Nur ein Kneipp-Ausflug zu den Sieben Quellen zum Wassertreten...

Barbara Perras

 

Jeden zweiten Mittwoch - im Wechsel mit unserem gesunden Frühstück - bieten wir in unserem Kindergarten Kneippanwendungen für alle Kinder an. Aus rechtlichen Gründen mussten alle Eltern schriftlich ihr Einverständnis zur Teilnahme bestätigen und sich verpflichten, ihr Kind zu entschuldigen, wenn es zwar den Kindergarten besucht, aber gesundheitlich nicht ganz fit ist. Jedes Kind hat einen kleinen Stoffbeutel, in dem ein rauer Handschuh für das Trockenbürsten und ein paar warme Socken zum Erwärmen der Füße nach dem Tau- oder Schneetreten bzw. den Fußwechselbädern sind, und der mit seinem Namen gekennzeichnet ist. Die Beutel hängen mit bunten Holzklammern an einer Schnur in unserem Nebenraum.

Letzte Woche beschlossen wir einen Spaziergang zu den Sieben Quellen zum Wassertreten. Unterwegs durch den Wald fanden wir zunächst grüne Eicheln und Tannenzapfen, welche zu früh vom Baum geweht worden waren. Das Getreide auf den Feldern war bereits geerntet. Die Kinder fanden es sehr lustig, dass in den Wiesenrändern immer noch Getreide wuchs. Weizen und Gerste können sie an den Grannen unterscheiden. Auf den Wiesen und "Unkräutern" wie Disteln tummelten sich verschiedene Schmetterlinge. Das Tagpfauenauge, der Hauhechel-Bläuling, der kleine Fuchs, der Distelfalter, der Zitronenfalter und der große Kohlweißling sind unseren Kindern bekannt. Den Namen des leuchtend rotbraunen Kaisermantels mussten wir erst nachschlagen.

Am Bachlauf der Sieben Quellen angekommen, durchschritten wir zunächst zügig das für die Kinder Waden hohe kühle Wasser gemäß Sebastian Kneipp. Anschließend durften alle auf Entdeckungsreise gehen: Sie verfolgten die kleinen Wasserläufe aus den Felsen, fischten nach Wasserpflanzen und entdeckten eine winzige Kröte. Alle Beobachtungen wurden mit dem Fotoapparat festgehalten.

Auf dem Rückweg war eine große Wasserpfütze in einer Treckerspur beinahe noch interessanter als die Quellen und der Bachlauf. Mir fiel dabei die Forderung von Frau Prof. Dr. Renate Zimmer ein: "Man muss die Pfützen schützen, um sie für die Kinder zu erhalten."

Aus einem fast Tennisball großen Erdloch flogen Wespen; vermutlich haben sie ein Nest unter der Erde. Meine Kollegin erklärte die Bedeutung eines Grenzsteines, welcher mächtig im Wege stand: Diese Markierungssteine sind im Wald der Ersatz für die Zäune rund um die Gärten. So weiß jeder, wo sein Besitz beginnt oder wem welcher Baum gehört.

Zuletzt fand ein Junge noch eine Porzellanscherbe, und wir kamen auf den Natur- und Umweltschutz zu sprechen. Müll hat in Wald und Natur nichts zu suchen! Dieser Ausflug war nicht nur für Bewegung und Gesundheit mit Wasseranwendungen gut - unsere Kinder haben in vielen verschiedenen und interessanten Situationen einiges gelernt.

Zwei Wochen später wiederholten wir diesen Ausflug. Es wurde jedoch keinesfalls ein langweiliger Abklatsch der ersten Wanderung - ich hätte bis dahin selbst nicht gedacht, was sich in nur 14 Tagen ändern kann bzw. wie viel Neues es wieder zu entdecken gab!

Bereits auf dem Grundstück unseres Nachbarn entdeckten wir in der Wiese einen großen dunkelbraunen Pilz. Etwas verwunderlich, da es seit Wochen sehr heiß war und nicht regnete. Bei genauerer Betrachtung stellten wir fest, dass der Schwammerl tatsächlich unten einen Schwamm und keine Lammellen hatte.

