Rezension

Niki Glattauer, Verena Hochleitner: Flucht. Innsbruck, Wien: Tyrolia 2016, 32 Seiten, EUR 14,95 - direkt bestellen durch Anklicken

 

"Katzen haben sieben Leben, heißt es, darum haben sie mich mitgenommen. Vater hat gesagt: Das wären dann elf. Die können wir auf dem Meer gebrauchen".

(Selbst wenn es im Volksmund heißt, Katzen hätten sieben Leben - Katzen haben doch nur eins. Dass man auf diese Idee kam, hat verschiedene Ursachen: Zum einen können Katzen aus hoher Höhe hinunterfallen - und landen doch auf den Pfoten. Das nennt man den Stellreflex. Während sich Menschen oder andere Tiere bei solch einem Fall verletzen würden, kommen die Katzen unbeschadet davon - das war früher sicher nicht so einfach zu erklären. Und so glaubte man, die Katze sei auf diese Art kaum zu verletzen oder zu töten. Und sie hätte im Gegensatz zu uns Menschen einfach mehr als ein Leben. Quelle: http://www.wasistwas.de/archiv-natur-tiere-details/woher-kommt-der-ausdruck-katzen-haben-sieben-leben.html)

Die Katze in dem Bilderbuch heißt E.T. - wie der Außerirdische im Film von Steven Spielberg. Die Katze wurde ihrer sieben Leben wegen mitgenommen. Sie erzählt von der Flucht über das Meer, auf beeindruckende Weise. Es könnte jeden von uns treffen. Jederzeit und überall.

Trotz des Themas macht das Buch keine Angst. Es führt vor Augen, was es heißt, nicht mehr in die Schule oder den Supermarkt gehen zu können, kein Internet und keinen Strom mehr zu haben, nicht einmal mehr eine funktionierende Klospülung. Bildnerisch werden Szenen von Booten auf dem Meer dargestellt, Erinnerungen an die frühere Heimat. Man spürt das Nebeneinander von Verlust, Angst, Spannung, Verlorenheit und Verletzlichkeit; wahrscheinlich die erschütterndsten Gefühle eines Kindes. Und Schrecken, aber auch Hoffnung, Erleichterung und Zuversicht.

Das Buch braucht sensible Erzieher/innen, die gut zuhören und nur beantworten, was die Kinder fragen oder wissen wollen. Auch in jedem Grundschulhort sollte es zu finden sein. Hoffentlich wird es auch in der Ausbildung der Frühpädagog/innen vorgestellt.

Es ist kein Bilderbuch für eine Bilderbuchbetrachtung oder zum unterhaltsamen Vorlesen. Es stellt hohe Ansprüche an die Pädagog/innen oder Eltern. Heute hören alle Kinder von Flucht und Katastrophen. Dieses Buch kann helfen, die Schicksale der betroffenen Menschen besser zu verstehen. Gut, dass es dieses Buch gibt!

Ingeborg Becker-Textor