünsche formulieren, wie ihre Kinder ihr Leben gestalten sollen, so handelt es sich um Sorgen, Ängste, Hoffnungen und Wünsche der Eltern.

Das Steuerrad der Emotionen: Meta-Emotionalität

Der amerikanische Psychologe John Gottman (1998) hat sich über Jahrzehnte mit der Analyse von Gesprächen, die Ehepaare führten, beschäftigt. Sein Forschungsinteresse: Welche Interaktions- und Kommunikationsformen gewährleisten Dauer und Stabilität in Beziehungen, vor allem dann, wenn Krisen und Konflikte eine Partnerschaft erfassen?

Dreh- und Angelpunkt für Fortbestand und Lebendigkeit einer Beziehung ist die Art und Weise, wie schwierige Angelegenheiten, Konflikte und Meinungsverschiedenheiten geregelt werden. Eine generelle Empfehlung für schwierige Gespräche von Gottman: "Verstärken Sie das Positive, ohne das Negative unter den Teppich zu kehren."

Das bewusste Eingehen auf Gefühle und die konstante Auseinandersetzung mit Gefühlen wird von Gottman als Meta-Emotionalität bezeichnet. Die Ergebnisse aus den Untersuchungen zur Meta-Emotionalität wurden von Gottman zu einem Konzept verknüpft, das Prinzipien beschreibt und praktische Anregungen gibt, wie Gespräche Beziehungen festigen und Kontakte vertiefen können.

"Gefühle sitzen im Bauch!" - eine Alltagsweisheit - und doch ist vieles richtig an dieser Behauptung. Denn das Gespräch der Gefühle läuft neben den Worten einher. Es ist geradezu ein Wetterleuchten des Körpers, wenn er zuckt, sich streckt, zittert, fuchtelt, offen wird und auffordert. Körperliche Reaktionen sind der sichere Beweis, dass Ängste, Hemmungen und Sorgen mitschwingen oder dass sich der Gesprächspartner zuversichtlich, hoffnungsvoll oder froh gestimmt fühlt, kann Gottman aufgrund seiner Beobachtungen behaupten.

Emotionen in Elterngesprächen handhaben ist daher ein Achten und Eingehen auf die Körpersprache der Gesprächspartner/innen. Nicht das Reden über Gefühle ist die Hauptsache, sondern das genaue Hinschauen und das Annehmen der Eltern. Zwei Aufgaben lassen sich festlegen:

  1. Giftige Emotionen erkennen und unschädlich machen.
  2. Emotionen den richtigen Lauf geben.

Emotionale Giftpfeile unschädlich machen!

Auseinandersetzungen über Meinungsverschiedenheiten, unterschiedliche Erwartungen, Probleme und Konflikte schlagen schnell einen Weg ein, der Beziehungen blockiert oder ganz abbrechen lässt. Es entsteht eine Spirale der Negation, wie Gottman sie nennt. Sie vergiftet jedes Gespräch und würgt Kooperation ab. Dabei ist folgender Verlauf charakteristisch: Verletzende Kritik -> Verachtung -> Abwehr -> Abblocken.

Giftpfeil: Verletzende Kritik

Kritik schadet keineswegs den guten Beziehungen. "Viele denken, es sei ein Witz", formuliert Gottman, "Konflikte, Streitereien, Meinungsverschiedenheiten könne der Lebensquell in Beziehungen werden." Entscheidend ist jedoch, wie Kritik und Streit ausgetragen werden: Wenn Kritik nicht das konkrete Verhalten anspricht, sondern auf die Person und den Charakter des Gesprächspartners gerichtet ist, so ist sie verletzend. Und die Beziehungen gehen in Brüche.

Kennzeichen schädlicher Kritik sind: Ein globaler und grundsätzlicher Vorwurf, der den Gesprächspartner insgesamt in Frage stellt. Signalwörter sind: "Immer, nie, grundsätzlich, überall." Auch in Elterngesprächen müssen die überzogenen Unterstellungen gestrichen werden, die mit "immer, nie, grundsätzlich und überall" beginnen. Beispielsweise: "Sie sind die einzige Mutter, der es nie gelingt, ihr Kind pünktlich in den Kindergarten zu bringen!"

