Rezension

Jón Svensson: Wie Nonni das Glück fand. Neusäß: SJM-Verlag 2011, 199 Seiten, EUR 9,80 (Bestelladresse: SJM-Verlag, Nibelungenring 1, 86356 Neusäß, http://sjm-verlag.de)


Jón Svensson, geboren am 16.11.1857 bei Akureyri, gestorben am 16.10.1944 in Köln, ist wohl einer der bekanntesten (Jugendbuch-) Autoren aus Island. Zwischen 1906 und 1949 erschien ein Dutzend autobiographischer Bücher, die teilweise sehr hohe Auflagen erreichten und in 46 Sprachen übersetzt wurden.

Derzeit wird nur noch das Buch "Wie Nonni das Glück fand" vertrieben. Jón Svensson beschreibt zunächst seine Kindheit: "Ich wuchs auf wie eine wilde Blume in Gottes freier Natur, inmitten der stolzen isländischen Berge, nahe dem Meeresufer. Erzogen wurde ich nach den Grundsätzen der meisten isländischen Familien, nämlich in der größtmöglichen Freiheit. Nach althergebrachtem normannischem Gebrauch lässt man dortzulande den Kindern reichlich Freiheit - nicht damit sie ungezogen werden, sondern zu dem Zweck, dass sie sich selbst helfen lernen und sobald wie möglich zu einer gewissen Selbständigkeit gelangen würden. Die Kinder sollen nicht wie willenlose Geschöpfe hergeschoben und auf Schritt und Tritt überwacht werden" (S. 7).

Bis zu seinem achten Lebensjahr erkundete Jon, genannt Nonni, die umliegenden Berge, Täler und Flüsse auf dem Rücken eines Ponys und die Küste in einem kleinen Kahn. Er besuchte Bauernhöfe und genoss die isländische Gastfreundschaft. Sein Leben änderte sich abrupt, als er seiner älteren Schwester Bogga einen Zettel zustellte. Als diese beim Lesen in unbändiges Lachen ausbrach, wunderte sich Nonni, dass ein solches "Gekritzel" eine derartige Wirkung haben kann. So bat er seine Mutter, ihm das Lesen und Schreiben zu lehren. Kurze Zeit später las er alles, was im Haus vorzufinden war - von den Märchen aus "Tausend und eine Nacht" und den isländischen Sagas über Homer und Vergil bis hin zur Weltgeschichte von Cantú. Und so entbrannte in ihm eine unbändige Sehnsucht, die Welt jenseits von Island kennenzulernen. Seine Mutter riet ihm, jeden Tag zu Gott zu beten und Ihn zu bitten, ihm seinen Wunsch zu erfüllen - aber er müsse damit rechnen, dass Gott dies nach seinem eigenen Plane täte. So betete Nonni jeden Tag, mehr als zwei Jahre lang...

Am 31.07.1870 - sein Vater war ein Jahr zuvor gestorben und seine Familie litt Not - kam ein Brief von einem katholischen französischen Priester, der in Reykjavik wohnte und Nonnis Familie bei einem Besuch im Nordland kennengelernt hatte. Er sollte für einen französischen Grafen zwei isländische Buben im Alter von 12 Jahren ausfindig machen, die in Avignon die Schule besuchen und studieren sollten. Und Nonni war ausgewählt worden! Seine Gebete waren erhört worden...

In den folgenden drei Wochen hörte Nonni viel Schlimmes über die katholische Kirche, und er beschloss, keinesfalls in Frankreich die Religion zu wechseln. Aber sowohl ein protestantischer Pastor als auch seine Mutter sagten ihm, dass die katholische Religion gut sei und er sich seine eigene Meinung bilden solle. Seine Mutter gab ihm sogar einen Zettel mit ihrer Erlaubnis mit zu konvertieren. Ferner erteilte sie ihm viele gute Ratschläge, die von einer tiefen Religiosität geprägt waren.

Mit einem Segelschiff brach Nonni nach Kopenhagen auf. Es geriet in einen schweren Herbststurm, der das Schiff bis ins Eismeer verschlug. Beim Versuch, das Boot zwischen den Eisschollen herauszuziehen, wurde die Mannschaft sogar von zwei Eisbären angegriffen!

In Kopenhagen musste Nonni längere Zeit im Hause des Apostolischen Präfekts verbringen, da inzwischen der deutsch-französische Krieg ausgebrochen und an eine Weiterreise nicht zu denken war. Er durfte zunächst alleine Kopenhagen erkunden. Dann begann er, heimlich Bücher mit auf sein Zimmer zu nehmen, um darin zu lesen. Als sein Gastgeber dies bemerkte - und sein Bildungsbestreben erkannte - ermöglichte er ihm den Besuch einer katholischen Volksschule.

