Rezension der 1. Auflage

Christel van Dieken: Was Krippenkinder brauchen. Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern unter 3 Jahren. Freiburg, Basel, Wien: Herder 2012, 144 Seiten, EUR 19,99 - direkt bestellen durch Anklicken

 

In diesem Taschenbuch stellt die Diplom-Pädagogin und Fachberaterin Christel van Dieken zunächst verschiedene Formen der Betreuung von unter Dreijährigen vor: die Kinderkrippe (wobei sie diesen Begriff abschaffen und z.B. durch "Basisgruppe" oder "Nest" ersetzen möchte), die Spiel- oder Schnuppergruppe, die Tagesmutter (wobei sie deren Qualifikation problematisiert) und die Kindertageseinrichtung mit einer eigenen Gruppe für unter Dreijährige oder mit weit altersgemischten Gruppen (wobei diese auch halboffen oder offen sein können). Sie bevorzugt die letztgenannte Betreuungsform, wobei alle drei Unterformen bei entsprechenden Rahmenbedingungen für unter Dreijährige geeignet seien. Beispielsweise sollte der Erzieherin-Kind-Schlüssel 1:3 bis 1:3,5 und die Gruppengröße maximal 15 Kinder betragen - wobei nicht problematisiert wird, dass in der Realität die für notwendig erachteten Rahmenbedingungen nur sehr selten gegeben sind.

Van Dieken skizziert dann die Entwicklung von unter Dreijährigen, betont die Bedeutung der Sinneserfahrung und der Selbstbildung, plädiert aufgrund der Erkenntnisse der Hirnforschung für eine anregungsreiche Umgebung, spricht sich für die Ausstattung der Räume mit vielen verschiedenen Spiegeln aus und befasst sich mit der Identitäts- und der emotionalen Entwicklung. Dazu benötigt sie noch nicht einmal 22 Seiten - es bleibt also alles sehr oberflächlich.

Anschließend geht die Autorin auf die Eingewöhnung von unter Dreijährigen ein. In diesem Kontext referiert sie kurz die Bindungstheorie und das Eingewöhnungsmodell von Infans. Ein zweiseitiger Elternbrief verdeutlicht das Konzept der sanften Eingewöhnung.

Im nächsten Teil des Taschenbuches werden die Anforderungen an Erzieher/innen beschrieben, die mit unter Dreijährigen arbeiten. Ihre Rolle wird als die einer Entwicklungsbegleiterin definiert, die vor allem für die Beobachtung und Dokumentation zuständig ist und dabei verschiedene, nur kurz mit den Bezugsquellen aufgelistete Beobachtungsverfahren einsetzen kann.

Etwas ausführlicher geht van Dieken dann auf die Raumgestaltung ein, während Tagesablauf, das Bringen und Abholen der Kinder, Rituale, Feste, Gestaltung von Mahlzeiten, Schlafzeiten, Körperpflege, Wickeln und Sauberkeitserziehung (mit einem weiteren Elternbrief) knapper behandelt werden.

Für die Bildungsarbeit mit unter Dreijährigen reichen der Autorin 30 Seiten, die voller Plattitüden stecken: "Sprache entwickeln bedeutet, Mimik auszuprobieren, Laute zu produzieren, Körpersprache zu entwickeln, nachzuahmen, sich zu verständigen, zu lächeln und zu lachen, zu kommunizieren, sich mitzuteilen, gehört zu werden und zu antworten" (S. 116, ohne Aufzählungszeichen). Und "Spielideen für eine lustvolle Kommunikation mit Kindern" sind z.B. "Bilderbücher, Verse, Reime sprechen, Fingerspiele machen, Lieder singen, Spiel mit Handpuppen machen, Puppenspiele, Spiele mit dem Schlauchtelefon" (S. 122, ohne Aufzählungszeichen). Auf solche Art und Weise werden die Bildungsbereiche Sprache und Kommunikation, Malen und Gestalten, Bewegung, mathematische Grunderfahrungen und naturwissenschaftliche Erfahrungen abgehandelt, bevor auf zwei Seiten noch Spielmaterialien wie "Pappe, Wellpappe, Krepppapier, Tempotaschentücher, Toilettenpapier, Fell, Stoff, Samt, Leder, Frottee, Tapeten, Kronkorken, Korken, Holz, Gummiband" (S. 146) aufgelistet werden.

Abschließend wird die Elternarbeit auf sechs Seiten abgehandelt plus einem einseitigen Fragebogen für das Aufnahmegespräch ("Mein Lieblingsessen ist..., "Meine Lieblingsfarbe ist...", Zu Hause sprechen wir...") und einem einseitigen Leitfaden zur Durchführung eines Entwicklungsgespräches.

Fazit: Das Buch ist sehr oberflächlich geschrieben; die Inhalte dürften jeder Erzieherin bekannt sein. Besonders stören die vielen Plattitüden und Auflistungen selbstverständlicher Dinge/ Aspekte.

Martin R. Textor