Im Teufelskreis der negativen Emotionen... Wie die "Spirale der Negation" im Elterngespräch aufgebrochen werden kann

Michael Schnabel

 

Die Bedeutung der Emotionen in Gesprächen

"Bleiben Sie sachlich!" "Bitte nur den Sachverhalt - keine persönlichen Anmerkungen!" "Lassen Sie Ihre persönlichen Empfindungen aus dem Spiel!" sind oft gehörte Ermahnungen und Zurechtweisungen in Verhandlungen und Debatten. Ist es angebracht, immer sachlich zu bleiben? Leiden Gespräche darunter, sobald Freude, Begeisterung, Ängste und Sorgen genannt werden? Sind Emotionen, Stimmungen und Empfindungen der Niedergang eines jeden Gespräches?

Nein! Ganz im Gegenteil, neuere Forschungen zu den Schwerpunkten Emotionale Intelligenz, Meta-Emotionalität und Emotionale Kompetenz belegen: Es sind Emotionen, die unser Handeln und Entscheiden steuern, die das Leben bestimmen, die für Erfolg und Misserfolg verantwortlich zeichnen (Goleman, 1996; Gottman, 1998; Filliozat, 1998). Werden sie niedergehalten, ausgeklammert und ausgegrenzt, so entwickeln sie destruktive Kräfte.

Spirale der Negation: ein vertrautes Muster

Der Sozialpsychologe John Gottman hat viele Jahre seiner Forschungstätigkeit der Analyse von Gesprächen gewidmet, die Ehepaare in seinem Labor führten. Dabei machte er folgende Entdeckung: Gespräche zwischen Ehepartnern dürfen heftig und hitzig werden, jedoch ist ganz entscheidend für die Beziehung der Partner, wie die Gespräche geführt werden und inwieweit Emotionen einbezogen werden.

Es sind vor allem Konfliktgespräch, in denen sich Emotionen breit machen, und sie gilt es richtig zu handhaben. Werden jedoch Gefühle, Befindlichkeiten und Stimmung nicht angesprochen, so entwickeln sie indirekt destruktive Kräfte.

Die Untersuchungen von John Gottman lassen erkennen, dass gescheiterte Konfliktgespräche nach einem festgefügten Muster verlaufen: Gottman nennt dieses Muster "Spirale der Negation" (Gottman, 1998). Die Spirale der Negation zeigt folgenden Verlauf: Ein Gesprächspartner äußert Kritik als persönlichen Vorwurf, z.B.: "Auf dich kann sich niemand verlassen. Jetzt hast du unsere Vereinbarung wieder nicht eingehalten." Diesen Vorwurf begegnet der Beschuldigte mit Abwehr: "Ich konnte doch nicht wissen, dass du so kleinlich bist und dich über eine kleine Verspätung so aufregst." Zum Teil wird die Abwehr noch mit verachtenden und/oder verletzenden Bemerkungen versehen, beispielsweise "Du kannst einfach nicht locker sein, jede Kleinigkeit wird von dir als unerhörtes Vergehen getadelt." Dieser Vorwurf löst weiterhin Abwehr beim Gesprächspartner aus und steigert meist noch die verletzenden und verachtenden Bemerkungen, z.B.: "Ja, ja, immer schön locker und entspannt bleiben, das ist dein Motto. Aber keiner kann es mit dir aushalten, weil du nur auf dich schaust und dich um einen Dreck kümmerst, wie es anderen dabei geht." Schaukelt sich ein Gespräch mit solchen negativen Vorwürfen immer mehr auf, so wird ein Gesprächspartner das Gespräch abblocken und beenden wollen. "Deine Vorwürfe gehen mir auf die Nerven. Mach doch alleine, was du willst und lass mich in Ruhe!"

Wer hat nicht schon derartige Gespräche erlebt? Sie sind den meisten Menschen vertraut aus den alltäglichen Spannungen, Konflikten und Streitereien. Manche Forscher behaupten: Es seien die ganz normalen Formen, wie wir miteinander umgehen in Familie, Betrieb und Öffentlichkeit (Fisher & Brown, 1989).

