Skikurse für Kindergartenkinder

Sandra Schaffert

 

Im Einzugsbereich der Skiorte ist es eine Selbstverständlichkeit, dass schon Kinder im Kindergartenalter Skikurse besuchen. Grund genug, um einmal einen Blick auf die Skipädagogik zu werfen.

Das Angebot

Skifahren will gelernt sein. Das alpine Skifahren ist noch eine junge Sportdisziplin, verglichen mit anderen olympischen Disziplinen. Erste Lehrversuche werden auf den Erfinder des alpinen Skistils Mathias Zdarsky zurückgeführt und fanden Anfang des 20. Jahrhunderts statt.

Heute richten sich Skischulen an Anfänger und Fortgeschrittene unterschiedlichen Alters. Viele Kursanbieter zählen Kinder ab drei Jahren zur Zielgruppe und bieten eigenständige Kurse für sie an. In vielen Kindergärten im Einzugsgebiet der Skiorte ist es seit Jahren üblich, dass zumindest einmal im Jahr ein einwöchiger Skikurs angeboten wird, an dem dann ein Teil der Kinder teilnimmt. Dazu werden Busse gemietet oder Fahrgemeinschaften gebildet und Skischulen bzw. Skilehrer gebucht. Mindest so wichtig für die Skischulen ist der Nachwuchs der Winterurlauber.

Nicht jede Skischule bietet Kurse für Kinder im Kindergartenalter an, aber in jedem Wintersportort gibt es mindestens einen Anbieter. Im Unterschied zum Skiunterricht in Schulen oder Skiunterricht allgemein lässt sich nur wenig Literatur dazu finden.

Zur Ausbildung der Skilehrerinnen und Skilehrer für Kinder

Die Qualifikation der Skilehrerinnen und Skilehrer lässt sich auch auf ihre Ausbildung zurückführen: Die Bezeichnung "Skilehrer" ist nicht geschützt, das heißt, jeder kann sich als Skilehrer bezeichnen. Das heißt jedoch nicht, dass es keine Ausbildungen gibt. Das Angebot an Ausbildungen und Abschlüssen der unterschiedlichen konkurrierenden Verbände ist aber nur schwer zu überschauen.

Die Ausbildung zum staatlich geprüften Skilehrer besteht beim Deutschen Skilehrerverband aus zehn Lehrgängen des Deutschen Skilehrerverbandes, der Technischen Universität München und einer praktischen Unterrichtsarbeit in einer unter Leitung und Aufsicht eines staatlich geprüften Skilehrers.

Daneben bietet der Deutsche Skilehrerverband auch Ausbildungen zum "Skilehrer Grundstufe", zum "Regionalskilehrer" und Verbandskilehrer an. Zum Vergleich: Währen die Ausbildung zum staatlich geprüften Skilehrer 120 Unterrichtstage umfasst, dauert die Schulung zum Regionalskilehrer nur 20 Unterrichtstage. Zu den Ausbildungsinhalten gehören unter anderem Sportbiologie, Sportpädagogik/ Sportpsychologie, Skigeschichte, Methodik/ Didaktik, Wettkampfbestimmungen (siehe Homepage Deutscher Skilehrerverband, http://www.skilehrerverband.de, Stand 23.1.06).

Auch andere bieten Ausbildungen für Skilehrer an, so zum Beispiel der Deutsche Skiverband. In Österreich hat das Ausbildungssystem des Österreichischen Skischulverbands drei Ausbildungsstufen, nämlich Anwärter, Landesskilehrer und den staatlich anerkannten Diplomskilehrer.

Aus den Ausbildungsunterlagen ist, sofern sie im Internet zugänglich sind, nicht ersichtlich, ob und inwieweit zur Ausbildung auch besondere Anforderungen an Skikurse für Kinder im Kindergartenalter gehören. Auch in den Ausbildungs- und Fortbildungsangeboten sind Kinder, auch ältere, nur selten ausgewiesener Schwerpunkt, hier unterscheidet man im wesentlichen die unterschiedlichen Schnee- und Skisportarten.

Ausnahmen stellen zum Beispiel der Deutsche Verband für das Skilehrwesen dar, der einen Kinderlehrplan veröffentlich hat (1996) und das Fortbildungsangebot des "Kinderlehrer-Experte/ Expertin SSSA" des Swiss Snowsport dar. Letztere Fortbildung richtet sich als Spezialisierung an Schneesportlehrer mit eidgenössischem Fachausweis.

Abgesehen davon stehen spezifische Anforderungen an die Pädagogik, Methodik und Didaktik der Skikurse von Kindern, insbesondere von Kindergartenkindern, nicht im Vordergrund der Ausbildungen. Dies mag auch daran liegen, dass die Skipädagogik bzw. die Sportpädagogik ein Teilbereich der Sportwissenschaft ist und weniger als pädagogische Teildisziplin bzw. aus pädagogischer Sicht betrachtet wird.

