Wo man aussteigt, beginnt das Leben!

Marco Hüttenmoser

 

Am 26. November 2004 wurden in Bellinzona die Ergebnisse eines Projektes zum Thema "Schulweg" vorgestellt, deren Bedeutung weit über die Grenzen der italienischen Schweiz hinausreichen. Anlass ist ein Zeichnungswettbewerb bei drei- bis zehnjährigen Kindern aus der Region Capriasca, der von dem "Gruppo Convenienza Traffico in Capriasca" (GCTC) durchgeführt wurde. Die Auswertung der Zeichnungen erfolgte durch Dr. Marco Hüttenmoser, Dokumentationsstelle "Kind und Umwelt", Muri AG, in enger Zusammenarbeit mit dem GCTC und dem Gruppo di moderazione traffico della Svizzera italiana.

Die Zeichnungen der drei- bis zehnjährigen Kinder zeigen unmittelbar und eindrücklich, dass die Fahrt mit dem Auto in den Kindergarten oder in die Schule zu einem schwerwiegenden Erfahrungsverlust führt. Kinder, die mit dem Auto in den Kindergarten oder in die Schule gefahren werden, halten in ihren Zeichnungen kaum Details über den Schulweg fest. Festgehalten wird, was man zu Fuss gehend betrachten, betasten und abschreiten kann.

Gehen die Kinder zu Fuss in den Kindergarten oder in die Schule so wird in den Zeichnungen eine Fülle von Details aus der Natur festgehalten. Hinzukommen viele Erfahrungen mit andern Kindern und erwachsenen Personen.

Der Weg in den Kindergarten und die Schule erweisen sich, sofern man zu Fuss gehen kann, als zentrale Orte für wichtige eigenständige Umwelterfahrungen. Nebst dem eigenen Wohnumfeld sind diese Wege auch Orte, an dem man seine ersten sozialen Erfahrungen in einem weiteren Umfeld machen kann. Auf dem Schulweg werden Freundschaften geschlossen und dabei entstehende Konflikte werden vielfach selbstständig ausgetragen.

Schwierigkeiten und Ängste, die im Umgang mit dem Strassenverkehr auftauchen, werden in Kinderzeichnungen ebenfalls oft angesprochen. Die Kinder zeigen, dass sie sehr viel lernen, wenn sie zu Fuss unterwegs sind. Sie machen deutlich, dass sie Probleme mit dem Strassenverkehr gemeinsam mit ihren Schulwegkameraden angehen. Der Schulweg bildet insofern für die Kinder ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur eigenständigen Bewältigung alltäglicher Probleme mit dem Strassenverkehr.

Das Ziel des Projektes liegt auf zwei Ebenen:

  1. Den Eltern jüngerer Kinder soll mit den vorliegenden Zeichnungen anschaulich gezeigt werden, wie wichtig es ist, dass die Kinder zu Fuss in den Kindergarten und in die Schule gehen. Damit dies möglich ist, müssen die Eltern ihre Kinder in der ersten Zeit zu Fuss begleiten und sie über besonders gefährliche Stellen aufklären.
  2. Die Ergebnisse sind gleichzeitig eine eindringliche Aufforderung an die Behörden der Gemeinden und der Kantone, alles dranzusetzen, dass diese Wege so sicher werden, dass sie die Kinder allein bewältigen können. Dies gilt für Wegstrecken auf Quartierstrassen genauso wie für Wegstrecken entlang von Hauptstrassen und deren Querung.

Als Produkt steht Interessierten ein mit farbigen Beispielen illustriertes Faltblatt zur Verfügung. Auf Wunsch hin kann ein farbig illustrierter Bericht geliefert werden (Bezugsquelle für die deutsche Fassung: Dokumentationsstelle "Kind und Umwelt" Kirchbühlstrasse 6, CH-5630 Muri, Preis Fr. 2.-, Bericht Fr. 30.- zuzüglich Porto).

Das Projekt konnte dank einem namhaften Beitrag seitens der Stiftung für Schadenbekämpfung der Winterthur Versicherungen realisiert werden. Die Stiftung stellt zudem als ergänzendes Material die DVD resp. das VHS Video "Der Verkehr zeichnet Kinder - Kinder zeichnen den Verkehr" (Fr. 18.-) und die Broschüre "Mehr Bewegungsfreiheit und weniger Unfälle" (kostenlos) zur Verfügung (Bestelladresse: Postfach 357, CH-8401 Winterthur). Weitere Unterstützung erhielt das Projekt durch den Kanton Tessin.

Kontaktperson für die Deutsche Schweiz

Dr. Marco Hüttenmoser
Dokumentationsstelle "Kind und Umwelt"
Kirchbühlstrasse 6
CH-5630 Muri