Nicht in dieser massiven Form, wie hier beschrieben, aber in Verlauf und in der Grundstruktur ähnlich, verstricken sich Elterngespräche, die Konflikte thematisieren, in der "Spirale der Negation".

Wenn sich die Spirale der Negation im Elterngespräch breit macht

In Forschungsprojekt "Kommunikationsfördernde Gesprächsführung" des Staatsinstituts für Frühpädagogik wurden Elterngespräche, die sozialpädagogische Fachkräfte führten, untersucht. Die Gespräche wurden mit Video aufgezeichnet und unter mehrfachen Aspekten untersucht.

Die Aufzeichnungen machen deutlich: Sozialpädagogische Fachkräfte sind in Elterngesprächen zuvorkommend, höflich und ausgesprochen freundlich. Eine wichtige und wertvolle Basis für Gespräche, die auf die Eltern eingehen wollen und die bemüht sind, mit Eltern zu einer echten und persönlichen Auseinandersetzung zu gelangen.

Bewegen sich jedoch die Gespräche in Richtung kritischer Auseinandersetzungen, so macht sich oft das beschriebene Muster einer "Spirale der Negation" breit. Ein Beispiel aus den Aufzeichnungen veranschaulicht dies mustergültig.

Das folgende Gespräch findet zwischen einer Erzieherin und einer Mutter, deren Sohn im Hort betreut wird, statt. Die alleinerziehende Mutter - eine vielbeschäftigte Ärztin - beschwert sich darüber, wie im Hort die Hausaufgaben betreut werden. Am Beginn des Gespräches tauschen die Gesprächsleiterin und die Mutter Freundlichkeiten untereinander aus. Die Gesprächsleiterin hebt hervor, dass sie sich freut, dass die Mutter sich Zeit für dieses Gespräch genommen hat.

Die Mutter berichtet, dass es ihrem Sohn im Hort sehr gut gefalle. Die Erzieherin artikuliert nochmals ausdrücklich, dass sie über dieses Lob erfreut ist.

Dann spricht die Erzieherin das Problem der Hausaufgaben an. Sie fragt zunächst, ob die Mutter wisse, wie im Hort die Hausaufgaben erledigt werden. Daraufhin bringt die Mutter ihre Unzufriedenheit mit den Hausaufgaben vor: "Weil ich zu Hause bemerkt habe, dass die Hausaufgaben öfter schludrig und nachlässig durchgeführt wurden und wir nacharbeiten müssen. Wobei ich der Meinung bin: So sollte es nicht laufen. Ich bin der Meinung: Ich bringe mein Kind in den Hort und Sie erfüllen die Aufsichtspflicht. Ich bin auch der Meinung, dass der Hort eine pädagogische Aufgabe leisten soll. Dazu gehören auch die Hausaufgaben, die erledigt werden sollen. Und zwar so, dass sie zu unserer gegenseitigen Zufriedenheit gemacht werden."

Die Gesprächsleiterin geht auf dieses Anliegen zunächst nicht ein, sondern erklärt sehr ausführlich, wie im Hort die Hausaufgaben gemacht werden. Dann schildert sie ihr Problem mit dem Jungen, dass er ihr nicht hinreichend genug mitteilt, was er an Hausaufgaben zu machen habe, und somit habe sie nicht genügend Kontrolle darüber, was an Hausaufgaben zu erledigen sei.

Daraufhin bringt die Mutter einen neuen Vorwurf ein: "Als ich meinen Sohn angemeldet habe, hatte ich auch erwartet, dass ich eine Unterstützung vom Hort erfahre. ... Denn ich sehe im Hort einen Dienstleistungsbetrieb. Ich stelle Anforderungen an Sie, nicht nur in Richtung der Aufsichtspflicht, sondern auch im Hinblick auf die pädagogische Betreuung."

