Rezension

Armin Krenz: Kinder brauchen Seelenproviant. Was wir ihnen für ein glückliches Leben mitgeben können. München: Kösel 2008, 208 Seiten, EUR 16,99 - direkt bestellen durch Anklicken

 

In der Elementarpädagogik, aber ebenso in der Familienbildung sprechen wir von Resilienz und suchen nach entsprechenden (Förder-) Möglichkeiten.

Könnte das, was Armin Krenz in seinem gleichnamigen Buch "Seelenproviant" beschreibt, nicht genau das Richtige sein? Er stellt die 16 Säulen der Entwicklungsbegleitung vor, die ein seelisch gesundes Aufwachsen von Kindern unterstützen, und beschreibt den notwendigen "Proviant" für die Kinderseele:

  • Zeit
  • Ruhe
  • Liebe
  • Vertrauen
  • Verständnis
  • Sicherheit
  • Bewegung
  • Intimität und Geheimnisse
  • Mitsprache
  • Erfahrungsräume
  • Gefühle
  • Sexualität
  • Gewaltfreiheit
  • Neugierde
  • Optimismus
  • Respekt und Achtung

Diese Grundbedürfnisse müssen beim Kind befriedigt werden, wenn seine sozial-emotionale Entwicklung in die richtigen Bahnen gelenkt werden soll, Kinder seelisch gesund aufwachsen sollen. Was im ersten Moment fast wie Allgemeinplätze erscheint, erweist sich nach der näheren Befassung als eine der schwierigsten erzieherischen Aufgaben. In Zeiten der Übergewichtung von (kognitiver) Bildung - als Folge von PISA - gerät dies leicht in Vergessenheit.

Armin Krenz schlüsselt die Grundbedürfnisse in seinem Buch für Erzieher/innen, Eltern, Lehrer/innen und alle an Kindern interessierten Erwachsenen auf und zeigt uns Wege auf, wie wir die emotional-soziale Intelligenz von Kindern fördern können. Denkimpulse aus den Aussagen zahlreicher Klassiker der Pädagogik und der Psychologie sowie aus Lebensweisheiten führen zum Einstieg in den pädagogischen Diskurs, z.B. "Kinder und Uhren dürfen nicht ständig aufgezogen werden, man muss sie auch gehen lassen" (Jean Paul), "Ein Kind ist kein Lotterielos, um den ersten Preis zu gewinnen" (Janusz Korczak), "Es gibt kein Alter, in dem alles so irrsinnig intensiv erlebt wird wie die Kindheit. Wir Großen sollten uns daran erinnern, wie das war" (Astrid Lindgren), "Im Grunde sind es immer die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben" (Wilhelm von Humboldt) ... etc.

In der Art, wie Krenz unseren Blick auf das Kind schärft, macht er uns neugierig und fordert uns heraus, darüber nachzudenken, was Kinder wirklich für ihre gesunde Entwicklung brauchen - im Spannungsfeld der elterlichen (oder auch erzieherischen) Erwartungen und Forderungen. Er kommt zu dem Ergebnis: "Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die gelernt haben, sowohl mit ihren eigenen Emotionen als auch mit den Gefühlen ihrer Mitmenschen sorgsam umzugehen, sind in der Lage, ihr kognitives Potential sehr weit auszuschöpfen. Gleichzeitig verfügen sie über effektive Problemlösungsstrategien, über ein stabiles Krisenmanagement ... Die emotional-soziale Intelligenz umfasst also die Fähigkeit, die eigenen Gefühle zu erkennen und deuten zu können sowie die Gefühle der Mitmenschen zu sehen und zu verstehen, um in einer wertschätzenden Form miteinander umzugehen. Gleichzeitig schaffen es Menschen mit einem ausgeprägten EQ, sich selbst zu motivieren (um Ziele zu erreichen) und darüber hinaus die eigenen Gefühle entwicklungsförderlich zu steuern" (S 48 ff.).

Sind Sie jetzt neugierig geworden und bereit zur Mühe, den von den Ihnen anvertrauten Kindern benötigten Seelenproviant herauszufinden und zu geben? Die Ausführungen werden Ihnen nicht nur helfen, sondern eine Reflexion Ihres pädagogischen und erzieherischen Handelns auslösen - auf der Basis einer anderen Wahrnehmung: "Weiterhin geht es darum, Vermutungen über Kinder und deren Verhaltensweisen sowie Vorurteile zurückzustellen und stattdessen Wahrnehmungsoffenheit für Realitäten zu entwickeln, Lernanregungen selbst zu bemerken und Lernräume für sich zu gestalten sowie Handlungsalternativen für die Situation zu finden, in denen die bisher bekannten Möglichkeiten im Sinne einer tatsächlichen Lösung nicht ausreichten" (S. 197).

Lassen Sie sich von den Ideen inspirieren. Sie finden in der Publikation keine Rezepte, aber eine "Anleitung" zum eigenen prozessualen Lernen. Viel Freude auf dem Weg!

Ingeborg Becker-Textor