Wie kann Kritik so vorgetragen werden, dass sie Beziehungen aufbaut und festigt? Eine Hilfe ist hierzu die XYZ-Formel. Beispiel: Als Sie sich X in der Situation Y verhielten, habe ich mich Z gefühlt. Konkretisiert: "Als Sie vergangenen Mittwoch den Gesprächstermin absagten, war ich enttäuscht."

Die Formel braucht eine Ergänzung dahingehend: Kritik möglichst konkret und genau zu formulieren. Versuchen Sie es mit dem Beispiel der unpünktlichen Mutter!

Giftpfeil: Verachtung

Verletzende Kritik ist ein Angriff auf den Gesprächspartner. Meist geht sie einher mit Verachtung. Verachtung will den Gesprächspartner beleidigen. "Mit Ihren Worten und Ihrer Körpersprache schleudern Sie Ihre Beleidigungen direkt gegen das Selbstgefühl Ihres Partners. Gespeist werden diese verächtlichen Verhaltensweisen durch negative Gedanken über Ihren Partner - er ist dumm, widerwärtig, unfähig, ein Narr" (a.a.O., S. 95).

Verachtung ist wie ein Schlag ins Gesicht. Deutlich zeigen sich Angst, Unzufriedenheit und Hilflosigkeit in den körperlichen Reaktionen des Gesprächspartners: "In ihrer subtilsten Form wird Verachtung durch schnelle Veränderung der Gesichtsmuskeln ausgedrückt. Zu den Zeichen von Verachtung oder Widerwillen gehören spöttisches Lächeln, das Verdrehen der Augen, das Kräuseln der Oberlippe. Bei unseren Forschungen war der Gesichtsausdruck mitunter der deutlichste Hinweis darauf, dass zwischen einem Paar etwas nicht stimmt." (a.a.O., S. 97).

"Wir verachten doch unsere Eltern nicht!" ist die entrüstete Zurückweisung von Pädagogen/innen. Und doch zeigen genaue Beobachtungen, dass einige Verhaltensweisen in Elterngesprächen als Signale des Nicht-Ernst-Nehmens gedeutet werden können: Beispielsweise, wenn Gesprächsleiterinnen in ihren Unterlagen blättern, während die Eltern erzählen, oder wenn eine komische Äußerung mit schallendem Gelächter begleitet wird.

Giftpfeil: Abwehr

Abwehreaktionen haben mehrere Gesichter, z.B. "Jemand ins Leere laufen lassen" und "Sich herauswinden". Ein Vorwurf geht ins Leere, wenn die Zuständigkeit und Verantwortung geleugnet werden. Ein Beispiel aus einem Elterngespräch: Mutter: "Immer, wenn Sie im Kindergarten die Kinder malen lassen, dann ist das Kleid meiner Tochter voller Farben." Erzieherin: "Dafür können wir keine Verantwortung übernehmen. Bei 25 Kindern in der Gruppe kämen wir nie zum Malen, wenn wir auch noch auf die Kleidung der Kinder achten müssten."

Herauswinden, oder "Aalglätte", ist ein beliebtes Muster der Abwehr: Entweder geht der Gesprächspartner kommentarlos zu einem anderen Thema über oder er windet sich aus dem Vorwurf heraus, indem er beschwichtigt. Beispiel: "Bei Kindern ist das ganz normal." Oder: "Damit müssen Sie sich abfinden, Kinder sind immer schmutzig."

Abwehrende Bemerkungen werden häufig auch mit "Ja, aber..." eingeleitet oder arten in Jammern aus.