Die Erzieherin weist die Forderungen der Mutter zurück: "Was die Hausaufgaben anbelangt, die Hauptverantwortung liegt auf alle Fälle bei Ihnen - Frau Huber! Das ist ganz wichtig! Wir wollen Sie auf alle Fälle unterstützen ..." Weiterhin schildert die Gesprächsleiterin eingehend, wie sie die Hausaufgaben mit den Kindern durchführt. Diese ausführliche Schilderung sollte wahrscheinlich zur Verteidigung dienen.

Jedoch geht die Mutter zu einem neuen Angriff über: "Ja! ... Ich finde, dass da viel Diskrepanz da ist. ... Ja, aber Sie achten dann nicht auf die Qualität der Hausaufgaben?" Gleich verteidigt sich die Erzieherin wieder: "Ich schau, dass sie ordentlich geschrieben sind. ... Aber es müsste nicht meine Aufgabe sein. Die Hauptaufgabe im Hort sind nicht die Hausaufgaben!"

Diese Zurückweisung provoziert erst recht die Mutter zu neuen Vorwürfen: "Ich geh nach wie vor davon aus, das ich hier einen Beitrag zahle. Und keinen schlechten aufgrund meines Verdienstes! Und ich stelle hier wirklich Anforderungen an Sie! Gerade weil ich berufstätig bin und gerade weil der Hort überwiegend Kinder berufstätiger Eltern aufnimmt, hat der Hort sich nicht aus der Verantwortung zu ziehen."

Die Erzieherin verteidigt sich: "Das tun wir nicht! Das tun wir auf keinen Fall!" Die Mutter beachtet diesen Hinweis nicht und redet einfach weiter, indem sie die Erzieherin zurechtweist: "Lassen Sie mich ausreden! Denn ich will noch gerne mit Ihnen weiter diskutieren..." Die Mutter stellt nochmals ausführlich dar, was sie vom Hort an Hausaufgabenbetreuung erwartet. Die Erzieherin erklärt zum x-ten mal, wie sie die Hausaufgaben durchführen und versichert, dass sie nicht Nachhilfelehrer im Hort sein können. Sie versucht eine Verlagerung des Problems, indem sie auf die Konzentrationsschwierigkeiten des Jungen verweist. Die Mutter verspricht, ihn testen zu lassen. Aber dennoch beharrt sie darauf, dass sich der Hort mehr um ihren Sohn kümmern müsse.

Daraufhin versucht die Gesprächsleiterin, die Verantwortung der Mutter einzufordern: "Und vielleicht wäre es auch eine Aufgabe für Sie - als Mutter, dass sie zu ihm hingehen und ihm ganz klar und deutlich sagen, die Hausaufgaben müssen gemacht werden und dass er lernt, Verantwortung zu übernehmen. Wenn er aus der Schule kommt: Sehen Sie in den Schulranzen hinein? Gucken Sie nach, was er gemacht hat?" Mutter: "Aber natürlich mach ich das! Das ist ja schließlich meine Verantwortung!" Gesprächsleiterin: "Wie es sich gehört!"

Jetzt versucht die Gesprächsleiterin eine neue Attacke: "Kennen Sie die Lehrerin?" Die Mutter berichtet, dass sie Kontakt zur Lehrerin habe, und zugleich bringt sie eine neue Anschuldigung ein: "Aufgrund Ihrer Statements habe ich feststellen können, dass es für Sie keine angenehme Aufgabe ist, mit meinem Sohn Hausaufgaben zu erledigen." Erzieherin: "Wir sollten es angenehmer gestalten. Da haben Sie recht. Ja, da haben Sie recht!" Nun spitzt die Mutter die Angelegenheit noch zu: "Ich hab dann die nächste Frage: Ist damit die Frage integriert: Sie wollen den Hausaufgabenbereich abgeben und ihn nur mir überlassen?" Erzieherin: "Nein! Nein!" Mutter: "War das Ihr Anliegen?" Erzieherin: "Nein! Nein! Um Gottes Willen!"

