Rezension

Paul Biegel: Das große Virgilius-Tulle-Buch. Stuttgart: Verlag Urachhaus 2017, 364 Seiten, EUR 19,90 - direkt bestellen durch Anklicken

 

Der mehrfach ausgezeichnete niederländische Kinderbuchautor Paul Biegel (1925-2006) verfasste mehr als 50 Bücher, die in viele Sprachen übersetzt wurden. Dazu gehört auch das 1979 erschienene Werk über Virgilius Tulle. Der Verlag Urachhaus hat es nun neu aufgelegt und präsentiert es mit einem festen Einband in Halbleinen und humorvollen Illustrationen von Mies van Hout.

Das für Kinder ab sechs Jahren geeignete Buch handelt von dem unternehmungslustigen Zwerg Virgilius, der mit 100 anderen Tulle-Zwergen in der Heide wohnt. Sie haben Angst vor Menschen und wollen deshalb unentdeckt bleiben.

Virgilius ist schrecklich dick und wird deshalb von den anderen Zwergen immer wieder gehänselt. Aber er weiß nicht, was "dick" bedeutet, und der Versuch, sich in einer Pfütze zu spiegeln, führt nur dazu, dass er in sie hineinfällt. So macht er sich zum Entsetzen der Zwerge auf, um sich bei Menschen in einem richtigen Spiegel zu betrachten - denn Zwerge besitzen keine Spiegel, sondern nur "ein kleines Messer, zwei Scheren und einen Karren". Damit beginnt ein urkomisches Abenteuer, das Virgilius zunächst auf einen Bauernhof, dann in eine Molkerei und schließlich in die Stadt führt. Er erfährt die Unterstützung von Katzen, Mäusen und Enten, wird von Möwen entführt und von Menschen gefangen - die noch nie einen Zwerg gesehen haben. Aber Virgilius kann immer wieder entkommen. Ob er wohl einen Spiegel findet, in dem er sich betrachten kann?

Im zweiten Teil des Buches kehrt Virgilius zu den Menschen zurück, weil er eine Torte für die Geburtstagsfeier von Ate besorgen möchte, der "1000 Jahre" alt wird. Er wird von einem Kind entdeckt, landet als Anschauungsobjekt "aus dem Wald" im Schulunterricht, wird vom Lehrer den Medien präsentiert, kommt in ein Forschungslabor, wird gestohlen und... Schon diese Andeutungen lassen auf eine spannende Geschichte schließen!

Aber es gibt noch einen dritten Teil: Es regnet in der Heide. Alle Zwerge sind nass, frieren und fühlen sich unglücklich. Nur Virgilius sitzt im Trockenen - in einem Gummistiefel, den ein Kind im Wald vergessen hat. Pech nur, dass das Kind seine Stiefel sucht, findet und mit nach Hause nimmt - und damit auch den Zwerg. Virgilius wird von dessen Familie aufgenommen und kann bei ihr überwintern. Aber das geht natürlich nicht ohne kleinere oder größere Katastrophen ab. Zum Schluss wird Virgilius sogar als Unruhestifter von der Polizei verhaftet. Was er dort erlebt, ist urkomisch!

Martin R. Textor