Wenn ein Gespräch in das Fahrwasser der Abwehr abgeglitten ist, dann lässt sich dies deutlich und mit großer Gewissheit an körperlichen Reaktionen ablesen. "Zu den körperlichen Zeichen der Abwehr gehören ein falsches Lächeln (die Mundwinkel werden hochgezogen, aber die Augen verändern sich nicht), das Hin- und Herbewegen des Körpers (als würde man einem Schlag ausweichen) und das Verschränken der Arme vor der Brust. Manchmal spielen Frauen, die auf Abwehr eingestellt sind, an ihrem Hals herum, als würden sie eine Kette tragen." (a.a.O., S. 108).

Giftpfeil: Abblocken

Abwehr steigert sich bis zum Abblocken. Kann Abwehr noch als schlechte Kommunikation bezeichnet werden, so ist Abblocken der Garaus jeder Kommunikation. Der Gesprächspartner verweigert das Gespräch und zieht sich zurück. Dies zeigt sich in konkreten Verhaltensweisen: Es werden keine Reaktionen mehr auf das Gesagte deutlich. Der Gesprächspartner sitzt stumm da, schaut wie gebannt auf die Decke, schaut zum Fenster hinaus, schaut auf die Uhr oder zeigt andere Verhaltensweisen der Abneigung und Missbilligung. In dieser Gesprächssituation wird zweifellos deutlich: Das Gespräch ist am Ende.

Emotionen im Elterngespräch richtig handhaben!

Ein Gespräch, das durchlöchert von Giftpfeilen ist, ist nicht hoffnungslos. Konfliktgespräche müssen nicht zwangsläufig in Unverständnis und Beziehungsabbruch enden. Die beschriebenen negativen Verhaltensweisen können entkräftet werden. Eine wichtige Erkenntnis auch für Elterngespräche! Forschungen zur Meta-Emotionalität zeigen: Negative Interaktionsmuster sind nicht das Ende eines Gesprächs oder einer Beziehung, vielmehr können sie zu einem Impuls der Vertiefung und Offenheit werden.

Wie werden Emotionen in Elterngesprächen richtig einbezogen? Wie gelingt es, die beschriebenen Giftpfeile abzufangen? Und wie können vergiftete Gespräche wieder saniert werden?

Auf den ersten Blick scheinen es Nebensächlichkeiten zu sein, die die Emotionen steuern sollten. Denn die Gefühle werden meist nicht direkt angegangen, vielmehr werden eher durch die Hintertür gute Voraussetzungen für eine gedeihliche Gesprächsbasis gelegt.

Vor Konfliktgesprächen entspannen!

Entspannt, beruhigt und ausgeglichen in eine problemträchtige Beratung zu gehen, ist nicht nur ein Ratschlag erfahrener Gesprächsleiter/innen, vielmehr handelt es sich um eine physiologisch nachweisbare Vorbedingungen. Die Untersuchungen Gottmans beweisen: Wenn die Gesprächspartner einen erhöhten Pulsschlag aufweisen und unter Spannung und Stress stehen, so werden im Körper größere Mengen von Adrenalin frei. Sie lösen panikartige Kampf- und Stressreaktionen aus, die jede Aufnahme einer Lösung und jede kreative Reaktion verhindern. Die Blockaden durch Stress sind so weitreichend, dass Möglichkeiten des produktiven rationalen Urteilens eingeschränkt sind und dass eine differenzierte Wahrnehmung der eigenen Gefühle und der Gefühle des Gesprächspartners blockiert ist. Äußerst miserable Bedingungen für die Lösung schwieriger Anliegen! Eine denkbar ungünstige Voraussetzung, mit Eltern schwierige Gespräche zu führen!

Deshalb gibt Gottman mehrere Hinweise, wie durch Entspannungsmethoden eine tragfähige Einstellung für Konflikte zu erreichen sei: Kurzentspannung durch Strecken, isometrische Übungen, Atemübungen, Meditation, kinesiologische Übungen, Phantasiereisen. Jede Erzieherin wird ihre Vorlieben entwickeln, durch welche Entspannungsmethode sie sich angemessen auf ein Gespräch einstellen kann.

Nehmen Sie Kontakt zu Ihren Gefühlen auf!

