Flexible Öffnungszeiten

Tina Huttner

 

Immer mehr berufstätige Eltern stellen an Kindertageseinrichtungen die Forderung nach flexiblen Öffnungszeiten. In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit erwarten zudem viele Arbeitgeber von ihren Mitarbeitern einen flexiblen Arbeitseinsatz und mehr als einen "normalen" 8-Stunden-Tag. Berufstätige Eltern stoßen bei Vorgesetzten und Kollegen oft auf Unverständnis, wenn sie pünktlich um 16 Uhr gehen müssen, da sie noch vor halb fünf ihren Nachwuchs aus der Kita abholen müssen.

Auch Kindertageseinrichtungen müssen nun langsam auf die Anforderungen eines flexiblen Arbeitsmarktes reagieren und den Forderungen der Eltern nach flexiblen Betreuungszeiten Rechnung tragen. Träger oder Leitungen verlangen ihrerseits oft ebenso einen flexiblen Arbeitseinsatz ihrer Mitarbeiter, reagieren aber eher träge, wenn es um die Bedürfnisse der Elternschaft geht.

Um diesen Anforderungen wenigstens teilweise gerecht zu werden, kann man verschiedene Lösungsmöglichkeiten finden. Mit diesem Artikel möchte ich nun das Konzept der flexiblen Betreuungszeit einer Kita vorstellen. Ich möchte allen Mut machen, die Forderung nach mehr Flexibilität und erweiterten Öffnungszeiten nicht mit einem Schulterzucken abzutun oder auf die "armen Kinder" zu verweisen. Ich bin der Meinung, dass Kinder vor allem zufriedene und weniger abgehetzte Eltern brauchen. In einer Situation, in der die Eltern abgehetzt und unzufrieden ihr Kind in der Kita abholen und zudem ständig ein schlechtes Gewissen von der einen oder anderen Seite eingeredet bekommen oder um ihren Job fürchten müssen, ist weder dem Kind noch den Eltern geholfen. Auch ständig wechselnde Babysitter, die das Kind betreuen, wenn der Kindergarten aus ist, bieten für das Kind keine ausreichende Stabilität, sind aber für berufstätige Eltern oft die einzige Lösung.

Auf die Forderung nach mehr Flexibilität hin könnte man z.B. folgendes Konzept zur Abdeckung einer verlängerten Betreuungszeit umsetzen: Die Betreuungszeit gliedert sich in verschiedene Module, die die Eltern fest buchen, und in Module, die von Tag zu Tag buchbar sind und extra bezahlt werden müssen.

Die Kita kann Ganz- und Halbtagesplätze anbieten - für eine dieser Variante entscheiden sich die Eltern bei Vertragsabschluß. Die Hauptbetreuungszeiten (Kernzeit) ist für die Ganztagesgruppen von 7.30 - 16.30 Uhr, für die Halbtagesgruppe von 7.30 - 13.30 Uhr (bzw. 12 Uhr ohne Mittagessen). Vor 7.30 Uhr bzw. nach 16.30 Uhr besteht für die Eltern die Möglichkeit, eine Mehrbetreuung monatsweise zu buchen. Morgens fängt die Betreuung dann um 6.45 Uhr an und kostet 15.- EUR im Monat, nachmittags geht die Betreuung bis 17 Uhr und kostet 10.- EUR im Monat extra.

Der Dienstplan des Teams orientiert sich an den Zeiten 6.45 - 17.00 Uhr und wird so geplant, dass ab 50% der Gruppenstärke die jeweilige zweite Fachkraft ihren Dienst beginnt.

Diese Öffnungszeiten unterscheiden eine Kita zwar von manch anderen Kindergärten, würden die Einrichtung aber noch lange nicht zu einer besonders flexiblen Kita machen. Die besondere Flexibilität zeigt sich in den tageweise buchbaren Angeboten. Diese kosten einen Beitrag pro Stunde, je nach Tageszeit 5.- oder 8.- EUR.

Was sind das nun für tageweise buchbare Module? Die Kita bietet den Eltern die Möglichkeit, auch kurzfristig flexibel zu reagieren, indem sie für die Kinder der Halbtagesgruppe ab 13.30 Uhr (für 5.- EUR/ Stunde) und für die Kinder der Ganztagesgruppe ab 17.00 Uhr (für 8.- EUR/ Stunde) zusätzliche Betreuung anbietet.

Das Angebot gilt von 13.30 bzw. 17.00 Uhr bis längstens 21.00 Uhr (dies wird nach meiner Erfahrung nur in Ausnahmefällen genutzt, die Regel ist eine Betreuung bis ca. 18.00 oder 19.00 Uhr) und wird von den Eltern gesondert bezahlt. Im Regelfall sollten die Eltern einen Tag vorher buchen bzw. absagen. Bei Buchung und Nicht-Inanspruchnahme entsteht eine Gebühr von 5.- EUR.

Die Betreuung ab 13.30 Uhr übernimmt die Ganztagesgruppe, ab 17.00 Uhr steht eine Fachkraft zur Verfügung, die vom Träger ebenfalls für ihre Arbeit pro Stunde bezahlt wird. Das könnte eine Fachkraft auf der sog. 400.-EUR-Basis sein oder eine Fachkraft der Einrichtung, die sich durch diese Extra-Bezahlung ihr Gehalt aufbessert.

Wenn die gesondert bezahlte Fachkraft mal ausfällt, springen die anderen Erzieherinnen in die Bresche, die sich durch die entstandenen Überstunden auch mal einen freien Tag gönnen können oder je nach Erzieherin - ebenfalls eine Sondervergütung pro Stunde bekommen.

Eine noch größere Flexibilität könnte man erreichen, wenn man die fest vertraglich geregelten Module und die Aufteilung in Ganz- und Halbtagesplätze so flexibilisieren würde, dass sich die Eltern auch hier frei nach Bedarf entscheiden könnten und sich nicht für längere Zeit auf die Module festlegen müssten.

Zurzeit sind aber Eltern, Kinder und Erzieher der Kita mit der derzeitigen Regelung der Hauptmodule und der Zusatzleistungen - Betreuung bis längstens 21.00 Uhr und stundenweise Bezahlung dieses Service - zufrieden. Sollte jedoch die Forderung nach einer größeren Flexibilität aufkommen, muss man sich auch dieser Diskussion stellen und nach einer realisierbaren Form der Umsetzung suchen.

Autorin

Für betriebswirtschaftliche Beratungen stehe ich Ihrer Kindereinrichtung gerne zur Verfügung:

Tina Huttner - Sozialwirtin und Leiterin -
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