Am Waldrand fanden wir wieder Eicheln und grüne Tannenzapfen; doch diesmal waren die Zapfen zur Hälfte von Eichhörnchen abgenagt. Auf dem Weg neben dem Grenzstein fanden wir wieder Pilze, ganz kleine braune und etwas weiter blaue. Doch diese hatten Lamellen und waren eindeutig giftig. Auf unserer bunten Schmetterlingswiese tummelten sich keine Falter mehr, denn die Disteln hatten Samen ausgebildet und viele weiße "Fallschirme" wehten in der Luft.

Auf dem jetzt sehr trockenen Boden sahen wir die Abdrücke von Pferdehufen und Autospuren. Die Hufabdrücke entdeckten wir später auf dem Schotterweg noch einmal. An einem Baumstamm waren die Äste so abgesägt, dass wir uns mit etwas Phantasie einen Schneckenkopf vorstellen konnten. Unsere Pfütze vom letzten Ausflug war ausgetrocknet. Die Traktorspur als Verursacher des Wasserlochs war jetzt deutlich zu sehen. Am Wegrand wartete die Gemeine Wegwarte, eine Blume mit großen blauen Blütenköpfen, auf uns Wanderer. Vom Storchschnabel konnten wir zwei Arten unterscheiden: eine mit rosa Blütenblättern und eine mit rotvioletten.

An dem Steg über den Bach zu den Sieben Quellen war vom Geländer ein Querbrett abgebrochen, was nicht ungefährlich ist. Unter unserer Aufsicht jedoch genossen vor allem die kleineren Kinder diese veränderte Aussicht und ein bisschen das Spiel mit dem Risiko. Das Wasser war trotz des extrem heißen Wetters sehr kalt, so dass wir bald nach der Kneipp-Anwendung Wassertreten weiter zogen.

Unser Rückweg führte uns dieses Mal nicht einfach auf dem gleichen Weg nach Hause: Wir machten einen Umweg entlang des Bachlaufes flussabwärts über Breitenbrunn, wo wir Brotzeit machten und anschließend gemeinsam ein Eis am Stiel aßen. Das Wasser wechselte zwischen starker und nahezu fast keiner Strömung, je nachdem, wie breit und tief der Bach ist. Eine Nacktschnecke kroch bei unserer Ankunft auf einem Halm knapp über dem Wasserspiegel, bis wir gingen war sie vollkommen unter Wasser. Ich wusste bisher nicht, dass Schnecken auch ins Wasser gehen. Für die Kinder war es jedoch mehr als logisch, dass auch Schnecken bei heißem Wetter baden gehen.

Ein Junge zeigte uns kleine Samenbohnen, welche aufsprangen, wenn wir sie anfassten. Er nannte diese Pflanze Springkraut. Ich kenne unter Springkraut eine hohe sehr wasserhaltige Blume, welche direkt an Fluss- und Bachläufen wächst und hell- bis dunkellila blüht. Ich holte den Jungen einige dieser Gewächse; sie hatten Luftwurzeln ausgebildet. Das sind Wurzeln, welche Pflanzen an ihren Stilen benutzen, um bei sehr trockenem Wetter oder Boden zusätzlich Feuchtigkeit zu erhalten. Im günstigsten Fall werden aus den Luftwurzeln zusätzliche Bodenwurzeln, wenn diese den Boden berühren. Wir konnten beides feststellen.

Trotz des gleichen Wanderziels hatten wir doch ganz andere Erfahrungen gemacht. "Alles sei im Fluss, alles im Wandel. Oder wie der Philosoph Heraklit es ausdrückte: 'Niemand kann zweimal in denselben Fluss steigen.'" (Stewart 2001, S. 61). Wie könnten wir den Kindern besser das Gleichgewicht zwischen Beständigkeit und Wandel vermitteln als in der Natur mit ihrer höheren Ordnung und den Konstanten der Veränderung?

Wir sind stolz, dass wir unsere Kinder so sensibilisieren konnten, dass sie vieles wahrnehmen, was leicht übersehen werden kann. Nicht zuletzt zeigten wir ihnen mit der Fotodokumentation sehr deutlich, wie ernst wir sie nehmen und ständig ihre Entwicklung begleiten.

Literatur

Stewart, Ian: Die Zahlen der Natur: Mathematik als Fenster zur Welt. Heidelberg, Berlin 2001

Autorin

Barbara Perras, Erzieherin und Motopädagogin, leitet den Ev. Kindergarten Loderhof in Sulzbach-Rosenberg. Kontakt: birkhof-mit7sinnen@t-online.de