Pädagogische Konzepte der Kinderskischulen

Lizenzierungen der Kinderskischulen

Die Konzeptionen von Zusammenschlüssen von Kinderskischulen lassen sich natürlich auf das wirtschaftliche Interesse der Skischulen zurückführen, sich auf dem Markt zu behaupten. Die Zusammenschlüsse und Lizenzierungen der Skischulen sind unterschiedlich ausgelegt, was die Gestaltung des Angebots, des Geländes und der Ausbildung der Skischullehrer betrifft. In der Schweiz gibt es beispielsweise die Lizenzierung "Swiss Snow Kids Village" (SSSA). Der Deutsche Skilehrerverband (DSLV) bietet Skischulen die Lizenzierung "kids on snow" an.

Neben ökonomischen Interessen der Lizenzierung als Qualitätsmerkmal, weil u.a. Mindeststandards garantiert werden, werden auch - mehr oder weniger ausdrücklich - pädagogische Prinzipien genannt. Auch diese werden wiederum zum Verkaufsargument: Tourismusagenturen der Skiorte in den Alpenregionen preisen "moderne Skipädagogik" und "Skikurse auf dem Stand neuester pädagogischer Erkenntnisse" an.

Die Skikurse von "kids on snow" orientieren sich zum Beispiel an den Vorgaben des Deutschen Skilehrerverbands, das heißt: "Im Vordergrund steht nicht das Erlernen einer Technik, sondern das tätigkeitsorientierte Erfahren, Erleben und Experimentieren. Unterschiedliche Arenen gestalten den Spielplatz Piste und garantierten den Lernerfolg" (Website http://www.kidsonsnow.de, Stand 23.1.05).

Ein Kurs mit dem Pinguin "Bobo"

Im folgenden wird exemplarisch die Konzeption der "Kinder-Club"-Skischulen vorgestellt. Die Darstellung bezieht sich dabei zum einen auf die Homepage des Kinder-Clubs (http://www.kinder-club.info, Stand 23.1.2005) und zum anderen auf meine eigene Erfahrung mit einem Skikurs für 3- bis 6-jährige Einsteiger im Kinder-Club Ruhpolding im Frühjahr 2006.

Gegründet wurde der Kinder-Club 1994 auf Initiative der Interessenvereinigung der Tiroler Skischulunternehmer, inzwischen haben sich auch Skischulen in angrenzenden Skigebieten in Bayern an das Lizenzierungsmodell angeschlossen. Schon von weitem sind die Skischulen gut zu erkennen: Fahnen mit der Aufschrift "kinder-club" und ein Pinguin namens Bobo begrüßen die Kinder auf einem eigenem Skigelände. Der Pinguin schmückt auch die Namens-Anstecker der Kinder, die Urkunden und Medaillen und begleitet sie auch in Form eines Kuscheltiers sowie eines "leibhaftigen" Pinguins, der gemeinsam mit den Kindern den "Bobo-Boogie" tanzt und mit den Fortgeschrittenen auch mal eine Runde Ski fährt. Soweit mag es vielleicht wie eine geschickte Marketingidee klingen, denn einen "Bobo-Kurs" kann man leicht identifizieren, dahinter stecken jedoch auch einige explizite pädagogische Überlegungen.

Der Kinder-Club "Philosophie" lautet: "Die Winterwelt ist der schönste Spielplatz, den die Natur für Ihre Kinder geschaffen hat. Alles, was Kinder beim Skifahren lernen, ist ihr eigener Verdienst. Wir können nur ein Beispiel geben und ein paar Geheimnisse verraten. Kinder lernen von anderen Kindern und sind wiederum Lehrer für andere Kinder. Die Kraft einer wuselnden Rasselbande ist mit nichts zu vergleichen. Die Zufriedenheit der Kinder ist der einzige Erfolgsnachweis. Es ist ein wunderschönes Gefühl, den Rahmen seiner Fähigkeiten zu erweitern. Wo dieser Rahmen liegt, entscheidet jeder für sich selbst" (siehe Homepage Kinder-Club, http://www.kinder-club.info, Stand 23.1.2006).

Neben dem großen Vertrauen in die Fähigkeiten der Kinder, verweisen die Anbieter in ihrer "Philosophie" auch darauf hin, dass die Eltern "loslassen" müssen: "Der größte Vertrauensbeweis von Eltern ist, wenn man ihre Kinder betreuen darf. Doch Vertrauen heißt auch loslassen. Kinder wollen lernen und Sie mit ihrem Können überraschen" (siehe Homepage Kinder-Club, http://www.kinder-club.info, Stand 23.1.2006). Konkret heißt letzteres Hinweis für die Eltern, dass sie angewiesen werden, den Kurs nicht direkt auf dem Kursgelände zu beobachten.

