Rezension

Schlunz: Noch mehr Wuschel Geschichten. Bad Lippspringe: GrünerSinn Verlag 2016, 112 Seiten, EUR 19,95 - direkt bestellen durch Anklicken

 

Der Illustrator, Grafiker und Autor Schlunz hat Comic-Strips erstellt, an Game-Projekten mitgewirkt und Merchandising für Bands wie "Die Ärzte" betrieben. Seitdem er vegan lebt und sich für Tierrechte einsetzt, hat er mehrere Wuschel Geschichten für Kinder geschrieben und farbenfroh illustriert. Drei Episoden werden in dem vorliegenden Buch kindgerecht erzählt und liebevoll dargestellt.

Wuschel ist ein kleiner veganer Bär, der mit seiner Mutter und dem Schwein Rosa in einem Haus mitten im Wald lebt. Die erste Geschichte handelt vom ersten Schultag nach den Ferien. In der Klasse sitzt er neben Gina, in die er verliebt ist. In der Pause gibt er ihr eines seiner Brote und sagt, dass da nichts von Tieren drin sei, weil er nun vegan leben würde. Auch Gerdi bietet ihr ein Brot an, auf dem allerdings Fisch ist. Daraus entwickelt sich ein Streit, der von einem lauten Tschiepen unterbrochen wird: Ein Vogelküken ist aus dem Nest gefallen, und auch der "Fleischliebhaber" Gerdi möchte es retten. Aber nur Wuschel hat den Mut, auf den hohen Baum zu klettern...

In der zweiten Geschichte kommt Papa Bär nach vielen Wochen Abwesenheit zu Besuch und bringt einen toten Karpfen zum Essen mit. Wuschel fürchtet, dass dies sein Freund aus dem Teich sein könnte, rennt heimlich davon und springt in das Wasser, um ihn zu suchen. Mama Bär erzählt inzwischen, dass sie und Wuschel nun vegan leben. Unter Führung des Schweins Rosa machen sich die beiden Erwachsenen auf die Suche nach Wuschel, der inzwischen mit "seinem" Karpfen gesprochen hat. Papa Bär verspricht, nun auch vegan leben zu wollen, und gemeinsam beerdigen sie den toten Fisch.

In der dritten Geschichte will Wuschel die Menschenkinder Flo und Yannis besuchen, die am Rande des Bärenwaldes leben. Auf dem Hof wird er von einem "riesigen Schaf mit Reißzähnen" (einem Hund) erschreckt und flüchtet auf die Ladefläche eines Kleintransporters. In diesem Moment fährt das Auto los, und Wuschel landet in einer großen Stadt. Als die Menschen ihn sehen, sind sie sehr aufgeregt, und an kreischenden Frauen vorbei rennt Wuschel in Panik davon. Er bleibt vor einer Metzgerei stehen und schaut erschrocken auf all die Teile toter Tiere. Da kommen Flo und Yannis mit ihrem Vater (der den Kleintransporter gefahren hat) um die Ecke, trösten ihn und nehmen ihn mit in ein veganes Restaurant - auch sie essen nämlich weder Fleisch noch Fisch. Nach der Rückkehr von seinem Abenteuer umarmt Wuschel als allererstes sein Schwein Rosa...

In meiner Korrespondenz mit Schlunz beschreibt dieser, was er mit den Wuschel Geschichten bezweckt: "Sie regen zum Lachen und Nachdenken an und ... bieten der steigenden Zahl vegan aufwachsender Kinder Identifikationspunkte. ... [Sie werfen] Fragen über Menschen, Tiere, Freundschaft und Gefühle auf. Ebenso vermitteln sie unvegan lebenden Kindern zumindest Verständnis für das Thema, was als Nebeneffekt die Ausgrenzung vegan lebender Kinder schmälern dürfte". So wird ein respektvolles Miteinander auch mit Andersdenkenden möglich!

Martin R. Textor