Rezension

Gabriele Bäck, Michaela Hajszan, Natalie Bayer-Chisté: Praktisch didaktisch - Grundlagen der Kindergartendidaktik. Wien: G&G Verlagsgesellschaft 2008, 160 Seiten, EUR 18,00 - direkt bestellen durch Anklicken

 

Endlich eine fundierte und basisnahe Publikation zur Kindergartendidaktik!

Der Kindergarten als elementare Bildungseinrichtung bedarf einer grundlegenden Auseinandersetzung mit seiner Didaktik - praxisnah, wissenschaftlich fundiert, orientiert an den gegenwärtigen gesellschaftlichen Bedingungen und Notwendigkeiten. Diesen Anforderungen wird die vorliegende Publikation gerecht. Sie verbindet die Didaktik mit

  • der Beobachtung,
  • der Dokumentation,
  • den Grundlagen des Lernens,
  • der Erziehungs- und Bildungspartnerschaft mit Eltern,
  • den Anforderungen an das Team der Kita sowie
  • der notwendigen pädagogischen Qualität.

Übersichtlich und klar strukturiert, verständlich und motivierend wird der Leser an die komplexe Materie herangeführt. Beginnt er zu lesen, dann wird er das Buch nicht mehr so schnell aus der Hand legen. Er wird neugierig auf die weiteren Inhalte, gerät fast automatisch in die Reflexion des eigenen Tuns und beginnt unbemerkt seine eigene prozesshafte Weiterentwicklung. Lebenslanges Lernen ist das ungeschriebene Motto der Ausführungen.

Gratulation den Autorinnen! Es gelingt ihnen, die Leser/innen im Praxisfeld abzuholen und sie neugierig werden zu lassen auf aktuelle wissenschaftliche und praxisrelevante Forschungsergebnisse, indem sie an den Erfahrungen der Pädagog/innen andocken. Der Verzicht auf Fremdwörter und komplizierte Textaussagen erleichtert nicht nur das Lesen, sondern lässt das Buch zu einem alltagstauglichen "Handwerkszeug" werden.

Eine Leseprobe: "Lernanregungen und -angebote dienen dazu, die Entwicklung und Ausdifferenzierung kindlicher Kompetenzen zu unterstützen. Kompetenzentwicklung wird als dynamischer Prozess verstanden, der im wechselseitigen Austausch zwischen dem Kind und seiner Umwelt abläuft... Selbstkompetenz bedeutet u.a. sich seiner selbst und seiner eigenen Fähigkeiten bewusst zu sein sowie selbstverantwortlich, eigeninitiativ und unabhängig zu handeln... Neugierde und Forscherdrang sind die Motoren vieler Lernprozesse. Forschen, Entdecken und Experimentieren sind daher Lernformen, für die im Kindergarten viel Zeit und Raum, viele Gelegenheiten und Anlässe und nicht zuletzt auch eine geeignete materielle Ausstattung vorhanden sein müssen. Beim Forschen lernen die Kinder vor allem durch den handelnden Umgang mit ihrer Umwelt und haben dabei die Gelegenheit, aus vielen unterschiedlichen Situationen und Beispielen allgemeine Regeln und immer wiederkehrende Zusammenhänge zu erfahren."

Eine Sprache, von der viele unserer Bildungsprogramme und Ländercurricula profitieren könnten!

Die theoretischen Grundlagen liefern unverzichtbares Basiswissen, initiieren Denkanstöße für die Praxis und unterstützen das In-Gang-Setzen von innovativen, kindorientierten Bildungs- und Lernprozessen im Kindergarten. Der Nicht-Pädagoge erhält einen verständlichen Einblick in die Bedeutung des Kindergartens für die frühkindliche Bildung und das lebenslange Lernen.

Ingeborg Becker-Textor