Die Teilnehmer/innen stehen nur einen Teil des Kurses auf ihren Skiern: Zum Programm gehören auch Tänze, Spiele, Geschichten, Kuschelrunden mit Bobo. Weniger die Leistung, im Sinne des skifahrerischen Könnens steht im Vordergrund, sondern die Lust und der Spaß am Skifahren. Dazu gehört auch der große Showlauf, bei dem den Eltern das Gelernte vorgeführt und von denen lauthals bejubelt und beklatscht wird. Eine Ehrung mit Urkunden, Medaillen, Handschlag von Bobo und Abschlussfoto gehören ebenso dazu.

Für einige Eltern war es überraschend, aber ihre Kinder fanden sich in der fremden Umgebung meist von Anfang an ganz gut zurecht. Neben einem klaren Ablauf des Kurses, seiner abwechslungsreichen Gestaltung, dem beliebten "Bobo", den freundlichen und offensichtlich gut ausgebildeten Skilehrern sorgen dafür letztlich auch die einheitliche Personalkleidung und Symboltafeln.

Aus den Gesprächen mit anderen Eltern habe ich erfahren, dass so eine Gestaltung des Skikurses und eine positive Erfahrung für Kinder und Eltern keine Selbstverständlichkeit ist.

Checkliste

Neben einer Reihe von ganz praktischen Faktoren, z.B. die Erreichbarkeit der Skischule und eine geeignete Ausrüstung der Kinder bzw. die Möglichkeit der Ausleihe, sollen mit der folgenden Checkliste Hinweise auf mögliche wichtige Aspekte bei der Auswahl der Kinderskischule gegeben werden:

  • Gibt es ein explizites Angebot für Kindergartenkinder, d.h. Skilehrer mit entsprechenden Ausbildungen und Zusatzqualifikationen und ein eigenes Kursgelände?
  • Gibt es pädagogische Leitlinien für die Kurse für Kinder, methodische und didaktische Überlegungen für Kinder im Kindergartenalter?
  • Stimmt das Verhältnis von Kindern und Skilehrern (max. 10 Kinder in einer Gruppe mit zwei Skilehrern bei den Einsteigern)?
  • Passen die Kurszeiten zum Rhythmus der Kinder? Fordert oder überfordert das Angebot das Kind konditionell? Damit verbunden: Wie flexibel ist der Anbieter bei Kursabbruch bzw. gibt es ein Schnupperangebot?
  • Ist die Ausstattung des Schulgeländes ansprechend, freundlich und der Zielgruppe angemessen (Materialien, Lifte, Gestaltung)?
  • Wie werden sonstige Bedürfnisse der Kinder berücksichtigt (Begleitung beim Toilettengang, Umgang mit müden Kindern, Extremwetterlagen, Gestaltung der Mittagspausen)?

Natürlich ist ein blauer Himmel wunderschön, wenn er noch als Bonus hinzu kommt. Nach meiner Erfahrung liegt es jedoch nicht unbedingt am Wetter, wenn der Nachwuchs glücklich, stolz und müde aus dem Skikurs kommt und sich schon auf das nächste Mal freut. Ski heil!

Literatur

Deutscher Verband für das Skilehrwesen (Hrsg): Skilehrplan Band 3 (Kinderskilauf). München, 1996.

Laufbahnzentrum der Stadt Zürich. Berufsfunktionen und Weiterbildungsberufe. Beruf: Schneesportlehrer/in. In: biz-berufsinfos. Online zugänglich unter: http://berufsberatung.ch/dyn/1394.asp?id=12.0&fid=4909&bid=20.3&branch=12# (Stand 23.1.2006).

Bundesagentur für Arbeit. Sportlehrer/in Rückblick/Ausblick. In: BERUFEnet. Die Datenbank für Ausbildungen und Tätigkeitsbeschreibungen. Online zugänglich unter: http://berufenet.arbeitsamt.de/cgi-bin/bnet2/druckversion.cgi?b=S&n=B8760100trends_t.html (Stand 23.1.2006).

Zur Autorin

Sandra Schaffert hat an der Ludwig-Maximilians-Universität in München Pädagogik, Psychologie und Informatik studiert und mit einem M.A. abgeschlossen. Sie ist in der Wissenschaft und Weiterbildung aktiv und Mutter zweier Kindergartenkinder, die ihren ersten Kinderskikurs mit Begeisterung absolviert haben.