Viele Menschen sind eher geneigt, die negativen Gefühle und Einstellungen zu unterdrücken oder zu verdecken. Wenn Konflikte und Meinungsverschiedenheiten verhandelt werden, so ist dies immer mit einer Portion negativer Gefühle verbunden. Wenn sich jemand vor einem Gespräch diese Emotionen bewusst macht, so kann er sie offener ansprechen und somit das Gespräch ehrlich führen. Dadurch gewinnt das Gespräch an Offenheit und persönlicher Tiefe. Es dringt durch die Oberfläche der sachlichen Konversation durch und führt zu einer echten Betroffenheit. Für Elterngespräche eine Verpflichtung! Elterngespräche, die vorsichtig und behutsam nur Informationen austauschen oder die über das Verhalten des Kindes informieren, vergeben viele Chancen.

Den eigenen Gefühlen nachspüren heißt auch, die oftmals unterschiedlich und widersprechenden eigenen Gefühle wahrnehmen. Denn die meisten Konfliktgespräche sind nicht nur von negativen Gefühlen begleitet, vielmehr besteht auch ein Interesse an den Eltern. Dies ist wiederum mit positiven Emotionen verbunden, und es ist für spannungsreiche Gespräche befruchtend, auch diese Gefühle zu äußern.

Achten Sie auf Körperreaktionen!

Es ist Gottmans besonderes Verdienst, die Analysen der Gespräche äußerst differenziert und vielschichtig vorgenommen zu haben. Daher wurden auch die körperlichen Reaktionen in Konfliktgesprächen genau und detailreich beschrieben, denn sie sind ein sehr wichtiger Hinweis darauf, mit welchen Emotionen das Gespräch verbunden ist. Besonders empfiehlt Gottman, im Gesichtsausdruck des Gesprächspartners zu lesen. Zuerst ist jedoch der Gesprächspartner in entspanntem Zustand zu beobachten, denn dies ist der Ausgangspunkt zur Veränderung des Gesichtes. Daraufhin ist der Gesichtsausdruck ein vielsagendes Signal für die innere Betroffenheit des Gesprächspartners.

Wirken Sie beruhigend auf den Gesprächspartner!

Beruhigung und Entspannung in Konfliktgesprächen braucht auch der Gesprächspartner. Deutliche Signale, dass der Gesprächspartner unter Druck gerät, sind körperliche Reaktionen. Jeder hat sie schon an sich selbst erlebt, wenn er unter Stress reden soll: Unruhig auf dem Stuhl herum rutschen, an der Kleidung nesteln, die Hand vor das Kinn halten, sich am Kopf kratzen, mit dem ganzen Körper wippen, poppeln.

Ein Teufelskreis von Anspannung und Stress wird initiiert, wenn diese Spannungen missachtet werden oder aus Ängstlichkeit bewusst ignoriert werden. Denn der Stress des Nichtbeachtens wird beim Gesprächsleiter/in erkennbar, was wiederum den Gesprächspartner noch mehr beunruhigt. Erste Abhilfe ist, den Stress und die Anspannung anzusprechen.

Geradezu ein Wundermittel der Entkrampfung und der Schaffung einer wohlwollenden und angenehmen Atmosphäre ist Anerkennung. "Es freut mich, mit Ihnen offen das Problem beraten zu können..." - "Es ist sehr mutig und lobenswert, dass Sie sich diesem Konflikt stellen..." Dies sind Formulierungen, die beim Gesprächspartner einen Schub an Offenheit und Vertrauen auslösen.

Pausen einlegen bzw. kurze Unterbrechungen des Gesprächs sind sehr hilfreich, den momentanen Gefühlsstau zu lockern, Stress und Anspannung zu mildern. Die Frage, ob der Gesprächspartner eine Getränk wünscht, oder das Herbeiholen von Süßigkeiten bzw. Gebäck ist oftmals eine willkommene Unterbrechung.

