Rezension

Nancy Hoenisch, Elisabeth Niggemeyer: Mathe-Kings. Junge Kinder fassen Mathematik an. Berlin: Was mit Kindern, 2. Aufl. 2015, 152 Seiten

 

Dieses sehr schön gestaltete, mit zum Teil ganzseitigen farbigen Fotos versehene Buch im DIN A 4-Format zeigt, wie man Kleinkinder auf der Grundlage der Erkenntnisse von Jean Piaget und Howard Gardner bei der Entwicklung eines soliden mathematischen Grundverständnisses unterstützen kann. Nancy Hoenisch beschreibt zunächst drei Phasen der Entwicklung mathematischer Konzepte. Dann versucht sie, anhand von Praxisbeispielen zu verdeutlichen, wie Kinder denken, wie sie Konkretes in Abstraktes umwandeln und wie sie bestimmte mathematische Kompetenzen erwerben - und wie Erzieher/innen sie dabei durch ihr Beziehungsangebot, eine bestimmte Art der Kommunikation, die Schaffung einer besonderen Atmosphäre und die Bereitstellung von Materialien unterstützen können.

Im Hauptteil des Buches wird ganz praxisnah aufgezeigt, wie Kindern die "Konstruktion" grundlegender mathematischer Konzepte erleichtert werden kann. Es werden nach und nach folgende "Brückenpfeiler" aufgebaut, auf denen dann die Brücke "mathematisches Grundverständnis" ruhen kann:

  1. Sortieren und Klassifizieren,
  2. Muster,
  3. Zahl,
  4. Geometrie,
  5. Wiegen, Messen und Vergleichen,
  6. grafische Darstellung und Statistik.

Interessant ist, dass die jeweiligen Pfeiler nicht mit Hilfe ausgefeilter Methoden und kostspieliger Lernmaterialien oder gar mit Hilfe von Arbeitsblättern aufgebaut werden, sondern ganz lebensnah: So werden z.B. beim ersten Pfeiler Knöpfe, Murmeln, Muscheln, Blätter, Steine, Holzbausteine, Spielautos, Schrauben, Knochen und anderer "Krimskrams" sortiert und klassifiziert - ja sogar die Kinder selbst (nach Geschlecht, Körpergröße, Haarlänge...).

In einem abschließenden Kapitel wird noch auf die Kooperation mit Eltern eingegangen, allerdings ohne nennenswerten Bezug zum Thema "mathematische Bildung". Das von Hartmut von Hentig verfasste Nachwort ist weitgehend eine Würdigung der vorbildhaften pädagogischen Arbeit von Nancy Hoenisch. Wer es gelesen hat, wird nicht mehr sagen können, die in dem Buch vorgestellten Methoden seien nur für hoch begabte Kinder geeignet: Hoenisch arbeitet nämlich mit entwicklungsverzögerten Kindern in einer Einrichtung, die wir wahrscheinlich als Schulkindergarten bezeichnen würden.

Im Anhang wird noch auf Materialmanagement eingegangen und die beim Verlag ausleihbare Aktionsausstellung "Mathe-Kings" der beiden Autorinnen vorgestellt. Und nun müsste nur noch das Geheimnis des "Mathe-Königs" gelöst werden. Ist er "nur" die fortwährend wechselnde Figur mit der Zahlenkrone in einem Abzählspiel (S. 76) oder der nach Durchlaufen der Aktionsausstellung stolze Empfänger der "Mathe-King-Krone" (S. 152)?

Martin R. Textor

P.S.: Die Rezension bezog sich auf eine andere Ausgabe des Buches.