Die Forderungen der Mutter nach angemessener Hausaufgabenbetreuung werden noch mehrmals vorgebracht. Die Erzieherin verteidigt sich damit, was sie schon alles für das Kind leisten. Dann appelliert die Mutter an das Verantwortungsbewusstsein der Erzieherin: "Gut, ich glaube, wir haben es sehr ausführlich diskutiert, wie schwierig es für Sie ist, mit meinem Sohn Hausaufgaben zu machen. Aber nach wie vor bin ich der Meinung, das dies ein Teil Ihres Aufgabenbereiches ist." Erzieherin: "Ja, aber er will nicht so recht." Mutter: "Ja, aber wissen Sie, diese Einstellung kann ich mir in meinem Beruf nicht leisten." Erzieherin: "Ja, ja, ja!" Mutter: "Ich denke, dass wir Aufgaben haben, und wir müssen Möglichkeiten finden, wie wir diese Aufgaben erledigen können. Auch wenn Patienten von mir nicht mitziehen wollen. Dann ist es meine Überlegung, wie schaffe ich es, den Patienten zur Mitarbeit aufzufordern. Und ich denke, das ist auch Ihre Aufgabe." Daraufhin beteuert die Erzieherin mehrmals, dass sie ihre Aufgabe erledigt. Die Mutter setzt dann noch eine persönliche Kritik dazu: "Aber was mir so aufgefallen ist in diesem Gespräch, dass Sie eine sehr einfühlsame Frau sind, aber Sie wirken etwas nervös. Und ich hab so die Befürchtung, dass mein Sohn damit Schwierigkeiten hat."

Die Gesprächsleiterin beteuert daraufhin, dass sie mit dem Jungen schon zurechtkomme. Als die Mutter äußert, dass sie unter Zeitdruck stehe, beendet die Gesprächsleiterin ganz plötzlich das Gespräch.

Das Muster der "Spirale der Negation" im Elterngespräch

Es ging im beschriebenen Elterngespräch nicht so ruppig und hart zu, wie im eingangs geschilderten Paargespräch. Und dennoch ist das Muster ähnlich! Wenn auch durch Konvention und Distanz in einem pädagogischen Fachgespräch die Vorwürfe nicht so brutal dem Gesprächspartner an den Kopf geschleudert werden, so sind sie dennoch durchschlagend und niederschmetternd für die Erzieherin.

Zuerst sprach die Mutter ihre Unzufriedenheit mit der Hausaufgabenbetreuung im Hort an. Daraufhin versuchte die Gesprächsleiterin, sich durch Schilderungen, wie sie die Hausaufgaben im Hort durchführen, zu rechtfertigen. Damit sollte der Vorwurf entkräftet und zurückgewiesen werden. Jedoch wurden die Anschuldigungen der Mutter immer heftiger, indem auch Verantwortungslosigkeit unterstellt wurde. Für die Gesprächsleiterin wurde es zunehmend schwieriger, sich zu verteidigen. Sie blockte ab und versuchte nur noch, sich durch kurze Beteuerungen und indirekte Angriffe zur Wehr zu setzen. Als die Mutter untaugliche Verhaltensweisen an der Gesprächsleiterin anspricht ("Sie wirken aber etwas nervös ..."), ist sie verärgert und nützt die erste Gelegenheit, das Gespräch zu beenden.

Wie dreht sich die "Spirale der Negation" wieder auf?