Erzieherinnen sind sich häufig darüber nicht im Klaren, dass Eltern aus mehreren Gründen in einem Elterngespräch sehr stressanfällig sind. Die Erzieherin hat sozusagen das Heimrecht, sie agiert in einer ihr gewohnten Umgebung. Weiterhin hat die Erzieherin eine Reihe von Machtmittel an der Hand: Sie beginnt das Gespräch, kann das Ende festsetzen, kann Unterbrechungen einsetzen und hat einen Wissensvorsprung darüber, wie sich das Kind im Kindergarten verhält. Daher soll es ein Anliegen der Pädagoginnen sein, für die Eltern ein Gespräch möglichst angenehm und stressfrei zu gestalten.

Sprechen Sie ohne Abwehr!

Abwehr wird durchbrochen durch Lob und Anerkennung. Dadurch wird eine neue Grundlage für Beziehungen geschaffen. Weil es den meisten Menschen äußerst schwer fällt, spontan Lob und Anerkennung zu äußern, rät Gottman, vor dem Gespräch eine Liste anzulegen, was alles positiv über den Gesprächspartner gesagt werden kann.

Fingerspitzengefühl erfordert vom Gesprächsleiter, auf Ärger und Verletzungen angemessen zu reagieren. Die Spirale der Negation beginnt sich zu drehen, wenn nach Entschuldigungen gesucht wird oder der Ärger abgetan und verdeckt wird. Geradezu alltägliche Reaktionsweisen! Die meisten Menschen denken, durch Entschuldigungen und Erklärungen den Ärger ausweichen zu können.

Schreiben Sie Ihr inneres Drehbuch um!

Die Untersuchungen Gottmans machen deutlich: Die meisten Menschen sind bei Meinungsverschiedenheiten, Konfliktgesprächen und Streitereien darauf aus, den anderen zu bekämpfen, die eigene Überlegenheit auszuspielen. Begleitet wird das Gespräch von Gedanken folgender Art: "Das hat mich wirklich verletzt." - "Ich bin wütend und gekränkt" - "Ich werde es Ihnen schon noch zeigen. Ich werde diesen Vorwurf schon noch heimzahlen." - "Was denken sich diese Eltern, ich bin doch die Fachfrau für die Kindergartenerziehung!" - "Das muss ich mir nicht gefallen lassen, denn ich habe ein pädagogisches Konzept."

Diese spannungsgeladenen Gedanken blockieren und hemmen Gespräche im hohen Maße. Abhilfe schafft in diesem Dilemma die Veränderung des inneren Drehbuches bei der Gesprächsleiterin. Dies erfordert ein Umdenken und eine neue innere Einstellung zum Gesprächspartner. Hilfreich können folgende Anregungen sein: "Reg dich nicht auf. Atme tief durch. Das darfst du nicht persönlich nehmen. Es gibt viele Dinge, die ich am Gesprächspartner bewundere."

Messungen der Reaktionen beim Gesprächsleiter haben deutlich gemacht: Wenn er verärgert, erregt und missmutig ist, dann atmet er nur noch sehr flach. Das Gehirn wird mit wesentlich weniger Sauerstoff versorgt und ist somit nur noch sehr beschränkt arbeitsfähig und untauglich für Lösungen.

Emotionen gleich welcher Art sind eine Quelle der Kraft und der Energie. Vorwürfe, Kritik und Wut sind auch ein Zeichen dafür, dass den Eltern die Frage und die Angelegenheit sehr wichtig sind. Sie sind somit auch ein positives Zeichen für ihr Engagement, für ihre Sorgen und ihre Verantwortung.

"Schreib dein Drehbuch um!" Diese Aufforderung scheint nicht in unseren Alltag zu passen. Denn es zeigt sich immer wieder in Gesprächstrainings, dass es vielen Teilnehmern/innen äußerst schwer fällt, eine negative Aussage in eine positive umzuformulieren. Machen Sie den Versuch und geben Sie folgenden Aussagen ein positives Gesicht! "Ihr Kind ist äußerst unruhig..." - "Die Angebote dieses Kindergartens sind ein heilloses Durcheinander..."

Geben Sie Bestätigung!