Mit den anderen Kindern ging Nonni jeden Morgen zur Messe, die er aufgrund seines protestantischen Hintergrunds als sehr sonderbar erlebte. Mit der Zeit schwand die Verwunderung, und er begann, wie seine Mitschüler während der Messe in einem Gebetbuch zu lesen. Dann erhielt er vom Schuldirektor den katholischen Katechismus und später noch anspruchsvollere Bücher, z.B. von Franz von Sales und Thomas von Kempen. Aus eigenem Entschluss bat er schließlich den Apostolischen Präfekten, in die Katholische Kirche aufgenommen zu werden. Nach einer entsprechenden Vorbereitung durch einen Kaplan erfolgte dieser Schritt im Jahr 1871 - Nonni war zu diesem Zeitpunkt 13 Jahre alt.

Kurz darauf ging es mit dem Schiff nach Dünkirchen und von dort mit der Bahn nach Amiens, wo Nonni auf Wunsch des französischen Grafen einige Wochen an der "École libre de la Providence" verbringen sollte, um sich vor der Weiterfahrt in das viel wärmere Avignon zu akklimatisieren. Der Direktor war aber so angetan von Nonni - der von seinen Mitschülern herzlich aufgenommen worden war und schnell Französisch lernte -, dass er den Grafen bat, ihn an seiner Schule behalten zu dürfen. Auf eigenen Wunsch wechselte Nonni dort in die "École Apostoliques" genannte Abteilung, die von einem Jesuiten geleitet wurde und nur Schüler mit überdurchschnittlichen Leistungen aufnahm, die später einmal Missionare werden wollten. Dies hatte Nonni an einen Eid erinnert, den er geleistet hatte, als er mit seinem Bruder Manni in Seenot geraten war - beide Kinder hatten Gott versprochen, Missionare wie der große Heidenapostel Franz Xaver werden zu wollen, wenn Er sie aus ihrer misslichen Lage befreie. Nachdem Nonni zwei Jahre lang jeden Tag gebetet hatte, dass Gott auch Manni an die Schule hole, sodass dieser ebenfalls sein Versprechen erfüllen könne, kam sein Bruder für ihn überraschend nach Frankreich. Auch diese Gebete hatte Gott erhört...

Damit endet das Buch. Dem von P. Raphael von Canstein zusammengestellten Lebenslauf kann entnommen werden, dass Jón Svensson nach Abschluss der Schule Jesuit wurde (wie sein Bruder). Nach seiner Priesterweihe (1890) arbeitete er 20 Jahre lang an einer dänischen Schule. Im Alter von 49 Jahren veröffentlichte er in Dänemark das erste Buch über sein Leben in Island.

Im Jahr 1912 wurde Jón Svensson aus gesundheitlichen Gründen nach Holland versetzt. Dort konnte er ungestört schreiben - in deutscher Sprache. Seine Bücher wurden ein so großer Erfolg, dass er zu knapp 5.000 Lesungen und Vorträgen eingeladen wurde. Als Achtzigjähriger nahm er sogar noch die Einladung zu einer Weltreise an, die von 1936 bis 1938 dauerte. Vier Jahre später wurden er und seine Mitbrüder aus Holland vertrieben und nach Aachen gebracht. Er starb 1944 im Franziskushospital von Köln-Ehrenfeld, wo ihm im Luftschutzkeller ein Raum eingerichtet worden war. Seine Mutter, die 1910 in Kanada starb, hatte er nie wiedergesehen...

Das Buch "Wie Nonni sein Glück fand" eröffnet älteren Kindern und Jugendlichen, aber auch Erwachsenen, einen Einblick in eine ganz andere Zeit: Sie werden mit dem freien und ungebundenen Leben von Kindern in Island, mit der starken Prägung der Menschen durch Gottesfurcht und -liebe sowie mit dem Glauben an die Macht des Gebets konfrontiert. Die Leser/innen erfahren, dass auch schon Kinder ihren eigenen Weg finden können, wenn ihre Familie in eine Notlage geraten ist und sie sich alleine durchschlagen müssen. Und sie lernen, dass Glück immateriell ist und Lebensfreude aus kleinen Dingen resultiert - durch seine ansprechend geschriebenen Bücher mit ihren vielen Dialogen wollte Jón Svensson einfach nur anderen Menschen eine Freude machen und ihnen Kraft geben...

Martin R. Textor