John Gottman zeigt in seinen Forschungen, dass derartige Gespräche an den eigentlichen Beweggründen, Bedürfnissen, Erwartungen und Ansprüchen vorbeigehen, weil sie die Emotionen ausklammern: Gefühle, Stimmungen und Empfindungen werden nicht erkannt, nicht angesprochen oder zum Teil durch Scheingefechte verdeckt. Viele Menschen verstünden es meisterhaft, den Emotionen auszuweichen oder sie zu unterdrücken: Emotionen werden geleugnet, unterdrückt und verurteilt, weil viele Menschen Angst vor Intimität hätten und sich lieber hinter einer Maske versteckten, folgert die Psychotherapeutin Filliozart. Emotionen besitzen ein hohes Energiepotential, und es kostet Kraft und Anstrengung, sie im Gespräch auszuklammern und niederzuhalten. Unser Beispiel zeigte überzeugend, wie viel an Mühe und Anstrengung die Gesprächspartnerinnen aufbringen mussten, um angeblich sachlich zu diskutieren. Dabei wurden die eigentlichen Anliegen versteckt und niedergehalten, z.B. die Angst der Mutter, dass ihr Sohn die Schule nicht schaffen könnte. Ein solches Gespräch kann die Gesprächspartner nicht nur nicht zufrieden stellen, sondern es wird auch schwer, Lösungen auf den Weg bringen.

Wenn dagegen Emotionen angesprochen werden, so gelingt es, zu den eigentlichen Anliegen, Erwartungen, Befürchtungen oder Ängsten vorzudringen. Damit erhöhen sich die Chancen des Verstehens, und der Gesprächspartner fühlt sich angenommen.

John Gottman (1998) macht eine Vielzahl praktischer Vorschläge zur Neutralisierung einer Negativ-Spirale, um somit zu einem offenen und verständnisvollen Gespräch gelangen zu können, z.B.:

  • Im Gespräch sich häufiger positiv artikulieren als negativ (Fünf- zu Drei Regel!),
  • sich vor einem Konfliktgespräch entspannen und beruhigen,
  • während hitziger Phasen im Gespräch um Auszeit bitten,
  • seine Gefühle beachten,
  • die Körperreaktionen des Gesprächspartners beobachten,
  • ohne Abwehr sprechen,
  • sein inneres Drehbuch umschreiben,
  • Bestätigung geben,
  • eine Diskussion planen,
  • Probleme genau und konkret ansprechen (XYZ-Regel!),
  • mit Humor reagieren,
  • Probleme ernst nehmen,
  • die Gefühle des Gesprächspartners ernst nehmen.

Ein ganzes Bündel von Anweisungen, die nicht von heute auf morgen umgesetzt werden können! Jedoch ist die Kenntnis des gefährlichen Weges ein guter Schutz vor einem Ausrutscher. Wenn ein schwieriges Elterngespräch ansteht, bringt eine gründliche Vorbereitung Sicherheit und Selbstvertrauen. Entspannungsübungen können gut den Stress verscheuchen und eröffnen der Gesprächsleiterin ihr Potential an Kreativität und Einfallsreichtum. In brenzligen Gesprächssituationen die Fünf-zu-Drei-Regel einsetzen! Das heißt: Fünf erfreuliche Tatsachen ansprechen und dann erst drei kritische Einwände vorbringen. Ganz elegant ist es, sich für einen kritischen Einwand zu bedanken: "Frau Huber, ich finde es lobenswert, dass Sie das Hausaufgabenproblem so offen ansprechen ..."

Sein inneres Drehbuch umschreiben! Viele Menschen sehen in einem Gesprächspartner, der sich kritisch äußert, einen Gegner. Eine verhängnisvolle Einstellung, die das Scheitern des Gespräches vorzeichnet. Denken Sie um! Und sehen Sie die Sorgen und Befürchtungen des Gesprächspartners bzw. der Gesprächspartnerin! Versuchen Sie, ihm/ihr zu helfen, die Sorgen und Befürchtungen los zu werden. Damit lösen Sie auch die Forderung ein, ohne Abwehr zu sprechen.

Ein Text zur Selbstmotivation kann nach Ansicht einiger Psychologen die richtige Grundhaltung zum Gesprächspartner herleiten. Beispielsweise kann vor einem Gespräch memoriert werden: "Ich freue mich hier zu sein. Ich freue mich auf meinen Gesprächspartner. Ich bin ganz für ihn da. Ich freue mich auf das Gespräch. Ich bin vom Erfolg des Gesprächs überzeugt."

