Rezension

Swana Seggewiß, Ulrike Menke: Kamishibai-Geschichten für den Kindergarten. München: Don Bosco Verlag 2013, 91 Seiten, EUR 16,95 - direkt bestellen durch Anklicken

 

Lange hat es gedauert, bis die Arbeit mit dem Kamishibai Eingang in unsere Kindergärten gefunden hat. Es gibt mittlerweile viele vorgefertigte Bildkarten, die sicher auch ihren Platz haben. Bei dem hier vorliegenden Büchlein kommt eine neue Dimension hinzu: Die Kinder fertigen ihre Erzähl-Bild-Karten selbst! So ist Raum für kreative Aktivität, für das Sichtbarmachen eigener Gefühle bis hin zur individuellen Problemlösung. Dementsprechend kommt es zu einem ganzheitlichen Bildungs- und Erziehungsaspekt: Literacy-Erziehung wird verknüpft mit sozial-emotionaler Erziehung. So können die Kinder Problemlösungsstrategien für ihre Zukunft entwickeln und werden befähigt zu kompetenten, engagierten und selbstdenkenden Menschen. Diese sind das tragende Element unserer Gesellschaft.

Die beiden Autorinnen stellen 15 Geschichten vor, die zur Gestaltung und zum Erzählen anregen. Es sind keine Phantasiegeschichten aus dem Sciencefictionbereich, nein, es sind Situationen aus dem alltäglichen Leben unserer Kinder. Jedes Kind kann also Hauptakteur solch einer Geschichte sein. Gleichzeitig regt das Buch aber auch an, selbst Geschichten festzuhalten und darzustellen.

Bei den Bildern, die die Kinder erstellen werden, geht es nicht um Perfektion, sondern vielmehr um die Aussagekraft! So ist Leistungsdruck von den Kindern genommen, sie können ihre Gefühle und Haltungen individuell zum Ausdruck bringen. Da ein Bild ja über einen längeren Zeitraum auf der "kleinen Bühne" im Raum stehen kann, werden immer wieder Impulse "ausgesendet", Überlegungen angeregt. Es entsteht eine meditative Atmosphäre, eine Ruhezone in der Medienflut, der Action- und Eventkultur unserer Zeit.

Das Ziel in der Gestaltung und Wiedergabe der Geschichten liegt in der Hand der Kinder und in der Wahrnehmungsfähigkeit der Erzieher/innen bzw. Erwachsenen. Sie müssen achtsam sein, dass das Kamishibai nicht zu einer Beschäftigung, einem Bildungsangebot oder gar einer Unterrichtseinheit verkommt.

Probieren Sie es aus! Sie werden ebenso viel Freude damit haben wie die Kinder und werden zudem ganz neue Seiten an Ihren Kindern entdecken! Ob auch in der Ausbildung Platz dafür sein könnte?

Ingeborg Becker-Textor