Rezension

Margit Franz: "Heute wieder nur gespielt" - und dabei viel gelernt! Den Stellenwert des kindlichen Spiels überzeugend darstellen. München: Don Bosco 2016, 208 Seiten, EUR 19,95 - direkt bestellen durch Anklicken

 

Bei der Beschäftigung mit den Werken pädagogischer Klassiker stoßen wir immer wieder auf das Spiel: Spiel als Prinzip der Kindergartenpädagogik, Spiel als das Lernfeld für Kinder aller Altersstufen. Viele Erwachsene von heute sehen allerdings im Spiel nichts als Spielerei, als sinnloses Nichtstun. Oder sie bevorzugen Lernspiele, da nur hier die Kinder viel lernen würden.

Vor diesem Hintergrund erschien nun das Buch "'Heute wieder nur gespielt' - und dabei viel gelernt". Die Autorin, Margit Franz, kennt das kindliche Spiel von der Theorie bis hin zur Praxis. Während ihrer Ausbildung als Erzieherin und als Diplompädagogin konnte sie das Spiel aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln heraus betrachten. Dann ist sie dem Spiel als Kita-Leiterin und als Fachberaterin begegnet.

Und so verwundert es nicht, dass Margit Franz mit dieser Publikation zugleich ein fundiertes Grundlagenwerk und ein praxisorientiertes Handbuch vorlegt. Ihr Werk enthält viele Impulse für die tägliche "Spiel-Arbeit" mit den Kindern und für die Kommunikation mit Eltern, denen die Bedeutung des Spiels für die umfassende Entwicklung und Förderung ihrer Kinder näher zu bringen ist.

Margit Franz führt uns durch alle Facetten des Spiels:

  • die theoretischen Grundlagen
  • die rechtlichen Grundlagen - das Recht der Kinder auf Spielen
  • wie dem Spiel in der Kita genug Raum gegeben werden kann
  • was pädagogisches Handeln mit dem Spiel zu tun hat
  • Spiel in der Elternarbeit - wie das Verständnis der Eltern für das Spiel geweckt werden kann
  • Öffentlichkeitsarbeit zur Förderung des Verständnisses für das freie Spielen

Herbert Renz-Polster schreibt dazu in seinem Vorwort: "Es ist ermutigend, dass dieses Buch die vielen Facetten zusammenträgt:

  • was Kinder spielen,
  • wie Kinder spielen,
  • was sie dabei antreibt,
  • was sie davon haben,
  • und wie sie sich dabei verändern - als einzelne, als Gruppe und in ihrem Verständnis der Welt.

Vielleicht sollten wir Erwachsenen - ob Laien oder Pädagogen - den Kindern wieder öfter einmal beim Spielen zuschauen. Nicht nur beim Spielen nach vorgegebenen Motiven oder mit fertigen 'Spielwaren', sondern beim 'eigensinnigen' Spielen. Dem Spielen also, bei dem sich die Kinder ihre eigenen Ziele setzen und sie auf eigenen Wegen erreichen" (S. 7).

Margit Franz führt uns durch die ganze Spielwelt, lässt Kinder zu Wort kommen, aber auch Erzieherinnen. Die übersichtlich gestaltete Publikation lässt nichts aus. Der Text wird aufgelockert durch Zitate, durch Hervorhebungen in farbig unterlegten Kästen, durch Denkanstöße und Impulse, Dokumentationsmöglichkeiten und Handlungsgrundsätze für den pädagogischen Alltag. Wer noch mehr wissen will bekommt Literaturvorschläge sowie Hinweise auf Filme und Forschungsprojekte. Ein Stichwortverzeichnis unterstützt die individuelle Suche nach Informationen.

Wer dieses Buch studiert, also mehr als nur oberflächlich gelesen hat, wird ein anderes Verständnis für das kindliche Spiel entwickeln. Er wird in einen spannenden Dialog über das Spiel mit Eltern und Grundschullehrer/innen eintreten. In dem Buch geht es nicht um reine Wissensvermittlung wie in vielen pädagogischen Fachbüchern. Es geht vielmehr um Handlungswissen, nicht um Rezepte. Das Buch liefert Handwerkszeug für Ausbildung und Praxis. Es kann aber auch die Öffentlichkeit aufrütteln, den Blick mit neuer Schärfe auf das kindliche Spiel zu lenken.

Am Ende des Buches zitiert Margit Franz Astrid Lindgren: "Kinder sollten mehr spielen, als viele es heutzutage tun. Denn wenn man genügend spielt, solange man klein ist - dann trägt man Schätze mit sich herum, aus denen man später ein Leben lang schöpfen kann. Dann weiß man, was es heißt, in sich eine warme Welt zu haben, die einem Kraft gibt, wenn das Leben schwer wird" (S. 198). Wie Recht Astrid Lindgren damit auch heute noch hat!

Würde dieses Buch Pflichtlektüre in der pädagogischen Ausbildung werden, dann würde sich in den Kitas viel zum Positiven verändern! Hoffentlich entscheidet man sich in vielen Ausbildungsstätten und Hochschulen für dieses handlungsorientierte Grundsatzwerk.

Ingeborg Becker-Textor