Rezension der 1. Auflage

Franz-Michael Konrad: Der Kindergarten. Seine Geschichte von den Anfängen bis in die Gegenwart. Freiburg: Lambertus, 2. Aufl. 2012, 312 Seiten, EUR 24,90 - direkt bestellen durch Anklicken

 

Franz-Michael Konrad, Professor für Historische und Vergleichende Pädagogik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, beginnt sein Buch über die Geschichte des Kindergartens etwas abrupt (ohne Vorwort oder Einführung) mit einer knappen Skizze der Lebensverhältnisse in der zweiten Hälfte des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Hier verdeutlicht er die sozial- und geistesgeschichtlichen Hintergründe der Entstehung der ersten Kindertageseinrichtungen, wie sie z.B. von Oberlin als Strickschule (1770), von Owen als Infant School (1812) oder in Frankreich als salle d'asiles (Ende des 18. Jh.) gegründet wurden. Dann beschreibt Konrad die Weiterentwicklung der Kinderbewahranstalten zu Kleinkinderschulen, die ersten Regelungen seitens der Staaten und die Anfänge der fachlichen Ausbildung (1800-1850), bevor er sich dem Fröbelschen Kindergarten und der Fröbelbewegung widmet (1840-1914).

Die folgenden Kapitel befassen sich mit der Geschichte des Kindergartens bis zum Ende des Kaiserreichs (1850-1918), in der Weimarer Republik (1918-1933), im Dritten Reich (1933-1945), in der alten Bundesrepublik (1945-1990), in der DDR (1945-1990) und nach der Wiedervereinigung (1990-2003). Im Anhang finden sich noch kommentierte Literaturangaben und Hinweise auf Museen mit Dokumenten aus der Geschichte des Kindergartens.

Das Buch ist gut lesbar und bietet auch viele Informationen über die Ideengeschichte der Elementarpädagogik, die Geschichte der Ausbildung und des Erzieherberufes, die zunehmende Verrechtlichung und öffentliche Finanzierung der Kindertagesbetreuung, die quantitative Entwicklung in diesem Bereich und die frühpädagogische Forschung.

Martin R. Textor