Rezension

Georg Dreißig, Maren Briswalter: Melchior und das Gold der Armen. Stuttgart: Verlag Urachhaus 2017, 32 Seiten, EUR 15,00 - direkt bestellen durch Anklicken

 

In dem von Georg Dreißig erzählten und von Maren Briswalter mit detailreichen Bildern illustrierten Buch geht es um Melchior, einem der Heiligen Drei Könige. Der mächtige Herrscher bricht eines Tages mit einem großen Tross auf, um einem Stern zu einem Kind zu folgen, das er anzubeten gedenkt. Je länger die Reise dauert und je beschwerlicher sie wird, umso größer wird das Gemurre seiner Gefolgsleute - zumal nur Melchior den Stern von Bethlehem sehen kann. Noch größer wird die Verwirrung, als er endlich das Jesuskind findet, seinen Schmuck ablegt, "sich wie ein niedriger Knecht vor dem Knaben und dessen einfältigen Eltern" neigt und sie reich beschenkt.

Auf dem Rückweg verhält sich der König noch seltsamer, denn er schenkt jedem Bettler, dem er begegnet, ein Goldstück. Der Wesir ist über diese Geldverschwendung so verärgert, dass er das gesamte Gefolge gegen ihren Herrscher aufhetzt. Dieser wird eines Nachts mit einer Droge betäubt - und als er endlich aufwacht, ist der Tross längst weitergezogen.

Melchior ist nur noch mit einem einfachen Umhang bekleidet. Er geht nun alleine weiter - und wo er auch hinkommt erzählt er von dem leuchtenden Stern, der Reise nach Bethlehem und "dem unscheinbaren Haus, in welchem doch der größte König der Welt geboren war". Nun erkennt er, dass er mit seiner Botschaft den Menschen eine viel größere Freude macht als mit seinen Geldgeschenken zu Beginn der Rückreise.

Schließlich kommt Melchior in sein Königreich zurück. Er erfährt, dass sein Sohn nun der Herrscher ist - und dass sein Gefolge mitsamt dem Wesir in der Wüste umgekommen ist. Eines Tages wird Melchior vor den König zitiert, um dort seine Geschichte zu erzählen. Sein Sohn erkennt ihn und zeigt sich bereit, ihm wieder den Thron zur Verfügung zu stellen. Aber Melchior ist es wichtiger, unerkannt von dem göttlichen Kind zu erzählen...

Eine bewegende Geschichte, die Kleinkinder zum Nachdenken und Philosophieren anregt!

Martin R. Textor