Bestätigung bedeutet nicht, allen Aussagen der Eltern zuzustimmen, sondern ist ein Versetzen in die Lage des Gesprächspartners und ein Versuch, seine Emotionen zu verstehen. Das Minimum an Bestätigung ist, dem Gesprächspartner zu versichern "Ja, ich weiß, dass Sie das aufregt." Weitere Schritte sind: Verantwortung übernehmen und sich für Versäumnisse zu entschuldigen.

Eine durchgreifende Wirkung haben Komplimente. Wenn bei Meinungsverschiedenheiten und im Streit es der Gesprächsleiterin möglich ist, Bewunderung auszusprechen, so schafft dies eine positive Wirkung und eine hervorragende Voraussetzung für Lösungen.

Ein Plan für das Gespräch!

Jedem dürfte klar sein: Ein schwieriges Gespräch, die Lösung eines Konfliktes ist wenig erfolgversprechend in einem kurzem spontanen Stegreifgespräch. Daher ist eine überlegte Planung ein Garant für einen zufriedenstellenden Ausgang. Hauptgesichtspunkte der Planung sind: Ort, Zeit und Inhalt.

Ein schwieriges Gespräch braucht einen ungestörten Raum, einen Raum, der einladend wirkt. "Tun Sie etwas für die Romantik", fordert Gottman. Darunter fallen Symbole des Wohlwollens und der Annahme, z.B. Aufstellen von Blumen, das Vorbereiten von Getränken usw.

Weiterhin soll ein ertragreicher Zeitpunkt gewählt werden. Nach einem anstrengendem Arbeitstag wird es sehr schwer sein, sich voll und ganz auf die Aussagen des Gesprächspartners zu konzentrieren. Für beide Gesprächspartner soll daher der Zeitpunkt so gewählt werden, dass möglichst Kraft und Energie noch zur Verfügung stehen.

Neben dem Zeitpunkt ist auch der Zeitumfang wichtig: Es ist günstiger, den Zeitrahmen reichlicher einzuschätzen, als dann unter Zeitbedrängnis zu geraten. Denn wenn das Gespräch auf einen guten Weg zu einer Lösung ist und abgebrochen werden muss, so lässt es sich nur unter großen Schwierigkeiten nochmals dahin gelangen. Zur richtigen Zeiteinteilung trägt bei, zu Beginn des Gespräches darauf zu verweisen, welcher Zeitrahmen zur Verfügung steht.

Auch eine inhaltliche Vorbereitung des Gespräches ist effektiv, wenn konfliktträchtige Punkte zu erwarten sind. Für ein Elterngespräch ist Pflicht, sich die Beobachtungen zum kindlichen Verhalten zu vergegenwärtigen.

Zusammenfassung

Elterngespräche sind dicht gedrängt mit Emotionen. Meist werden sie nicht direkt und klar ausgedrückt, sondern sind verdeckt durch sachliche Überlegungen und Informationen. Daher besteht auch durchwegs die Gefahr, dass Elterngespräche in die Bahn des Negativen hineinschlittern. Da bei den meisten Menschen das Gespür für Emotionen verschüttet ist, wird sehr häufig nicht bemerkt, wenn erste Reaktionen der Abwehr und des Abblockens auftauchen. Häufig weiß man nicht, wie negative Gefühle zu behandeln sind und wie sie in positive gewandelt werden können.

Nochmals J. Gottman: Es sind die Emotionen im Gespräch - seien es positive oder negative - die zum Lebensquell einer tiefen Beziehung werden können. Eine Ergänzung: Diese Beziehung kann in Kindertageseinrichtungen zu einer partnerschaftlichen Kooperation mit Eltern führen!

Literatur

Gottman, J.: Laß uns einfach glücklich sein! Der Schlüssel zu einer harmonischen Partnerschaft. München 1998

Watzlawick, P./Beavin, J.H./Jackson, D.D.: Menschliche Kommunikation. Formen, Störungen, Paradoxien. Bern, 4. Aufl. 1974