Rezension

Nana Rademacher: Wir waren hier. Ravensburg: Ravensburger Buchverlag 2016, 347 Seiten, EUR 14,99 - direkt bestellen durch Anklicken

 

Berlin im Jahr 2039: Nach Ressourcen- und Bürgerkriegen ist die Stadt weitgehend zerstört; das Umland ist durch eine explodierte Chemiefabrik und ein leckendes AKW verwüstet worden. Ein Großteil der Berliner ist gestorben; die übrigen leben in Ruinen - zumeist ohne Heizung, Strom und fließendes Wasser - und werden sporadisch von der Militärregierung mit Lebensmitteln versorgt. Immer wieder werden Menschen in Straßenkämpfen zwischen Aufständischen und Soldaten getötet, verhungern oder erfrieren.

In diesem Chaos lebt die 15-jährige Anna mit ihren Eltern. Heimlich führt sie ein Blog im Internet, das weitgehend zusammengebrochen ist und von der "WePo" kontrolliert wird. An einem Tag im Oktober wird sie überraschend von einem Jungen namens Ben kontaktiert, der in Hamburg lebt. Über ein halbes Jahr hinweg entwickelt sich eine Korrespondenz, die immer nur aus einigen Sätzen besteht - aus Angst, von der "WePo" lokalisiert zu werden.

Nachdem ein Bruder - der letzte Angehörige von Ben - gestorben ist, macht sich dieser auf den Fußmarsch nach Berlin und verabredet sich mit Anna an der Gedächtniskirche. Die beiden verlieben sich und treffen sich heimlich. Ben schlägt sich irgendwie durch, aber wenige Tage später verschwindet er. Einige Monate danach sterben Annas Eltern, und sie zieht sich auf das Dach der Ruine zurück, um ebenfalls zu sterben. Als sie nochmals online geht, meldet sich Ben auf einmal wieder und rettet sie im letzten Augenblick.

Und wie geht es weiter? Haben Anna und Ben eine gemeinsame Zukunft? Werden sie von den Soldaten gefangen genommen oder schließen sie sich den Aufständischen an? Bleiben sie in Berlin oder verlassen sie die Stadt? Und kommt Ben wirklich aus Hamburg? Die Antworten auf diese Fragen finden Sie in dem spannenden Jugendbuch von Nana Rademacher - mehr wird an dieser Stelle nicht verraten...

Martin R. Textor