Wenn Sie ein Problem ansprechen, so soll es exakt und konkret sein. Gottmann nennt dies die XYZ-Regel. Geläufiger ist dafür die Gesprächstechnik der Ich-Botschaften: Beschreibung der Situation, Nennung des eigenen Befindens und Aufzeigen der Folgen. "Frau Huber, Sie sprechen von schlampigen Hausaufgaben, das irritiert mich, weil die Hausaufgabenbetreuung nicht allein die Aufgabe des Hortes ist." Nennen Sie die zu kritisierenden Verhaltensweisen und Tatsachen möglichst konkret! Zum Beispiel ist es ungünstig zu behaupten: "Meistens beschwert sich die Lehrerin wegen der schlampigen Hausaufgaben." Konkret könnte es heißen: "Letzte Woche hat Lehrerin zweimal die Hausaufgaben durchgestrichen." Sprechen Sie weiterhin Ihre Empfindungen und die Folgen des Verhaltens an! "Ich ärgere mich, wenn die Lehrerin nur uns dafür verantwortlich macht."

Dies ist jedoch leichter gesagt als getan! Der Einsatz von Ich-Botschaften in Konfliktgesprächen verlangt Übung und Routine. Ich-Botschaften sind die erste Wahl aus den Gesprächstechniken, die zur Lösung von Konflikten taugen.

Wie hitzig und geladen ein Kritikgespräch ist, zeigt sich in den nonverbalen Reaktionen des Gesprächspartners. Mimik, Gestik, Stimme und Körperhaltung sind untrügliche Zeichen für emotionales Aufgewühltsein. Emotionsforscher haben herausgefunden: Es sind vor allem die Beine, die jede emotionale Erregung aufzeigen, denn auf sie achtet der Gesprächspartner kaum. Somit kann an ihnen direkt und problemlos abgelesen werden, ob dem Gesprächspartner das Gespräch unangenehm ist, ihn wütend macht oder ihn beruhigt.

Ebenso zeigt die Beobachtung eigener Gefühle, wie freizügig Sie noch argumentieren können. Denn, wenn Sie vom Ärger im Hals gewürgt werden, so haben Sie kaum noch witzige und innovative Ideen.

Hat sich die Auseinandersetzung in einer Sackgasse verrannt, so kann eine "kleine Auszeit" neue Chancen bereithalten. "Soll ich die Fenster öffnen? Darf ich Ihnen etwas zum Trinken anbieten? Ich möchte Ihnen einige Zeichnungen Ihres Sohnes zeigen ..." Solche kleinen Unterbrechungen können Verkrampfungen lösen und unverhoffte Lösungen offerieren. Es gibt aber auch Gespräche, die die "große Auszeit" brauchen, d.h., das Gespräch wird vertagt. Wenn eine Einigung unmöglich wird oder ein Problem in der momentanen Lage nicht zu lösen ist, so ist die Beendigung des Gespräches die naheliegende Lösung. Die Vereinbarung eines neuen Termins eröffnet die Weiterführung des Gespräches. Dann erfolgt eine freundliche Verabschiedung.

Die beschriebenen Zusammenhänge und die praktischen Tipps aus den Forschungen zur Emotionalen Intelligenz machen auch spannungsreiche Gespräche handhabbar. Eine unverzichtbare Basis zur überlegten und förderlichen Gestaltung von Beziehungen! Denn gerade Emotionen sind die Regenten, die das Gesprächsgeschehen dirigieren und somit die Basis für das Gelingen bereiten.

Literatur

Filliozat, I.: Die Intelligenz der Gefühle entdecken, Zürich Düsseldorf 1998.

Goleman, D.: Emotionale Intelligenz, München Wien 1996.

Gottman, J.: Lass uns einfach glücklich sein! Der Schlüssel zu einer harmonischen Partnerschaft, München 1998.